Lasst uns ziehen …

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Vorhin im Münster war das ein wunderbares Bild, wie die Menschen im Lichte der Abendsonne in dieses Münster eintreten. Sie treten ein in ein Haus, das als Symbol des himmlischen Jerusalems steht, sie treten mit den Heiligen, die draußen vor dem Tor stehen ein in das Gotteshaus, sie nähern sich gemeinschaftlich – egal wie viele Menschen gerade hineingehen – mit der ganzen Kirche dem Ort an dem die Realpräsenz Gottes erfahrbar ist, dem Gotteshaus mit dem Tabernakel. Das war schön sich das in diesem Moment zu verinnerlichen. Das ist gerade allgemein schön, mir das immer wieder zu sagen. Wenn ich tagsüber die Psalmen bete und es immer wieder heißt: lasst uns ziehen auf den Zion, zur Heimstatt Gottes auf Erden (Mischkan). Dann weiß ich, ja Jerusalem ist ein Zentralisationsort meines Gottes, aber ich muss nicht so weit ziehen, gleich „um die Ecke“ finde ich mein Zion, eine Stiftshütte, ein Tabernakel an dem ich mich sehr bewusst vor Gott niederwerfen kann und mein Opfer ihm vorlegen darf.

 

Noch immer Bäume pflanzen …

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Aufgewachsen bin ich in einer elterlichen Welt der Widerstandsmusik. Puff the Magig dreagon kenne ich, Peter, Paul and Mary, Joaen Baez höre ich genauso wie John Denver und Santana … ich mag die Gedanken, ich finde die Zeit gut und der Widerstand gegen veraltete Strukturen. Ich mag es mir vorzustellen, dass Menschen für ihre Meinung auf die Straße gehen, friedlich demonstrieren und sich damit die Welt, die Politik verändert. Aber ich sage die Zweifel laut, ob diese Zeit und die damaligen Methoden eventuell vorbei sind. Andere fragen das nicht und das merkte ich, als ich auf einem Feld vor den Toren von Jerusalem eine Schaufel in die Hand gedrückt bekommen habe, um einen Baum gegen die bösen Israeli zu pflanzen – und ich habe nicht verstanden warum, warum … noch immer! Ich habe es getan, ich saß auch in einem Erdloch und habe mir die emotionalen Geschichten, die Lebensdramen angehört und es tut mir leid, mir blieb allein ein fahler Geschmack. Es tut mir wirklich leid, aber ich verstehe es nicht … was ich da dachte habe ich in mein Handy diktiert und vergessen. Hier die Gedanken:  

Wir leben wohl in einer Zeit die keine Antworten mehr hat, und keine echten Fragen. Oder noch trauriger, wir leben in einer Welt in der die Handlungen und das Tun von Gestern sind, wir drehen schlussendlich noch immer die gleichen Kreise, zu den gleichen Themen der letzten 50 Jahre.  Wir Pflanzen noch immer Bäume – und auch wieder auf illegalem Land –  reden von Brücken die wir bauen wollen und von frisch gebahnten Wegen, die wir ziehen wollen ohne miteinander zu reden. Wir tönen die alten Parolen, die alten Worte und die alten Modelle in die Welt hinein, wir akzeptieren die alte Propaganda die wir nicht mehr hinterfragen, die wir selber nicht mehr glauben.

Noch immer stehen wir in Israel und bejammern die Flüchtlinge, die zwischenzeitlich in der dritten Generation leben und dies in Flüchtlingslagern die eine bessere Infrastruktur haben als so manch eine russische Stadt. Wir akzeptieren, ja wir pflegen und lieben die alten Denkstrukturen ohne die Kruste aufzubrechen. Wir empören uns. Und dann treffen wir uns zu Friedensterminen, Konferenzen und anderen Begegnungen um schöne Bilder zu bekommen und feine Worte zu Papiere zu bekommen und immer noch reden wir nicht miteinander. Aber wir geben Stellungnahmen, Einschätzungen und Erwartungen ab. Wir sind Westler, wir verstehen die Welt, warum macht das nicht jeder so wie wir es wollen? Wer es nicht so will, wie wir es denken, der ist dumm.

Wer sich aber dann eines Tages gegen bäumepflanzen und friedenskettenbilden stellt, ist ein Mensch der den Wert nicht versteht, ein Nestbeschmutzer, einer der die Arbeit der Vorgänger nicht schätzt, denn er zerstört schlussendlich die heimelige Wohlfühlsituation, die gut gemauerte Lebensplanung, die so manch ein würdiger, verdienter und altgedienter Aktivist sich gebaut hat. Wer die Frage des „Warum“ stellt, an Menschen, die „etwas tun wollen“ stört, denn er zwingt zum Nachdenken, zwingt dazu aus den eigenen Sicherheiten heraus zu treten. Es ist so schön und einfach, heute im Jahr 2017, nach einem gepflanzten Baum die Hände, die man sich ja extra schmutzig gemacht hat, ganz kollegial mit den Landarbeitern an den Hosen abzustreifen und voller innerer Entspanntheit, ja auch mit einem wohl verdienten Maße an Wohlgefälligkeit zum biologisch angebauten Essen überzugehen und sich dann über jene aufzuregen, die gar nichts tun.

Wer solch einen Text schreibt, ja wer nur solche Worte denkt, ist ein Unmensch, einer der nicht versteht. Der hat es leicht, so entspannt hinter seinem PC während die wahren Menschen an Schlagbäumen stehen und Menschen zählen, während die guten Menschen hinter jedem möglichen Gewaltakt herrennen und stehst die jeweils genehme Seite ausblenden und die bösen Machenschaften der anderen auflisten. Der, der so schreibt ist der Nestbeschmutzer der Friedenswoller, ja schon fast ein Mörder, denn durch ihn wird weniger geholfen, wird weniger demonstriert und weniger auf das Unrecht der Welt gezeigt.

Aber was ist denn unrecht? Wer ist denn der oder die böse Seite? Wer hat denn angefangen? Noch immer eilen Menschen durch die Welt und teilen diese in Gut und Böse ein. Noch immer tragen die einen Schal und die anderen schaufeln Erde. Noch immer, noch immer … ja noch immer dreht sich die Welt und noch immer finden wir keine Veränderung in all den Problemen. Warum? Ich weiß es nicht. Nein, das stimmt nicht, ich will es nicht wissen, denn auch ich habe mich eingerichtet. Schweigen, nur hin und wieder mal ein bisschen ausbrechend um das Gewissen zu beruhigen, sitze ich auf meinem achtel Lorbeerblatt – und mache nichts. Eventuell sollte ich doch auch lieber Bäume pflanzen, denn es beruhigt das Gewissen, auch wenn ich weiß, dass Anderes mehr helfen würde – aber das bedeutet mein Leben zu ändern. Mein Leben, hier und jetzt, schmerzhaft, denn ich würde mit Menschen hier in Deutschland streit bekommen, wegen diesen Menschen da, weit weg von mir, die … ach das geht mich doch einfach auch nichts an. Die sollen ihre Probleme selber regeln. – Pfui Teufel, Björn, Pfui Teufel, … wer kann sich denn von uns noch im Spiegel anschauen, nach einer Baumpflanzaktion, nach einem Blick in die Tageszeitung …

Die deutsche Buchkultur in Rom

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Den nachfolgenden Artikel habe ich im Jahr 2016 auf einer anderen Internetseite geschrieben und nun überarbeitet und neu eingestellt. Ich denke es wird ein Artikel sein, den ich immer wieder umschreibe. – Das Thema ist spannend und noch nicht zu Ende (17.07.2017).

Vor über 170 Jahren wurde an der Piazza di Spagna eine deutsche Buchhandlungen eröffnet. Schon lange ist diese Geschlossen, aber mit Ihr entstand eine Tradition die in den Gedanken noch aktuell ist. Die Buchhandlung damals war eine positive Folge der Liebe zu Italien vieler deutscher Akademiker und Italienreisenden. Nicht nur Goethe und Winkelmann eroberten im 19. Jahrhundert mit ihren Bildungsreisen Italien. Auch für viele andere Menschen, ganz besonders auch für Pilger wurde die Möglichkeit größer in die ewige Stadt, zum Papst zu reisen. Dies veränderte die deutsche Gemeinde in Rom. Dies veränderte die deutsche Kultur. Drei Buchhandlungen sind prägend für diese deutsche römische Welt. Spitzhöfer, Herder und Brettschneider

Seit Gutenberg vor über 500 Jahren den Buchdruck mit beweglichen Lettern in Europa einführte, mussten der Buchhandel und das Verlagswesen viele Veränderungen ertragen und annehmen. Meist überlebten nur diejenigen Häuser die schmerzhaften Veränderungen vornahmen. Die waren zwar nicht immer leicht für die Beteiligten, aber in der Rückschau erlaubt sich der Geschichtsschreiber doch stets, das höhere Ziel dazu aufzuzeigen. Und das ist im Buchhandel, der Erhalt einer Verkaufsstelle, die Sicherung des Angebots, je nach Nachfrage. Und der Erhalt einer Kulturbotschaft Deutschlands in den Hauptstätten der Welt.

Deutsche Bücher in Rom

Es war ein schöner Maientag des Jahres 1925, an dem ein frischvermähltes Paar auf Hochzeitsreise aus Freiburg im Breisgau in Rom eintraf. Das Paar sollte über ein Jahr in der ewigen Stadt bleiben und dort eine kleine neu eröffnete Buchhandlung leiten. Im Rückblick war das ein großes Ereignis. Was aber oft genug vergessen wird, ist die Tatsache, dass es sich hier nicht um eine Neueröffnung handelte, sondern um eine Wiedereröffnung. Das Ereignis der Eröffnung, an dem sogar die Bettlerinnung den neuen Inhabern einen Blumenstrauß überbrachte, war also der Versuch des Erhalts eine Tradition, die schon im Jahre 1845 begann. 1845, die deutsche Italienverliebtheit war auf einem ersten Höhepunkt angelangt, sah der junge Buchhändler Josef Spithöver die Chance und ergriff sie. Er eröffnete in nächster Nähe zur späteren ersten herderschen Buchhandlung, an der Piazza di Spagna 55-56 (später 84-85) seine deutsche Buchhandlung. Als Buchhändler, Verleger, Kunsthändler und Musikalienhändler wurde Spithöver vermögend. Nachdem er 1862 das Gebiet des ehemaligen Gartens des Sallust mit der darauf vorhandenen Villa Barbarini kaufte, hatte er ausgesorgt ohne es zu wissen. Durch die Reicheinigung 1870/71 und die daraus heraus bedingte Veränderung der Stadt stiegen die Grundstückspreise und der italienische Staat verabschiedete ein Gesetz, das alle antiken Fundstücke demjenigen gehören sollten, dem der Grund und Boden gehört auf dem sie gefunden wurde. So wurde Spithöver auch noch ein Händler für Kunstwerke der Antike. Leider gab es keine direkten Nachfolger des Buchhändlers welche die Buchhandlung führten (eine Nichte zwar), sodass das Buchgeschäft oft seinen Inhaber wechselte. Indirekt übernahm dann im Jahre 1925 Hermann Herder sen. den Buchverkauf auf der Piazza di Spagna und trat in die Tradition ein.

Spithöver war aber im 19. Jahrhundert nicht der einzige deutsche Buchhändler, wohl aber der Platzhirsch. Nicht vergessen werden darf in diesem Bezug dann auch die Buchhandlung des deutschen Verlages Pustet aus Regensburg, die sich im Borgo befand (erste Hälfte 20 Jhdt.).

Die Tradition der Buchhandlung Bretschneider

Kennen Sie die deutsche Buchhandlung in Rom? „Ja, natürlich, Herder kennt jeder“, so konnte man einst allenthalben in der ewigen Stadt hören. Aber es gibt (bzw. gab) eben nicht nur Herder in Rom. Seit 1907 gibt es eine Buchhandlung in Rom, die nun schon in der dritten Generation geführt und seit 1928 seine Türen im Stadtviertel Prati offenhält. Die L’Erma di Brettschneider ist eine Fachbuchhandlung und ein Fachverlag für Altertumswissenschaften, Archäologie und Kunstgeschichte. Brettschneider ist ein Treffpunkt – aber eben nicht für den klassischen deutschen Romreisenden, sondern für die ganze Welt, die sich mit den hauseigenen Fachthemen beschäftigt. Weltweit bekannt in ihren Fachbereichen verlegt der Verlag, der von Max Bretschneider gekauft, seit 1894 (1896?) schon Bücher produziert und seit 1870 als Buchhandlung Löscher einen guten Namen hatte, in erster Linie italienische Fach-Werke.

Aber ein Besuch ist die Buchhandlung allemal wert, auch für jene, die sich nicht aktiv für die präferierten Themen interessieren. Der Geist des Humanismus atmet dieses Haus, was nicht nur an der Hermesstatue liegt, die den Besucher seit 1927 im Eingangsbereich begrüßt. Brettscheider ist ein Teil des alten Roms, das nur als so spezielle Nische noch lebensfähig ist und hoffentlich noch lange bleibt.

Der Papst und die Deutschen

Josef Spithöver, der ein katholischer Sohn seiner Zeit war, lebte die Besonderheiten der katholischen Welt des 19. Jahrhunderts aus. Noch lange vor Leo XIII. und seiner Enzyklika Rerum novarum ließ er sich von den Ideen Bischof Kettelers anstecken und erkannte die Wichtigkeit der täglich gelebten Caritas. Aktives Handeln für Menschen die Hilfe brauchen, war sein Antrieb, auch in seiner alten Heimat caritativ zu Wirken mit der Errichtung einer Stiftung. Aber wie auch seine anderen deutschen Mitstreiter des 19. Jahrhundert ging es ihm um den ganzen Menschen. Lebenssicherung ist wichtig, dazu gehört doch nicht nur das tägliche Brot sondern auch die geistliche Nahrung. Diese geistliche Nahrung verteilte er großzügig – in Buchform aber auch in der Organisation von Pilgerreisen und Audienzen beim Papst, denn durch seine Nähe zu Pius IX. konnte er vielen deutschen Pilgern eine Audienz vermitteln. Die Verantwortung für die Mitchristen zeigte sich auch in seiner spirituellen Heimat, der Erzbruderschaft am Campo Santo. Dort ist der Buchhändler auch begraben.

Spithöver war Zeit seines Lebens Buchhändler, Verleger, Kunstsammler und vieles mehr. Brettschneider oder Herder, damals Benjamin Herder, waren Buchhändler und Verleger. Auch Benjamin Herder, zweiter Verleger des Verlages Herder sah sein Tun als Unternehmer in einem christlichen Lichte. So war sein caritatives Wirken ausgerichtet auf die Ausbildung und Bildung junger Menschen und im verlegerischen Bereich auf die Verbreitung gut katholischer Schriften. Da lag es nahe, das damalige Verlagsprofil zu weiten und im Jahr 1846 die erste päpstliche Schrift zu verlegen. Im Verlag Herder begann der Rombezug eben auch mit Pius IX., mit dessen Pontifikat ja auch eine neue Nähe zwischen Rom und Deutschland begann.

Mit den Jahren wuchs die Zahl der Publikationen und auch das Interesse daran. Benjamin Herder und seine Nachfolger weilten immer mehr in der ewigen Stadt und sie bekamen auch die Veränderungen auf dem Buchmarkt der Stadt mit, sicherlich auch im Bereich der eigenen Absatzzahlungen, wenn man die These aufstellt, dass die Buchhandlung Spithöver auch herdersche Produkte verkaufte. Was schlussendlich der letzte Tropfen im Fass der Entscheidungen war, dass die Familie die Lücke der fehlenden Buchhandlung Spithöver ausfüllen wollte ist nicht Allgemeingut. Überliefert ist eben die Tatsache, dass im Jahr 1925 die Buchhandlung und dann im selben Jahr auch mit dem ersten Buch, einer Nachauflage und Überarbeitung eines Buches von de Waal, die Produktion der Editrice Herder Roma startete.

Der Start gelang trotz all der Wirren, welche die goldenen 20iger Jahre so mit sich brachten. Der Kundenkreis und auch der Autorenkreis wurde für das Haus Herder größer und Internationaler, denn Herder war damals ein Unternehmen, das in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Mexico, Japan, England, und den USA Unternehmungen und Partner hatte. Globalisierung wird diese Situation erst in den späten 1990er Jahren genannt, aber die Situation gab es damals schon. Bei Herder war es damals somit möglich auf kurzem Wege Bücher aus allen Ecken der Welt zu bestellen und auch alle Ecken der Welt beliefern zu können.

Diese Zeit damals begründete auch den Ruhm des römischen Verlages. Herder Rom wuchs, auch trotz der durch die Nationalsozialisten eingeführten Devisengesetzte, die kurzzeitig dazu führten, dass der Betrieb 1936 eingestellt werden musste. Aber mit dem Jahr 1936 verbinden die Römer allein nur den Umzug der Buchhandlung an den Ort, der römische Geschichte schrieb, an die Piazza Montecitorio, direkt am Parlament. Hier gaben sich nun Politiker und Kuriale die Klinke in die Hand. Hier wurde sowohl der Staatssekretär Pacelli, wie auch – so sagt man – die königliche Familie bedient. Schwarzer und weißer Adel kam hier her und nach dem zweiten Weltkrieg auch so manch ein italienischer und bundesdeutscher Staatsmann. Herder hatte den Krieg trotz gefährlichen Situationen im Mutterhaus und trotz der Enteignungsphase deutscher Unternehmen und Immobilien gut überstanden und konnte nur wenige Monate nach Kriegsende den Betrieb wieder aufnehmen.

Die 50iger Jahre waren die Jahre des Aufstiegs, die Zeit des Konzils schuf Sicherheit, obwohl die Entscheidungen des Konzils nicht immer segensreich für den italienischen Herderverlag waren. Bisher war Herder weltweit bekannt für seine lateinischen Werke, aber nun? – Die Zeiten ändern sich nun mal. Aber der Verlag fand neue Produktionszweige und die Buchhandlung wuchs. Als Parlaments- und Universitätsbuchhandlung gab es viel zu tun. Fachbücher waren gefragt und die Antiquariats-Abteilung wuchs ebenfalls. Wenn es damals ein Buch nirgends mehr gab, so fand man es zumindest noch in der Libreria Herder. Die mit Kindheitserinnerungen verbrämten Geschichten berichten von großartigen Taten. Eines jedoch gilt als gesichert. Herder war eine deutsche Kulturbotschaft in den Jahren nach dem Krieg, eine Institution mit Schaufenstern „an denen sich junge Leser die Nase zerdrückten“ denn es gab hier all die schönen Sachen aus Deutschland. Bücher und ganz wichtig – den deutschen Adventskalender und viele andere schöne Advents- und Weihnachtssachen. Herder ist auch der Ort, an dem Generationen von Kindern ihre Schulbücher abholten. Diese Welt fand man auch noch in den Jahren des neuen Jahrtausends. Herder war ein Bollwerk gegen die Welt. Der Laden war die Bücherhöle, in die man eintauchen konnte und sich vergessen konnte. Aber das reichte nun einmal nicht mehr. Veränderte Situationen im römischen Verlag Herder, verändertes Kaufverhalten, Generationenwechsel, das Internet, Umsatzrückgänge bei den bis dahin sicheren Kunden, den Universitäten, aufgrund von radikalen Sparplänen und vieles mehr führte dazu, dass die Libreria Herder geschlossen wurde. Es ist verständlich, dass Schuldige gesucht werden. Aber hier mag schlussendlich der Satz angebracht sein: Es musste wohl so kommen, denn es brauchte ein Wandel, denn die Zeit für die alte Libreria war vorüber.

Deutsche Bücher im Ausland

Wenn der amtierende Papst Franziskus sich zu Wort meldet, dann blickt die ganze Welt auf die ewige Stadt. Mehrere Millionen an Pilger werden im Heiligen Jahr 2016 erwartet. Es ist ein wiederkehrendes Ereignis, das die deutschen Buchhandlungen in Rom schon öfters erlebt haben. Schon sehr oft, denn in Rom gab es nicht erst im 19 Jhdt. deutschsprachige Buchhandlungen, sondern eventuell auch ein traditionelles deutschsprachiges Druckgewerbe. Die (wahrscheinlich) erste Druckerei auf italienischem Boden wurde von einem Deutschen eröffnet. Zusammen mit dem Prager Drucker Arnold Pannartz eröffnete Konrad Schweinheim aus Frankfurt im Jahr 1467 diese damals hochmoderne und innovative Unternehmung. Das Druckgewerbe war und ist wohl somit auch eine deutsche Tradition in der ewigen Stadt und somit auch die Verbindung zwischen Druck und Verkündigung. Für die Drucker aber eben auch für die oben beschriebenen Buchhandlungen waren die heiligen Jahre erfolgreiche Veranstaltungen. All die Spithöver, Herders und Co. waren gerade im 19. und 20 Jhdt. eine beliebte Anlaufstelle für die passende Literatur und weitere Druckwerke.

Noch immer gibt es in Rom eine deutschsprachige Gemeinde. Und noch immer gibt es deutsche Buchhandlungen, leider nun eben nicht mehr so aktiv: L’Erma Brettschneider ist noch immer im Prati zu finden und direkt am Petersplatz gibt es eine kleine Verkaufsfläche des Verlages Herder. Leider gibt es dort nach zwei Versuchsjahren nur noch die Bücher des Verlages und keine ergänzende Literatur.

Buch als Kulturgut

Im Jahr 2015 gab es in Deutschland eine große Diskussion um die Bestimmungen zur Ausfuhr von deutschem Kulturgut. Eine Diskussion und ein Gesetz, das notwendig war. Doch was ist denn dieses Kulturgut? Wenn die Geschichte der deutschen Buchhandlungen im Ausland, am Beispiel Roms, oder Paris und an vielen andere Orte der Welt, in den Blick genommen wird, dann ist das eine Geschichte die für Deutschland wichtig und entscheidend war und ist. Es geht nämlich um die Ausfuhr von deutschem Kulturgut. Deutsche Literatur, das in deutscher Sprache gedruckte Wort der Wissenschaft, der Poesie und Prosa, ist ein entscheidendes Kulturgut, das ausgeführt werden muss, denn es zeigt ein Bild Deutschlands in der Welt, das keine deutsche Diplomatie und Politik leisten kann. Das war in früheren Zeiten so, das ist noch heute so. Somit überrascht es noch immer, dass es für die deutschen Buchhandlungen im Ausland keine finanziellen Unterstützungen gibt. Reden wir doch mal über dieses Kulturgut und den Schutz darum, bzw. eher die Förderung dafür.

Sowohl in Rom wie auch in Paris gab es wieder den Versuch eine Buchhandlung zu etablieren. Beides – so traurig es ist – scheiterte. Woran? Am Geld, klar, das ist die einfachste Aussage. Ich denke, dass es scheiterte und weiterhin scheitern wird, weil der Bezug zum Thema Kultur sich gewandelt hat. Das Buch ist ein Gebrauchsgegenstand und hat den Habitus des Besonderen verloren. Das ist grundsätzlich O.K., denn jeder sollte Bücher lesen, nicht nur Wissenschaftler und Menschen mit einem großen Geldbeutel, wenn damit nicht die Tatsache einhergehen würde, dass auch von anderen Seiten her das Verhältnis zum Buch sich verändern würde. Zum Buch und zu der Form wie ein Buch und damit Wissen erworben wird, bzw. wie der eigene Horizont geweitet wird. Das ist eine Erfahrung die ebenfalls nicht neu ist und auch nicht in eine Kulturkritik abflachen soll. Vielmehr bietet diese Situation die Möglichkeit ganz neu und ganz offen darauf zu reagieren. Wenn wir heute in Deutschland über Werte und Normen sprechen, über die Frage, was denn ein „Deutscher“ kenne und können muss und was dieser „Deutsche“ dann von Zuwanderern erwarten darf, dann ist es der Moment in der Gesellschaft, Institutionen, kulturelle Einrichtungen, Autoren etc. mit ihrer Persönlichkeit, mit ihrem persönlichen Denken und Erfahren Vorbild sein können und zeigen können, was deutsche Kultur ist.

Kulturvermittlung braucht primär kein Gesetz oder staatliche Initiative. Es braucht Lust und Freude der Menschen aus allen Gruppen und Ebenen der Gesellschaft. Und es braucht die Bereitschaft damit auch ehrlich umzugehen, mit allen Konsequenzen. Das ist eine Diskussion für die Heimat, die dann auch Einfluss nehmen sollte auf unser Leben in Deutschland und überall. Im 20. Jahrhundert wurde Deutschland von einer Kulturnation, zur Täternation hin zur Friedensnation. Wie wäre es denn, wenn wir als Friedensnation jetzt auch wieder zur Kulturnation werden würden, die Möglichkeiten sind da …

Schwanengesang

In Rom ist also was deutschsprachige Buchhandlungen angeht nicht mehr viel los. In Barcelona findet sich eine privat geführte Buchhandlung und auf Mallorca eine. In Kappstadt gibt es die Buchhandlung Naumann, in Athen, Tel Aviv, und selbst ganz nach den Worten Papst Franziskus „am anderen Ende der Welt“ findet sich deutschsprachige Buchhandlung(en). In Lateinamerika sind deutsche Bücher zu erstehen. Aber all das nur, weil Unternehmen, einzelne Persönlichkeiten sich auf dieses Risiko einlassen. Mögen sie zumindest von den deutschsprachigen Institutionen und den deutschsprachigen Einwohnern dort unterstützt werden. Aber solange der Staat nicht hilft könnte man auch den Grundsatz der Subsidiarität bemühen: Bei den Zahlen von Deutschen in Rom und Paris würde es schon reichen, wenn jeder deutschsprachige Bewohner dieser Städte, pro Jahr, zwei Bücher in den deutschen Buchhandlungen kaufen würde. Also Auslandsdeutsche übernehmt Verantwortung für eure Buchhandlungen auf dieser Welt – kauft die Bücher dort.

Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig als die Bücher in Deutschland zu kaufen und den traurigen wenigen Regalmetern in den verschiedenen Ländern vorbei zu schleichen.

Ein trauriger Tag und keiner schämt sich

Buchbild

Es ist mehr als unverständlich. Es ist zutiefst traurig. In Paris schließt die deutschsprachige Buchhandlung ihre Türen – für immer. Nachdem vor zwei Jahren die beiden deutschsprachigen Buchhandlungen ihr Aus erklärten, wagte es Frau Mönch-Hahn eine neue kleine Buchhandlung zu eröffnen. Zwei Jahre war sie jetzt tätig. Und wahrlich nicht untätig. Werbung in allen Formen, Lesungen und Veranstaltungen und eine große Präsenz zeichnete sie aus. Das dankten ihr nicht zuletzt die französischen Kunden.

Im November 2016 rief Frau Mönch-Hahn über einen Beitrag im Blatt des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die deutschsprachigen Institutionen auf, ihr zur Seite zu stehen. Ich denke, dass dies nicht die erste Bitte dieser Art war. Persönliche Kontakte sind da sicher vorausgegangen. Diese Bitte an die deutschsprachigen Institutionen kenne ich sehr gut, habe ich doch auch selber diese Bitte immer und immer wieder in Rom formuliert. Ich kann also Frau Mönch-Hahn verstehen, denn diese Institutionen müssten nichts anderes tun, als nur ihre Bücher bei der jeweiligen deutschen Buchhandlung im Ausland zu bestellen.

Und jetzt wird geschlossen! Seit dem 14. Juli ist nun auch diese Kulturbotschaft im Ausland geschlossen. Frau Mönch-Hahn musste die Segel streichen und dieses wunderbare Projekt beenden.

Was mich daran so ärgert, was mich so aufregt, ist die Tatsache, dass wir hier in Deutschland immer so tun, als ob wir uns mit unseren Werten beschäftigten, mit unserer Kultur, mit unserer Tradition. Das ist – gerade auch, wenn wir einmal die Kulturpolitik im Ausland betrachten – mehr als peinlich, was Deutschland da liefert. Und die große Ausrede, dass wir ja unsere Goetheinstitute haben, die reicht nicht. Die bestellen nämlich lieber bei Amazon als beim deutschsprachigen Buchhändler vor Ort.

In den europäischen Großstädten haben wir mindestens drei deutschsprachige Botschaften, wir haben von den deutschsprachigen Ländern (Landesteilen) Deutschland, Österreich und Schweiz jeweils eine überraschend große Zahl von Instituten, wir haben Deutsche und Schweizer Schulen im Ausland – aber wir haben keine Bereitschaft dieser Einrichtungen – oder nur nach großen Kämpfen und mit großen Zugeständnissen oder Schwierigkeiten – die deutschen Buchhandlungen durch den Einkauf von Büchern zu unterstützen. Dass dies so ist, liegt wohl auch an den Gewohnheiten in Deutschland selber, denn auch dort erlebe ich immer wieder, dass staatlich geförderte Einrichtungen lieber bei Amazon bestellen, als den örtlichen Handel zu unterstützen – es muss Geld gespart werden, das ist meist die Begründung. Aber im Ausland zieht diese Argumentation nicht.

Förderprogramme für die deutschsprachigen Buchhandlungen gibt es nicht. Da sind uns die Engländer, Franzosen und Spanier weit voraus. Staatliche Preise und Ausschreibungen schließen deutschsprachige Buchhandlungen im Ausland aus. Subventionen etc. auch. All dies ist auch nicht die erste Forderung die die Deutschen Buchhändler an den Deutschen Staat haben/hatten. Auch die Deutsche Buchhandlung in Paris forderte dies nicht als Erstes. Die erste Bitte, die stehts ausgesprochen wird und die aktiv auch schnell helfen kann ist: Deutschsprachige Institutionen kauft bitte bei Deutschsprachigen Buchhandlungen. Das kostet nicht mehr Geld, das ist sogar – je nach Institut günstiger als die bisherigen Wege – denn einige der Institute dürfen ihre Bücher allein in Deutschland kaufen. Diese werden dann für viel Geld über Kurierdienste, zum Beispiel von München aus, verschickt. Der Blick in die deutsche und deutschsprachige Kulturarbeit eröffnet hier einen ersten Eindruck wie engdenkend diese Einrichtungen oft arbeiten.

Mit der Buchhandlung in Paris schließt eine weitere literarische Anlaufstelle. Die Botschafterin Schavan hat einmal, im Bezuge auf deutschsprachige Buchhandlungen im Ausland, von Kulturbotschaften gesprochen. Diese Zentren der deutschen Sprache und Literatur vertreten nicht nur Deutschland, sie vertreten den deutschen Sprachraum und die deutschsprachige Literatur. Es sind Orte, an denen Menschen, die die deutsche Sprache kennen oder kennenlernen wollen, erste Kontakte dazu finden. Hier, in Persona der Buchhändler und Buchhändlerinnen, werden und wurden Generationen von Menschen an die deutschsprachige Kultur und Denkweise herangeführt. Das ist dort, woe es dies nicht gibt, noch heute so. Das kann kein Internet, das kann kein YouTube-Video ersetzten. Das kann auch keine millionenteure Präsenz auf der Bienale in Venedig oder auf einer Weltausstellung und ganz oft auch nicht das Goetheinstitut vor Ort, das seinen Hauptauftrag im Film-Abend der Woche entdeckt hat.

Die Frankfurter Buchmesse präsentiert sich in vielen Ländern der Erde auf den Buchmessen. Dazu kommen sehr viele Politiker. Gerne – wie zuletzt auch in Polen – lassen sich Mitglieder der Bundesregierung oder in diesem Falle der Bundespräsident dort blicken. Dort werden die großen Reden gehalten über das Kulturgut Buch. Vor Ort aber, im Alltag, verschwindet dieses Kulturgut und das zuallererst in den Regalen der ausländischen Intelligenzija, denn die Hotspots der Literatur, wo erste Kontakte geknüpft wurden sind verschwunden. Studierende des 19. und 20 Jhdt. haben ihre Sprachkurse in den Großstädten der europäischen Nationen ergänzt und vertieft in den Buchhandlungen von Paris, Rom, Warschau, Barcelona, Athen … – diese Orte für die deutschsprachige Welt gibt es nicht mehr. Mit diesen Orten sterben die sprachlichen Kontakte. Mit diesen Orten sterben jene Orte, die auch entscheidend dafür da waren, damit aus nationalen Gedanken europäische Denkprozesse wurden. Wer die deutsche Sprache fördern will, der muss sich darüber bewusst sein, dass dies entscheidend davon abhängt, wo das geschehen kann. Das Buch ist Träger der Verständigung, das ändert sich auch nicht am Format, es ändert sich allein dann, wenn die Vermittlung zum Buch hin verschwindet.

Ich schmecke die Stadt …

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Es ist Wahnsinn wie sehr diese Stadt mich gefangen hält. Vor einigen Tagen habe ich das obige Bild auf meinen Desktop gesetzt. Spontan, ohne lange nachzudenken, allein mit dem Wunsch, nach einem neuen Bild.

Gerade habe ich aber einen Text fertig gemacht und das Programm geschlossen und da war das Bild. Spontan. Plötzlich, Ganz und gar und ich spürte den Geschmack des römischen Morgen, ich spürte die Wärme und die Kühle des morgendlichen Windes. Ich höre die wunderbare Stille und hatte einen vollen Korb an Gefühlen, Eindrücken und Gedanken.

Das Bild habe ich an einem Morgen im August gemacht. Es war jener Tag an dem ich zum ersten Mal im Petersdom ministrieren durfte. Kurz vor sieben war es und bevor ich mit meiner Ministrantenkleidung in die Sakristei verschwinden wollte, musste ich einfach noch ein schnelles Bild vom Petersplatz machen.

Erinnerungen! Momente der Schönheit, verbunden mit dem Alltag – ich bin so dankbar, dass ich dies in dieser Stadt erleben durfte. Es hat aber einfach gepasst. Es war, wie wenn die Stadt auf mich und ich auf sie gewartet hätte. Und jetzt, nach der Zeit dort und nachdem ich nun bald schon zehn Monate wieder in Deutschland lebe wächst die Sehnsucht nach ihr, der großen Dame und noch mehr nach den Momenten mit den Menschen denen ich dort begegnen durfte. An die Menschen, an die Gespräche, an die Plätze und die wunderbaren Augenblicken mit „Gott und der Welt“ in dieser Stadt. Hach, Sehnsucht … und doch ist es gut. Das Ziel ist schön und klar, der Weg gehört dazu, die Stadt wird mich immer wieder empfangen.

Gerüchte aus dem Vatikan – Müller

Gerade überschlagen sich wieder die katholischen Medien. Papst Franziskus soll Kardinal Müller entlassen haben. Dabei werden nun die jubilieren, die schon lange in Müller den Inbegriff des bösen Priesters entdeckt haben. Diesen Bösewicht habe ich nie erlebt. Kardinal Müller mag zwar seine Haltung zur Theologie gehabt haben, er war jedoch immer für die Diskussion bereit und ich hatte ihn stehts in den Veranstaltungen als einen zwar manchmal ein bisschen hölzern wirkenden, aber doch sehr kommunikativen und ungemein humorvollen Gesprächspartner erlebt.

Ich bin schon ein bisschen traurig über diesen Schritt. Während ich in den Texten von Papst Franziskus einen Hirten heraushöre, der offen und fair im Kontakt mit den verschiedensten Seiten den Weg der Erneuerung der Kirche gehen will und stehts auf Kollegialität und Gemeinschaft hinwies, habe ich in Kardinal Müller in meiner Zeit in Rom einen Menschen und Christen kennengelernt, der sich absolut in den Dienst für Kirche und Papst hat stellen lassen. Entgegen der Wortklaubereien die stehts vorgenommen wurden, ist Kardinal Müller wirklich jemand der sich ganz klar als Zuarbeiter des Papstes versteht. Dass er das ernst meint, hat man an der Synode erleben können und auch im Nachgang zu Amoris laetitia sehen können. Er hat geschwiegen und hat sich stehts hinter den Papst gestellt. Da es keine Interpretationshilfen von Seiten des Heiligen Vaters gab, hat er das getan, was sein Job ist. Das Schreiben im Lichte der Tradition zu erklären. Aber auch das hat man ihm negativ angerechnet.

Die Medien behaupten, dass Papst Franziskus Kardinal Müller aufgrund seiner traditionellen Haltung entlassen hat. Manche meinen, es liegt an einem Interview, das er in diesem Jahr gegeben hat. Wenn dies stimmt, dann muss ich mir echt Gedanken machen über den Zusammenhang der Worte von Franziskus und seinen Taten. Da ich jedoch papsttreu bin, muss ich voraussetzen, dass es andere Gründe gibt, die wir (noch) nicht wissen. Das erlebe ich gerade als eine ungute Situation, denn der Stil, die aufwallenden Meldungen, die Stimmungsmache darum herum erinnert mich an einen anderen Vorgang, an eine andere Entlassung eines päpstlichen Mitarbeiters. An Kommandant Anrig und die Situation und Gerüchte damals.

Eines verstehe ich aber auf alle Fälle: Kardinal Müller war im Gefüge der Kurie ein wichtiger Punkt ohne eine „Hausmacht“ wie es andere Kardinäle und Bischöfe haben. Er war ein papsttreuer Mitarbeiter, der sich die Worte des Papstes zu Herzen nahm. Er hat auch die Forderungen des Papstes zu einer spirituelleren Kurie ernst genommen. Ich bete für Kardinal Müller, ich bete für Papst Franziskus, damit der Herr seine Diener leite, zum Wohle der Kirche, zum Wohle seines ganzen Volkes.

Sexueller Missbrauch und Zölibat

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Gestern habe ich unter einem Beitrag des ZDF  zu Kardinal Pell die Kommentare gelesen und habe einmal eine Antwort dazu geschrieben, ohne hier Kardinal Pell in Schutz nehmen zu wollen, da ich nicht weiß was geschehen ist. Der Kommentar findet sich in kürzerer Form auch in facebook auf der Seite des ZDF.

Kardinal Pell ist beschuldigt worden Kinder sexuellen missbraucht zu haben. Bis dato ist nichts nachgewiesen. Bis dato gibt es Anklagen, die gerichtlich geklärt werden müssen. Solange sollte man Kardinal Pell nicht verurteilen. Auch wenn in unserer Gesellschaft der Grundsatz besteht: Im Zweifel für den Angeklagten, wird aber auch hier wieder anders gehandelt. Das Volkstribunal entscheidet. Leider zeigt die Berichterstattung in manchen Medien und auch so manche Reaktion in Kommentatorenspalten, dass selbst wenn sich rausstellen sollte, dass der Kardinal nichts getan hat, er sein restliches Leben als Täter verbringen wird. Verurteilt ist er ja schon, von der Öffentlichkeit. Diese Vorverurteilungen, diese ganzen harten und pauschalen Reaktionen führen nicht zu einem besseren Umgang mit dem Thema. Sexueller Missbrauch an Kindern ist schlimm und muss bestraft werden. Der einzelne Täter muss bestraft werden und die Gesellschaft muss sensibilisiert werden für dieses Thema. Dies ist bis zum heutigen Tag nicht geschehen. Das Thema wurde auf einzelne Personen und Institutionen abgewälzt bzw. reduziert. Wie ist das aber mit dem sexuellen Missbrauch in Sportvereinen, durch Nachbarn und innerhalb der Familien? Die Zahlen und die errechneten Dunkelziffern zeigen düsteres. Noch immer haben wir in Deutschland eine Mentalität, die dieses Thema unterdrückt und vertuscht.

Die Kommentare hier unter diesem Artikel des ZDF sind ungemein interessant. Insbesondere da hier von vielen Schreibenden eine Lebensform und damit direkt Menschen teilweise pauschal unter Generalverdacht gestellt werden. Priester sind per se hier für sehr viele die Ausgeburt des Bösen. Die Klitsche des geilen Mönchs aus dem Mittelalter findet sich hier immer und immer wieder. Das ist leider sehr unreflektiert und zeigt, dass das Thema „Fake-Nachrichten“ keine neue Erfindung ist. Schon Dairmaid MacCulloch erzählt davon in seinem Buch „Die Reformation“, wie gut gestreute Gerüchte gegen Priester/Mönche über ihre sexuellen Laster genutzt wurden, um eben diese Mundtot zu machen oder zu diffamieren. Das ist also schon eine Tradition aus dem 12/13 Jhdt., die immer wieder aufkommt. Ohne das Versagen einzelner abzuschwächen, sollten wir intelligenten Menschen des Informationszeitalters da ein bisschen reflektierter sein.

Wir können diese Angriffe und Beleidigungen einmal überspitzen und personalisieren: Diese Menschen unterstellen mir und vieler meiner Kollegen in den Seminaren und in Klöstern und im Priesteramt grundsätzlich eine Neigung zum sexuellen Missbrauch. Viele der Damen und Herren in den Kommentaren unterstellen jenen Menschen die zölibatär leben ein sexuelles und wahrscheinlich auch ein geistiges Problem. Zölibatär lebende Menschen müssen – nach den Kommentaren – krank sein, oder einfach den Beruf aus Machtgeilheit um andere Menschen zu unterdrücken, machen. Das ist eine Pauschalisierung und eigentlich nicht wert darauf einzugehen. Trotzdem ist es einfach mal an der Zeit, das persönlich zu nehmen, ohne dass ich da nun weniger gut schlafen kann. Ich stelle mir die Frage, ob diese Menschen in den Kommentarspalten, diese Aussage auch mir ins Gesicht sagen würden, oder einem Priester entgegenschleudern würden, den sie kennen.

Ich denke, ich habe ein normales Verhältnis zu Männern und Frauen. Ich komme aus einer normalen Familie und kann ganz normal mit Menschen umgehen. Ich hatte selbst Partnerschaften in meinem Leben, die ganz „normale“ Partnerschaften waren. Wir haben gestritten und geliebt. Wir haben miteinander einiges erlebt und haben uns getrennt. Mit einigen habe ich hinterher sogar noch Kontakt gehabt, mit anderen nicht. Also alles ganz normal für die heutige Zeit. Ich habe keine abartigen Neigungen oder andere psychische Krankheiten. Wenn dies anders wäre, dann wäre dies in meinem Umfeld (Freunde, Familie, Arbeit … ) schon lange aufgefallen, nicht zuletzt weil viele meiner Bekannten in pädagogischen, psychologischen und anderen ähnlichen Berufen aktiv sind. Darüber hinaus gibt es heute auch eine große Sensibilität in diesem Themenbereich, gerade bei der Aufnahme im Seminar. Die katholische Kirche, namentlich die Jesuiten in Rom, sind da weit vorne dabei und haben da einige Programme erarbeitet, die Weltweit gut angenommen werden. Natürlich gibt es in den Seminaren und unter den Priestern „komische“ Gestalten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das aber auch bis zu einem gewissen Punkt so sein muss, streben oder haben wir angestrebt einen Beruf, eine Lebensform, die eben „komisch“ oder aus dem Mainstream-Leben heraus ver-rückt ist.

Ich habe kein Problem mit meiner Sexualität, ich mag – bis auf meinen doch ein bisschen zu vielen Kilos – meinen Körper, kann ihn anschauen, ziehe mich nicht im Dunkeln an oder aus. Ich geh in die Sauna, zur Massage, ins Schwimmbad, ich bin in all diesen Punkten ein ganz normaler Mensch. Und doch wird mir das – per se da ich Priester werden will – irgendwie abgesprochen.

Ich habe auch kein Problem mit dem Zölibat, ich habe ein Problem damit, dass ich täglich dafür von Menschen angegriffen werde. Meist mit sehr fadenscheinigen und sehr einseitigen Angriffen. Manchmal würde ich gerne diesen Menschen entgegenschleudern: Warum macht dich das so wütend. Das ist allein mein Problem, wie ich lebe. Wo störe ich dich bei deiner eigenen Lebensform. Halte dich da raus! Lass mich mein Leben leben.

Irgendein Kommentar erwähnte, dass es einen Sinn hat, diese Entscheidung des Zölibats. Und zwar dahingehend, dass sich diese Menschen ganz und gar zur Verfügung stellen. Für Gott und die Welt. Da bin ich gleicher Meinung. Das Zölibat hat einen Sinn, hat eine tiefere, eine substantielle Komponente, die heute eher fremd erscheint. Das mag verwirren in der heutigen Zeit. Das kann ich verstehen, aber ich bin froh, dass ich mich auf diese Lebensform einlassen kann, denn dann kann mehr als in anderen Lebensformen, für alle Menschen, die mich brauchen da sein. Das ist nicht einfach. Das sagt auch keiner. Es ist aber möglich. Dazu gibt es Beispiele, viele Lebenszeugnisse anderer Priester, Ordensschwestern, Männer und Frauen des geistlichen Standes. Und auch da gilt: Ich lasse es nicht zu, dass auf dieses Argument alle anderen Menschen, die vor uns diese Form gelebt haben belächelt und verleumdet werden.

Dass das nicht von allen Priestern und Menschen des geistlichen Standes perfekt gelebt wird und wurde, habe ich selber erlebt, aber in welch einer Welt leben wir denn heute? Ist es nicht mehr erlaubt einem Ideal nachzustreben und dabei auch eben Mensch zu bleiben und zu scheitern? Das entscheidende ist doch das Scheitern anzunehmen und ein Leben nach innen und außen als Mensch zu leben der um seine Zerbrechlichkeit, seien Bruchstückhaftigkeit weiß.

Wieso wird immer auf uns eingeschlagen, nehmt uns doch mal an, nutzt doch unser Angebot da zu sein. Ich erwarte von der Gesellschaft, dass sie das tut – mich zu akzeptieren, uns Priester, Geistliche Ordensleute, oder hört die überall so eingeforderte Freiheit, der Respekt vor Andersdenkenden und Anderslebenden gerade bei uns auf?

Von vielen wird Zölibat und sexueller Missbrauch in eine enge Verbindung gebracht. Ja, es gibt Menschen, die zölibatär leben und andere Menschen – auch Kinder – zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Das ist ungemein schlimm und muss bestraft werden. Das ist böse, das ist unsagbar, das ist etwas für das wir uns schämen müssen als Kirche. Aber: Sowohl Wissenschaft und Forschung haben nachgewiesen, dass kein direkter Zusammenhang zwischen dem Zölibat und sexuellem Missbrauch besteht. Allein die Erhebungen in diesem Punkt bezeugen das, denn sonst dürfte es nicht der Fall sein, dass die Meisten der Fälle sexuellen Missbrauches innerhalb der Familie oder im nächsten Umfeld (Nachbarn, Schule, Sportverein) geschehen. Da sind kaum zölibatär lebende Menschen dabei. Vater, Mutter, Opa, Oma, Onkel, weitere Verwandte, Nachbarn, Sportlehrer, Lehrer, … da sind alle Beziehungspersonen dabei, da sind alle möglichen Berufsgruppen dabei. Sexueller Missbrauch ist ein Phänomen der Gesellschaft. Dies gilt es zu erkennen und erst, wenn wir uns darüber bewusst werden, ohne panisch zu reagieren, kann sich hier was verändern.

Also, sehr geehrte Kommentatoren/innen. Bevor ihr weiter pauschal verbal reinschlagt. Überlegt euch mal auf welche Rechte wir in unserer Gesellschaft uns beziehen. Dazu gehört der Respekt vor dem Mitmenschen. Böse pauschale Beleidigungen, Diffamierungen eines ganzen Berufsstandes, das passt nicht in unser Recht auf Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, etc. Und Menschen die das Zölibat leben, brauchen auf alle Fälle eines: Menschen, die sie dabei unterstützen und das Angebot nutzen, dass hier angeboten wird.

Menschen, Kinder die dieses böse Erlebnis des sexuellen Missbrauchs erlebt haben brauchen ebenfalls keine Hexenjagden. Sie brauchen Menschlichkeit, sie brauchen Liebe, sie brauchen echte, ehrliche Hilfe, sie brauchen Verständnis und eine Gesellschaft die seriös und reflektiert mit diesem Thema umgeht, damit Täter verurteilt werden die eine Tat begangen haben, damit Kinder frei und ohne Angst leben können, damit Menschen sich nahe sein können ohne Ängste, damit wir eine Welt haben, die Liebe leben kann, ohne Gefahr, ohne Hintergedanken und ohne Gewalt – wobei Gewalt ja dann auch keine Liebe mehr ist.

 

Fronleichnam – 3

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Gleiche Zeit, gleicher Ort, fast identisches Bild. Zweite Vesper vom Festtag. Zum Abschluss wird gebetet … es war ein schöner Tag. Danke Herr für deine Nähe.

1 Kor 11,23-26
Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.