Israel 2017 Dreißigster/einunddreißigster Tag

Ja, jetzt nehme ich mal wieder zwei Tage zusammen. Was nicht allein an Faulheit/Müdigkeit liegt, sondern viel mehr daran, dass wir nicht genug Internetempfang haben. Es gibt irgendwie nur einen einzigen WLAN-Anschluss oder Leitung für alle auf dem Platz und es sind so viele im Netz, dass es überlastet ist.

Freitagabend haben wir nun, wir sind also schon den zweiten vollen Tag in Tabgha, hier am See Genezareth. Zwischenzeitlich ist das Wetter ein bisschen besser geworden. Es regnet zumindest nicht mehr und wir hatten auch heute, am zweiten Tag, endlich warmes Wasser zum duschen am Morgen, wobei es heute Abend wohl auch nicht für alle genug war. Naja, dann mal schauen wie es morgen früh ist.

Ich habe auch noch keinen Klipdachs gesehen, ein Tier, das ich unbedingt noch sehen muss, denn in der Bibel taucht das Tier immer wieder auf und ein guter, lieber Freund erzählt immer von diesen wohl so niedlichen Tieren. Dafür haben wir nun schon das zweite Evangelium gelesen und wir haben richtig große Steaks gegrillt.

Gestern war eben das Evangelium nach Markus dran. Nach dem Gottesdienst in der Klosterkirche, nach der gemeinsamen Laudes am Seeufer und der Einführung zum Buch hatten wir den ganzen Tag Muße, um uns einzuarbeiten in das älteste der vier Evangelien. Nach der Reflexionsrunde und der Vesper bei den Mönchen gab es eben die gegrillten Steaks. Richtig viel Fleisch, das war mal wieder schön. Mensch hört sich das verfressen an, aber wir sind doch die ganze Zeit recht vegetarisch und schlicht beim Abendessen. Also keine Angst wir fasten schon …

Heute feierten wir am Nachmittag eine Gruppenmesse, somit waren wir nicht im Gottesdienst bei den Mönchen, sondern begannen den Tag gleich mit der Laudes. Frühstück und Referat sind ja Standardprogramm. Danach die Lesezeit und die Verabschiedung unseres Regens, der sich wieder auf nach Freiburg machte – und der Morgen war rum. Um 14:00 Uhr trafen wir uns zu einem Kreuzweg auf den Berg der Seligpreisungen, den wir eben mit einer gemeinsamen Messe auf dem Berg der Seligpreisungen abschlossen. Dazu schloss sich ein Abiturskollege an, den ich nun auch schon über sechs Jahre nicht mehr gesehen hatte. Die Kurskollegen gingen nach der Messe wieder in Richtung Unterkunft, ich setzte mich noch ein wenig mit Stefan und seiner Partnerin zusammen um uns gegenseitig auf den „neusten Stand“ zu bringen. Diese Begegnung hat mich gefreut. Wir haben dieses Jahr zehnjähriges Abi und irgendwie war es echt nett, dass wir uns getroffen haben.

Was gibt es zu meinen Leseerlebnissen zu sagen? Hm, es ist irgendwie nochmal eine ganz andere Sache die Evangelien hier am See zu lesen. So viele Geschichten spielen sich hier rund um den See ab. Es ist schön, dass es kaum ein verortetes „Hic“ gibt, sondern die ganze Fläche, das ganze Gebiet mit dem Herrn verbunden ist. Das kommt meiner Spiritualität echt näher.
Gerade das Buch Markus ist für mich ein Buch voller Bewegung und die Bewegung erlebe ich hier noch mehr, noch intensiver. Jesus ist die ganze Zeit unterwegs. Er hat keine Ruhe, keine Pause, immer treibt er vorwärts, treibt seine Jünger und die Menschen an weiter zu gehen, geistig und räumlich. Das Markusevangelium ist ein dauerhaftes nach vorne streben, hin zu Gott: Näher mein Gott zu dir! Gleichzeitig ist es voller Hinweise, dass es auch neben der Bewegung um eine Verortung, um Ruhe und Stille geht. Nur in der Verortung, der Verortung in Gott kann es vorwärts gehen. Stille und Ruhe in den „Zwischenzeiten“ zwischen Wundern, Heilungen und Begegnungen sind Momente der dann eben nicht räumliche Bewegung sondern innere Bewegung. Ich nehme hier nochmal mehr mit, dass es kein Stillstand gibt im Weg auf den Herrn zu. Es ist immer ein Vorwärtsstreben. Gott dienen ist nicht ausruhen, sondern stetes ausrichten auf ein Ziel hin. Aktion wie auch Kontemplation. Das erlebe ich irgendwie wie ein Widerspruch zu den Forderungen der Stille und des Gebets wie ich es kenne. Das bedeutet auch hier: Umdenken Björn.

Demgegenüber erlebe ich das Matthäusevangelium. Es ist so viel voller. So viel schneller. Manchmal erscheint es mir wie ein Diavortrag. Ganz viele einzelne Bilder: „Und siehe …“ – ganz schnell, ganz kompakt, ganz genau verdichtet und reduziert auf das Wesentliche fokussiert es meinen Blick. Es ist pure Interaktion, dauerhafte Forderung. Es hetzt mich echt ein bisschen. Selbst beim Lesen erwische ich mich wie ich ungeduldig werde und versuche immer schneller zu werden. So habe ich das noch nie erlebt. Die Bilder die ich sehe/lese sind irgendwie wirklich wie auf der Leinwand, dafür voller Intensität. So viele Eindrücke überfordern mich, ich kann gar nicht reduzieren. Was mir auffällt; das Buch lebt von Kontakt, ja gerade auch körperlichem Kontakt. Immer wieder gibt es Berührungen, es gibt Nähe die fast knistert so aufgeladen ist sie. Es ist ein körperliches, ein geistiges, ein volles Be-rühren. In Ganzheit durch Jesus aber auch durch den Heiligen Geist, durch Engel in Träumen … da gibts keine Zeit der Ruhe, keine Teilzeitbeziehung zu Gott.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s