Freundschaft

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Freundschaft

Im Buch Hiob gibt es eine Szene, die mich immer wieder anrührt. Im zweiten Kapitel des Buches (2,11-13) kommen drei Freunde zu Ijob. Sie wollen ihn trösten, doch sie kommen zu ihm und erkennen ihn fast nicht mehr und sie weinten … und dann? Ja, dann schweigen sie. Sieben Tage sitzen sie bei Ijob und schwiegen. Im Moment des Unglücks schweigen sie, sie belagern das Unglück nicht mit Worten, sie verdrängen nicht das Gefühl sondern lassen diesen Schmerz und die Trauer zu.

Die Szene ist wunderbar, sie rührt mich immer wieder auf ein Neues an. Ich kann mir das sehr gut vorstellen wie sie da auf der Erde sitzen, diese vier Menschen. Sie sitzen auf der Erde, auf dem Aschehaufen des bisherigen Lebens Ijobs und zeigen ihm, egal was ist, wir sind da. Freundschaft braucht keine Worte, Freundschaft IST – oder eben nicht.

In all dem Chaos den ich in meinem Leben immer mal wieder habe – innerlich wie äußerlich – , mit all meinen Fehlern und meinem Suchen gibt es Menschen, die mich mögen und manchmal bin ich einfach nur fasziniert wie viele Menschen einfach mir zugeneigt sind. Nicht alle der Menschen, die Tag für Tag um mich sind würde ich jetzt zu meinen engen Freunden zählen, bei vielen würde ich mir das nicht trauen, weil ich mich manchmal selber nicht so Wert schätze – und doch kann ich an so viele Orte fahren und finde Menschen vor, die sich freuen wenn ich komme, die Freude und Lust am Gespräch mit mir haben. Ich bin fasziniert, ich danke Gott dafür und denke mir in solchen Momenten: Ja, es ist schön zu Leben.

Aber viel zu oft vergesse ich das, verdränge ich es, verschweige es vor mir selber. Warum? Weil der Mensch (und ich glaub ganz gerne) sich ungemein oft im negativen suhlt. Das Negative, die schlechten Erfahrungen, das Blöde und Dumme ist irgendwie stärker und lähmt mich immer wieder weil es sich wie ein dunkler Mantel über die Erkenntnis legt, dass das Schlechte im Leben viel zu klein und nichtig ist wenn ich mich dann doch umwende und den Teil meines Lebens überblicke, der im Lichte steht, im Lichte der Freundschaft und der Liebe, die ich erleben darf und die – so glaube ich ganz fest – schlussendlich von Gott ausgeht.
Danke Gott!