Bohm: Hermann Hesses wundersame Geschichte

Maren Bohm legt in der von Karl Alber Verlag herausgegebene Reihe „Philosophische Romane“ ihren zweiten Roman vor. Diesmal mit einem Thema zu Hermann Hesse. Die Rahmenhandlung des Romans erzählt von Bernd und Karla, die sich zufällig, in schwierigen Lebenssituation, begegnen und zueinanderfinden. Der erlebte Bruch im eigenen Leben führt die beiden Menschen zueinander, die Verbindung schafft jedoch Hermann Hesse, der, wie es viele Menschen immer wieder berichtet haben, mit seinen Werken jene Menschen prägt, die in schwierigen Lebenskrisen stecken. Bernd hat über Hesse gearbeitet, Karla ihn schon als junge Frau „verschlungen“. Das Werk Hesses verbindet und führt zu einem Gedankenspiel, das verrückt und auch unerlaubt ist. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Hermann Hesse in seiner Erzählung „Narziss und Goldmund“, das Leben des Narzisses in großen Teilen im Dunkeln bleibt, beschließen sie, diese Leerstelle zu füllen. So macht sich Bernd auf ein Buch im Stile von Hermann Hesse zu schreiben. Dieses wollen sie als ein verschollenes Werk Hesses an den Hausverlag des Autors verkaufen.

Der vorliegende Roman endet nicht mit dem Abschluss des Pseudo-Hesse-Werkes, sondern verlangt von den Karla und Bernd auch die Konstruktion einer Geschichte, wie die beiden an das Manuskript gekommen sind. Dabei und auch im Kontext der Kontaktaufnahme mit dem Verleger, bekommt der Lesende Einblicke in die Zeit der Bonner Republik, genauer der Kulturwelt, aber auch nochmal einen tieferen Einblick in das Leben des Autors Hermann Hesses in der Nazi-Zeit.

Die über 400 Seiten des Werkes fallen mehrheitlich dem Hesse-Werk zu, das ungemein unterhaltsam und spannend zu lesen ist. Detailreich, mit vielen Zitaten aus den Werken Hermann Hesse verwoben, lädt es zu einer unterhaltsamen Reise in das Leben eines Abtes ein. In wie weit hier das Werk von Hesse wirklich aufgenommen wird, kann ich nicht beurteilen, da ich kein Hesse-Fachmann bin. Allemal bietet der Schreibstil aber eine schöne Geschichte, die auch nicht von den wirklich informativen philosophischen Exkursen, unterbrochen wird. Der philosophische-historische Exkurs zu Abaelard und seine Schülerin Héloïse zum Beispiel bietet so wie er ist auch einen Querverweis zu einem anderen Roman der Autorin, im gleichen Verlag.

Genauso spannend ist jedoch auch das Eintauchen in die Welt von Hermann Hesse und in das was der Verleger Suhrkamp zu erzählen hat. Dieser Teil kommt jedoch ein bisschen zu kurz, bzw. bricht irgendwie ab und lässt den Lesenden ein bisschen unbefriedigt zurück, gerade weil auch hier viele spannende und gute Ansätze des Erzählens gibt, die aber nicht ausgeführt werden, sondern eher grob zusammengefasst werden.

Ganz zum Ende des Buches hin gibt es ein kleiner Satz, ein kleiner Hinweis, dass sich die Geschichte, die Beziehung zwischen Karla und Bernd weiterentwickelt hat oder entwickelt haben könnte. Oder doch nicht? Der Beziehungsstatus, die Lebenssituation bleibt unklar und lässt leider auch nicht, da zu wenige Andeutungen vorhanden sind, Raum zu wirklichen Spekulationen bzw. zu einer Einordnung. Was der Rahmenhandlung, genauer den Personen, ein bisschen Farbe nimmt, denn die Geschichte ist damit nicht ganz rund.

Die Reihe „Philosophischer Roman“ des Verlages Karl Alber hat nun schon einige Bücher in den letzten Jahren bekommen. Nicht alle sind gut und man wünschte dem Lektor mehr Ruhe und die Entspanntheit so manch ein Werk abzulehnen, mag es auch von „großen Namen“ geschrieben sein. Das vorliegende zweite Buch von Maren Bohm in dieser Reihe jedoch ist (ohne beurteilen zu können, ob der Hauptteil Hesse nahe kommt und ihm gerecht wird), wieder ein Buch, das mit Freuden, zur angenehmen Unterhaltung, zur Hand genommen werden kann.

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Bohm, Maren; Hermann Hesses wundersame Geschichte. Freiburg, München 2020. 24,00 € ab dem 03. Januar im Handel.

Aufrichten

Es ist wie eine Überschrift meiner Tage hier, die ganz plötzlich auf mich zukam, heute Morgen. Das Wort des Zelebranten hat mich getroffen und mich erschüttert. Seine Predigt war kurz und er meinte – erst in deutsch und dann in spanisch – wenn wir von den heutigen Texten der Liturgie etwas behalten sollten dann das: „Richte dich auf, denn Gott wirkt/arbeitet in dir“.

Das sind deshalb großartige Worte für mich, da sie eben hier, in Spanien, in deutscher Sprache, fast direkt an mich gesprochen waren. Es sind deshalb großartige Worte für mich, da ich im Jahr 2019 (zuerst unfreiwillig) Abschied nahm von Menschen, die mir eben gerade immer und immer wieder klar machten, dass das, was ich bin, keinen interessiert. In ganz vielen Handlungen, aber auch in Worten wurde das was und wer ich bin negiert. Subtil und wahrscheinlich noch nicht einmal ganz bewusst bösartig, aber mit System.

Als ich zu Weihnachten 2016 in Rom war sagte mir ein geistlicher Freund damals im Gespräch, dass es auf meinem Entwicklungsweg der nächsten Jahre nicht ganz so einfach sein wird, weil ich an vielen Punkten schon sehr weit wäre und das, was geändert werden müsste, ganz kleine Schritte sind, aber ganz tiefe und intensive. Er forderte von mir, dass ich genau hier aktive Hilfe einforderte. Er forderte von mir genau hier ganz viel Kraft und Motivation weiter zu gehen.

Aber er konnte nicht ahnen, dass ich mich in einem Umfeld befand, das für diese Ratschläge nicht gut war. Ein Umfeld, das mir nicht die Hilfe gab, die ich brauchte. Und heraus kam die Tatsache, dass ich von Woche zu Woche, von Monat zu Monat mich immer wertloser, schwächer, dümmer und unwichtiger empfand. Das was ich konnte, das was ich machte, war nichts wert und statt Demut waren andere Formen gewünscht. Und das schlimmste: Ich machte mit, akzeptierte und hatte Angst, die mich lähmte.

Und nun steht da ein Pater der sagt so was und dann noch in deutscher Sprache. Wie kann ich mich aufrichten, wenn ich am Boden liege?

Aber er hat recht. Gott arbeitet und wirkt in mir. Mit Gott konnte ich das lernen, was ich kann, mit ihm und dank ihm. Die Berufung zum Priester umfasst auch ein ganz genaues Apostolat in dem er mir Gaben, Eigenschaften, Kompetenzen und Charismen geschenkt hat. Dank ihm waren die Menschen da die ich brauchte. Dank ihm kann ich das Überstehen, was ich an Schmerzen erlebe in dieser Welt, durch Mitmenschen. Er hat mir auch dafür was gegeben: Kraft und meinen Glauben.

Und ja, der Pater hat recht. Ja ich kann aufstehen, denn ich bin Christ, ich bin Gottes geliebtes Kind, mit all seinen Schwächen und guten Eigenschaften, ich bin ein Diener der in Freiheit die Berufung leben kann. Aber es wird dauern, bis ich mich wieder ganz aufrichte. Und genau in dieser Situation merke ich, dass ich auf die Ankunft hoffe. Ich hoffe, dass dies der letzte Advent ist!

Follower – Kurzfilm

Clara, ist Babysitterin. Alles ganz normal an diesem Abend. Das Kind schläft, sie hat Zeit. Dabei chattet sie mit ihrem Freund, schaut TV. Ihr ist langweilig, sie postet Bilder von sich auf Instagram. Während eines Telefonats mit ihrem Freund kommt ein weiterer Anrufer rein und sie bekommt einen neuen Follower auf Instagram, der auf einem Fake-Account sie auf einem Bild ihres Standortes taggt. Ihr kommt das gruselig vor und lädt ihren Freund ein zu kommen. Der Stalker wird penetranter; nach bearbeiteten Bildern von Clara kommt er näher – schneller als ihr Freund, der auf dem Weg ist. Schneller und näher sowohl in der digitalen wie in der analogen Welt.

Der Film arbeitet mit den aktuellen (2019) genutzten Social Media Plattformen und setzt sie in Ton und Bild direkt ein und spielt mit der Verbindung eben dieser Formen und klassischer Psychodramen. Die Protagonisten lernen wir über diese Kommunikationsformen kennen. Instagram, Whatsapp, Skype – zeigen uns die Personen und ihre Handlungen. Während Clara weiß, wie sie sich auf der digitalen Ebene gegen den Stalker wehrt, ist sie Handlungsunfähig gegenüber dem direkt anwesenden Stalker. Da sein – kann auch ihr Freund nicht in der Form, wie er es sollte oder könnte.

Der Kurzfilm greift in 9 Minuten eine größere Menge von Themen auf. Allen voran die Frage nach dem Umgang mit den Social Media, genauer mit persönlichen Daten. Nicht das posten selbst ist hier Thema, sondern die Tatsache, dass „jeder weiß“ wo Clara sich aktuell aufhält.

Die Privatsphäre ist ein weiteres Thema. Nicht allein räumlich, sondern ganz persönlich, wenn der Stalker nicht nur die Instagrambilder bearbeitet (und damit vorher an sich bringt) sondern auch, dass es möglich wird, dass er auch eine Kontaktaufnahme über Whatsapp vornehmen kann, was bedeutet, dass er die Mobilnummer besitzt. Das Übertreten der Distanzgrenze beginnt hier und nicht erst in der analogen räumlichen Nähe. Die veränderte Nutzung von Telefonen hin zu Endgeräten, die nicht einfach in der Wohnung stehen, sondern zu einem sehr persönlichen Teil des Lebens werden, verändern auch die Wertigkeit von Telefonnummern.

Und damit geht es dann auch auf einer Methaebene um die Datensicherheit und Speicherung und ein Hacken dieser. Ob bei Instagram oder bei Whatsapp, oder erst auf dem zweiten Blick ein Thema, beim mit schneiden von Tonsequenzen oder bei der Internetnutzung (bis hin zu Netflix).

Ein Themenbereich der ebenfalls noch angesprochen werden könnte, wäre das Thema „stalken“. Ab wann ist ein followen ein stalken? Und wie gehen User mit Stalkern um? Dazu bräuchte es auch nochmal unterstützende Maßnahmen, dass aus diesem noch immer bestehenden Tabuthemas ein Thema wird, das angesprochen werden kann und muss. Egal bei welchem Geschlecht, denn gerade bei männlichen Opfern schwingt hier noch verschiedene Hemmungen und Vorurteile mit.

Ist der Film „Follower“ nun gelungen? Ja, wäre die erste klare Antwort. Ja, solange die verwendeten Kommunikationsebenen aktuell sind. Denn in der Korrelation versteckt sich die Schwäche des Filmes. Jetzt, aktuell ist der Film ansprechend für die Zielgruppe 12 +. Die Frage ist jedoch wie eng die Zeiträume gesetzt sind, in denen sich die Plattformen verändern/austauschen und damit die Zugänge der Zuschauenden sich verändern. Trotzdem können für die aktuellen Situationen, gerade mit der DVD beigelegten Materialien, Impulse gesetzt werden zu einer Diskussion, zu einem weiteren Nachdenken. Mit Blick auf das Frankfurter Dreieck (Funktion – Gesellschaft – Interaktion) kann dieser Film, nur mit den passenden und ergänzenden Fragen, als Grundlage zur Diskussion und damit zu einer Ausbildung der digitalen Kompetenz genutzt werden.

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