Israel 2017 Sechster Tag

 

img_1136

Aufstehen, Gebet, Duschen, Zeitung lesen, Laudes, Frühstück, Impuls zum biblischen Buch und dann Lesezeit … so langsam spielt sich ein Rhythmus ein im Leben hier in Nazareth. Manch einer kümmert sich um den Einkauf, andere spülen, andere warten auf das was eingekauft wird um zu kochen – also alles ganz normal wie auf einem Ferienlager oder auf einer Schulfreizeit, wenn da eben nicht der Aspekt des Bibellesens und der Ort wäre. Und beides ist entscheidend für uns.

Heute ging es mit dem Buch Levitikus weiter. Von den Kapiteln doch eher kurz ist es für viele doch ein recht sprödes Buch. Eine Anleitung für den priesterlichen Dienst, für die Opferpraktiken und was alles getan und vor allem was nicht getan werden darf. Sehr archaisch wirkende Praktiken werden hier aufgelistet – der Opferkult ist doch etwas sehr fremdes für uns, auch so manch eine Anordnung im Bereich des Zwischenmenschlichen, der Moral und der Lebensweise erscheint uns heute eher fremd und unverständlich.

Aber was ist die Intension dieser Regelungen, die uns so fremd anmuten? Warum will Gott das von den Israeliten? Ich bin der Meinung, dass es in erster Linie darum geht „Leben“ zu schaffen. Gott will, dass die Menschen gut leben und das geht eben nur wenn sie mit ihrem Gott leben und wenn sie darauf achten, dass ihr Leben in strukturierten und geregelten Bahnen abläuft, damit eben kein Tod, keine Qual, keine Krankheiten im Volk auftauchen. Sünde und Schuld fällt – so denke ich unter die Themen Tod und Krankheit. Ein Mensch der in Sünde verstrickt ist, hat kein gutes Leben und von dieser Sünde muss er befreit werden um gut zu leben, um mit Gott zu leben.
Irgendwie erscheinen mir alle Regeln logisch. Ich mag das zwar nicht gutheißen, aber eine Logik ist dahinter wenn im Buch Levitikus beschrieben wird, wie und wann Menschen mit Krankheiten aus der Gemeinschaft ausgesondert werden müssen und dass das Berühren von Toten zu Unreinheit führt. Ich denke, die Menschen damals wussten eben schon, dass von Toten eine gesundheitliche Gefahr ausgehen kann, auch von Blut, von Tierkadavern und vielem mehr. Und deshalb lese ich das Buch aus der Frage heraus: Wie kann der Mensch ein gutes Leben, also ein Leben mit Gott leben, frei von allen negativen Seiten. Und zu dieser Frage – und damit wieder zum Thema Unreinheit – gehört auch die Frage der Schuld und Sühne. Wie oft erleben wir – also ich hoffe, dass das jeder noch so erlebt -, dass wenn er einmal lügt, wenn er ein Fehler gemacht hat, tagelang von einem schlechten Gewissen geplagt wird? Ja und wie angenehm ist es, wenn man sich davon befreien kann. Wenn ich eine Entschuldigung bringen kann und ich wieder alles ins Lot bringen – also meine Sünde bekennen und eventuell um Vergebung bitten und sorgen darf. Schlussendlich geht es auch bei allen anderen Sünden darum. Es geht darum, dass ich mein Leben wieder in Lot bringe und das kann ich eben nur wenn ich mit Gott im reinen bin. Es geht also um ein gesundes Leben für Geist und Körper.

Schuld kann geschehen, ich kann unrein werden (wenn wir im Ton des Buches bleiben), aber das Ziel ist heilig zu werden weil Gott der Herr heilig ist (vgl. auch Lev 11,44-45). Diese Schuld bleibt nicht ewig, es gibt nach dem Buch strafen, aber die sind nicht unendlich. Strafen müssen ein Maß haben und selbst bei einem Abfall von Gott sind die Strafen nicht unendlich. Gott verzeiht wenn wir bereuen. Das sind wunderbare Zusagen, denn es zeigt mir doch, dass Gott eben weiß, dass ich Mensch bin und meine Schwächen habe. Diese Zusagen zeigen mir eben, dass Gott um unsere Fehler und Schwächen weiß, uns aber in unserer Freiheit auch die Zeit lässt den Weg zu finden bzw. seine Hand zu greifen. Am Ende dieses Weges steht dann der Moment an dem wir die Herrlichkeit des Herrn sehen können – welch eine Zusage – und in diesem Buch Levitikus wird sogar gezeigt, dass das möglich ist (vgl. Lev 9,23).

Ein bisschen mit Humor – aber dann auch wieder mit der Frage, was das für mich bedeutet – habe ich die Vorschriften für die Priester gelesen. Auch sie können übrigens scheitern, in verschiedenen Stärken … Aber im 10. Kapitel befinden sich Anweisungen wie ein Priester sein muss: Ein Priester muss ordentlich frisiert und gut gekleidet sein (vgl. Lev 10,6), er darf kein Alkohol trinken (vgl. Lev 10,9), er muss zwischen profan und heilig trennen können (vgl. Lev 10,10) und er muss Katechese halten (vgl. Lev 10,11) das wären neben den Erfahrungen/neben einer Ausbildung im Schlachtwesen dann wohl das wichtigste. Naja, ich bin auf alle Fälle erstmal froh, dass das mit dem Schlachten und dem Opferkult vorbei ist und dann muss ich auch gestehen: ich liebe ja ein gutes Stück Fleisch, aber die haben doch wohl nur Fleisch und Brot damals bekommen …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s