Was/Wen suchst du?

„Wen suchst du“? hat Jesus gefragt, aber auch „Was suchst du“ hätte Jesus Maria von Magdala fragen können. Maria kommt zum Grab und sucht Jesus. Genauer, seinen Leichnam. Aber dieser ist nicht da. Dafür ein Mann, der die Frage stellt und den sie – so sympathisch pragmatisch – erstmal, denn sie ist ja in einem Garten, als Gärtner abtut. Sie konzentriert sich auf das leere Grab, auf ihren Schmerz. Wie tief muss diese Verzweiflung gewesen sein. Erst dieser unverständliche Tod am Kreuz und dann ist der Leichnam weg. Wie tief muss die Verzweiflung gewesen sein?

Wenn wir am Ostermorgen an das Grab gehen und es leer finden, dann ist bei uns schon mehr Aktion und Wissen als bei Maria von Magdala. In unseren Auferstehungsfeiern ist eine Gewissheit, ist eine Erfahrung, die schon van anderen vor uns erlebt und weitergegeben wurde. Das was gefeiert wird, das was geschehen ist, wurde schon eingebettet in einen Kontext. Kreuzigung und Auferstehung sind für uns „Programm“ und Belege für das Handeln Gottes in der Welt.

Aber was würden denn wir antworten auf die Frage „Wen suchst du“? oder eben auch auf die Frage: „Was suchst du?“ Wie Maria bleibe ich und wahrscheinlich wir alle doch auch gern in abgesicherte Erfahrungen. Maria sucht den Jesus ihrer Erfahrungen, jenen dem sie im Alltag nachfolgen, mitgehen durfte. Und ich? Welchen Jesu, welches Jesusbild habe ich und wir? An welchem Jesus halten wir fest?

Maria musste sich ganz und gar „Umdrehen“, (der Text erzählt davon, dass sie sich zweimal „wendet“; vgl. Joh 20,14 + 16), also sich grundsätzlich neu ausrichten, um zu begreifen: Da ist was Neues, was Unerhörtes geschehen. Maria musste sich vom Leichnam, von ihren in Erfahrungen gewachsenen Konstrukten lösen und es dauerte bis bei ihr aus dem „Rabbuni“ Jesu der Herr – Kyrios in ihrer Verkündigung der Osterbotschaft wurde.

Und wie ist das bei uns, bei mir? Wie stark sind die Bilder und Konstrukten in uns gefestigt? Welchen Jesus sehen wir? Können wir uns umdrehen und die direkte Ansprache Jesu annehmen? Können wir uns aufmachen und verkünden: Christus resurrexit – der Herr lebt!

 

Der Beitrag ist im Rahmen einer Impulsreihe des Erzbistum Freiburg erschienen unter dem Titel: #osterpuls2019

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