Israel 2017. Siebter & achter Tag

 

Ohne Gott bin ich nicht mehr als ein Schatten, ein Schatten des Lebens, nur halb im Leben und mit einem Fuß in einer Welt, die leer und ziellos ist. Der Herr, ist Gott und ist das Leben, die Liebe und die Zukunft. Gestern und heute haben wir die beiden letzten Bücher des Pentateuch gelesen, also Numeri und Deuteronomium. Mit dem Volk Israel sind wir somit durch die Wüste gezogen, haben erlebt wie Gott wirkt und wie er sich den Bund zwischen ihm und den Menschen vorstellt. Wir haben gehört, was es zu tun gibt als Mensch, wir haben gehört und erlebt wie Gott reagieren kann, wenn wir vom Bund abfallen und wie sehr er trotz Strafen stehts darum besorgt ist, dass wir Menschen leben dürfen, leben in seiner Liebe und in seiner Sicherheit.

Gott geht mit den Menschen. Wir müssen nicht eilen zu irgendeinem fernen Heiligtum. Wir müssen für den Dialog mit ihm nicht immer erst einen Altar bauen. Vielmehr geht er mit uns durch das Leben, durch Wüsten und Oasen, durch Tag und Nacht.

Gerade das Buch Deuteronomium erlebe ich voller Leben und voller Liebe, die Gott uns schenkt. Selbst die Gebote, klare Forderungen und Aufträge klingen hier in einer ganz anderen Stimmung in mir, wie in Exodus. Ich sehe es vor mir, wie Mose am Ende seiner Tage das Volk um sich versammelt hat und nocheinmal mit ihnen ins Gespräch geht. Er redet mit jenem Volk, das ihm so viele Sorgen bereitet hat, das ihm auch in die Situation gebracht hat, dass er das gelobte Land nicht sehen kann, trotz seiner Arbeit, trotz seines Einsatzes. Und trotzdem, ganz erfüllt von der Hoffnung, von seinem Glauben in den Einen und Einzigen, mahnt er sein Volk, lehrt er es und prägt ihm die Gebote, die Lebensregeln ein, damit sie auch in Zukunfz wachsen und voller Glück leben können. Mose wiederholt die Gebote und sagt schlussendlich: Glaubt und handelt in und an Gott und ihr werdet Leben in einem Leben und einem Land voll Fülle. Es geht – so ein Liedtext – ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht.

Ab Dtn 6,4 lesen wir das Shma Israel: „Höre Israel, der HERR dein Gott ist der Einzige.“ Das dürfen die Juden noch heute Tag für Tag beten und somit Gott loben und preisen. Welch Worte, die Aussprechen was die Grundlage des Lebens ist – aber stimmt das denn auch? ist Gott der Herr wirklich der einzige Gott, den ich, den wir haben? ich erwische mich immer mal wieder dabei, dass ich mein Leben auf andere Sachen ausrichte – kurzzeitig zwar nur (zum Glück) – aber ich tue es. Wie wichtig werden kurzzeitig änder Sachen. Wie wichtig werden immer wieder andere Menschen, oder irgendwie Ehre, Macht oder Besitz so wichtig, dass sie/es fast absolut werden, oder Aufgaben; Ich bin immer mal wieder jemand der sich in Aufgaben, in Arbeit in Ämter verliert und diese fast Absolut stellt. Daneben kann dann kein anderer Gott mehr bestehen. Und mit all diesen Ersatzgöttern passiert mir nahezu irgendwann immer wieder das Gleiche.  Ich „wache auf“ und merke: Ach, das ist alles nur Schall und Rauch. In solchen Momenten bin ich wie auf dem Bild oben; nur ein Schatten meiner selbst. Eine Zeit lang wirkt dieser Schatten zwar nach innen und außen scharf, zuverlässig und echt – aber er ist schlussendlich eben nur ein Schatten. Es gilt hier mehr und mehr mich gegen solche Abzweigungen zu wappnen: Durch ein stärkeres Einüben von Gebet, von mehr Struktur in meinem Leben, von einem Leben tieferer Spiritualität …

Heute waren wir zu Besuch beim Weihbischof des Lateinischen Patriarchat. Über zwei Stunden waren wir bei diesem würdigen Herrn und er erzählte und erzählte. Wie ein guter Geschichtenerzähler hingen wir an seinen Lippen – ganz wie das Sprichwort. Er erzählte von Israel, vom Leben in diesem Land, vom Miteinander zwischen Christen untereinander, zwischen Juden, Christen und Muslime und Drusen, …von all den Sorgen und Problemen, aber auch von all den Freuden und Lichtblicken seines Lebens und seines Tuns im Heiligen Land.

Vieles geht mir durch den Kopf. Es gibt noch ganz viele Impulse zu den gelesenen Büchern, aber die Zeit reicht nicht alles aufzuschreiben. Jetzt geht es noch ans packen, denn morgen fahren wir früh los auf den Berg Tabor um danach an den Jordan zu fahren. Am Abend werden wir dann in Bethlehem eintreffen.

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