Die Sirenen

Zwei Mal im Jahr passiert es in Freiburg! Die Sirenen erklingen über Freiburg, wenige Minuten nur aber einschneidend laut, durch Mark und Bein gehend. Die Menschen in der Stadt sind meist verwirrt, halten die Ohren zu, schauen verwundert, fragend: was ist das? 

Sirenen, ein fremder unbekannter Ton. Heute führen sie dazu, dass die Menschen stocken und stehen bleiben. Zwei Generationen, teilweise drei Generationen früher wäre diese Reaktion tödlich gewesen. Unsere Großeltern und Urgroßeltern blieben nicht stehen, sie rannten los in den nächsten Schutzbunker – stehen bleiben war damals tödlich. 

Manch einer aus jener Zeit hört die Sirene heute auch. Was für Gefühle klingen da noch nach? Und was fühlen unsere Gäste aus Kriegsländern, die hier Schutz und Heimat suchen? 

Sirenen, das sind in manchen Ländern, bei uns lange her, Ängste, die Wahrnehmung, dass in der nächsten Minute die Welt, das eigene Leben sich vollständig verändert. 

Ich hab dies alles nicht erlebt, aber Sirenen rufen Beklemmung in mir auf und ich danke Gott, dass ich die Gefahr, die uns Sirenen künden sollten, nie erlebt habe. Und ich bitte Gott, dass ich, dass die Menschen Europas, nie wieder erfahren mögen, was Sirenen künden können. 

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Der Heilige Geist

Heute (Samstag, 28 Woche Jahreskreis) ist als Evangelium die Stelle Lk 12,8-12 vorgesehen. Darin gibt es eine Stelle über die ich heute gestolpert bin: „Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben.“

Jesus benennt hier zwei „Personen“: Sich, den Menschensohn, und den heiligen Geist und hebt den Heiligen Geist in der Wichtigkeit des Lebens des einzelnen Gläubigen hervor. Er positioniert den Heiligen Geist (vgl. Lk 8,12) als jene Instanz, die im Leben der Menschen ihnen zur Seite steht, wenn es schwierig wird.

Klar präsent ist der Heilige Geist irgendwie an Pfingsten. Da kommt er – oder soll er – runter kommen und das Antlitz der Welt neu machen. Und da schon denke ich mir: „Na, der kann ja gern kommen und rumschweben. Die Menschen werden ihn schon am Tun hindern.“ Und umgekehrt ergibt sich damit für mich die Klarheit: Ohne das Werkzeug „Mensch“ kann der Heilige Geist nichts schaffen. Ist eventuell lästern gegen den Heiligen Geist ein „nicht handeln“ im Sinne des Heiligen Geistes? Lästern wir gegen den heiligen Geist, wenn wir nicht das tun, was wir können, um das Antlitz der Welt zu verbessern?

Der Heilige Geist wird darüber hinaus überall dort hervorgeholt, wo es irgendwie mystisch oder unerklärlich wird. So zum Beispiel bei den Sakramenten, bei der Papstwahl und ja auch aktuell in der Synode. Und es bleibt da irgendwie offen – zumindest dem regelverwöhnten Deutschen – wie man diesen Heiligen Geist und sein Tun greifen kann und ihn dann bitte auch Verklagen und zu Regress bemühen kann, wenn was falsch läuft.

Nach dem heutige Lukasevangelium steht Glaubensbekenntnis und Heiliger Geist in einer Verbindung, steht Glaubensleben und Heiliger Geist in einer Verbindung. Daher müsste doch auch das, was das Glaubensleben regelt, strukturiert, damit wir eben als Christen in der irdischen Welt leben können, irgendwie in einer Verbindung zum Heiligen Geist stehen. Wie ist das dann aber bei den Forderungen die aktuell im kirchlichen Raum stehen, wie ist das dann bei den anstehenden notwendigen Veränderungen, die anstehen: Wirkt da der Heilige Geist und wer kann da wie und wann mit dem Heiligen Geist argumentieren? Bzw. argumentiert da irgendjemand mit dem Heiligen Geist?

Der Faktor Heiliger Geist finde ich selten bei den Diskussionen um Zölibat, Frauenordination, Macht, Struktur, Pfarreireform und vielem mehr – aber ist er nicht eventuell doch der entscheidende Punkt?

Falstaff in Freiburg

Es war für mich ein schöner Musikabend am vergangenen Mittwoch (16.10.19) im Stadttheater von Freiburg. Ob die Musik absolut höchsten Standard entspricht, kann ich als Laie nicht sagen. Mir hat es gefallen, auch wenn ich manchmal stutzte. Manchmal war mir das Orchester zu laut oder die SängerInnen zu leise. Manchmal fand ich das Zusammenspiel nicht ganz klar, aber das können nur subjektive Wahrnehmungen sein, die auch an meinem Platz liegen konnten.

Allgemein kann ich sagen, dass sich wieder meine These bestätigt hat. Opern in Freiburg kann man besuchen. Die Musik, die MusikerInnen und die SängerInnen sind gut, sie laden ein zum zuhören. Sie bringen durch ihre Leistung die Musik den Zuhörern nahe. In Freiburg kann ich die Augen schließen (wenn man den Text kennt) und der Musik lauschen und Fragen nachhängen.

Der SWR kommentierte die Inszenierung als „bleiernd und todernst„. Ich würde sie einfach nur langweilig nennen und nur bedingt eine komische Oper und ich stelle mir die Frage, welche Botschaften sollten da wieder übermittelt werden, die wer auch immer aus dem Text etc. herausgelesen hat.

Wie schon gesagt, MusikerInnen und SängerInnen haben mir sehr gefallen. Auch das Bühnenbild selbst und in sich betrachtet war wieder großartig. Eine Verneigung an die Handwerker, die solche Aufbauten leisten, mit all den kleinen Kleinigkeiten und Besonderheiten, die versteckt sind und während des Spiels verwendet werden.

Aber es bleiben eine Summe von warum mit Blick auf die Inszenierung?

Warum?

  • Muss dieses Stück in einem sehr amerikanisch-puritanischen Haushalt aufgeführt werden? Heben wir uns über die Spießigkeit dieser Zeit hinaus? Warum wird gerade nicht solch ein Werk historisch verortet? Oder wenn, dann bitte in einer echten Auseinandersetzung des Heutes? Es ist einfach langweilig, wenn Falstaff als Greace-Rowdy gewandet auftaucht.
  • Allgemein stellt sich mir die Frage, warum werden diese Personen so überzeichnet nach eigenem Gusto. Verdi bzw. sein Librettist Arrigo Boito haben die von Shakespeare gezeichneten Personen wunderbar bearbeitet und ihre Besonderheiten überzeichnet. Warum wird dies nicht genutzt?
  • Was hat das Stück mit dieser Überfrachtung von Unterhosen zu tun? Soll das Schocken? Fragen stellen? Wenn ja, dann frage ich dagegen: Ernsthaft? Kein Mensch schockt es im Zeitalter von „Blanck ziehen“ und Videos unter Röcken machen noch, wenn jemand sein Unterhöschen auszieht. Und die Herren in Schiesser Feinripp mit Eingriff – was es in Freiburg schon öfters (z. B. Warten auf Godot) gegeben hat – gereicht im besten Falle noch zu einem Werbevertrag mit der ehemals großen Marke. Einen anderen Sinn zeigt sich nicht, auch nicht wenn es um „die dreckige Wäsche“ geht. Dieser Aspekt ist absolut schwach gezeichnet und sehr fragwürdig platziert, wenn er denn gewollt ist.
  • Warum kriechen eigentlich inzwischen andauernd irgendwelche Leute auf dem Boden rum. Gerade die Sänger müssen gefüllt ganze Bilder lang auf dem Boden rumliegen.
  • Es ist eine komische Oper, so stehts auf dem Libretto. Das komische ist nahezu ausgemerzt aus dieser Inszenierung. Die „lustigen Weiber“ sind weg. Moralisierende Überziehungen in den Charakteren führt zu dem was Moral immer ist: Langweilig! Komisch wird die Oper allein an jenen Stellen an denen die Situationskomik herausbricht, da zwischen Text und dem Spiel Diskrepanzen auftauchen. Zum Beispiel, wenn Falstaff nach Glühwein ruft und Ewigkeiten später aus einer farblosen Flasche trinkt oder wenn er auf einem Haufen dreckiger Wäsche (nochmal warum) liegt und davon spricht an der Eiche zu sein oder gar, wenn es immer wieder um den Paravent geht und die Frage offen bleibt: „ei woh ist denn der“? (da rettet dann auch kein noch so großartiges Bühnenbild)
  • Wo bleibt die Komik eines Flastaffs wenn er im Wäschekorb steckt, wo bleibt die Ironie in seinem Lebenskonzept, wo bleibt die Komik des völlig „baden gegangenen“ Falstaff, der die Welt nicht mehr versteht. Wo bleibt die Schlussbotschaft, die Botschaft „Tutto nel mondo è burla, l’uom è nato burlone.“, die unter dem Geschrei des Chores in eine Dramatik sich wandelt, die meines Erachtens nicht Sinn der Sache ist.
  • Allgemein das Schlussbild frustriert absolut. Man mag sich ja daran gewöhnt haben, dass nun alles in einem gefliesten Keller stattfindet. Kein „schwarzer Jäger mit Hirschgeweih“, keine Feen, keine lustigen Weiber von Windsor, und die Verkleidung: Es bleibt allein ein frustriertes Aufstöhnen. Insbesondere die völlig gescheiterte Kleiderwahl der zu trauenden.
  • Wunderbar ist die kleine Szene im zweiten Akt. 2. Bild in der Ford mit seiner Eifersucht kämpft. Der Sänger zeigt solch eine Tiefe des Ausbruchs in seinem Spiel und seinem Singen. Es ist wunderbar, was da geschieht um die Ambivalenz aufzuzeigen und eventuell im Stück befindliche Fragen und Themen wirklich aufzugreifen (was nicht wirklich geschehen ist). Diese Szene wird dann wieder geradezu zerstört von einem weiteren Anflug von Zerstörung. In diesem Falle sind es Schallplatten, die völlig ohne sichtbarem Zusammenhang, zerbrochen werden und dann auf dem Boden zerstreut liegen.
  • Allgemein stellt sich die Frage, warum so viel zerbrochen, herumgeschmissen wird und warum z. B. daher Mrs. Quickli (übrigens eine Freundin von Frau Ford und keine Haushaltshilfe wie hier) und andere andauernd zum Aufräumen rumlaufen müssen.
  • Ein Punkt fällt mir im Vergleich zu anderen Inszenierungen auf. Das Stück lies eine gewisse Schnelligkeit vermissen. An vielen stelle war das Werk sehr lang, fast getragen. Es fehlte die Spontanität, die quirlige Situation – eventuell zeigt sich das an Mrs. Quickli, die alles andere als quickly war.

Nochmal: Es war ein schöner Abend im Theater in Freiburg bei der Oper. Es wäre ein Genuss wenn die Inszenierung – das gilt für die meisten – endlich wieder mehr an den Stücken und deren tiefgründigen Botschaften halten würden, als an den Botschaften der im Theater Verantwortlichen.

Das Theater ist aus meiner Sicht heraus ein Ort in dem durch Musik und/oder Spiel tiefgreifende Erfahrungen dem Zuhörer nahe gebracht werden. Dabei ist es mir schon wichtig, dass der Zuschauer nicht in einer Wohlfühloase sich einrichtet sondern auch herausgefordert wird, zum Nachdenken, zum Zuhören. Kunst soll bilden durch Unterhaltung. Was aber hier immer wieder gezeigt wird ist kein wachrütteln, sondern ein langweiliger Versuch zu schockieren zu moralisieren, zu thematisieren, in einer Form, die im besten Falle aufregt oder die jede Ästhetik beleidigt, die im schlimmsten Falle dazu führt, dass man nicht mehr ins Theater/Oper geht, weil es einfach – und das habe ich schon ein paar mal gesagt – langweilig ist.

Fazit: In die Oper sollte man, die Musik ist gut, diejenigen auf, unter und hinter der Bühne liefern eine großartige Arbeit ab. Man sollte sich jedoch vorbereiten und versuchen sich von der Inszenierung nicht ablencken zu lassen.