Israel 2017 Dreiunddreißigster Tag

Sonntag, lesefrei, Ausflugstag …habe ich letzten Sonntag auch so angefangen? Kann sein, zumindest so ähnlich. Eben der schon gestern beschriebene Gleichklang den wir bei den grundsätzlichen Tagespunkten haben. Das ist aber auch gut so.
Morgens aufstehen, diesmal extra noch früher um endlich mal einen Klippdachs zu sehen, war aber nichts dafür hat einer der Kollegen Ihnen gesehen und mir ein Bild geschickt. Eventuell klappt es ja noch am Montag oder am Dienstagvormittag.

Ja, also Aufstehen (und duschen mit warmem Wasser) und dann gemeinsame Laudes, Frühstück mit Rührei, dann Gottesdienst im Kloster oben und danach eine kleine Führung durch die Kirche mit einer intensiveren Einführung zur Baugeschichte und zu den Mosaiken.

Im Anschluss an diese Führung ging es zur Primatskapelle, also zu jenem Ort an dem der Tradition nach Jesus den wieder als Fischer arbeitenden Jüngern begegnet ist. Nach der Auferstehung, nachdem die Jünger Jerusalem verlassen haben. Hier wird an die Begegnung zwischen Jesus und den Jüngern Petrus, Andreas und Johannes gedacht und eben an die besondere Beauftragung Petrus, zur besonderen Nachfolge – und auch Leidensnachfolge (Joh 20,15 ff). Schlicht und unspektakulär ist dieser Ort. Der Rektor spricht nochmal davon, dass eben die Berufung aus dem Alltag heraus geschieht. Da ist kein großes leuchten, kein donnern oder eine herabschwebende Taube. Da ist der schlichte Dialog, das prüfen und das einordnen der Möglichkeiten … Berufung. Klar und doch mit so vielen Fragen.
Was bei der deutschen Übersetzung des Textes jedoch nicht sichtbar wird sind die verschiedenen Bezeichnungen des Wortes Liebe. Jesus fragt drei Mal, zwei Mal mit demselben Wort („agape“), beim dritten Mal erst verwendet er das Wort für Liebe wie Petrus („filos“). Jesus fragt an um die Erwiderung der göttlichen Liebe, Petrus ist jedoch zu sehr Mensch. Aber das versteht Jesus. Gott fordert alles, aber er überfordert nicht. Er kennt die Grenzen der Menschen, die müssen nicht überschritten werden, aber er will uns an die Grenzen bringen.

Von hier geht es zu Fuß weiter nach Kapharnaum. In DIE Stadt Jesu. Geboren in Bethlehem, die Kindheit erlebt, die Familie beheimatet in Nazareth, Jerusalem als fordernde und Stadt der Entscheidung und der Prägung – Kapharnaum ist allen gegenüber die Stadt des Rückzugs (Mt 4, 12-13). Hier kann Jesus sein, wie er ist. Rückzugsort und Ort der Freundschaft und des Zeugnisses. Die hier gewirkten Wunder führen nicht zur Verfolgung. Das Haus des Simon, die Schwiegermutter des Simon (Mk 1,29-31, Lk 4,38-39), die Synagoge in der er beten und lehren darf (Mk 1,11 ff. Joh 6,22-59). Alltag der Jünger und deren Familien …
Viel ist von diesem Ort nicht mehr zu sehen. Ausgrabungen einiger Häuser, eine spätere Synagoge am Ort jener in der Jesu gebetet hat und eine sehr moderne Kirche über dem Haus der Schwiegermutter des Simon.
Keine große emotional besondere Stimmung gibt es für mich hier. Der See, das Seeufer erinnert wieder, zeigt wieder, dass dieser See entscheidend ist für viele Passagen aus der Schrift und dieser Grundbezug zum See und zur Region spüre ich: Land Jesu ist das hier.
Eine Mahnung, eine Aufforderung bietet dieser Ort: Auch ein Priester braucht Verortung. Keine große räumliche, die bindet, aber eine emotionale, ein Umfeld in dem er sein kann, der er ist, ohne beobachtet zu werden, ohne Augen die jeden Schritt, jedes Wort prüfen, ein Umfeld von Menschen, die im Priester den Menschen sehen und diesen schätzen: Freunde! Wegbegleiter! Menschliche Heimat!
Eine Aufforderung an mich selber den mir selbst zugesprochenen Satz wieder stärker zu erleben: Heimat ist dort, wo ich die Liebe (Zuneigung, Respekt, Risiko, Ruhe, …) von Freunden und mit Freunden erlebe. Es erinnert mich daran, dass ich in all der Übung und der neuen (Einübung der) Lebensform wirklich – auch das Recht und die Pflicht habe – ein Leben, einen Freundeskreis außerhalb des Seminars zu leben.

In der Vesper fiel mir ein kleines Wörtchen auf. In den dortigen Fürbitten beten die Mönche für die Christen im Orient. Im Orient! Das ist eine Bezeichnung die wir in Deutschland so wohl kaum noch verwenden. Tausend und eine Nacht, der Orientexpress, die Karl-May-Bücher, … Naschwerk, Persien, irgendwelche Bilder aus dem 19. Jhdt. – aber nichts zeitgenössisches. Das Wort ist ein schönes Wort, merkte ich. Ich mag das Wort, das bietet eine andere Sichtweise auf den „Nahen Osten“ oder wie wir diese Region hier nennen. Eventuell braucht diese Region hier wieder diese Bezeichnung, denn die vielen anderen sind zu stark verbunden mit Krieg, Elend, Ungerechtigkeit und ganz viele negative und vorgefasste Bilder. Mit diesen Bildern und Einengungen ist eine friedliche Zukunft nicht möglich. Orient ist ein Wort der Freizeit und klingt nach Feierabend, nach Wochenende und nach Muße/Otium Eventuell lassen wir diese Region wieder zum Orient werden – auch wenn gerade in nächster Nähe Menschen sterben. Das habe ich im Blick, aber eventuell schafft dieses Wort eine neue Stimmung und wir gehen wieder mutiger an die Probleme heran, mit dem Blick auf die Menschen, die hier leben. Orient – ich mag dieses Wort es ist so schmackhaft.

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