Freiburger Kreis

Was immer wieder mal vergessen wird sind die Gedanken des Freiburger Kreis und ihre Wirkung. Schon vor dem zweiten Weltkrieg trafen sie sich zu Diskussionen. Ab 1942 wurden sie schlussendlich – zumindest für die Machthaber – eine Widerstandsbewegung, denn sie machten sich Gedanken und frei denkende Menschen waren für die Nazis eine Gefahr. Für die Zeit nach dem Krieg waren diese denkenden Menschen und ihre Gedanken ein Segen, den wir heute noch spüren.

In YouTube gibt es ein Video dazu: https://youtu.be/fBZfW9hkzIY, das wirklich sehenswert ist und Grundlage sein dürfte für jeden der sich mit unserer Geschichte beschäftigt.

Gerade in Anbetracht der heutigen politischen Lage ist es mehr denn je wichtig zu erkennen, dass die Nazis nicht bei ihren Rassenverfolgungen aufhörten. Ihr Hass ging gegen alle, die sich nicht in die Diktator einordnen ließen. Ihr Hass ging ganz besonders auch gegen all jene Menschen, die eben erkannten, dass mit Hass und Gewalt keine Zukunft zu gestalten ist. Ihr Hass entstand aus Angst vor jenen Menschen, die gefährlich werden konnten, weil sie frei denkende Menschen waren. Denken ist eine Gefahr für Diktatoren und Populisten.

Nationalsozialismus, Faschismus, diktatorisches ausgrenzendes Verhalten führt nicht zum Leben sondern zu immer mehr Hass, Tötung und Vernichtung. Zum Glück haben die Nazis es damals nicht geschafft. Die gleichen Kräfte sind heute wieder auf dem Vormarsch und wieder versuchen sie es mit der klassischen Form der Bauernfängerrei. Gefühle und Ängste schüren und schaffen wo es eigentlich keine gibt, eine Mentalität der Unsicherheit, der Lügen und der Halbwahrheiten – das ist der Anfang und wenn wir uns nicht wehren, dann werden immer mehr Menschen gejagt, verfolgt, Mundtot gemacht und schlussendlich vernichtet. Der Anfang mag noch scheinbar human sein. Das Ende nicht!

Lernen wir daraus, erheben wir unsere Stimme, zeigen wir an unserem eigenen Leben, dass es anders geht: Widerstand beginnt mit denken. Mit einem Leben der inneren Freiheit, mit einem Leben aus Liebe und in Liebe. Mit einem Leben das wurzelt in der Botschaft Gottes.

 

Werbeanzeigen

Angst

Heute schon wieder. Auch heute finde ich in meiner Timeline Beiträge von Facebook-„Freunden“ und in Twitter Post, die mir die Haare zu Berge stehen lassen. Es sind Beiträge, die pauschal irgendwas behaupten und die versuchen rassistische und nationalistische Parolen zu relativieren und zu rechtfertigen. Es wird versucht zwischen Heimatliebe, Fragen für die Zukunft, Sorgen und nationalsozialistischen Parolen den Unterschied zu leugnen und eben alles zu relativieren. Aber das ist falsch und dumm. Wenn ich mein Land liebe, dann schaffe ich nicht Grenzen, sondern teile dieses Land mit anderen Menschen, wenn ich Respekt vor Menschen habe, dann teile ich die Menschen nicht in Rassen und Gruppen ein und schließe irgendwelche aus. Wenn ich Sorgen habe, dann artikuliere ich diese, dann suche ich die Begründungen und Lösungen und wälze sie nicht ab auf andere Menschen. Wenn ich erkenne, dass was falsch läuft, dann suche ich nicht Sündenböcke, sondern kümmere mich darum, dass es wieder besser läuft.

Immer wieder wird gesagt, dass Menschen die Afd wählen und der Pegida hinterherrennen, weil sie Angst haben. Auch ich habe Angst. Jeder von uns hat Angst. Vor dem Tod, ich genauer vor einem qualvollen Sterben, vor Krankheit, vor Armut, vor Einsamkeit, vor einem Krieg, … es gibt so viele Ängste. Und jede Angst ist erstmal gerechtfertigt und hat ein Recht darauf, dass sie angesprochen wird. Aber Angst rechtfertigt nicht, jeden Scheiß zu glauben. Angst rechtfertigt nicht, irgendwelchen Verschwörungstheorien nachzurennen. Angst rechtfertigt nicht, Sündenböcke zu schaffen und diese zu verfolgen. Angst rechtfertigt nicht unmenschlich zu werden.

Die einzige Antwort auf Angst ist Zuversicht, ist Glück. Wer glücklich ist, der hat keine Angst, der hat Respekt vor der Zukunft, der nimmt an, was geschieht und verändert das was möglich ist. Angst bekämpfen wir mit Verstand, damit, dass wir nachdenken, dass wir uns der Situation bewusst werden und durch Verstand die Welt verändern. Wer denkt wird glücklich. Wer behauptet, dass denken unglücklich macht, der hat nicht gedacht, der hat sich nicht befreit von seiner Angst und dem was ihn hemmt.

Angst, das ist O.K. Angst, die braucht Raum. Angst braucht Antworten, Angst braucht Menschen, denen man sie erzählen kann. Angst braucht Verantwortung jedes Einzelnen, sich nicht von Angst gefangen zu nehmen. Angst löst sich auf, wenn wir Menschen haben die einen lieben – wenn wir Liebe erfahren (aus meiner Sicht jene Liebe, die sich in Gott begründet). Aber ich muss halt die Liebe erkennen, ich muss sie annehmen. Ich muss denken und damit Mensch sein.

Angst rechtfertigt nicht Hass, Angst verlangt nach denkender Liebe!

Ad fontes ??

Heute findet sich in der FAZ ein Beitrag von Markus Schauer, Latinist der Uni Bamberg. Darin berichtet er davon, wie er der Frage nachging, ob Latein noch zeitgemäß sei, ob ein Lateinstudium noch das Richtige sei um junge Menschen für die Herausforderungen der Zeit fit zu machen. Er zeigt anhand der Frage und der Gespräche auf, dass dies der Fall ist, dass man mit dem Studiengang „Latein“ auch was für das Heute lernen kann. Ich fand die Fragestellung spannend und noch interessanter fand ich die Frage: „Könnte die weit entfernte Antike nicht auch gleichsam als ressentimentfreier gedanklicher Experimentierraum dienen, in dem auf sicheren Terrain kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede verhandelt werden?“

Ist dies möglich, hilft uns das eventuell heute wirklich weiter? J. F. Kennedy hat damals in Berlin ebenfalls lateinische Literatur zitiert, als er sagte, dass jeder freie Mensch ein Bürger Berlins sei. Meist wird das dann abgetan mit einer anderen Zeit, mit einem anderen Bildungsstandard. Aber ist das die richtige Form damit umzugehen? Ist es eventuell nicht doch interessant, sich gerade mit den alten lateinischen Texten auseinander zu setzten um daran dann Grundzüge, Grundhaltungen und Grundbotschaften zu definieren und dann – gerade da sie eine Allgemeingültigkeit haben könnten – in den heutigen Kontext zu setzten?

Eventuell ist es nicht nur im politischen von Interesse zu sagen: Schauen wir auf die lateinischen Texte. Eventuell müssen wir auch im christlichen Denken nochmal auf die alten Texte schauen, nochmal uns mit diesen Texten auseinandersetzten und verstehen lernen, wie die Gedanken und Ideen damals zu Stande kamen um dann Grundbotschaften herauszufiltern um neu das Alte zu denken. Eventuell tut es uns heute gut, dies zu tun und damit zu lernen, dass wir Texte, Meinungen, Botschaften vergangener Zeiten nicht abtun dürfen sondern sie würdigen „müssen“. Ja, sollten wir das In den Generationen Gedachte nicht geradezu destilieren, um die Essenzen daraus auf unser Heute zu übertragen, bzw. in unser Heute einzubetten und fruchtbar zu machen.

Wäre das nicht doch wirklich ein Ansatz? Wie wäre es, wenn wir damit aufhören irgendwelche Epochen „ad acta“ zu legen und die verteufelten Meinungen der Vergangenheit mit in unser Denken hinein nehmen, um eben mehr und tiefer zu denken und gemeinsame Ergebnisse zu finden?