Israel 2017 siebzehnter Tag

Heute, am 03. März stand der Besuch beim Erzbischof Pizzaballa auf dem Programm, der Erzbischof ist Administrator des Lateinischen Patriarchat und hat seine Kurie hier in Jerusalem. Um 09.00 Uhr waren wir eingeladen. Pünktlich kamen wir an und pünktlich war auch der Erzbischof, der sich ca. eine Stunde Zeit nahm zum Gespräch mit uns.
Nach dem Gespräch hatten wir noch eine traurig, aber wahre Begegnung auf dem Flur des Bistumssitz. Ein älterer Priester sprach uns an und hatte wohl große Freude daran mit uns zu sprechen, da er deutsch sprach. Zuerst war dies ein sehr erfreuliches Gespräch. Es ging um die Bibel, um die Bibel aus dem Blickwinkel der Pastoral. Dann rutschte dieses Gespräch ab in aus meiner Sicht ungute Gebiete. Plötzlich kamen negative Sätze gegen Flüchtlinge, gegen Frau Merkel und – was dann die absolute Steigerung war – gegen den heiligen Vater. Wir wurden alle so nach und nach leiser und schweigsamer auf diesem Flur, denn wir mussten erkennen, dass es Weltweit ein paar Menschen in kirchlichem Dienst gibt, die wohl irgendwelchen Ängsten oder ähnlichem nachfolgen, statt die Chancen zu nutzen, die die neue Aufmerksamkeit bietet. Gerade einem Priester dürfte sowas nicht geschehen. Und wenn dies geschieht dann gilt es wohl, dass man ihn in brüderlicher Verbundenheit darauf hinweist, was dann aber auch bedingt, dass beide Seiten eines Gespräches kritikfähig sein müssen.

Im Anschuss daran zogen wir weiter zur kleinen Kirche Sankt Peter Hahnenschrei. Hier erinnert die Tradition (die auch mehr auf Vermutungen als auf klare Fakten beruft = also in erster Linie auf Traditionen) an die dreimalige Verleugnung durch Petrus vor dem Hahnenschrei. Nach einer kleinen Besichtigung feierten wir hier unsere Eucharistie. Der Ort und das Ereignis, im Spannungsfeld der absoluten Liebeszusage in der Eucharistie, erinnert daran, dass wir uns stehts bewusst sein müssen, dass auch wir einmal straucheln können, dass wir in unserer Menschlichkeit scheitern und allein im Blick auf Gott die Chance haben ein gottgefälliges Leben zu leben.

Der Verrat Petrus, sein Fallen aber auch die Zusage seiner Zukunft, sowohl Amt und Rolle wie auch das Martyrium zeigen, dass weder der Mensch, noch das Leben nur schwarz – weiß zu sehen ist. Die Vita des Petrus zeigt: Gott ist stehts bei uns und sieht bei uns mehr als nur die Oberfläche, er kennt uns, unser Herz und unsere Sehnsucht.

Petrus scheitert im Anblick der Dunkelheit. Er sieht Jesus nicht mehr und ihm vergeht die Kraft. Wer den Blick von Jesu abwendet – und sei es nur ein Moment – gibt anderen Mächten die Macht, lässt sich selbst zum Unmensch werden. Und so zeigt sich das Drama des Petrus in diesen Auf und Ab, aber auch ganz besonders darin, dass er in seinem Handeln seine Fehler erkennt. Er ist sich seiner Schwäche bewusst und ist aber doch zu schwach um die Schwäche zu überwinden, denn er vertraut nicht mehr auf Jesu („Ich kenne ihn nicht“). Das erinnert mich an das Neue geistliche Lied: „Es geht ohne Gott, in die Dunkelheit, aber mit ihm stehen wir im Licht“, ja so einfach wie es im Lied gesungen wird ist es, so einfach und so schwer.
Herr, mein Gott voller Angst vor einem eigenen Versagen schaue ich auf Petrus. Voller Angst und Unsicherheit. Deine Liebe, die du Petrus aber auch nach seiner Schuld schenkst schenkt mir Hoffnung und Kraft. Begleite mich und trage mich dort wo ich strauchle, damit ich dir nachfolgen kann trotz oder mit all den Fehlern die ich begehe. Herr, ich freue mich dir dienen zu dürfen.

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