Josefstag – nicht Kitsch sondern Verantwortung

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In Nazareth gibt es eine Ausgrabung eines Hauses unter dem heutigen Straßenbelag. Das Haus wird als “ das Haus des Gerechten“ bezeichnet und dem Hl. Josef zugeordnet. Josef der Gerechte, ebenfalls ein sprechendes Bild was Demut bedeutet: Gerecht sein.

Am Montag ist Josefstag. Ein wunderbarer Tag an dem ganz besonders durch den Blick auf Josef die Väter nochmal ganz eigen in den Blick kommen. Der Josefstag ist der wahre Vatertag. Nicht jener Tag für Bollerwagen und saufen, sondern ein Tag an dem der einzelne Mensch, in diesem Fall der Mann, als Geschöpf Gottes – im Kontext von Beziehung und Gemeinschaft – im Mittelpunkt steht.

Josefstag bedeutet für mich: bewusst zu werden welche Rolle der Mann in der Beziehung zu Gott und Mensch einzunehmen hat, einnehmen kann und soll (auch wenn die Gedanken zu Demut genauso Frauen zugeordnet werden können). Josefstag ist jener Tag an dem ich mich als Mann nochmal ganz bewusst einordnen (lassen) darf in den Kontext mit Gott. So wie es Josef selbst getan hat. Dem hl. Josef wird die Demut zugesprochen, was stehts als Anweisung gilt, dass auch wir demütig zu sein haben. Dies wird meist in einer Art und Weise übersetzt, die mich echt verzweifeln lässt. Oft genug verkommt dann der Josefstag und die Texte zu diesem Tag zu einem „Singsang“ den ich nur mit Pastelltönen und einem „Kuschelchristentum“ beschreiben kann. Da wird der Josef zu einem devoten, sich selbst aufgebenden Bubi, der nicht mehr Fisch und Fleisch ist und zurücktritt in eine Unwichtigkeit, die ich fast nur ecklig finde.

Dabei ist Josef gerade das nicht. Er ist nicht devot, er ist nicht unterwürfig und er verschwindet auch nicht in eine Bedeutungslosigkeit. Die Demut des Josef ist vielmehr eine Haltung des „daseins“, des sich vergewissern und der Übernahme von Verantwortung. Demut ist – wenn wir den hl. Josef der Bibel einmal in Blick nehmen – sich selbst anerkennen mit der Frage nach wer und wie ich bin und draus heraus seine Verantwortung für die Welt, seine Rolle in der Welt und sein Handeln in und an der Welt anzugehen (Beziehungsgeschehen).

Josef ist ein Nachkomme Davids. Er ist königlich. Dessen ist er sich bewusst. Mag er auch nur Handwerker sein. Das ist er aber ganz, denn auch als König kann ich Handwerker sein. So wie er sich ganz und gar zu seiner Rolle als Vater stellt. Was er deshalb kann, weil er weiß, wie er zu Gott steht, seinem Vater. In diesem Bereich kann er uns gerade auch im Alltag einen ersten kleinen Impuls geben. Etwas Besonderes bin ich nicht durch Farbe an der Kleidung, durch Titel oder anderes. Auch nicht durch ein vor mir her getragenes Wissen. Das ist alles nur Beiwerk. Demut zeigt sich bei diesen Punkten wie und für was ich es nutze.

Francisco de Osuna, ein spanischer Theologe, schreibt: „Manche verstehen unter Demut eine Enge des Herzens und die platte und kleinmütige Veranlagung eines Menschen, den nur Unwesentliches interessiert. Andere denken, Demut sei kränkliches Aussehen und Niedrigkeit, die sich in Haltung, Kleidung und Benehmen manifestiert. Manche verwechseln die Demut mit Feigheit und Furcht, von denen einige beherrscht sind, so daß sie sich nicht an große Dinge wagen. Schließlich meinen einige, es sei demütig, über keine Fähigkeiten zu verfügen oder die vorhandenen nicht zu nutzen, sondern zu verbergen. Alle diese Auffassungen sind falsch und haben nichts mit der Demut zu tun.“

Daher: Josef war kein kleiner dummer Handwerker, der alles akzeptierte. Nein, das war er nicht. Er hat Verantwortung übernommen und hat Anteil, wie Maria, am Heil der Menschen. Gerade darin ist er auch entscheidendes Vorbild für die Priester.

Und auch wir müssen uns nicht klein und dumm machen und nur schweigen. Gott schuf den Menschen; sich ebenbildlich. Die Annahme dieser Ebenbildlichkeit, die Annahme der Menschlichkeit meiner selbst, das einordnen meiner Möglichkeiten und ein sich bewusst werden, wie ich zu Gott stehe und zu was er mich berufen, mich beauftragt, mich befähigt hat – das ist Demut. Josef hat nicht gekuscht, Josef hat seine Aufgabe, seine Berufung angenommen. Voll des Wissens was ihn erwartet. Sicherlich mit Freude und auch viel Angst. Aber er hat sich als Mensch angenommen. Im Angesicht Gottes.

Josefstag kann daraus heraus die Aufgabe sein: Stelle dich in das Angesicht Gottes! Ganz und gar, du als Mensch, du als Ebenbild deines Schöpfers und erfahre Gott und damit dich.

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