Schreiben von Papst Franziskus

Papst Franziskus hat einen Brief geschrieben und gesteht die Schuld ein. Die Kirche hat versagt. Die Kirche, alle Glieder haben versagt. Der Brief geht nicht an irgendwelche einzelne Personen, nicht allein an die Opfer oder an eine Nation, sondern an das gesamte Volk Gottes. Er stellt diesen Brief unter das Wort des hl. Paulus: „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit (1 Kor 12,26) und mahnt uns, dass der Missbrauchsskandal nicht ein Problem von irgendwem ist, oder nur allein der Täter und der Opfer sondern ein Thema ist, das uns alle angeht. Jeden, dich lieber Leser, aber ganz besonders auch mich. Wie bei allen Themen, die aktuell anstehen, erinnert er uns daran, dass eine Veränderung der Situation, eine Veränderung dessen was zu dieser Situation des Todes geführt hat, bei uns, bei mir selber, beginnen muss. Wir können auch hier nicht allein auf eine Order von oben warten. Der „Vatikan“ hat – in dem Wissen, dass sich noch einiges verändern muss – einiges an Grundlagen geschaffen. Nun sind die Bischofskonferenzen und die (Erz)Bischöfe in der Pflicht und Verantwortung etwas grundlegendes zu ändern. Aber nicht allein das kirchliche Person, sondern wir alle stehen in einer Verantwortung, denn die aktuellen Priester sind Teil des Volkes Gottes und die zukünftigen kommen eben auch aus dem Volk Gottes. Priester sind keine Elitegruppe die irgendwo fernab gezüchtet werden und das Leid ist zwar meist hinter verschlossenen Türen, aber nicht unsichtbar geschehen. Klerikalismus, ein Grund für diese Vergehen, ist nicht allein ein Problem der Priester, denn „Der Klerikalismus, sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert, erzeugt eine Spaltung im Leib der Kirche, die dazu anstiftet und beiträgt, viele der Übel, die wir heute beklagen, weiterlaufen zu lassen. Zum Missbrauch Nein zu sagen, heißt zu jeder Form von Klerikalismus mit Nachdruck Nein zu sagen.“ (Auszug aus dem Brief). Deshalb fordert der Papst ein grundsätzlicher Wandel im gesamten Volk Gottes, der sich eben in unserer Grundhaltung, in unserer Spiritualität zeigen muss: In der Betrachtung des Herrn. Ausgehend von ihm, von Jesus Christus und seiner Botschaft gibt es die Möglichkeit, grundsätzlich etwas zu verändern. Unser Gebet, unser Fasten unsere büßende Haltung kann und muss Grundhaltung sein für das gesamte Volk Gottes. Den klassischen Antworten auf diese Forderung antwortet er schon im Voraus: Hier gilt nicht der Satz des Kain: „Bin ich der Hüter meines Bruders?« (Gen 4,9). Es gilt das Wort des Paulus.

Dieser Brief ist keine Flucht, ist kein abhauen vor der Verantwortung, dass Priester und Ordensleute unsagbares Leid zugefügt haben. Er zeigt die Grundhaltung dieses Papstes, der eventuell für einige eine scheinbar zu simple Antwort parat hat, aber die einzige die wirklich gelten kann. Wenn das Volk Gottes versagt, wenn es den Blick abwendet von den Menschen, dann wendet es den Blick ab von Gott, von dem Menschen in dem sich alles Leid und alles Heil bündelt: Jesus Christus.

Beten wir, fasten wir, büßen wir gemeinsam, denn daran muss man uns erkennen: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“ (Apg 2,42)

Der Brief in deutscher Sprache!

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2 Comments on “Schreiben von Papst Franziskus

  1. Der Brief gibt zum Denken. Wie schnell zeigt man auf die „Täter“ , was sie denn Schlimmes getan haben (was ja auch objektiv stimmt und auch nach den weltlichen Gesetzen bestraft werden muss). Aber jeder Einzelne ist ein Mensch, wie Du und Ich, mit einem ganzen Lebenspaket hintendran. Wie sagte auch Paulus, wer denkt, er Fälle nicht … (weiß die Bibelstelle gerade nicht) oder Jesus: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein …
    Das wird ganz oft vergessen. Jesus liebt die Sünder, nicht die Sünde.
    Ich weiß jetzt nicht, ob das mit dem katholischen Glauben konform geht, aber in der Bibel steht es so.
    Liebe Grüße
    Weena

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    • Danke. Na, alles was in der Bibel steht ist auch katholischer Glaube … also passt das. Ja, so ungemein wichtig es ist, dass wir unseren Blick und alles Tun auf die Opfer richten, so wichtig ist es, dass wir uns mit deiner Frage beschäftigen. Das eine Tun, das andere nicht lassen – die Frage bleibt, wie wir mit den Tätern umgehen. Du hast recht. Jesus liebt die Sünder, nicht die Sünde. Was bedeutet das aber im Umgang mit Sündern, mit Tätern und ganz besonders mit jenen, die solch eine grausame Tat begehen/begangen haben? Manche fordern: Wegsperren! Aktuell entlässt die katholische Kirche die Priester. Aber ist das in Ordnung? Sie dürfen keinen Dienst mehr tun, sie gehören unter Beobachtung, auch ins Gefängnis oder wenn sie als Krank eingestuft werden in eine Heilanstalt, aber ist ein „entlassen“ unsere Verantwortung gerecht? Ich habe keine Antwort darauf. Aber ich will schon, dass wir darüber mal reden. Und ich will eigentlich auch, dass wir in unserer Gesellschaft endlich mal die Chance nutzen und anhand dieser Missbrauchsaufdeckungen endlich auch allen anderen Dreck angehen. Ich kenne so viele Erwachsene Frauen (kaum Männer), die Opfer sind, gerade von familiären Tätern. Das soll bitte nicht ablenken von den Taten aus der Kirche heraus, aber wann wird das Thema endlich gesellschaftlich aufgearbeitet, denn das was da geschieht, ist wahrlich nicht genug. Eher ist es auch nur ein „Pflaster“ drüberkleben und hoffen, dass es nicht reißt.

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