Gedanken zu Joh 3,16-21

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Heute in der Auslegung beim Domradio hatte ich so viel was ich sagen wollte und dabei fiel mir auf, dass ich gar nicht wusste, was ich davon auswählen wollte. Ich wollte sprudeln, aber die Zeit hat nicht gereicht. Deshalb hier einmal die vielen Gedanken die ich hatte und von denen ich nicht wusste, welche ich sagen wollte.

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Licht und Dunkel, das sind sehr bekannte Gegensätze. Ganz oft werden diese Begriffe verwendet. Schon im Alten Testament finden sie sich. Dunkelheit ist Gottverlassenheit, ist Einsamkeit, ist Angst, ist der Raum der Abwendung von Gott – in den aber gerade auch im AT Gott immer wieder eindringt um uns zu führen, hinaus zu führen. Ob in Psalmen oder in einem ganz starken Bild des Exodus – der Feuersäule die den Israeliten vorauszieht, immer wieder zerstört das Licht, ein Feuer die Dunkelheit und befreit die Menschen.

Und auch das Christentum kennt diese Bilder. Nicht nur hier in dieser Perikope. Auch in der Liturgie verwenden wir diese Gegepole. Wir „feiern“ das Licht als Symbol. Da denke ich an die Liturgie der Osternacht, speziell im ersten Teil hat die katholische Liturgie (und auch die orthodoxe) eine Lichtfeier. Höhepunkt ist die Entzündung der Osterkerze und ein Liebeslied auf das Licht, das Exultes. = Licht als Verwandelndes Moment, Licht als Zukunft, als sich ereignende Hoffnung.

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Wenn ich diese Stelle lese, muss ich unweigerlich auch an eine Textstelle aus Berthold Brechts Dreigroschenoper denken: Da heißt es in der Zusatzstrophe der Moritat von Mecky Messer (aus dem Jahr 1930): „Denn die einen sind im Dunkeln. Und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte. Die im Dunkeln sieht man nicht.

Auch hier, das Dunkle ist der Ort des Bösen, des Verbrechens. Das Licht es stört, denn es deckt auf. Das Evangelium, Jesu Leben und Botschaft, ist so ein Licht, das aufdeckt, das die Ecken ausleuchtet. Wie eine Halogenleuchte wirklich jedes Eck ausleuchtend, selbst hinter Verkantungen und Hürden reicht dieses Licht hin. Und doch, das Licht Jesu Christi ist nicht so zerstörerisch wie eine Halogenleuchte, vielmehr wie eine Kerze, die still und leise, aber intensiv leuchtet. Das Ausleuchten unserer Person durch das Licht Jesu ist nicht zerstörerisch und verbrennend, eher zärtlich, es drückt nicht den Finger in die Wunde, sondern bietet Heilung an. Heilung, die beginnt, wenn wir uns ganz in das Licht stellen.

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Bleiben wir bei dem Bild mit dem „Licht“. Jeder der Böses tut, hasst das Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Das klingt logisch. Wenn ich Fehler gemacht habe, dann habe ich zwei Möglichkeiten: Sie zuzugeben oder eben nicht. Aber wenn ich in einer Welt lebe, in der ich meine Fehler nicht eingestehen kann, in der meine Fehler immer und immer an mir haften bleiben, dann werde ich doch alles tun, damit ich eben meine Fehler nicht zeigen muss, damit ich selber auch nicht mit meinen Fehlern konfrontiert werde. Das Problem von unverarbeiteten Fehlern, mehr und mehr Fehler ist doch, sie führen zu Frustration, zu Unsicherheit, zu Angst, Hass, ja, zu einem lebenslosen Leben.

Jesus zeigt da ein Gegenangebot. Er bietet das Heil. Also eine Welt, ein Leben in dem der Mensch nicht per se verurteilt wird, in dem der Mensch nicht wegen Fehlern oder Eigenheiten grundsätzlich negiert oder zerstört wird. Jesus bietet einen Raum, eine Lebensform in der man neu anfangen kann. Rettung durch Jesu könnte an dieser Stelle bedeutet: Jesus bietet ein Leben in der Freiheit von Schuld und Fehler. Der Mensch hat die Möglichkeit auf dieses Angebot zu antworten. Indem er ins Lichte tritt: Also, Fehler eingesteht, sie verarbeitet und sich bemühen diese und andere nicht mehr zu tun. Und so entsteht ein Leben, frei von Ängsten, offen für Hoffnung, bereit zur Liebe.

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Jesus ist das Licht, Jesus ist der Bote und der Bote ist wie der Sender. Guardini schreibt: Gott hat „Licht-Kraft […] Dinge, Menschen und Geschehnisse bis auf den Grund zu durchblicken“ (Homelien). Gott sieht in jedem sein eigenes Wesen, sieht bis auf den Grund. Er sieht ganz klar.

Und diese Kraft, dieses klar sehen, das bietet Gott an. Mit dem Evangelium kann ich das. Mit Jesu gehend kann ich das. Auch hier: Nicht einfach, aber machbar. Denn im Licht muss ich mich nicht verstellen, da darf ich erfahren wer ich bin, da darf ich Mensch sein, Fehler machen und erkennen, was falsch ist. Gottes Licht bereinigt es, wenn ich bereit bin.

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Licht – Angebot der Weite! Mit Licht verbinde ich nicht nur ein hineinsehen können, sondern auch eine Weite. Dieses Jahr an Ostern war so richtig Frühling. Man konnte es also erleben, wenn das Morgenlicht über die Berge hinwegbrach, dann tauchte die Sonne die ganze Landschaft in ein weiches klares Licht. Von einem Moment auf den Anderen verändert sich der Sichtkreis, der Horizont.

Noch stärker kann man das erleben, wenn man aus einem dunklen Raum, eventuell aus einer der Höhlen die man als Kind erkundet hat heraustritt. Plötzlich wird es ganz hell. Die Sonne blendet aber eröffnet einem einen ganz neuen Blickwinkel. So ist das auch beim Licht Gottes. Ohne ihn, ohne dieses Licht sehen wir nicht über unsere Füße hinaus. Wir sind gefangen, eingeengt und tappsen nur ganz vorsichtig durch das Leben. Die Sonne, das Licht Gotte, das Licht der Weite, der Erkenntnis lässt uns ausschreiten. Leichte und doch sichere Schritte gehen. Auch hier. Das Licht, die Erkenntnis schenkt er uns, wir müssen allein den Schritt beginnen, der uns aus der Höhle der Dunkelheit herausführt. Dann macht er alles andere.

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Bisher habe ich mir das Gericht als einen Prozess vorgestellt. Ich glaube nicht und dann werde ich irgendwann gerichtet werden. Irgendwann in fernen Tagen, beim jüngsten Tag. Aber ist ihnen das auch aufgefallen? Es lautet hier: „Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“ – das ist Perfekt, da ist schon jemand gerichtet – mit dem Akt des Nicht-Glaubens. Da richtet aber nicht Gott, sondern der Nicht-Glaubende richtet sich selber. Nicht-Glauben ist Selbstgericht. Nicht Jesus richtet, sondern rettet. Da wird dieser Satz noch klarer. Der Nicht-Glaubende richtet sich selber, stellt sich in die Dunkelheit, in ein Leben ohne Zukunft, ohne Hoffnung auf ein mehr im irdischen und darüber hinaus. Und Jesus steht da und will retten, retten aus der Selbstverurteilung.

Jetzt braucht es meiner Meinung nach dazu aber noch eine zweite Überlegung darüber, was denn „Nicht-Glaube“ ist. Was ist denn das Gegenteil von Glaube? Atheismus? Nein, zumindest heute nicht mehr, heutige Atheisten sind meiner Ansicht nach auch nur Menschen mit einem Ersatzglauben. Ist der Zweifel das Gegenteil von Glauben? Nein, ich denke, dass es gerade zum Glauben den Zweifel braucht. Das Gegenteil von Glaube würde ich an dieser Stelle einmal mit Gleichgültigkeit betiteln. Menschen, die Gleichgültig sind gegen Gott, also gegen das was wir darunter verstehen; reine Liebe, Freiheit, Frieden – leben genau das nicht und entschuldigt bitte, was gibt es schlimmeres als ein Leben ohne Liebe? Ohne Freiheit? Ohne Frieden?  Ohne Hoffnungen? Wer nicht glaubt richtet sich selber, denn er nimmt sich in der Konsequenz der Gleichgültigkeit Liebe, Freiheit, Friede. Hoffnung, ja Leben, so wie wir es uns vorstellen.

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13 Einträge zu „Gedanken zu Joh 3,16-21

    • Guten Morgen. Vielen Dank erstmal, dass du meinen Text gelesen hast. Ich blogge noch nicht lange und so ist es was Besonderes, wenn jemand das ließt und eine Reaktion hat.

      Ich glaube, Gott hat uns Menschen als freie, denkende und handelnde Menschen erschaffen. Wir haben unseren Willen, wir können alles frei wählen und sind nicht determiniert.
      Ich denke aber auch, dass der Mensch stehts nach Wissen, nach Wahrheit strebt. Er fragt nach den Dingen der Welt und sucht Antworten. Da ich nun glaube, dass Gott alle Antwort hat, dass Gott die Wahrheit ist, denke ich, dass der Mensch geradezu hingezogen wird zu Gott und aus diesem logischen sich-hin-bewegen automatisch glauben wird, irgendwann, spätestens wenn er „vor ihm steht“. Ob das jetzt die menschliche Freiheit des Entscheidens einschränkt, kann ich nicht sagen, das ist mir zu philosophisch und da bin ich doch nicht intelligent genug um diese Diskussion zu führen.

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      • Es geht mir mehr grundsätzlich darum, ob du meinst, dass Menschen einfach entscheiden können, was wir glauben. Könntest du genausogut glauben, dass dein Gott nicht existiert, oder dass du aus eigener Kraft fliegen kannst?
        Ich kann das nicht, und und soweit ich weiß, habe ich das mit allen anderen Menschen gemein.

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      • Na, zuerst empfinde ich deine Beispiele als Beispiele unterschiedlicher „Qualitäten“. Ich denke, dass ich mich als Mensch für oder gegen Gott entscheiden kann. Wie das im Einzelnen erlebt und getan wird, kann ich nicht abschätzen, jedoch in der Fremdwahrnehmung auf meinen Gegenüber hin kann ich wahrnehmen: dieser sagt er glaubt, der andere nicht. Also das was man so landläufig Atheist oder Agnostiker oder wie auch immer bezeichnet. Diese Menschen gibt es, auch in meinem Bekanntenkreis. Das ist ein Faktum für mich.
        Die Frage danach ob ich glauben kann, dass ich aus eigener Kraft fliege hat ja eine andere Qualität. Beim Glauben und bei Gott kann ich mich auf Erfahrungen anderer berufen, ich kann aufgrund der Glaubenstradition, der Glaubenszeugnisse sagen, ja ich anerkenne die Existenz und Glaube. Und schlussendlich kann ich Gott selbst erfahren und erleben. Da habe ich eine „Beweislage“ eine Grundlage. Bei der Frage nach dem Glauben ob ich fliegen kann – naja, da sagt mir die Naturwissenschaft, dass das theoretisch erstmal nicht möglich ist. Und das hat nichts mit Glaube oder Nichtglaube zu tun, sondern mit unserer materiellen Verfasstheit.

        Ich selber kann nicht glauben, dass es Gott nicht gibt. Ich habe ihn aktiv erfahren. Das wäre also bei mir genau so, wie wenn ich sagen würde: „Mein Bruder existiert nicht“
        Und ich selber kann auch nicht daran Glauben aus eigener Kraft zu fliegen. Ich kann davon träumen und es mir vorstellen, als Wunschdenken. Und eventuell ist da der Unterschied: Das eine ist Glaube, das andere ist ein Wunschdenken.

        Ganz zufrieden bin ich mit meiner Antwort nicht, aber ich hoffe sie ist ein Ansatz. Schönen Tag dir.

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      • Ich weiß nicht, wie sehr sie meine Gedanken trifft. Anders: Würdest du denn akzeptieren, dass ich zum Beispiel auch gar nicht an deinen Gott glauben kann, weil ich dafür Gründe bräuchte, die es nach meiner Überzeugung nicht gibt, die ich aber jedenfalls zumindest nicht kenne, oder siehst du darin eine Entscheidung von mir gegen deinen Gott?

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      • Der christliche Glaube ist ein Glaube dem die Mission entscheidend zu Eigen ist. Jetzt hat man das früher zu manchen Zeiten und in manchen Situationen (oft verbunden mit weltlicher Macht) sehr radikal umgesetzt. Das wünschen sich eventuell so manche heute wieder (um sich gegen den Islam z. B. zu stellen). ich verstehe meinen Missionsauftrag für mein Leben so, dass ich mein Leben so ausrichten muss, dass Wort und Tat (nach menschlichen Möglichkeiten) übereinstimmen. Ich darf und muss mein Leben so leben, dass es von Gott erfüllt ist und auch sichtbar wird, da hat jemand einen (aus meiner Sicht den einen) guten Weg gefunden.
        Mein Umgang mit Menschen ist somit durch mein Glaube bestimmt. Mit allen Menschen, ob Christ, Religiöser oder eben einem Nichtgläubigen. Dieser Umgang unterliegt Prämissen. Einer entscheidenden ist: Gott ist Schöpfer der Welt, also auch aller Menschen. Alle Menschen habe ich also als Geschöpf Gottes zu behandeln. Im gleichen Respekt, in gleicher Haltung. Die Menschen haben alle eine Würde, die ich ihnen nicht absprechen kann und darf. Das verlangt von mir oft genug auch Anstrengungen – man mag nicht alle Menschen 😉 gleich.
        Die Vorrede ist lang, aber ich denke das erklärt warum ich nun sage. Ja, ich kann deine Entscheidung akzeptieren. Ich kann sie eventuell nur bedingt verstehen, aber ich kann sie akzeptieren, denn es ist deine Entscheidung in der Freiheit des Menschen. ich kann die Entscheidung aber nur dann voll akzeptieren, wenn du auch meine Entscheidung und meine Lebenshaltung respektierst und akzeptierst. Dann können wir nämlich zusammenleben auf dieser Welt und uns daran machen einen gesellschaftlichen Konsens zu finden für die Fragen die anstehen.

        Und die zweite Frage, ob ich das als eine Entscheidung „gegen meinen Gott ansehe“ – Nein, du schränkst deinen „Nichtglauben“ ja auch schon ein mit: „die ich aber jedenfalls zumindest nicht kenne“ – wenn ich das recht verstehe und deute: du bist also bereit, weiter zu fragen, zu hinterfragen und bleibst für Dialog offen. Somit ist das keine Entscheidung gegen meinen Gott, sondern eine zeitliche Entscheidung. Du gehst das naturwissenschaftlich an – wenn ich das recht sehe – und das bedeutet du willst dich weiterentwickeln, Antworten suchen etc.. Ist doch O.K.

        Ich gestehe aber auch ein, dass meine Lebenshoffnung auch mit einschließt, dass du – egal ob du glaubst oder nicht – ebenfalls ein Leben nach dem Tod hast und auch für dich meine Hoffnung erfüllt. Du also spätestens nach dem irdischen Tod dich im Angesicht Gottes entscheiden musst, ja oder nein. Und dann, wenn du nein sagst, dann trennen sich wohl unsere Wege.

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      • Jetzt haben wir wieder knapp den Kern meines Ansinnens verfehlt. Ich wollte mehr darauf hinaus, ob du das auch so siehst, dass es gar nicht direkt meine Entscheidung ist, ob ich an deinen Gott glaube, sondern dass das von externen Faktoren (mit)bestimmt wird.
        Aber danke für die Erklärung!

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    • Unter der Prämisse, dass der Mensch ein Geschöpf ist, das frei ist im handeln und denken setzte ich voraus, dass das deine Entscheidung ist und die somit auch – nach neuer Prüfung – verändert werden kann. Deine Entscheidung entscheidet jedoch nicht darüber ob es Gott gibt, sondern alleine ob du an ihn glaubst.

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      • Okay. Dann bist du also der Meinung, dass Menschen sich frei entscheiden können, was sie glauben, und was nicht? Das überrascht mich jetzt, weil ich deine erste Antwort anders verstanden habe. Du schriebst ja selbst, dass du selbst dann nicht aufhören könntest, an deinen Gott zu glauben, wenn du wolltest. Das ist dann also nicht deine Entscheidung. Warum glaubst du, dass es bei mir anders ist?

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      • Ich kann nicht aufhören an ihn zu glauben, WEIL ich ihn erfahren habe. Ich kann doch auch nicht an die Existenz meines Bruders zweifeln, weil er eben ist. Das war mein Argument. Gott ist für mich real erfahrbar. Er ist an meiner Seite. Ich kann eventuell mit ihm streiten, an seiner Liebe und Güte zweifeln, aber ich kann ihn eben zwischenzeitlich nicht mehr negieren.
        Das was du doch mit deinen Sinnen und ganz besonders mit deinem Verstand erfahren hast, das kann sich eventuell weiterentwickeln, das kannst du aber doch nicht mehr negieren, oder?

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      • Darum geht’s doch breit gerade gar nicht, auch wenn ich schon sagen würde, dass ich erkennen kann, dass ich mich geirrt habe. Stichwort Solipsismus.

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