Schade, dass ich es gekauft habe

In der Zeit vor dem Advent, tauchen die vielen Neuerscheinungen im Bereich „Weihnachtsbuch“ auf. Dabei zeigt sich von Jahr zu Jahr mehr, dass es immer mehr Publikationen gibt, in denen die Texte weniger und die Bilder mehr werden. Das ist eine Wirklichkeit der Zeit, dass die Botschaft über Bild und Video einfach mehr erwünscht ist und genutzt wird. Die einen mögen das negieren. Ich finde das grundsätzlich nicht schlecht, sondern eine Chance, die es zu nutzen gilt. Gerade für das Christentum sehe ich hier eine große Chance, denn wer, wenn nicht das Christentum hat die Botschaft über das Bild über Jahrhunderte perfektioniert. Unsere Kirchen sind voll von in Bild gebrachte Botschaften. Jedes Fenster, jeder Altar und jede Statue zeugen von dieser Kunst eben nicht nur etwas darzustellen, sondern eine ganze Geschichte zu erzählen.

Aber wie bei so vielen anderen Dingen hat die Kirche gerade beim Thema „Bild“ oder breiter gesagt, beim Thema „Kunst“ im 20. Jahrhundert und somit auch im 21. Jahrhundert wohl wahrlich die Kompetenz verloren. Dies zeigt sich nicht nur am Verhältnis Künstler und Kirche, sondern auch im Bereich der Ästhetik bei Bildauswahl in der Pastoral und was dabei meist vergessen wird, tragfähigere Bilder auch im Wort zu malen.

Die lange Einführung bitte ich zu entschuldigen, aber ich sehe sie als notwendig um zu zeigen wie qualitativ zweifelhaft ein neu erschienenes Buch ist, das zu allem Leid auch von Autoren verfasst wurden, die aus meinem Heimatbistum kommen.

In den Tagen vor dem Advent, beim Durchstreifen der Buchhandlungen, stolperte ich über ein Buch mit dem unterhaltsamen Titel „Singen, beten, Glühwein trinken“. Gestoppt durch den Titel, erfreut über die geschaffene Aufmerksamkeit, geschockt schon über das grafisch echt schlecht gemachte Cover – kaufte ich (leider) das Buch und nahm es schon gleich daheim zur Hand. Das Vorwort des Buches beschreibt das Ziel und die Grundidee des Buches. Es geht, wenn ich es recht verstanden habe, darum Verknüpfungen zwischen dem gelebten Alltag des Advents – oder eher der Vorweihnachtszeit, wie es unkommentiert steht – und der Botschaft, die wir im Christentum hierzu vermitteln dürfen, ja müssen. Das Buch soll Impulse setzten, soll all jenen, die im hektischen Alltag das „mehr“ suchen, den Weg zu mehr Tiefgang eröffnen. Und ganz wichtig, das wird im Vorwort wie auch später betont: Es handelt sich hier um praxiserprobte Texte und Impulse.

Wirklich, ich kann nicht beurteilen, wie die Texte im gesprochenen Kontext, verstärkt durch die Alltagssituation angekommen sind. Aber geschrieben, gelesen muss ich rundweg sagen: Wo bleibt die Verantwortung der Autoren für den Text, für die Botschaft? Die Sprache dieses Buches berichtet genau davon, was – entschuldigen sie bitte Erich Flügge – wohl meinen könnte mit seinen Ausführungen in seinem Buch. Anders gesagt, die Texte des Buches berichten davon, dass das Christentum ein existenzielles Darstellungsproblem hat. Inhaltlich lebt dieses Buch von Floskeln, von Füllsätzen, von seichten oft sehr konstruiert verfassten Beispielen und von einer Vorstellungswelt, die fern dessen ist, was „normale“ Menschen, also Menschen außerhalb der so heilen Berufswelt von Kirche er-leben.

Gerade an diesem Buch erlaube ich mir die Frage: Es wird an allen Ecken und Enden gefordert, dass die Kirche moderner werden muss, dass Reformen die Kirche in das Heute bringen soll. Wahrlich, vieles davon kann ich unterschreiben. Aber: Warum machen wir es nicht vor und beginnen dort, wo wir ganz schnell etwas anfangen können: Bei der Sprache und bei der Darstellung!

Inspiration soll dieses Buch, genauer die Texte bieten. Inspiration zu was? Wenn die Impulsfragen aus einer wirklichen Lebenswelt kommen, wirklich ernst gemeint sind, dann muss jeder, der nicht tagtäglich im kirchlichen Sprech lebt sagen: Ade, mit mir nicht – oder nehmt ihr mich eigentlich ernst?

Ernst nehmen. Das ist ein spannendes Stichwort. Sowohl bei den Texten, wie auch zu den Bildern. Es muss die Frage erlaubt sein, ob einmal die Menschen, die angesprochen werden sollen, ernst genommen werden und zum zweiten die Botschaft? Es ist gut und richtig, dass versucht wird unsere Botschaft in eine Welt zu bringen, in einem Kontext zu setzten, der oft genug weit entfernt ist von der kirchlichen Welt. Das möchte ich nochmal unterstreichen. Die Idee ist gut. Aber die Botschaft so existenziell zu verwässern – nicht durch die Ideen an sich – sondern eben durch eine verwässerte Sprache des zwischenzeitlich institutionalisierten Sprech.

Diese Frage gilt es auch beim Bildprogramm zu stellen. Sind die Bilder Ernsthaft so gewollt? Die meisten Bilder zeugen davon, was sie sind: „fotostock“-Bilder, die halt ausgewählt wurden. Es sind Kalenderbilder für den Geschenkekalender beim Laden um die Ecke für 2,99 €. Meine Mutter hat solche Kalenderbilder aufs Gäste-WC gehängt. Heute hängt da der Apotheker-Kalender mit Kunstdrucken. Und das spiegelt eben genau das wieder. Der Stil der Bilder kennen wir aus der Pastorale vergangener Zeiten oder von Referenten, die nach ihrer Zeit in der Jugendarbeit (nach 20 Jahren) nun Bildimpulse machen im Erwachsenenwerk. Ich will auch hier nicht das Tun an sich kritisieren. Auch die Idee nicht sogenannte modernen Bilder zu verwenden, aber die Ausführung will ich kritisieren. Die Aufmachung des gesamten Buches zeugt von einer Unüberlegtheit, von einer Welt, die schön ist, aber aus der wir wohl alle nicht heraustreten. Das Buch erzählt davon, dass die Chance der Zusammenstellung von Bild und Text, die Chance der Botschaft des Bildes sowohl im Bild wie auch im gemalten Wort nicht erkannt oder zumindest nicht genutzt wurde. Schlussendlich macht mich dieses Buch traurig. Neue und nicht im kirchlichen Kontext begegnenden Zielgruppen sollte das Buch wohl ansprechen. An den gewünschten geht es sicher vorbei. Gekauft wird es von denen aus der „Blase“. Schlussendlich macht mich das Buch traurig, bleibt ein schaler Nachgeschmack, wenn man das Buch seriös-kritisch betrachtet.

Mein Fazit: Das ganze Buch strahlt eine klassische katholisch-christliche Mittelmäßigkeit aus, die sich nur versammeln lässt in dem Satz: „Es war gut gemeint …“ – aber das reicht nicht. Das hat noch nie gereicht und heute erst recht nicht. Mein Apell bleibt: Begnügen wir uns nicht weiter mit Mittelmäßigkeit!

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