Israel 2017 Fünfundzwanzigster Tag

Am heutigen Tag ging es wieder um das Lesen der Bibel. Der Regens ist eingetroffen und wird einige Tage mit uns verbringen. Den Abend verbringen wir in Gesellschaft. Einmal mit der Familie des Reiseplaners, der für uns ein sehr fleischlastiges Abendessen bereitet und danach mit vielen weiteren Pilgern in der Basilika zur Lichterprozession. Eine Besonderheit war hier, dass wir den Sekretär des Hl. Johannes Paul II. trafen. Kardinal Dziwiz nahm sich nach der Prozessin kurz die Zeit zu einem schnellen „Hallo-Dzien dobre“ und einem gemeinsamen Bild.

Ezechiel als dritter grosser Prophet stand heute auf dem Leseplan. Dazu durfte ich die Einführung machen. Naja, da ich beim letzten Mal lesen vor der Bibelreise keinen wirklichen Zugang zu diesem Buch hatte, war das ein bisschen schwieriger als beim Deuteronomium, dem letzten Buch das ich in der Runde vorstellen durfte.

Auch bei dieses Lesedurchgang fand ich keinen breiten Zugang zu diesem Buch. Aktuell habe ich eher das Gefühl es ist für mich ein „Zitatesteinbruch“. Dieser Nichtzugang zum Buch liegt wohl daran, dass mir gerade die Wiederholung einfach zu viel wird. Immer das Gleiche! Immer fällt Israel ab und Gott zürnt. Jahrhundertelang geht das nun schon so in der Bibel und das Nervige – und deshalb trifft mich das Buch und ich sperre mich ein bisschen dagegen – ist ja, dass es noch immer so ist. Heute betrifft das ja nicht nur ein Volk Israel sondern auch die Kinder des Neuen Bundes, also wir.

Ins Herz gestochen ist mir das Wort „Bindung“, gleich am Anfang des Buches (Ez 4,4 ff.). Ich binde dich, sagt Gott zu Ezechiel. Das Erinnert mich sofort an die große Bindung, die Akedah, die Abraham und Isaak betrifft.
An anderer Stelle habe ich schonmal erwähnt, dass der Besuch auf dem Tempelberg, jenem Berg auf dem Abraham bereit war seinen Sohn dem Herrn und Gott ganz und gar zu übergeben, für mich ein einzigartiger Ort ist. Hier hat Isaak zusammen mit seinem Vater zum ersten Mal den priesterlichen Dienst übernommen indem er die Grundaufgabe, das Tragen des Opferholzes – gleich dem Kreuzholz des Erlösers (vgl. Ratzinger) – übernimmt. Hier hat der Sohn des ersten Gläubigen unser aller Vater Abraham, zusammen mit ihm die shekhinah erblickt und ist die Bindung eingegangen, zu dem Einzigen Gott eingegangen.
Eine irgendwie Vorausbesitzhabe, Gnade, und eigene Handlung – dies prägt Isaak und zeigt uns das Vorbild, das wir Christen gehen dürfen. Gnade ist uns geschenkt, das Gehen auf Gott zu ist jedoch Dienst, ja Verantwortung, Pflicht und ganz besonders Freiheit.

Die Verantwortung in Freiheit sich für Gott zu entscheiden um seinen Dienst, den er einem schenkt zu übernehmen.
Gott stellt dem Menschen, das Geschenk das er hat auf den Tisch, auspacken müssen wir es selber. Für manche ist dieses Geschenk der Dienst des Weihe-Priesteramtes. Ein Geschenk, das sein eigenes spezielles Joch mit sich bringt. Gleichsam wie Isaak darf also der Priester das Jochholz tragen, so wie es der Priester in der außerordentlichen Messform beim Anlegen der Stola betet: „Herr Jesus Christus, du hast gesagt: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.

Je mehr ich mich da hineindenke in die verschiednen Symbole, in die verschiedenen Ausformungen der Zeichen, der Handlungen … um so mehr neige ich mein Haupt und werde stiller. Die Ehrfurcht schafft innere Stille.

Josef Ratzinger, der auch in dieser Szene die Grundlage für den christlichen Kult (also Liturgie) findet, denkt hier noch weiter und formuliert: „Das Joch Gottes – das ist der Wille Gottes, den wir annehmen. Und dieser Wille ist für uns nicht eine fremde Last, die uns drückt und die uns unfrei macht. Zu wissen, was Gott will, zu wissen, was der Weg des Lebens ist – das war die Freude Israels (24.04.2005). Der Papst spricht zwar hier von Palliumträgern, aber in abgestufter Form trifft das auch auf die Priester zu, die sich nach den Papieren des II. Vatikanischen Konzils direkt am Bischof ausrichten.

Aber trotzdem: So eng stehen wir zusammen (Judentum und Christentum), so eng am ‚Entscheidenden Moment‘ meines zukünftigen Lebens stand ich und nun verstehe ich, warum es mich dort so ergriffen hat. Mich verwirrt es aktuell noch zu fühlen, dass Gott mich irgendwie eindringen lässt in diese Verbindung, in diese Linie der Generationen die gefestigt wird durch das Kreuz Jesus Christus.

Der Gedankensprung mag für manche nun abwegig sein, aber in diesem Gedankengang merke ich, es ist entscheidend, dass in Zukunft die Priester wieder und intensiver Geistliche werden. Davon ausgehend wird mir gerade manches nochmal klarer, was auch Franziskus die ganze Zeit zu den Priestern sagt …

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