Josef der Arbeiter

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Viele Darstellungen gibt es mit Josef. Aber welche Rolle hat er nach diesen Bildern ?

Er hat wohl aus mancher Sicht den stehts undankbarsten Job auszufüllen, dieser Josef. Beiwerk, kein handelnder Mensch, ja nur notwendiges Übel. Unscheinbar mag er im ersten Moment erscheinen, wenn wir nach ihm in der Bibel suchen. Wenige Stellen sind es, in denen er auftaucht. Rund um die Geburt und dann noch einmal, als letzte Erwähnung, in jener Szene bei Lukas als Jesus von seinen Eltern gesucht wurde (Lk 2,48). Noch immer wird er fast stiefmütterlich behandelt, wenn man bedenkt, dass Josef gerade in Deutschland noch immer nicht als fester Heiliger ins Messformular aufgenommen, bzw. von den Priestern neben Maria immer genannt wird. Er ist einfach für viel zu viele Menschen fremd. Dabei gibt es auch die Gegenseite in Form einer sehr intensiven Josefsfrömmigkeit, ganz besonders auch in der Ostkirche, die schon viel früher als die westliche Kirche Josef als wichtige Person entdeckt hat.

In der Westkirche findet sich erst um 850, in einem Dokument der Reichenau, ein eigener Festtag (19. März). Es dauerte dann noch über 600 Jahre bis der Josefstag der offizielle Festtag des Josefs wurde. Und es gingen nochmal gut zweihundert Jahre ins Land bis der Festtag zu einem gebotenen Festtag wurde. 1714 kam ein Messformular und Gebete dazu und Benedikt XIII. fügte ihn in die Allerheiligenlitanei ein.

1937, der Kamp gegen den Kommunismus und gegen Russland war das große Thema, da wurde Josef zum Patron all jener die gegen den Kommunismus kämpften. Diese Patronatserhebung durch Pius XI. wurde 1955 mehr oder weniger gesteigert in dem am 01. Mai, also am Musterfesttag des Sozialismus und Kommunismus von Pius XII. ein weitere Josefstag eingeführt wurde.

Aber was bringt das? Wie die verschiedenen Festtage seiner Frau, der Mutter Maria, soll auch der „zweite Josefstag“ die Möglichkeit bieten eventuell über einen anderen, einen zutiefst menschlichen Ansatz die Offenbarung in den Blick zu nehmen. Festtage mit einer besonderen Prägung geben Raum zum ganz besonderen Nachdenken. Festtage mit einer besonderen Prägung sind Ergebnisse, nicht Anfänge von Traditionsentwicklungen. So wie die einzelnen Marienfesttage aus der Volksfrömmigkeit, aus dem Alltag und den Sorgen, Freuden und Nöten der Menschen sich heraus entwickelt haben, so ist das auch hier. Josef der Arbeiter ist ein nahezu neuer Festtag, aber eben Ausdruck der Beschäftigung der Kirche mit den Sorgen und Freuden der Menschen und mit den Problemen, die es in der Arbeitswelt seit der Industrialisierung gibt. Der Festtag des Josef des Arbeiters ist so, genauso wie es Leo XIII. mit seiner Enzyklika Rerum novarum getan hat, die Zusammenführung von all dem was die Kirche in diesem Themenbereich denkt, erlebt hat und an Botschaft weitergeben will. Der 1. Mai ist somit der Tag an dem das „Evangelium der Arbeit“ (LE) im besonderen Maße reflektiert und verkündigt wird.

Während wir den Josefstag im März eventuell unter den Titel „Josef der Gerechte“ stellen können und ihn so im Blick auf die Familie, auf sein Wirken für Jesus, auf seine Form Partnerschaft zu leben („Einheit des Herzens“, wie Augustinus sagt) schauen. Nehmen wir heute Josef als Mensch wie du und ich, wie einer, der die Mühen des Alltags kennt, in den Blick. Dass Jesus im Umfeld eines Arbeiters aufwuchs, von ihm lernte, die Welt erlebte, die eben Alltag war, zeigt einmal mehr, dass die Arbeit des Menschen mit zum Heilsgeschehen gehört (vgl. LE 24), dies aber eben nur, wenn wir auch in diesem Bereich uns bewusst werden, dass die Botschaft Jesu Christi Messlatte ist für ein richtiges miteinander. Arbeit muss einen Wert haben, der sich vom Wert des Arbeitenden,d er im Kontext zu Gott steht, ableitet. Weder Arbeiter noch Arbeit darf hinter dem Kapital zurücktreten und nur noch ein Ding, eine Leistung, ein Produkt werden, das zu verkaufen ist. Der Arbeitende ist so wertvoll, dass Gott ihm seinen Sohn anvertraut hat. Das müssen wir bedenken in all dem was wir in unserer Gesellschaft tun. Heute mehr denn je. Wenn dann Papst Franziskus mahnt, dass der Kapitalismus tötet, dann ist das die Erinnerung, dass auch der Kapitalismus nur dann gut ist, wenn durch ihn, „der Mensch durch seine Arbeit Gott, seinen Schöpfer,“ (LE 25) nachahmen kann. Dazu braucht es den Raum und die Sicherheit, dass Arbeitende ihre Arbeit leisten können, dass Menschen Arbeit bekommen um eben Anteil zu haben am Schöpfungswirken (LE 25) und dass Menschen aus dem Ertrag der Arbeit leben können, sowohl während ihrer Zeit des Schaffens als auch davor und danach.

Josef als Arbeiter zeigt uns, wie wir unsere Arbeit zu leisten haben: Überlegt, fragend und mit Ernsthaftigkeit. Bei ihm geht es nicht um eine dümmliche Hörigkeit, sondern um ein hohes Maß der Selbstentscheidung. Er befolgt nicht stupide irgendwelche Gesetze in seinem Tun, ja er umgeht sogar Gesetze der damaligen Zeit, sondern prüft und entscheidet dann. Er ist offen für neue Wege, ist offen für das was ihm auch fremd erscheint. Josef hat die Gegenwart im Blick, ist offen für die Zukunft aber lebt nicht träumend in ihr. Die Gegenwart ist Wirklichkeit und diese Wirklichkeit umfasst für ihn, ganz selbstverständlich, das Wirken Gottes.

Wenn ich mir die wenigen Stellen in der Bibel betrachte, in denen Josef erscheint, dann spüre ich da auch eine gewisse Ruhe, eine Form des Selbstinsichruhens. Josef wird es in seinem Beruf nicht leicht gehabt haben. Man sagt, er war einer, der mit Holz arbeitete. Schreiner, Bauhandwerker, so in der Art. Ein reiner Möbelschreiner, wie wir es auf den Bildern sehen wird er eher weniger gewesen ein. Dafür war Nazareth zu klein. Also wird er viele kleine Arbeiten zu erledigen gehabt haben, oder gar auch auf Wanderschaft gegangen sein, also dorthin wo gerade größere Bauprojekte waren und viele Handwerker gebraucht wurden. Das dürfte alles Knochenarbeit gewesen sein. Und doch strahlen die wenigen Bibelstellen eine gewisse Ruhe. Josef lebte und handelte unaufgeregt. Auch das wäre für uns noch ein kleiner Aspekt, den wir mitnehmen können an diesem Tag. Gerade für Menschen, die Freischaffend sind, für jene die mit dem Kopf arbeiten und lesen, schreiben denken und damit in die Gefahr geraten, nie fertig zu werden. Josefs handeln kann uns zeigen, wie entscheidend Muße ist, Ruhe und eben auch das Annehmen der Wirklichkeit (und damit auch Pause, Sonntagsruhe, menschliche Schaffenskraft und notwendige Ruhepausen), denn nur in ihr kann die Zukunft verändert, kann Arbeit erledigt werden.

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