Selig die nicht sehen …

Selig die, die nicht sehen und doch glauben! Das ist ein zentraler Satz für den heutigen Tag. Als er gesprochen wurde, in jenen Tagen nach der Auferstehung, lebten Menschen, die den Messias leibhaftig gesehen haben. Es sind Menschen, die vor und nach der Kreuzigung mit ihm leben. Darunter Thomas, der nicht nur sehen, sondern den Herrn anfassen musste. Er musste ihn und die Botschaft be- und ergreifen. Er gehört zu den ganz vielen, die eben gesehen haben, die gehört und gesehen haben und geglaubt haben.

Uns bleibt nichts anderes als zu Glauben ohne zu sehen. Nur wirklich sehr wenigen kommt die große Ehre zuteil, den Herrn zu sehen so lange sie leben. Ein paar wenige Heilige (Was ich persönlich ganz angenehm finde, dass es so ist). Anderseits: Wie sehr würde manches sich erleichtern, wenn wir auch anfassen können, wenn wir Jesus leibhaftig ergreifen können. Manchmal, das muss ich gestehen, wünschte ich mir den kindlichen Wunsch, dass es für mich auch ein Kreuz gibt, das spricht, wie bei Don Camillo – aber wie gesagt, es ist auch gut so, dass das nicht eintrifft.

Im Münster von Freiburg stehen sich die Figuren von Jesus und Thomas gegenüber. Es erscheint so, wie wenn sie über den Altar hinweggehend auf einander zu gehen könnten. Jesus und Thomas, Wahrheit und Zweifel begegnen sich, am Altar.

Wenn ich im Münster ministriere, dann sitze ich manchmal so, dass ich bis zur Eucharistie den Thomas ansehen kann. Nach der Kommunion sitze ich so, dass ich Jesus im Blick habe. Und es erinnert mich, dass das ganze Christenleben ein sich hinbewegen zu Jesu ist. Geprägt von Zweifel und von den Momenten, der Gewissheit. Das Wort Gottes hören wir, wir nehmen es an, wir versuchen es zu verstehen, wir zweifeln und sind unsicher. Dafür schenkt uns Gott seine Gegenwart im Leib und Blut. Die Eucharistie ist ein Ort an dem Zweifel aufgehoben werden, denn hier ist absolut Erinnerung, ein Aha-Moment, des Lebens für das Leben. Aber schon danach bleibt nichts als Glaube, ein Glaube, der von Prämissen ausgeht, die schlussendlich nach menschlichen empirischen Ansätzen nicht belegbar sind. Es bleibt als Gewissheit allein die Grundhaltung, die Offenheit, die Beziehung zu den Erfahrungen, nicht allein von mir, sondern von allen vor mir. Und es bleibt, der so schwere Satz: Selig, die nicht sehen und doch glauben!

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Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden.

Mit Jesus verändert sich die Blickrichtung des Lebens. Es gilt nicht mehr die Frage: Was muss ich alles tun, um in den Himmel zu kommen? Nein, es geht um kein irgendwann fernes anbrechendes Ziel, das es primär zu erreichen gilt. Nicht fern, sondern um einen anbrechenden Himmel hier – jetzt und hier – darum geht es. Der Wille Gottes, der Plan, den Gott mit dieser Welt hat, soll vom Himmel „runterkommen“. Der Himmel soll hier anbrechen, bzw. ist angebrochen und es gilt nun, diesen Anbruch sichtbar zu machen. Das ist die Botschaft Jesu und schlussendlich der ganzen Bibel. Auf die Frage Johannes ob Jesus der Messias ist und Jesus antwortet: Schaut und dann berichtet was ihr seht! (Mt 11,2). Jesus schafft den Himmel auf Erden, seine Wunderheilungen sind nicht in der Exegese zu beweisende Wunderkonzepte sondern die radikale Veränderung der Welt: „Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11,3). Hier zeigt sich das, um was wir im Vaterunser, beten. Das Reich, der Wille Gotte geschieht auf Erden. Der Frieden, die Aussöhnung, der Tierfrieden wie Jesaia (Jes 11,6-8) ihn beschreibt ist möglich, das zeigt uns Jesus.

Der Plan ist schon da – Gottes Wille im Himmel – er muss sich aber manifestieren auf Erden, durch und mit uns.

Damit zeigt sich, dass wir mit einem negativen Weltbild aufhören müssen, es gilt nicht in „Sack und Asche“ zu gehen hier auf Erden, sondern dafür Sorge zu tragen, dass die neue Zeit, in der der Bräutigam (Mt 9,14-15) unter uns ist, wieder anbricht. Wir müssen nicht durch irgendeine trübsinnige Erdenzeit durch, um dann eventuell in den Himmel zu kommen, sondern wir sollen diese Erde und unser Leben bejahen, und Verantwortung übernehmen, dass dieser Plan Gottes auf Erden sichtbar wird.

Die Narrenrede

Heute ist die „Narrenrede“ (2 Kor 11, 18.21b-30) von Paulus die Lesung des Tages (Freitag 11. Woche JK I.). Dabei geht es ihm darum, dass er närrisch redet indem er sich auf das Niveau seiner Gegner begibt und prahlt. Er prahlt, mit dem was er auf seinen Reisen getan hat, eben nicht um zu prahlen sondern um zu zeigen, wie närrisch er es findet, dass Leistung aufgezählt wird, gerade insbesondere Leistung die auf ganz irdische Weise aufgelistet wird und den Einzelnen über den anderen erheben soll nach dem Motto: Seht, wie großartig ich bin. Ich bin der King!

Die Prahlerei des Paulus bietet uns einige biografische Infos. Deshalb ist diese Stelle schon mal faszinierend. Aber faszinierender ist die Botschaft, die über die Prahlerei hinausgeht. Paulus trifft hier eine grundsätzliche Aussage über das apostolische Amt, über das Amt der Nachfolge, das eben nicht Rum und Ehre und sichtbar wird in irdischen Machtinsignien, das sich nicht über persönliche Fähigkeiten und/oder belegbare/messbare Erfolge definiert sondern zuallererst über die grundsätzliche Bereitschaft zum Dienst und damit auch zu sich daraus heraus bedingende „Nachteile“, zu einem ruhmlosen Ge- und Verbrauchtwerden.

Und darin zeigt sich, dass Paulus Narrenrede eben nicht eine Narrenrede ist. Er ist nicht der, wie jener der im Psalm 53, der als Narr bezeichnet wird, der seinen „Schatz“ (vgl. Mt 6,19-23) wo anders als in Gott findet. Narrenrede ist die Rede jener die im Herzen sich selbst haben, nicht Gott, und sich somit mit dem brüsten, sich an das hängen, was nicht wichtig ist. Paulus versucht sich auf dieses Niveau einzulassen, aber er schafft es nicht. Denn wer voll ist von dem, was ihn treibt, wird auch schlussendlich nur von dem erzählen und nach diesem Leben. Bei den einen ist es das „ich“ bei Paulus ist es „Gott“ und darin ist er Vorbild und gilt nachzueifern.