Ein Gruß

Ein Aspekt der so ganz und gar in Fleisch und Blut übergegangen ist, das ist der Gruß. Wir tun es sehr oft, das ist gesellschaftlicher Konsens, dass wir all jene grüßen, die wir kennen und es zeigt von einem Bruch des Miteinanders, wenn wir nicht grüßen, wenn wir einen Gruß nicht annehmen. Daran zeigt sich dann auch schon, dass das Grüßen ein dialogischer und verbindender Vorgang ist. Wer nicht grüß schafft keine Verbindung. Grüßen schafft Verbindungen, schafft Brücken. Eines wahren Großmeister des Grüßens ist im Christentum auf alle Fälle der heilige Paulus. Im Römerbrief grüßte er insgesamt 26 Personen (Röm 16,3-23) und auch in den anderen Briefen finden sich Grüße.

Es ist also gute Tradition, ist Zeichen des Miteinanders über die Grenzen der Gemeinden hinweg, sich unter Christen zu Grüßen. Es schafft Einheit, denn der Gruß begründet sich aufgrund unseres gemeinsamen Glaubens, die Taufe und die Eucharistie sind Ausgangspunkt, der Gruß, der Wunsch, der darin ausgesprochen wird, sagt: wir gehören zu Gottes messianischem Volk, der Kirche. Und dabei zeigt sich auch, an den gesprochenen Worten und den begleitenden Gesten, welcher Glaubensgehalt hier vorhanden und gelebt wird.

Ganz besonders bewusst dürfen wir im Gottesdienst grüßen. Die liturgische Feier beginnt mit einem (trinitarischen) Segensgruß, der sich auf biblische Texte bezieht. So kann der Vorsteher der Liturgie sagen: „Die Gnade unseren Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2 Kor 13,13) und die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geiste!“. Auch die Antwort der Gemeinde ist Tradition. Sie klingt altmodisch und mag nicht gleich den Sinn aufzeigen, aber mit ihrer rituellen Beheimatung stellen sich jene, die die Antwort sprechen in eine weite Tradition. Dieser Dialog in Wort & Antwort macht deutlich, dass es hier um ein sich gegenseitig einbinden in die Gemeinschaft geht. Jeder stellt sich dem anderen zur Seite und schafft Teilhabe am gemeinsamen Leben der ganzen Gemeinde. Liturgisches Grüßen ist substanzielle Verortung in die Gemeinschaft des Volkes Gottes.

Aber nicht nur Christen grüßen sich gegenseitig. Die rhetorische Frage von Jesu „Tun dies nicht auch die Heiden?“, kann auch hier verwendet werden und uns daran erinnern, dass die Intension grundsätzlich ist. Ein dahergeplapperter Gruß ist kein Gruß. Ein ehrlicher Gruß schafft auch über den Kreis der Gläubigen hinaus Gemeinschaft. Jeder der grüßt schafft Gemeinschaft und schafft Frieden und baut so, bewusst oder unbewusst, am himmlischen Jerusalem mit. Nichtgläubige/Andersgläubige grüßen uns Christen und wir die Christen, grüßen sie. Dieses Grüßen wird zur Brücke über Grenzen hinweg und hin dazu, dass Gottes ganze Schöpfung zu einem Reich des Friedens zusammenwächst.

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