Gedanken zum Papst

Es hat lange gedauert, aber zwischenzeitlich beginnt es an allen Ecken und Enden: Nachdem die „Rechten“ sich auf Papst Franziskus eingeschossen hatten und das sehr schnell, wenden sich nun jene von ihm ab, die der Meinung waren, die großen Revolution(en) stehen an und auch jene, die sich in die sogenannte „linke“ Ecke ausrichten und irgendwie erwartet haben, dass Papst Franziskus aus der katholischen Kirche per Dekret irgendwas Neues macht.

Vom ersten Tag an wurden ihm Besonderheiten zugeschrieben und einzelne Aussagen interpretiert um ihn in ein Lager zu stecken, um einen Personenkult zu schaffen. Aber Papst Franziskus gehört nur in ein Lager, in das von Jesus Christus. Was Papst Benedikt mit Argumenten der Vernunft, der theologischen und philosophischen Wissenschaft versucht hat und damit ganz besonders in der deutschsprachigen Welt so manch eine Reaktion unter jeder Gürtellinie bekommen hat, das tut Franziskus mit den Argumenten der Spiritualität, der Pastoral und den Begriffen, die ihm aus der ignatianischen Spiritualität bekannt sind. Wer hier das Argument aufbringt, Papst Franziskus sei kein Theologe, sondern denke nur pastoral, der negiert die Pastoral und versucht die Forderung nach der Nachfolge Jesu Christi abzutun. Das ist fast so wie bei der Diskussion zum II. Vatikanischen Konzil. Auch dort wird behauptet es sei ja „nur“ ein pastorales Konzil.

Schon in seiner ersten eigenen Schrift finden wir eine klare Aufforderung: „Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern“. (EG 3) Und in der Vorkonklave erfahren wir um was es ihm geht, um Evangelisierung, nicht nur bei anderen, sondern bei uns selbst. Wir sollen den Mut haben, den heiligen Geist walten zu lassen, uns auf Christus einzulassen (vgl. Ansprache an die Kardinäle 15.03.2013). Wir sollen uns Christus anvertrauen, Christus ähnlich werden, Heilig werden, jeden Tag auf ein Neues, stehts im Evangelium sein, …. Dies können wir in vielen, vielen Reden und Texten finden. Somit können wir sagen: Papst Franziskus geht es zuallererst um ein neues Miteinander in dem einen Volk Gottes, darum, dass der Christ sich Christus anzieht, wie es mit der Taufe geschehen soll. Ganz und gar. Wer wirklich etwas verändern will, der kann das allein von Gott her, aus und in der Begegnung von Jesus Christus. Daran erinnert uns Franziskus.

Es ist unbequem was der Papst verlangt, denn das bedeutet, dass ich mich selbst darum kümmern muss. Papst Franziskus erinnert uns: Kirche sind wir, nicht allein die anderen! Wer vom Papst Taten verlangt, der hat ihn nur bedingt verstanden. Franziskus mahnt uns sehr eindrücklich, dass wir alle Taten folgen lassen müssen: Gebet in der Gemeinschaft, Gebet um in Christus für andere Handeln zu können. Wie schreibt Pater Hagenkord: „Nicht Franziskus wird der Agent der Erneuerung der Verkündigung sein. Entweder die ganze Kirche oder gar nicht. […] Das ist eine anstrengende Vorstellung von Christentum. Jesus Christus will in der Begegnung Dinge von uns, auf die wir vielleicht selber gar nicht kommen; alles geht über unsere momentanen Horizonte, die uns Sicherheit geben, hinaus. Unsere Sicht auf die Welt soll sich ändern. Unsere Welt wird sich ändern, wenn wir uns auf dieses Glaubensprojekt der freudigen Weitergabe einlassen.“ Das ist kein aktueller Text. Das schrieb Pater Hagenkord SJ schon 2013 im Vorwort zum Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium (Ausgabe Verlag Herder S. 38) und zeigt uns wohin der Weg mit Papst Franziskus gehen wird.

Hören wir also innerhalb der Kirche auf dem Papst Kleider überzustülpen die ihm gar nicht passen und die er gar nicht will. Der Papst ist für die katholische Kirche der geistliche Leiter, jener, der die Aufgabe hat sich um das Heil (aller) der Menschen zu sorgen. Dafür will er uns Christus zeigen und nicht irgendwelche Strukturpläne und Reformprojekte. Papst Benedikt hat damit angefangen, auch wenn das manche nicht wahrhaben wollen. Er forderte Entweltlichung, nicht eine Abkehr von den Menschen, den Problemen der Welt, sondern eine Konzentration der Welt auf ein Leben im Evangelium – das fordert Papst Franziskus in seiner Sprache. Nehmen wir sie doch endlich auf und machen uns mit Christus auf den Weg, für uns und die Welt heilig zu werden.

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