Ende … jetzt geht’s in die drei Tage

Aufstehen, heute habe ich wenigstens besser geschlafen (nachdem ich dann eingeschlafen bin), wobei ich mich lange im Bett rumbewegt habe. Gegen drei zum letzten Mal auf die Uhr geschaut.

Lesehore mit dem letzten Kapitel vom 1 Johannesbrief. Kein leichter Text, aber Kernaussage: Jesus Christus ist die Lebens-Ausrichtung. Wer ihm und seiner Botschaft nachfolgt, geht auf alle Fälle auf dem richtigen Weg. Ganz intensiv finde ich den Satz „Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“ (1 Joh5,5). Eine Hoffnung machender Satz und ein Satz, der nochmal daran erinnert, dass der Tod Jesu am Kreuz nicht Niederlage ist, sondern die Krönung eines Erfolgs. Auch die Psalmtexte der Lesehore & der Laudes waren heute so Mut machend für mich. Es ist einfach wunderbar, dass mich die Psalmen so begleiten. Ich hoffe, dass ich immer solch einen Rückhalt darin finde.

Vor lauter Morgengebet habe ich fast die Zeit verpasst, denn auch der heutige Text von Franz von Sales war wunderbar. Kann die Philothea nur wärmstens allen empfehlen. Im Netz gibt’s dazu digitale Versionen und grad eine neue Ausgabe, wie ich sehe. Klar die Sprache ist alt und manche Begriffe auch – aber das Buch ist so ein Schatz an Gedanken und Impulsen!

Frühstück, also u. a. Birchermüsli. Danach Schriftbetrachtung mit ein paar kleinen Veränderungen durch den Referenten. Man fühlt sich schon auch wahr- und angenommen, wenn man vermuten darf, dass Rückmeldungen auch auf einen Boden des Nachdenkens fallen. Das schenkt mir Zuversicht, dass wir in dieser Kirche Menschen sind, die dann auch mir in Rat und Tat, in Kritik und Rückmeldung, in Respekt und Freude zur Seite stehen.

Bibelstelle, die betrachtet wurde, war heute Lukas 24,1-12. Ein paar gute Gedanken gab es dazu. Die kommen eventuell mal in einem Text im Blog.

Danach waren für mich die Exerzitien vorbei. Über St. Peter, einem Besuch in der Kirche und einem doppelten Espresso ging es nach Freiburg zurück. Jetzt habe ich ganz fest den Vorsatz zumindest die nächsten Tage bis Ostern den Stundenanteil fürs Gebet – wie auf dem Lindenberg – beizubehalten. Ich erzähl euch davon dann ob es funktioniert hat.

Die Zahlen mögen für andere Blogs klein sein, aber für meinen nicht. und da es so viel Resonanz gab – gestern waren allein 53 und vor drei Tagen 106 Besucher auf meinem Blog – werde ich weiter verstärkt aus meinem Alltag berichten, soweit es die Zeit zulässt, denn das Zusammenfassen meines Tagebuches ist schon zeitaufwendig 😉. Ich freue mich aber auch weiterhin auf ehrliche und respektvolle Rückmeldungen und so manch ein Gespräch.

Danke an alle, die mich im Gebet und durch Nachrichten und Rückmeldungen so intensiv begleitet haben. Bleiben wir Verbunden im Gebet!   

Die Kurzlesung der Terz hier zum Gruß:

„Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit“ (1 Tim 2,4-6)

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Die Bibel stört

In der Zeit der Ministrantenwallfahrt in Rom durfte ich mich beteiligen an der Betreuung von Jugendlichen, die auf eine Führung in der Domitilla-Katakombe warteten. Dieses Programm wurde vom Zentrum für Berufungspastoral verantwortet und ich durfte dabei sein. War echt schön, denn das ganz besondere daran war, dass ich somit nicht allein nur die Freiburger Minis erleben konnte, sondern Ministranten aus dem ganzen Bundesgebiet.

Am Donnerstag hatten wir eine Gruppe bei der war ein Diakon mit dabei. Wir vom Team hatten ein Ratespiel vorbereitet. Einige der Fragen waren zum Altes Testament. Da war eine witzige Frage dabei und dann kam die Frage, wie denn der Bruder von Jakob im Alten Testament heißt. Die Jugendlichen haben das ganz oft gewusst. Mussten aber schon auch nachdenken und so entstand eine Stille in die eben dieser besagte Diakon brüllte: Das wissen wir nicht und das ist ja auch unwichtig. Wir sind Christen und wir brauchen das Alte Testament nicht. Ich brauch nicht zu erzählen, dass ich geschockt war. Das habe ich ihm dann auch gesagt. Er fand das nicht falsch was er gesagt hat.

Gerade eben habe ich mit einer lieben Freundin telefoniert und wir hatten es davon, dass sie im Rahmen ihrer Ausbildung einen Exegese-Predigt abliefern muss und sie statt einer Evangeliums-Predigt einen Text zum Gottesknecht schreibt, denn sie finde gerade dieses Thema entscheidend wichtig in unserem Glauben und ihr fehlt da oft genug eine Predigt dazu für die Gemeinde. Dem konnte ich nur zustimmen und jetzt kommt mir die Frage; Wann habe ich denn das letzte Mal eine AT-Predigt gehört. Wann habe ich erlebt, dass der Priester im Gottesdienst einen der oft doch auch schwierigeren Lesungstexte aus dem Alten Testament als Predigtthema verwendet hat. Ich kann mich echt nicht mehr daran erinnern.

Im Jahr 2017 haben Priester des Weihejahrganges 1967 einen Brief geschrieben in dem sie bekundet haben, dass sie gerne der Kirche dienen, es aber Punkte gibt, die sich nicht so verändert haben, wie sie es sich in der Zeit des II. Vatikanischen Konzils erwartet haben. Dabei ging es auch um den Umgang mit der Bibel und dem Evangelium. So heißt es dort „Mit der Zeit wurde jedoch sichtbar, dass die liturgischen Reformen nicht zusammengingen mit einer neuen und gründlichen Auseinandersetzung mit der Bibel.“ Und weiter: „Uns bedrückt, dass die Frage nach Gott bei vielen Menschen hierzulande kein Thema mehr ist. Zudem stellen wir fest, dass die neueren Erkenntnisse über die Bibel und über die Geschichtlichkeit unserer Kirche nicht zum Allgemeingut im Glauben der Christen geworden sind. Eine neue Begeisterung für das Evangelium, die Papst Franziskus mit dem biblischen Leitwort Barmherzigkeit initiieren will, scheint bisher nur wenige zu packen.“  – Das sind Erkenntnisse, die ich mitunterschreiben kann. Es ist überraschend und ungemein traurig, dass trotz einer größeren textlichen Vielfalt in der Liturgie, trotz einer großen theologisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung, trotz einer Einheits-übersetzung das Wissen von Gott, die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes im Bezug auf das eigene Leben immer weniger wird.

Ein bisschen traurig-witzig ist, dass einer der Unterzeichner Willi Hoffsümmer ist, Autor von Büchern, die Textsammlungen sind für die Liturgie. Gewollt oder ungewollt sind gerade diese Bücher eine der Grundlagen dafür, dass in meiner Kindheit und Jugend in meiner damaligen Gemeinde nahezu keine alttestamentlichen Lesungen gelesen wurden. Diese und auch ganz oft die oft einzige neutestamentliche Lesung (gerade bei Kinder- Und Jugendgottesdiensten) wurden gegen Texte aus den Hoffsümmer-Büchern ersetzt. Grund dafür war die Vorstellung: Wir können den Menschen, gerade den jungen Menschen biblische Texte nicht antun. Sie verstehen sie nicht, sie sind zu schwer … etc. Wie gesagt: Gewollt oder ungewollt hat der Autor gerade diesen Teil der liturgischen Erneuerung, die stärkere Verortung der Gemeinde in den biblischen Texten durch eine breite Lesungspalette behindert. Wenn nicht er, dann hätte das jemand anderer getan. Das aus meiner Ansicht nach schlimme an diesem Prozess ist: Die Texte waren keine Ergänzung, sondern viel zu oft Ersatz. Christ bin ich nicht, weil ich den kleinen Prinz kenne oder die Geschichte der kleinen Schraube im großen Schiff sondern weil ich Gottes Weg mit den Menschen weitergehe und davon gehört habe.

Kann es sein, dass wir Angst haben vor der Bibel, ganz besonders vor dem Alten Testament? Der Evangeliumstext von gestern war Mt 24, 42-51. Wahrlich kein Text, der so einfach mit dem Wort „Frohe Botschaft“ versehen werden kann. Es sind klare und harte Worte. Solche tauchen im Alten Testament viel öfters auf. Könnte es sein, dass wir uns vor solchen Worten fürchten? Sie sind hart. Sie bieten uns keine Kuschel-Gott und fordern Entscheidungen. Der Gott des AT und der Gott von Jesus ist ein Gott der viel von uns verlangt. Er schenkt uns immer seine Liebe, er ist barmherzig, aber Barmherzigkeit ist eine höhere Form der Gerechtigkeit und keine „ist ja schon gut“-Mentalität. Gottes Barmherzigkeit ist für mich als Christ Verantwortung für das eigene Leben und das meiner Mitmenschen. Barmherzigkeit schenkt und bietet die Kraft Entscheidungen zu treffen und das Leben auf Gott auszurichten. Auf einen Gott, der so ist, wie er erlebt wurde – und das erfahren wir in der Bibel. Diesen Gott gilt es zu kennen und zu erfahren. Dieser Gott ist unbequem. So unbequem, dass wir an der Krippe stehen und das süße Baby bewundern und gleichzeitig erleben müssen, dass Gott es zulässt, dass sein Volk bzw. seine Frommen, ermordet, gesteinigt, geschlagen und verfolgt werden.

Ich bin der Meinung, dass wir darüber reden müssen. Gott ist lieb, das ist nicht zu leugnen, wie eine Mutter. Er ist aber auch der Gott des Gerichtes. Er ist der strafende Gott, ebenso wie eine Mutter oder ein Vater. Damit müssen wir zurechtkommen und dabei hilft es nicht, wenn wir das ausblenden, sondern – so denke ich – dass wir uns damit beschäftigen und fragen, was das für unser Leben bedeutet. Das geht nur, wenn wir uns mit der Bibel auseinandersetzen, wenn wir das AT und das NT kennen und in dieser beider Tradition leben. Daher meine Bitte: Priester predigt zum AT! Kirche lebt mit dem Gott der ganzen Bibel und nicht mit einem Gott nach eigenem Zuschnitt!

Humor, Freude, Lachen

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Freut euch – Gaudete!

Heute geht’s um die Freude, die wir leben sollen, wie uns Jesaja 61, 1-2a.10-11 zum Gaudete-Sonntag zusagt.

In den Sprüchen Salomon (14,13) findet sich der Satz: „Auch beim Lachen kann das Herz trauern, und nach der Freude kommt Leid.“ Und noch negierender ist es bei Kohelet, der schreibt (7,3): „Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert.“ An vielen weiteren Stellen der Bibel ist das Lachen, wohl meist als Spott verstanden, negativ belegt (vgl. Gen 21,6; Sprüche 1,26; Ps 52,6; Hes 47,11; Koh 7,6; Hiob 30,1). Lachen ist wohl irgendwie keine Tugend.

Mit diesem Thema, dem Lachen, setzt sich Umberto Eco mit/in seinem Roman „Der Name der Rose“ auseinander. Ausgangspunkt ist hier das geheim gehaltene zweite Buch der Poetik des Aristoteles, das von der Komödie handelt. Das Buch soll eine positive Haltung zum Thema Lachen haben und das missfällt. Der Bibliothekar Jorge von Burgos hält die in diesem Werk vertretene positive Einstellung zur Freude und zum Lachen für derart gefährlich, dass er schlussendlich lieber die gesamte Bibliothek verbrennen lässt, als zuzulassen, dass das Buch in fremde Hände gelangt. Lachen, so Borgos, gefährdet das System, Lachen ist aufklärerisch und zerstört die gottgewollte Ordnung.

Aber mal im Ernst, müssen wir als Christen eine ablehnende Haltung zum Thema „Lachen“ haben? Ist das „Lachen“ des Teufels, wie es uns der Bibliothekar im Buch einflüstert? Sind die zitierten Bibelstellen Belege für oder gegen das Lachen?

Die Frage kann man auch mit Blick auf die deutsche Literatur und Kunst stellen. Noch polemischer gefragt: Kann der Deutsche lustig sein? Und wenn ja, verblödet sich der „Gscheite“ nicht damit und macht sich gemein mit dem einfachen? Anders gefragt: kann der Akademiker, der Aufgeklärte lachen und darf er es auch?

Adorno schreibt zu diesem Thema: „Kunst […] muss von sich aus auf Heiterkeit verzichten“ (Adorno; Ist die Kunst heiter? 1967). Auch wenn wir in der deutschen Sprache schon ein eigenes Wort haben für eine Situation die zwischen heiter und komisch, zwischen Satire und Ironie angesiedelt ist – nämlich kafkaesk – und so manch ein Brief von Schiller, Goethe & Co., von einem hohen Maß am Humor berichtet (lesen sie dazu auch mal den Briefwechsel von Proust – wunderbar); die Werke selbst sind meist erschlagend.

Das kann ich aus eigener Erfahrung auch betrachten. Aufgewachsen in den 1980iger, also geprägt von Celans Todesfuge oder mit Schlinks Werk der Vorleser, wo wir erleben mussten wie Liebe in eine (für das damalige Alter) so verstörenden Verbindung der ersten schüchternen Liebe mit der brutalen, erschlagenden Verantwortung der deutschen Geschichte, zusammengefügt wurde. Fast scheu und verklemmt habe ich die ersten Bücher mit einem Hauch Humor gelesen. Literatur ist nicht lustig – so der Gedanke. Wohl erst viel später, eventuell erst mit dem 2000 erschienenen Buch von Florian Illies; Generation Golf, habe ich befreit schmunzeln und lachen können beim Lesen. Und heute? Ich habe die Känguru-Chroniken nicht im Schrank stehen – dafür dann wieder Arto Paasilinna, der ist mir dann doch auch näher.

Der alte Mönch in Ecos Roman sieht im Lachen eine Gefahr. Menschen, die lachen, sind nicht mehr kontrollierbar. Aber Lachen ist Ausdruck von Freude und Humor und gerade Freude ist ja doch auch in der Bibel ausreichend erwähnt – wir feiern sie ja sogar am 3. Adventssonntag.

Oscar Maria Graf – einer der vergessenen großen deutschen Autoren schrieb einst: „Man braucht Humor, um sich zu verteidigen … man braucht Humor, immer wenn man machtlos ist“ Und Joseph Beuys sagte einst: „Wollen sie eine Revolution ohne Lachen machen?

Humor, Freude, Lachen! Das ist für mich fast ein Dreischritt: Humor ist eine Grundstimmung, die irgendwo zwischen dem Tragischen des Alltags und dem Komischen des Momentes seine Wurzeln und Nahrung findet. Freude ist die grundsätzliche Lebensform die wir als Christen, die in der erfüllten Hoffnung leben, ausleben sollen und können. Und das Lachen? Das ist der Ausdruck all dessen.

Aber der Mönch hatte schon auch recht. Lachen ist gefährlich. Gefährlich für all die Verkrustungen und Verkrusteten des Alltags, für all jene die irgendeinem „Issmus“ anhängen, für all die Extreme. Für die, die sich selbst zu ernst nehmen.

Wer Humor hat, zerstört Mauern, wer lacht verliert Ängste und wer Freude lebt, gewinnt Liebe. Und mit dem Blick auf das Zitat von Beys wage ich die These: Das Lachen schenkt den (eventuell einzigen) Raum, der eine Revolution zu einem positiven Erfolg führt.

Und daher, wenn wir annehmen, dass es im Christentum eben nicht um Macht geht, sondern um Solidarität mit den Armen und Schwachen –  gegen das Lebenszerstörende -, ist das Lachen eventuell die beste Waffe, die wir besitzen. Und dass das Lachen das ist, das wurde zumindest auch einige Zeit gelebt, wenn ich an den risus paschalis – an das Osterlachen – denke. Der/das sollte doch zeigen, dass das Leben über den Tod, dass der scheinbar Schwache über das scheinbar Starke gesiegt hat.

Daher denke ich, dass wir morgen nicht nur „Gaudete“ rufen dürfen, sondern auch ganz direkt, morgen und ganz besonders an der Krippe, an der wir in den nächsten Tagen stehen auch: ridet! Ridet! Kommt lasst uns lachen in und voller Freude!