Israel 2017 Fünfzehnter Tag

Unser Aschermittwoch (01.03.2017) war ein sehr ruhiger Tag. Passend zum Tag, passend zum Beginn der 40 Tage starteten wir in diesem Tag, nach unserem Frühstück, mit einem Gottesdienst in der Grabeskirche. Im Bereich der lateinischen Kirche, in einer kleinen Kapelle, irgendwo tief in der Kirche konnten wir die Eucharistie feiern und das Aschekreuz empfangen: Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehrst – spricht der Priester bei diesem Ritus. Das ist wahrlich ein „Memento Morie“ und fordert wirklich auf, einmal innezuhalten und sich auf diese Zeit, in der wir uns auf Ostern vorbereiten, einzulassen.

Wie schon an anderen Orten ist der Ort selber in der Liturgie spürbar. So nah am Sterbeort und am Grab des Herrn die Messe zu feiern das rührt mich im Innersten meines Glaubens an. Am Tag davor noch feierten wir die Messe mit dem Blick vom Berg in die Ferne, in der wir die Grabeskirche entdecken konnten. Nun stehen wir direkt am Geschehensort.

Nach dem Gottesdienst blieb mir noch die Zeit in die Grabeshöhle zu gehen und dort zu beten. Der Stein, glatt poliert von den Händen, von den Küssen der Gläubigen strahlt eine Nähe aus, zeigt zu einer Nähe und zu einer Verbindung hin, die nicht einfach nur aufgrund des Steines an sich entstehen kann. Da ist ein „magis“ vorhanden, das viel zu oft allzuschnell allein mit der Tradition abgetan wird. Hier ist es nicht nur die Tradition, die wirkt, hier ist der Ort, der wirklich jener Ort ist an dem Jesus gestorben und begraben wurde ist, der einen gefangen nimmt.

Während die anderen Propädeutiker noch einen Spaziergang zum Zion machten und den Abendmahlsaal besuchten, ging ich nur wenige Schritte weiter in die Propstei der Lutherischen Kirche zu Jerusalem. Hier befindet sich die deutsche Gemeinde, die seit 1898 an diesem Ort angesiedelt ist. Damals, am Reformationstag weihte Kaiser Wilhelm II. diese Kirche ein. Seit dem zeugt die Erlöserkirche mit dem auffallenden Turm von der lutherisch-protestantischen Tradition hier in Jerusalem. Der Propst hatte auf eine Mail von mir reagiert und meine Anfrage nach einem Gespräch bestätigt. Nun saß ich also hier im Büro und durfte erfahren, dass auch dieser Mann Gottes aus Baden kommt. Er ist im Badnerlände geboren und hat auch in Freiburg lange gearbeitet: Man sieht also vom badischen Ländle kommt viel Gutes für unsere Kirchen :-). Meine Grundfrage für dieses Gespräch war: Wie prägt Jerusalem das Leben eines lutherischen-protestantischen Christ. Wie erlebt die Gemeinde, die Gemeindemitglieder diese Orte und wie gehen die Mitglieder der Gemeinschaften die sich auf Luther berufen mit den Verortungen der Ereignisse um Jesu hier um? Also wie leben Christen mit der Grundlage „Allein die Schrift“ diese Welt hier, die eben auch entscheidend von der Tradition lebt. Es war ein sehr anregendes Gespräch, das ich mit dem Propbst Wolfgang Schmidt führen durfte und ich danke recht herzlich für die offene, freundliche und sehr persönliche Gesprächsebene.

Der Nachmittag wurde nahezu still. So richtig gut um die Zeit für das zu nutzen, warum wir hier im Heiligen Land sind. Bibellektüre und Gebet.

Ich kam somit endlich weiter mit der Bibel und machte mich an die Bücher Esra und Nehemia sowie die Chroniken. So im ersten Gefühl kommt da auf: „Oh, das ist ja Wiederholung aus den fünf Büchern der Tora.“ Aber das ist es eben nicht (nur). Vielmehr ist es ein neuer Bericht, ein neuer Block auf die Erkenntnis: JHWH ist der Gott, der mit seinem Volk mitgeht und es nicht alleine lässt. Selbst mit all den Schwächen, die dieses Volk zeigt. Und ich denke es geht hier auch wieder um die Hoffnung, dass egal was passiert Gott zur Seite steht. Die Geschichten dieser Bücher zeugen von einer Nähe zwischen dem Volk und Gott bzw. einzelner Personen und Gott. Die Texte zeugen ganz direkt auch davon, dass Gottesdiener auch nicht frei sind von Fehlern, dass auch sie Zweifeln und Scheitern, dass auch sie nicht immer im direkten Gespräch und im engsten Kontakt zu Gott stehen, sondern dass auch sie Nähe und Ferne des Herrn kennen. Die Propheten, die Gottesdiener sind auch in diesen Büchern Menschen. Menschen zwar, die eine andere Nähe zu Gott haben als andere Menschen, aber eben Menschen mit all den Fehlern und Schwächen, mit all den Freuden, Gaben und Leistungen. Es zeigt mir, dass ich immer und immer wieder lernen muss, zwischen dem Menschen und seinem Tun zu unterscheiden, dass ich lernen muss zu akzeptieren, dass Priester auch nicht perfekt sind, und dass ich lernen muss eben als (hoffentlich)späterer Priester nie in einen Modus verfalle in dem ich vergesse, dass ich Mensch bin, ganz so, wie es uns am Aschermittwochtag zugerufen wurde.

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