Digitalisierung – Gedanken dazu

Blitzlicht: Vor einigen Tagen gab es in einer Runde die Frage: Was ist denn das eigentlich, diese Digitalisierung? Ist das schlussendlich das gleiche wie vorher, nur halt, dass wir alles digital gestalten?

Blitzlicht: Gestern gab es beim Erzbistum Freiburg einen Videobeitrag mit der Frage: Warum ist/soll/muss die Kirche auf der re:publika (sein)? Unter anderem kam da ungefähr eine Antwort, dass es eben heute nicht reicht, das Thema Digitalisierung irgendwelchen Fachstellen oder der Presseabteilung zu übergeben, sondern wir müssen uns bewusst werden, dass Digitalisierung unser ganzes Leben umgreift. Das fängt eben schon mit der Eröffnung einer Whatsapp-Gruppe an oder mit der Hochzeitsplanung über Pinterest.

Gedanke: Einher geht damit aber auch ganz bewusst die Frage nach der Kommunikation und – das ist ja gerade mein Thema – nach der Koordination, nach Leitung, nach Führung dessen, was in Gruppen, in Institutionen und ganz besonders in Kirche geschieht.

Gedanke: Damit könnte man ja auch sagen, dass Digitalisierung eine neue Beziehungsform ist. Wenn Jesus gepredigt hat, dann hat er das in der Öffentlichkeit getan, an den markanten Stellen seiner Zeit, bis zum öffentlichsten Ort, den es damals in Israel überhaupt gab, dem Tempel. Jesus wusste, wenn er dort etwas sagt, dann ist es unauslöschbar, dann ist es nicht zu vertuschen, dann ist es ganz und gar in der Welt und alle erfahren davon. Sind das heute nicht Beschreibungen des www und Foren wie Social Media?

Gedanke: Der Beziehungsrahmen Jesu war seine Familie, dann seine Jünger und für seine Zeit sicherlich einen überaus großen Kreis von Menschen, was die Zahlen 12 und 72 ausdrücken könnte. Jesus nutzte diese „Kommunikationsmittel“ um seine Botschaft weiter zu schicken. Er berief und sendete aus! Vom Gesprächspartner, den ZuhörerInnen der Predigt bis zu dem Follower und Chatpartner – alles können Kommunikatoren sein, die eben vom Hörer zum Überbringer werden.

Gedanke: Immer wieder geht es um die Diskussion und die Frage: Ist Glaube Privatsache? Ich sage da immer wieder Ja und Nein. Ja, denn es geht hier ganz direkt um die einzelne Person. Die einzelne Person wird angesprochen von Gott, wird herausgerufen und an ihren Platz gestellt. Aber zur Berufung, zum „Du“ von Gott her, das immer zugleich auch Sendung ist, verändert sich die Blickrichtung des Christen zum „Du“ des Mitmenschen. Glaube geht nunmal nicht allein. Und Glaube bedingt Aktion nicht nur in Form von Kontemplation, sondern auch ganz bewusst – denken wir an Ora et labora – auch in Form von Reaktion auf alles in der Welt hin. Damit ist Glaube eben nicht Privatsache, sondern zwingend dialogisch, beziehungssuchend und damit öffentlich.

Gedanke: Kirche ist kein geschlossener Raum. Wenn sie es wäre, wenn sie Mauern baut, sichtbare oder geistige, dann wird sie zur Unkirche. Kirche ist Volk Gottes, ist Offenheit, ist pure Öffentlichkeit. Darüber müssen wir uns, so denke ich, bewusstwerden und dahingehend müssen wir unser Leben leben. Gerade MitarbeiterInnen der Kirche, und da ganz besonders Priester, sind zutiefst öffentliche Personen, denn wenn wir den Aspekt der Hirtensorge ernst nehmen, dann muss der Priester als Mensch, als Christ, als Hirte sichtbar sein. Ganz, absolut. Das zerstört nicht eine Privatsphäre und den Ruheraum, den jeder Mensch braucht. Es negiert nicht geschützte Räume für das Gespräch, denken wir mal daran, dass in der frühen Kirche selbst die Sünden öffentlich benannt wurden und die Ohrenbeichte schlussendlich in dieser Form allein ein Anpassen an die Schwachheit der Menschen ist. Geschlossene Räume sind nicht dazu da, um zu verschließen oder verheimlichen, sondern sie sind dazu da um aus geschlossenen, verschlossenen Menschen wieder offene Menschen zu machen.

Der Aspekt der Öffentlichkeit schafft eventuell sichtbar neue Räume für den Einzelnen im Kreis der Gemeinschaft, gibt die Möglichkeit diese neu zu benennen und zu definieren. Ausgehend eben von der Öffentlichkeit der Gemeinschaft. Wenn Kirche diesen Aspekt der Digitalisierung, dieser Öffentlichkeit nicht in allen Stufen durchdekliniert wird sie aus meiner Sicht unscheinbar und auf Dauer unsichtbar. Der Tod Jesu Christi war zutiefst öffentlich, erhöht, sichtbar für alle. Das Leben der Christen muss dies auch sein.

Eine Antwort auf „Digitalisierung – Gedanken dazu

Kommentare sind geschlossen.