Verantwortung der Zweifler

Da sitzt man in Vorlesungen, hört Vorträge, ließt Artikel, Beiträge und Bücher und erfährt Fragen und Zweifel anderer Menschen. Gerade auch in der theologischen Ausbildung werden den Studierenden Zweifel „an den Kopf geworfen“. Das Denken wird oft genug radikal dekonstruiert. Gerade für junge Menschen – so erlebe ich es – ist das ein Kulturschock. Alle Haltepunkte, Sicherheiten werden hier zerstört.

Es ist gerade in der Wissenschaft gut zu zweifeln. Ja es ist auch sehr gut, wenn einmal alle Denkstrukturen zerstört werden, angezweifelt und völlig neu, im denken aufgebaut wird. Aber wie kann dies hochwertig geschehen? Wie kann das so geschehen, dass gerade junge Menschen nicht völlig demoliert werden sondern eben im Denken, im Arbeiten den Raum bekommen um eben frei zu denken, sich frei der Wahrheit anzunähern?

An unserer theologischen Fakultät haben wir einen Dozenten, der sich gerne als großer Revoluzer präsentiert. Gerne betont er, dass er unterdrückt wird, dass er voraussetzt, dass wir Studierenden – gerade die sogenannten Konservativen – nach jeder Vorlesung Briefe an die Glaubenskongregation schreiben und ihn denunzieren.  Darüber muss ich immer wieder lachen. Erstens weil das eine Überheblichkeit ist, die albern ist, denn ehrlich – wer interessiert sich noch für einen Dozierenden, der seit zwanzig Jahren keinen geistigen Meter weiter gegangen ist? Und zweitens, das einzige was wirklich interessant bei ihm ist, sind seine Fragen, seine Zweifel, die anspornen zum Denken.

Aber gerade an seinen Antworten stellt sich mir die Frage nach der Veranwtortung des Dozierenden gegenüber den Studierenden. Seine Antworten sind ein Puzzle aus historischen Texten, aus philosophischen Aussagen und theologischen Arbeiten, die eventuell logisch zusammengestellt sind, die aber dazu führen, dass Studierenden nichts anderes übrig bleiben, das zu tun, was er im Kontext der Kirche andauernd kritisiert: blindes Glauben und nachbeten! Mit seinem Arbeiten und seiner Pholemik macht er dann genau das, was er bei den sogenannten Fanatikern, oder katholischen Sektenkreisen kritisiert. Er schafft ein geschlossenes System, das keinen Raum bietet zum weiteren denken, zum weiteren sich öffnen.

Das Studium gerade der Theologie an der Uni Freiburg schafft keinen Raum (mehr) zum vertiefenden Studium gerade jener Schriften, die für eine moderne Theologie entscheidend sind. Weder einen Thomas von Aquin, noch einen Kant, noch moderne Philosophen erhalten jenen Raum, den sie verdienen, damit Studierende zumindest erahnen können um was es hier geht. Dies zeigt sich dann in jenen Momenten in denen Studierende den einen Dozierenden noch im Kopf, in einer Vorlesung eines anderen Dozierenden sitzend, der – wohl eher unwissend – ganz klar die Deutungen des Anderen im Bezug auf Kant und vieler anderer Autoren widerspricht.

Das schafft Probleme, das schafft Probleme, die wir gar nicht erstmal auf die Höhe von rechts oder links oder Kirchenpolitik heben müssen. Sondern vielmehr aufs in Ebene, die in der heutigen Zeit so geschätz wird, auf die Individuelle: Es ist grundsätzlich die Frage, wie der einzelne Dozierende mit seiner/ihrer Präsenz mit ihrer Position und ihre Macht umgehen. Gerade in der Lehre braucht es doch Menschen, die bereit sind über ihre eigene Meinung hinweg den Studierenden Grundlagen zu schaffen. Nicht die eigene Meinung sondern ein Überblick, damit Studierende weiterdenken können, weiterarbeiten können um sich selbst zu bilden und dann ein Leben zu leben, das Vorbild des Glaubens ist.

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