Gerüchte aus dem Vatikan – Müller

Gerade überschlagen sich wieder die katholischen Medien. Papst Franziskus soll Kardinal Müller entlassen haben. Dabei werden nun die jubilieren, die schon lange in Müller den Inbegriff des bösen Priesters entdeckt haben. Diesen Bösewicht habe ich nie erlebt. Kardinal Müller mag zwar seine Haltung zur Theologie gehabt haben, er war jedoch immer für die Diskussion bereit und ich hatte ihn stehts in den Veranstaltungen als einen zwar manchmal ein bisschen hölzern wirkenden, aber doch sehr kommunikativen und ungemein humorvollen Gesprächspartner erlebt.

Ich bin schon ein bisschen traurig über diesen Schritt. Während ich in den Texten von Papst Franziskus einen Hirten heraushöre, der offen und fair im Kontakt mit den verschiedensten Seiten den Weg der Erneuerung der Kirche gehen will und stehts auf Kollegialität und Gemeinschaft hinwies, habe ich in Kardinal Müller in meiner Zeit in Rom einen Menschen und Christen kennengelernt, der sich absolut in den Dienst für Kirche und Papst hat stellen lassen. Entgegen der Wortklaubereien die stehts vorgenommen wurden, ist Kardinal Müller wirklich jemand der sich ganz klar als Zuarbeiter des Papstes versteht. Dass er das ernst meint, hat man an der Synode erleben können und auch im Nachgang zu Amoris laetitia sehen können. Er hat geschwiegen und hat sich stehts hinter den Papst gestellt. Da es keine Interpretationshilfen von Seiten des Heiligen Vaters gab, hat er das getan, was sein Job ist. Das Schreiben im Lichte der Tradition zu erklären. Aber auch das hat man ihm negativ angerechnet.

Die Medien behaupten, dass Papst Franziskus Kardinal Müller aufgrund seiner traditionellen Haltung entlassen hat. Manche meinen, es liegt an einem Interview, das er in diesem Jahr gegeben hat. Wenn dies stimmt, dann muss ich mir echt Gedanken machen über den Zusammenhang der Worte von Franziskus und seinen Taten. Da ich jedoch papsttreu bin, muss ich voraussetzen, dass es andere Gründe gibt, die wir (noch) nicht wissen. Das erlebe ich gerade als eine ungute Situation, denn der Stil, die aufwallenden Meldungen, die Stimmungsmache darum herum erinnert mich an einen anderen Vorgang, an eine andere Entlassung eines päpstlichen Mitarbeiters. An Kommandant Anrig und die Situation und Gerüchte damals.

Eines verstehe ich aber auf alle Fälle: Kardinal Müller war im Gefüge der Kurie ein wichtiger Punkt ohne eine „Hausmacht“ wie es andere Kardinäle und Bischöfe haben. Er war ein papsttreuer Mitarbeiter, der sich die Worte des Papstes zu Herzen nahm. Er hat auch die Forderungen des Papstes zu einer spirituelleren Kurie ernst genommen. Ich bete für Kardinal Müller, ich bete für Papst Franziskus, damit der Herr seine Diener leite, zum Wohle der Kirche, zum Wohle seines ganzen Volkes.

Sexueller Missbrauch und Zölibat

IMG_7729

Gestern habe ich unter einem Beitrag des ZDF  zu Kardinal Pell die Kommentare gelesen und habe einmal eine Antwort dazu geschrieben, ohne hier Kardinal Pell in Schutz nehmen zu wollen, da ich nicht weiß was geschehen ist. Der Kommentar findet sich in kürzerer Form auch in facebook auf der Seite des ZDF.

Kardinal Pell ist beschuldigt worden Kinder sexuellen missbraucht zu haben. Bis dato ist nichts nachgewiesen. Bis dato gibt es Anklagen, die gerichtlich geklärt werden müssen. Solange sollte man Kardinal Pell nicht verurteilen. Auch wenn in unserer Gesellschaft der Grundsatz besteht: Im Zweifel für den Angeklagten, wird aber auch hier wieder anders gehandelt. Das Volkstribunal entscheidet. Leider zeigt die Berichterstattung in manchen Medien und auch so manche Reaktion in Kommentatorenspalten, dass selbst wenn sich rausstellen sollte, dass der Kardinal nichts getan hat, er sein restliches Leben als Täter verbringen wird. Verurteilt ist er ja schon, von der Öffentlichkeit. Diese Vorverurteilungen, diese ganzen harten und pauschalen Reaktionen führen nicht zu einem besseren Umgang mit dem Thema. Sexueller Missbrauch an Kindern ist schlimm und muss bestraft werden. Der einzelne Täter muss bestraft werden und die Gesellschaft muss sensibilisiert werden für dieses Thema. Dies ist bis zum heutigen Tag nicht geschehen. Das Thema wurde auf einzelne Personen und Institutionen abgewälzt bzw. reduziert. Wie ist das aber mit dem sexuellen Missbrauch in Sportvereinen, durch Nachbarn und innerhalb der Familien? Die Zahlen und die errechneten Dunkelziffern zeigen düsteres. Noch immer haben wir in Deutschland eine Mentalität, die dieses Thema unterdrückt und vertuscht.

Die Kommentare hier unter diesem Artikel des ZDF sind ungemein interessant. Insbesondere da hier von vielen Schreibenden eine Lebensform und damit direkt Menschen teilweise pauschal unter Generalverdacht gestellt werden. Priester sind per se hier für sehr viele die Ausgeburt des Bösen. Die Klitsche des geilen Mönchs aus dem Mittelalter findet sich hier immer und immer wieder. Das ist leider sehr unreflektiert und zeigt, dass das Thema „Fake-Nachrichten“ keine neue Erfindung ist. Schon Dairmaid MacCulloch erzählt davon in seinem Buch „Die Reformation“, wie gut gestreute Gerüchte gegen Priester/Mönche über ihre sexuellen Laster genutzt wurden, um eben diese Mundtot zu machen oder zu diffamieren. Das ist also schon eine Tradition aus dem 12/13 Jhdt., die immer wieder aufkommt. Ohne das Versagen einzelner abzuschwächen, sollten wir intelligenten Menschen des Informationszeitalters da ein bisschen reflektierter sein.

Wir können diese Angriffe und Beleidigungen einmal überspitzen und personalisieren: Diese Menschen unterstellen mir und vieler meiner Kollegen in den Seminaren und in Klöstern und im Priesteramt grundsätzlich eine Neigung zum sexuellen Missbrauch. Viele der Damen und Herren in den Kommentaren unterstellen jenen Menschen die zölibatär leben ein sexuelles und wahrscheinlich auch ein geistiges Problem. Zölibatär lebende Menschen müssen – nach den Kommentaren – krank sein, oder einfach den Beruf aus Machtgeilheit um andere Menschen zu unterdrücken, machen. Das ist eine Pauschalisierung und eigentlich nicht wert darauf einzugehen. Trotzdem ist es einfach mal an der Zeit, das persönlich zu nehmen, ohne dass ich da nun weniger gut schlafen kann. Ich stelle mir die Frage, ob diese Menschen in den Kommentarspalten, diese Aussage auch mir ins Gesicht sagen würden, oder einem Priester entgegenschleudern würden, den sie kennen.

Ich denke, ich habe ein normales Verhältnis zu Männern und Frauen. Ich komme aus einer normalen Familie und kann ganz normal mit Menschen umgehen. Ich hatte selbst Partnerschaften in meinem Leben, die ganz „normale“ Partnerschaften waren. Wir haben gestritten und geliebt. Wir haben miteinander einiges erlebt und haben uns getrennt. Mit einigen habe ich hinterher sogar noch Kontakt gehabt, mit anderen nicht. Also alles ganz normal für die heutige Zeit. Ich habe keine abartigen Neigungen oder andere psychische Krankheiten. Wenn dies anders wäre, dann wäre dies in meinem Umfeld (Freunde, Familie, Arbeit … ) schon lange aufgefallen, nicht zuletzt weil viele meiner Bekannten in pädagogischen, psychologischen und anderen ähnlichen Berufen aktiv sind. Darüber hinaus gibt es heute auch eine große Sensibilität in diesem Themenbereich, gerade bei der Aufnahme im Seminar. Die katholische Kirche, namentlich die Jesuiten in Rom, sind da weit vorne dabei und haben da einige Programme erarbeitet, die Weltweit gut angenommen werden. Natürlich gibt es in den Seminaren und unter den Priestern „komische“ Gestalten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das aber auch bis zu einem gewissen Punkt so sein muss, streben oder haben wir angestrebt einen Beruf, eine Lebensform, die eben „komisch“ oder aus dem Mainstream-Leben heraus ver-rückt ist.

Ich habe kein Problem mit meiner Sexualität, ich mag – bis auf meinen doch ein bisschen zu vielen Kilos – meinen Körper, kann ihn anschauen, ziehe mich nicht im Dunkeln an oder aus. Ich geh in die Sauna, zur Massage, ins Schwimmbad, ich bin in all diesen Punkten ein ganz normaler Mensch. Und doch wird mir das – per se da ich Priester werden will – irgendwie abgesprochen.

Ich habe auch kein Problem mit dem Zölibat, ich habe ein Problem damit, dass ich täglich dafür von Menschen angegriffen werde. Meist mit sehr fadenscheinigen und sehr einseitigen Angriffen. Manchmal würde ich gerne diesen Menschen entgegenschleudern: Warum macht dich das so wütend. Das ist allein mein Problem, wie ich lebe. Wo störe ich dich bei deiner eigenen Lebensform. Halte dich da raus! Lass mich mein Leben leben.

Irgendein Kommentar erwähnte, dass es einen Sinn hat, diese Entscheidung des Zölibats. Und zwar dahingehend, dass sich diese Menschen ganz und gar zur Verfügung stellen. Für Gott und die Welt. Da bin ich gleicher Meinung. Das Zölibat hat einen Sinn, hat eine tiefere, eine substantielle Komponente, die heute eher fremd erscheint. Das mag verwirren in der heutigen Zeit. Das kann ich verstehen, aber ich bin froh, dass ich mich auf diese Lebensform einlassen kann, denn dann kann mehr als in anderen Lebensformen, für alle Menschen, die mich brauchen da sein. Das ist nicht einfach. Das sagt auch keiner. Es ist aber möglich. Dazu gibt es Beispiele, viele Lebenszeugnisse anderer Priester, Ordensschwestern, Männer und Frauen des geistlichen Standes. Und auch da gilt: Ich lasse es nicht zu, dass auf dieses Argument alle anderen Menschen, die vor uns diese Form gelebt haben belächelt und verleumdet werden.

Dass das nicht von allen Priestern und Menschen des geistlichen Standes perfekt gelebt wird und wurde, habe ich selber erlebt, aber in welch einer Welt leben wir denn heute? Ist es nicht mehr erlaubt einem Ideal nachzustreben und dabei auch eben Mensch zu bleiben und zu scheitern? Das entscheidende ist doch das Scheitern anzunehmen und ein Leben nach innen und außen als Mensch zu leben der um seine Zerbrechlichkeit, seien Bruchstückhaftigkeit weiß.

Wieso wird immer auf uns eingeschlagen, nehmt uns doch mal an, nutzt doch unser Angebot da zu sein. Ich erwarte von der Gesellschaft, dass sie das tut – mich zu akzeptieren, uns Priester, Geistliche Ordensleute, oder hört die überall so eingeforderte Freiheit, der Respekt vor Andersdenkenden und Anderslebenden gerade bei uns auf?

Von vielen wird Zölibat und sexueller Missbrauch in eine enge Verbindung gebracht. Ja, es gibt Menschen, die zölibatär leben und andere Menschen – auch Kinder – zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Das ist ungemein schlimm und muss bestraft werden. Das ist böse, das ist unsagbar, das ist etwas für das wir uns schämen müssen als Kirche. Aber: Sowohl Wissenschaft und Forschung haben nachgewiesen, dass kein direkter Zusammenhang zwischen dem Zölibat und sexuellem Missbrauch besteht. Allein die Erhebungen in diesem Punkt bezeugen das, denn sonst dürfte es nicht der Fall sein, dass die Meisten der Fälle sexuellen Missbrauches innerhalb der Familie oder im nächsten Umfeld (Nachbarn, Schule, Sportverein) geschehen. Da sind kaum zölibatär lebende Menschen dabei. Vater, Mutter, Opa, Oma, Onkel, weitere Verwandte, Nachbarn, Sportlehrer, Lehrer, … da sind alle Beziehungspersonen dabei, da sind alle möglichen Berufsgruppen dabei. Sexueller Missbrauch ist ein Phänomen der Gesellschaft. Dies gilt es zu erkennen und erst, wenn wir uns darüber bewusst werden, ohne panisch zu reagieren, kann sich hier was verändern.

Also, sehr geehrte Kommentatoren/innen. Bevor ihr weiter pauschal verbal reinschlagt. Überlegt euch mal auf welche Rechte wir in unserer Gesellschaft uns beziehen. Dazu gehört der Respekt vor dem Mitmenschen. Böse pauschale Beleidigungen, Diffamierungen eines ganzen Berufsstandes, das passt nicht in unser Recht auf Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, etc. Und Menschen die das Zölibat leben, brauchen auf alle Fälle eines: Menschen, die sie dabei unterstützen und das Angebot nutzen, dass hier angeboten wird.

Menschen, Kinder die dieses böse Erlebnis des sexuellen Missbrauchs erlebt haben brauchen ebenfalls keine Hexenjagden. Sie brauchen Menschlichkeit, sie brauchen Liebe, sie brauchen echte, ehrliche Hilfe, sie brauchen Verständnis und eine Gesellschaft die seriös und reflektiert mit diesem Thema umgeht, damit Täter verurteilt werden die eine Tat begangen haben, damit Kinder frei und ohne Angst leben können, damit Menschen sich nahe sein können ohne Ängste, damit wir eine Welt haben, die Liebe leben kann, ohne Gefahr, ohne Hintergedanken und ohne Gewalt – wobei Gewalt ja dann auch keine Liebe mehr ist.

 

Blutspende

Blutspende

Es mag jetzt wieder ein bisschen eitel rüberkommen, aber am Wochenende war ich ganz arg stolz auf mich. Und warum, davon will ich erzählen.

Meine Vorstellung eines Christen ist, dass dieser/diese ein Leben versucht zu leben nach dem Evangelium. Und das nicht nur in der Kirche und mit Blick auf mein Gebets-leben und Spiritualität sondern auch stehts mit der Aufforderung, mein Glauben in Glaubenspraxis, in Lebenshaltung umzusetzen. Der Christenmensch – so denke ich – ist ein Mensch, der sich im hohen Maße für das Gemeinwohl im Allgemeinen und für den Mitmenschen im Speziellen einsetzt und dort wo möglich Verantwortung übernimmt.

Leider bin ich mir selber sehr gut bewusst darüber, dass ich das in vielen Punkten nicht immer so schaffe. Ein Punkt bin ich jetzt wieder angegangen. Im Rahmen dieser Verantwortung für den Mitmenschen sehe ich auch – wenn es gesundheitlich möglich ist – Blut zu spenden. Aber auch die Auseinandersetzung mit der Frage des Organspendens etc. gehört zu einem Leben in Sorge um den Mitmenschen dazu. Jetzt bin ich ein absoluter Feigling. Ich kann vor einer Blutspende die Nacht kaum schlafen, ich habe Angst und drücke mich deshalb immer wieder davor. Dabei ist das Gefühl das ich habe schlussendlich lächerlich. Die ganze Prozedur geht kaum eine Stunde und es sind zwei kleine Stiche. Einer in den Finger für den Bluttest und einer in die Vene und kaum liegt man, ist es auch schon vorbei. Ich habe mir jetzt ganz fest vorgenommen mir diese Erinnerung zu behalten um meine Angst einzudämmen, denn ich will, dass ich wirklich sechs Mal im Jahr zum Spenden gehe. Das ist mein Ziel. Und ich würde mich ungemein freuen, wenn dies noch viele weitere Menschen machen würden. Blutspenden kann Leben retten. Gott ist der Gott der Liebe und des Lebens. Ihm ist wichtig, dass wir alle gut leben, gesund und mit einer Zukunft. Dabei können wir Christen helfen. Unter anderem mit Blutspende, Blutplasmaspende und dem Organspendeausweis. Das kostet außer Zeit  und Mut (bei Angsthasen wie mit) nicht viel. Das kann man erübrigen. Also bitte: Geht Blutspenden, setzt euch mit dem Thema Organspende auseinander und helft dort wo ihr könnt.

Fronleichnam – 3

IMG_7020

Gleiche Zeit, gleicher Ort, fast identisches Bild. Zweite Vesper vom Festtag. Zum Abschluss wird gebetet … es war ein schöner Tag. Danke Herr für deine Nähe.

1 Kor 11,23-26
Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Fronleichnam 2017 – 2

fronleichnam

Es ist schon ein bisschen schwierig dieses Fest: Fronleichnam! Irgendwie abgehoben ist es.  Nicht ganz normal, was da die Katholiken feiern. Nicht ganz normal, denn es erzählt uns, dass da ein Mensch vor zweitausend Jahren eben mehr war, als „nur“ ein Mensch. Er war eben Gotte Sohn und das, was damals geschah, das feiern wir heute noch, das können wir heute noch absolut live miterleben.

Ob wahr oder nicht wahr, das ist an diesem Fest selber nicht zu entscheiden. Vielmehr geht die Frage nach dem „Sinn“ und „Inhalt“ dieses Festes an die Substanz des Glaubens. Glaube ich, dass Jesus Christus, Gottes Sohn ist, geboren, gekreuzigt und gestorben und am dritten Tage auferstanden? Glaube ich, dass ausgehend von dieser Wahrheit sich seine Gegenwart real und dauerhaft präsentiert im Brot und Wein, das sich wandelt in Leib und Blut? Nur wenn ich daran glaube, dass sich hier ein Geheimnis über das Geschehen offenbart, nur wenn ich bereit bin auch zu akzeptieren – ausgehend von der Tatsache, dass Gott absolut ist – , dass es Dinge und Ereignisse gibt „zwischen Himmel und Erde“ die ich mit meinem Verstand erstmal nicht ergreifen kann, sondern eine andere Dimension da mitspielt, kann ich mich auf diesen Glaubenswahrheit einlassen. Wie schreibt Thomas von Aquin: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.“ – Ja so ist es. Mit meinen Sinnen kann ich das nicht ergreifen was da sich offenbart, aber es gibt eben eine Ebene, die mir eine Annäherung erlaubt, dass ist die Botschaft, das Wort der Schrift, das Wort das Gott – im Logos – gesprochen hat. Wahnsinnig schwer und so schön, wenn ich mich darauf einlasse.

„Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, bet ich dennoch gläubig: „Du mein Herr und Gott! Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester laß die Hoffnung, treu die Liebe sein.“ – so schreibt der Aquinate in dem Liedtext weiter und daran musste ich auch im Gottesdienst heute denken, bei dem ich als Ministrant im Münster dabei sein konnte. Im Freiburger Münster sind nicht Petrus und Paulus am nächsten zum Altar, sondern der Evangelist Thomas. Er schaut sozusagen immer direkt auf das Geschehen, denn er konnte nicht glauben ohne direkt zu sehen. Er brauchte mehr als ein geistiges verstehen. Er brauchte die Hände dazu (vgl. Joh 20,19-29), das direkte erfahren.

Thomas hatte ich heute also im Blick. Thomas konnte das erfahren, was er dann auch glaubte. Er erlebte Jesus Christus als Auferstandener. Dies gibt mir Hoffnung, aber eben auch Traurigkeit. Diese Stelle und noch einige andere, in denen der Zweifel auch benannt wird, auch bei den Jüngern damals, zeigt mir: Das ist alles gar nicht so einfach für einen Menschen. Das braucht eben mehr als nur Verstand, das braucht ein Verstehen tieferer und anderer Art. Und wenn die damals das geschafft haben, dann schaffe ich, dann schaffen wir das auch heute. Traurig macht mich die Tatsache, dass ich eben nicht Jesus Christus leibhaftig vor mir habe, als Auferstandener, wenn ich also zweifle, dann kommt er nicht so in dieser Form zu mir wie zu Thomas. Diese Tatsache macht mir manchmal Angst, macht mich unsicher, denn es bleibt für mich heute allein das Gebet, das sich in die Botschaft vertiefen um zu erfahren.

Aber die Angst schwindet in der Gemeinschaft. In der Feier der Liturgie, in der Kommunion und der Nähe zur Botschaft. Da gibt es für mich immer wieder ein „Aha“, ein „ja, jetzt ja“. Da gibt es dann immer wieder ein Fenster das sich öffnet und mir einen Blick in die Tiefe schenkt, in der ich dann sehe: Jesus Christus ist wirklich Gottes Sohn und er ist da, jetzt und hier.

 

Fronleichnam 2017

IMG_6994

 

Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? E i n Brot ist es. Darum sind wir viele e i n Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot. (1 Kor 10,16-17)

Nach vielen Jahren feiere ich Fronleichnam wieder in Deutschland. Ich freue mich. Gleich geht’s los mit der ersten Vesper zum Fest im Münster zu Freiburg. Deo gratias

Sonnenstrahlen

IMG_0151

Morgens auf dem Weg zur Uni. Die Sonne strahlt. Die einen fühlen sich geblendet. Die anderen genießen es, dass ihnen die Sonne das Gesicht anstrahlt. Es ist doch wie bei Gott. Die einen erleben seine Gegenwart als anstrengend, als überwachend und einengend. Die anderen genießen es, ihn zu erleben, denn er schenkt ihnen Weite und Helligkeit im Leben.

Aber egal wie: Wer in die Sonne sieht, fängt an zu lächeln. Wie schön solch ein Tag!