Jakobsweg 2017 – 1. Station

Es ist wirklich ein Weg den es zu gehen gilt. Der Weg hin zur Weihe wirft viele Fragen auf, stellt vieles in Frage und schenkt viele neue Horizonte. In den letzten Tagen ging es viel um das Thema Berufung. Während bei den „typischen“ Diskussionen zum Priesteramt immer die Themen Zölibat, Frauenpriestertum oder wie Viri probati aufkommen, hat der Professor aus Münster mit seinem Interview, bewusst oder unbewusst, zumindest innerhalb gewisser Kreise eine Diskussion befördert, die so eher selten geführt wird. Die Diskussion um das Thema Berufung führt an die Substanz der Priesterfrage. Was ist das denn für ein Amt, Beruf, Job,… dieser Priester? Wir haben den Verwaltungsfachmann, manchmal den geistlichen, den dauergestresst, den von einem Sakrament zum anderen hüpfenden, … und dazwischen tauchen Begriffe auf wie Berufung, wie sakramental, wie Weihe,… – aber was stellt sich „die“ Kirche unter einem Priester vor? Was viele Menschen die darüber diskutieren? Was der „normale“ Christ? Es geht doch meist/oft um das Bild, um die Kandidaten selber und die Persönlichkeiten um die gesetzlichen Regelungen aber oft genug wird nicht weiter hintendran nachgefragt. Irgendwo gibt es die Berufung aber was ist das und brauche ich sie denn wirklich? Dazu kommen noch die Fragen des Weihehindernisses – auch für Männer.

Ich selber beschäftige mich nun seit über 14 Jahren – ach nich viel länger – mit dieser Frage. Viele meiner Kollegen tun dies; länger oder kürzer. Es ist eine entscheidende Frage: bin ich berufen?
Manchmal leise manchmal lauter traue ich mich zu sagen: ja ich bin, ja ich fühle mich berufen. Das zu sagen ist nicht einfach. Es macht angreifbar. Und auch das muss man lernen, muss ich lernen, dass ich angreifbar werde. Als Person, als dienender, als ein Mensch der im Blickfeld steht.

Und nun, bin ich mit einer Gruppe meiner Kollegen und unserem Regens genau dieser Frage wieder auf der Spur. Diesmal auf einem kleinen Stück des Jakobsweg in Frankreich. Diesmal auch mit klaren Themen. Es geht um die evangelischen Räte.

Heute ging es bei einem Impulsreferat und einer anschließenden Diskussion zum Einstieg um das Thema „Gehorsam“. In der Weihe verspreche ich meinen Bischof Gehorsam, ihm und seinen Nachfolgern gegenüber, zu sein. Aber was bedeutet das? Gehorsam ist ein schwieriges Wort. Gehorsam ist auch ein Wort das belastet ist. Dabei denke ich an blinden Gehorsam. Ob in der Nazizeit oder in vielen anderen Epochen unsere Geschichte. Also, was ist gehorsam? Diese Frage begleitete uns den ganzen Tag. Immer auch mit dem Blick auf die Apostel, damals, in den Tagen nach der Kreuzigung, als Jesus Christus noch mal bei Ihnen war und nun sie aufforderte dem Wort in Gehorsam zu leben. Es ist ein Gehorsam gegenüber dem Evangelium, gegenüber Jesus Christus dem Sohn Gottes. Gehorsam gegenüber dem Evangelium und der Tradition und somit jenen Menschen gegenüber die in unserer Kirche zu einem Bischofsamt berufen wurden. Es ist untypisch für die heutige Zeit, bereitwillig einen Teil meiner Lebensverantwortung abzugeben, im Vertrauen auf Gott und seinen Dienern sich neu auszurichten. Und doch gehört das dazu, es ist eventuell – wenn wir frei von einer gewissen Form von Sorgen sind (um die sich unser Bischof dann kümmert)- leichter, in einer neuen Freiheit mein Leben für den Dienst für die Menschen und für Gott zu leben.
Das sind erstmal schöne Worte, heroische Worte. Es sind aber auch Worte mit denen ich mich auch weiterhin noch auseinandersetzen darf. Ich habe manchmal Angst davor, gerade freue ich mich, spüre ich doch, dass es gerade „gut läuft“ und ich mit meinen Fragen weiter komme. Dank sei Gott.

Unsere erste Station war und ist in einem Karmel. Hier erleben wir bei den Schwestern so eine ganz eigene und besonder Lebensform. Eine Lebensform die uns gerade als Seminaristen in vielen Fragen und Sorgen Vorbild sein kann und sehr intensiv Anfrage stellt. Hier wird in einem ganz besonderen Maße Gehorsam und damit einhergehend Demut gelebt. Faszinierend! Ich bin sehr dankbar dafür.

Heute Mittag sind wir dann noch in den Ort gewandert. Hier, von Le Puy-en-Velay brechen wir morgen auf den Jakobsweg auf. Dazu haben wir heute den Ausgangsort dieser Etappe die Kathedrale Notre Dame besucht. Hier vor der Statue des Hl. Jakobs und der Schwarzen Madonna haben wir unsere persönlichen Fürbitten gesprochen, damit wir Morgen aufbrechen können und diesen Weg auch gesund und mit Gottes Segen gehen können.

Ich bitte euch – die dies lesen – um euer Gebet. Diese Tage und allgemein auf meinem Weg. Ich schließe euch ebenfalls in meine Gebete ein.

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