Sprache, manchmal zum …

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Es gibt so Tage, da fallen einem Dinge auf, da stören einem Sachen, die eigentlich im normalen Alltag ganz weit nach hinten rutschen in der Aufmerksamkeit. Man hat sich daran gewöhnt und verdrängt vieles. Aber an manchen Tagen kommt das in den Sichtkreis zurück. Woran das liegt kann ich oft genug gar nicht sagen. Das hat meist nicht mal einen speziellen Grund oder einen sichtbaren Auslöser. Es ist alleine eine andere Wahrnehmung.

Heute ging es mir im Seminar so. Wir hatten heute einen Gast in der Sitzung und der hat eine Supervision angeleitet zu alttestamentlichen Texten. Das Seminar hatte ich mir selber ausgesucht und grundsätzlich finde ich es ungemein spannend und gut. Trotzdem wurde mir hier in diesem Seminar zum ersten Mal bewusst, was sich entscheidend verändert hat an der Universität. Die Uni ist wirklich von einem Studienort zu einer weiteren Schule mutiert. Das mögen manche gut finden. Ich jedoch nicht. Die Seminarsitzungen sind nichts anderes als Unterrichtsstunden der Mittelstufe, nur mit eigentlich schwierigeren Themen. Leider empfinde ich es so, dass der Wissensinput in einem großen Maße den didaktischen Spielereien und Methoden geopfert wird. Was wir in einer Sitzung machen, könnte man mit einer Textarbeit im Vorfeld und Frontalunterricht in einer Stunde absolvieren und könnte dann einfach mehr bearbeiten. Wohl wissend, dass ich da alleine bin auf weiter Flur, sage ich: Bitte kehrt zurück zur Uni. Ich sage nicht, dass früher alles besser war, aber wieso muss man ein System ganz und gar zerstören, nur weil es Schwächen hatte. Das mutet mir an, wie wenn man einfach grundsätzlich nur ein neues Auto will und damit man es bekommt, halt einen Grund sucht wie einen vollen Aschenbecher o. Ä.

Ja, also meine Abneigung gegen Methoden, Didaktik etc. im Unialltag habe ich ausgedrückt. Ich will aber betonen, dass ich bis zu einem gewissen Punkt dafür bin, den schulischen Unterricht methodisch und didaktisch besser zu gestalten. In der Grundschule, in der Mittel- und Unterstufe …  aber irgendwann ist auch gut, denn Kompetenzen mögen zwar gut und recht sein; Wissen UND Können sind aber entscheidender in den wichtigen Momenten des Lebens.

Das andere Thema was mir echt gegen den Strich ging war die Sprache des Gastdozenten. Ich wurde an Erik Flügge erinnern, der davon spricht, dass die Kirche an ihrer Sprache zugrunde geht. Es ist wahrlich eine Binsenweisheit, aber sie ist nun mal wahr. Wir müssen uns einfach wirklich bewusst werden, dass es hier nicht alleine um eine Unverständlichkeit der Sprache oder der Wörter geht, sondern auch um eine Sprache, die den Gegenüber negiert, zum Kind degradiert und einfach nicht ernst nimmt. Unsere pastorale Sprache in den Gesprächen, in der Seelsorge, in Supervisionen und Runden und eben auch ganz oft bei Einführungen und Predigten im Gottesdienst sind so von einem süßlichen Ton geprägt, von einem „ich würde dir jetzt gern sagen wollen“ oder einem „wie bist du so da“, „was macht das mit dir“ und anderen verbalen Kuscheleinheiten. Gerne würde ich sagen, dass kein Mensch mit solch einer Sprache glücklich wird. Das stimmt leider nicht, denn wir haben uns in unseren kirchlichen und pädagogischen Kreisen mit dieser Sprache, von der ich nicht mal weiß woher sie kommt und was sie schlussendlich soll, so selber weichgespült, dass wir es nicht einmal mehr selber wahrnehmen wie Menschenverachtend sie ist. Schlussendlich nehmen wir den Gegenüber doch gar nicht mehr ernst, auch wenn wir es mit dem vielen Kopfnicken, dem vielen „ja ich verstehe“ dem vielen Nachfragen suggerieren wollen. Wenn mir jemand – und das noch am Besten im Stuhlkreis – gegenüber sitzt und mich fragt, was „das so mit mir macht“ – ach… irgendwann springe ich auf und benehme mich wie die Beamten im Haus der Verrückten im Buch/Film „Asterix erobert Rom“.

Mein Wunsch: Hören wir doch endlich mal mit diesem süßlichen, rettenden, kindlichen Gerede auf und sagen wieder was wir denken. Dankesagen, den Gegenüber freundlich ansprechen, auf Gefühle und Haltungen achten – ja, das ist völlig gut und entscheidend wichtig – aber übertreiben wir es nicht. Reden wir endlich wieder wie Menschen und nicht wie ängstliche Stimmen, die hinter jedem Wort eine Gefahr für irgend wen fürchten.

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