Die Fasnet darf nicht sterben!

Was für eine blöde Überschrift denken sicher manche. Die Fasnet ist gerade auf Hochtouren, das ganze Narrenspiel wird immer professioneller und ausgefeilter und sogar die Wirtschaft hat die fünfte Jahreszeit entdeckt. Die Fasnet geht heute wirklich schon am 11.11. los und hört für viele erst nach der „Alten Fasnet“ auf – also warum dieser Unkenruf?

Es ist wirklich wunderbar, wenn man in die Landschaft schaut und solch eine bunte närrische Welt erleben kann. Und da soll auch wirklich kein „Aber“ kommen, was dies alles abwertet. Trotzdem brauchts meiner Ansicht nach gerade dann Fragen, bzw. nehme ich hinter all dem Glitter und Show nicht nur die Kulissen war, die es schon immer gab, sondern auch ganz besonders die Tatsache, dass vieles was wir als Tradition erleben, als Schönheit und Gewohnheit mit Vielem, nicht nur mit Geld, erkauft wird.

In unserer närrischen Landschaft entdecke ich viele mir bekannte Gesichter und unter diesen gibt es zutiefst echte Narren. Narren, die die Idee der Fasnet verinnerlicht haben, nicht nur die „Feier-Fasnet“. Ich verneige mich vor diesen Menschen ganz tief, denn sie leben und handeln wirklich nach der Devise: „Die Fasnet darf nicht sterben“. Sie kämpfen für das, was sie von Kindheit an erlebt haben. Sie haben meist ein Gefühl, eine emotionale Grundlegung für ihr Tun. Sie sorgen dafür, dass das Programm der Saison bestehen bleibt. Sie sorgen sich darum, dass alles weiter geht, dass die Fasnet in eine neue Generation hinein weitergegeben wird. Gerade auch im Blick auf das was heute gesellschaftlich so geschieht. In ihnen und mit ihnen gibt es noch die Abende, die Momente, jener Fasnet die sie einst erlebt haben, die ich auch kenne. Es sind Momente, in denen sich die Idee der Fasnet spiegelt, wenn bei all dem Lachen und der Freude, die andere Seite des Lebens nicht aus dem Blick gerät.

Diese Momente werden, so scheint mir, weniger. Nicht nur, weil ich weniger Zeit in diesen Kreisen verbringe, sondern weil die Fasnet irgendwie auf der Kippe steht zugunsten einer Professionalisierung. Damit meine ich nicht jene Professionalisierung, die dazu führt, dass die Organisation leichter wird und ein eingespieltes Team bei aller notwendiger Verwaltung entsteht, sondern eher eine Professionalisierung, die dazu führt, dass anderes in den Blick gerät, als die Freude der Fasnet.

Fasnet ist Ritus, ist auch die Übersetzung des allzumenschlichen aus verschiedenen Generationen in eine Tradition. Fasnet ist das, was in der katholischen Kirche mit dem Thema „Zeichen der Zeit“ angesprochen wird, wenn man davon ausgeht, dass die Zeichen der Zeit nicht isoliert auf das „Jetzt“ bezogen sind, sondern im Kontext des Gewesenen und der Zukunft stehen. Und hier zeigt sich die Überschneidung der Probleme von katholischer Kirche und Fasnet. Es ist die Frage danach, was Tradition ist und wie diese gelebt werden soll und darf. Die Fasnet findet ihre Wurzeln in der Kirche und ob man es will oder nicht, sie finden beide ihre alltäglichen Probleme in der jeweilig anderen Institution. Und bei beiden steht die Frage an: Was ist die Idee, was ist die Grundlage dessen was in Tradition und Ritus sich ausprägt? Was braucht es, damit die Institution noch jene Institution ist, die sie sein soll.

Einzelne Kreise in Kirche wie Fasnet versuchen gerade etwas zu zementieren. Kirche durch die Summe der Reformen und Strukturdiskussionen die sich verlieren in der Welt der Verwaltung und der Regeln. Fasnet in einem sich ausruhen auf einen Titel (Kulturerbe), der absichern soll, was (scheinbare) feste Grundlage ist. Beide verfallen in eine Vorstellung der Regelsicherheit, der menschlich definierten Sicherheit gegen die Veränderungen der Welt. Beides wird dazu führen, dass etwas zusammenbricht. Früher oder später, denn nicht die Regel, nicht die Struktur an sich ist entscheidend, sondern die Frage nach der Idee dahinter.

Die Frage, die ich habe, ist aus meiner Sicht substanziell: Was macht die Fasnet zur Fasnet? Was ist die Grundlage, was ist das sui generis der Fasnet und wie drückt sich dies in der heutigen Fasnet aus, oder sollte sich ausdrücken?

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