Der Hirte – Johannesevangelium

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Heute ist „Hirtensonntag“. benannt nach dem Tagesevangelium Johannes 10,1-30. Jesus stellt sich uns hier als Hirte vor.

Hirte, was ist aber ein Hirte, was sind denn nun Hirten? Wenn einem noch irgendein Bild dazu einfällt, dann sind das so süßliche Landschaftsbilder auf denen der Hirte, entspannt und in Ruhe auf dem Feld lagert und um ihn herum die Schafe sich sammeln. Nur, das ist mit Sicherheit nicht das Bild, das die Zuhörer Jesu hatten. Damals war der Hirte kein Beruf der Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. Nein, er war ein knallharter, schwieriger und auch sehr fordernder Beruf. Im Alten Testament finden wir immer wieder Stellen in denen das Bestellen des Landes und das Weiden der Tiere als erste Berufe zu finden sind (vgl. Gen). Man stelle sich einmal die Landschaft und die Arbeitsbedingungen vor. Das Land um das es geht ist ein karges Land. Der Hirte muss sehr genau planen, damit er seine Herde über den Sommer bekommt, dass er immer zu Wasserstellen findet (vgl. Ps 23), die das Überleben sichern. Der Hirte war ein Bezwinger der natürlichen Unwegsamkeiten und ein Kämpfer gegen Gefahren. Nicht umsonst hatte David eine Schleuder mit dabei, sie ist die Waffe gegen wilde Tiere und wahrscheinlich auch gegen so manch unliebsamen Dieb.

Deshalb ist das Bild des Hirten auch in vielen Epochen und Völkern des Mittelmeehrraumes – ob bei Ägypter, Griechen, Syrer oder eben Israel – auch das Bild eines idealen Königs, eines Herrschers, der eben nicht wie in Ezechiel oder in den Psalmen angesprochen, sich schlecht um seine Herde sorgt, sondern eben Sorge dafür trägt, dass die Herde – also das Volk – lebt. So bezeichnet das AT zwar schon den HERRN als Hirte, sozusagen als oberster Hirte (u. A. Ps 23; Gen 49,24; Mi 4,6f), aber auch der HERR selber bezeichnet zum Beispiel Kyros, König der Perser (Jes 44,28) als „mein Hirte“, weil er im Sinne des obersten Hirten handelt. Also Sorge trägt um sein Volk.

Der messianische Hirte taucht im Alten Testament unter anderen in den Bücher Jeremia und Ezechiel auf. Sach 13,7 und Sach 12,10 sprechen dann auch von dem „David-Messias“, der als Hirt beschrieben werden kann, der sich für seine Herde hergibt, also alles tut, damit sie leben kann und am Anfang steht für die einbrechende Heilszeit.

Das Einsetzten von Hirten durch Gott, haben wir eben im Alten Testament aber dann auch im Neuen Testament unter anderem bei Petrus (Weide meine Schafe Joh 21,16) und in anderen, aber analogen Begrifflichkeit, in den Briefen (u. A. 1 Petr 5,3f; Eph 4,11).

Was noch besonders auffällt wenn man sich die Hirtenbilder der Antike so anschaut, ist die Verortung der Personen. In der griechischen Welt spricht Platon von Hirten. Aber da habe ich das Gefühl, dass der Hirte die Aufgabe hat sich um ein Volk zu sorgen aber nicht Teil dieses Volkes ist. Anders ist das im Alten Testament: Mose wird vom weiden des Kleinviehs in sein Amt berufen und auch David wurde von Gott weggerufen als er das Kleinvieh (Kleinvieh= Begriff für Schafe im AT) weidete. Das Bild des Hirten, der von seinem Dienst zu einem neuen Posten versetzt wird, aber Teil dieser Welt, dieser Gemeinschaft ist, das drängt sich mir hier auf. Sie sind beide Hirten, bleiben es auch und sorgen sich eben nur an anderer Stelle um die Zukunft der Gemeinschaft.

Heute, an einem Tag an dem wir in der katholischen Kirche im besonderen Maße für Menschen beten, die ihrer Berufung nachfolgen, bietet es sich an, diese Hirtenbilder aufzunehmen und sie mit dem Priesterbild zu vergleichen. Eventuell bieten diese Hirtenbilder die Möglichkeiten sich neu auf den Priester als Mitglied des Volkes Gottes einzulassen, der zugleich eben auch einen speziellen Dienst in diesem Volk übernimmt. Die Hirtenbilder zeigen unter anderem, dass Priesterdienst, als Hirtendienst verstanden, eben ein Dienst, ein Sorgeamt sein soll und muss, damit jene, die sich einbinden lassen in das Volk Gottes bei all den Unebenheiten, Ablenkungen und Schwierigkeiten auf dem Weg des Lebens, auf dem Weg zu neuen Wasserstellen und Unterkünften, nicht abstürzen oder verlorengehen. Dabei gefällt mir die Vorstellung, dass der Hirte dies stehts in einem Wechsel aus Nähe und Distanz macht. Die Herde kann selber gehen, sie braucht nur an einzelnen Stellen die Hilfe. Das ist vom Priester zu erkennen, vom Volk einzufordern und von beiden anzunehmen.

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