Verantwortung zu mehr als nur Fragen

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Gestern war ich bei einer Veranstaltung bei der es um zentrale Themen der Zukunft ging. Es ging um den Themenkomplex „Mensch & Maschine“. Ganz im (leider nicht angesprochenen) Kontext von Sophia, dem ersten Roboter der eine Staatsbürgerschaft bekommen hat, stellten die Referenten ihr Thema vor. Einstieg war ein Film aus dem Internet (wie der Referent sagte), der jeder im www anschauen kann. Wirklich interessant.

Danach sollte ein Vortrag kommen. Ich war gespannt, denn ich finde diesen Themenkomplex entscheidend wichtig. Gerade die (meine mir nachfolgende) nächste Generation, die nicht nur wie die meinige die digitale Welt so einigermaßen nutzt, sondern geradezu in sie hineingeboren wurde, bracht Fragen & Antworten. Und ich finde nun mal, dass diese Generation Antworten der Theologie, des Glaubens braucht. 1979 hat Hans Jonas sein Buch „Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ herausgebracht. Schlussendlich bot er mit diesem Buch eine Grundlage zur Diskussion und erste Gedanken zu Antworten auf Fragen, die damals noch fern, heute mehr als nahe sind. Gibt es dazu aber Antworten innerhalb der Theologie?

Der Vortrag (wenn man diesen als einen solchen benennen kann) kam also. Es war ein deklamieren von Fragen. Fragen, Fragen, Fragen … denn – so die Referenten am Schluss – sie wollten uns Fragen geben zum weiterdenken. Waaaaas???? Das nenne ich verschenkte Chance im besten Falle oder wenn ich ganz böse wäre, Feigheit vor der Verantwortung. Aber das mit den Fragen ist wohl usus in den christlichen Vorträgen. Immer und immer wieder, ob in akademischen Vorträgen, ob in Predigten oder an anderen Orten, weichen die Referenten, Prediger, Redner aus und stellen Fragen, zur „Förderung des Denkens“. Das mag ja in einem gewissen Kontext und an einem gewissen Punkt ganz gut sein, aber Fragen alleine reichen nicht. Es braucht Antworten. Es braucht Antworten die auch mal daneben gehen, aber es braucht Antworten, die zur Diskussion stehen können und müssen, damit wir zumindest erste Antworten finden auf das was kommt.

Lassen wir uns hier, bei diesem Thema, nicht schlussendlich schon wieder das Heft aus der Hand nehmen? Zu einem Thema, bei dem wir Christen was zu sagen haben? Oder haben wir schlussendlich nichts mehr zu sagen? Ist unser Glaube, unsere Botschaft so schal und leer geworden, dass wir der Gegenwart nichts mehr geben können? Sind wir so sehr in internen Grabenkämpfen und Stellvertreterdiskussionen verstrickt, dass wir nicht mehr über das existenzielle Diskutieren und dadurch nicht mehr sprach-fähig sind? Sind die vielen Fragen in den Vorträgen und Texten Ausdruck von Neugier oder doch schlussendlich nichts anderes als die Botschaft: Wir haben aufgegeben?

Digitale Welt

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Das Bistum Augsburg hat einen verbindlichen Social Media Codex für seine MitarbeiterInnen eingeführt. Dieser ist wohl als ein Zusatz zu den arbeitsrechtlichen Informationsmaterialien zu sehen, die ein Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin des Bistums kennen muss und sich daran halten muss.

Ich finde es gut, dass sich das Bistum darüber Gedanken macht. Die aufgeführten Verhaltensregeln finde ich sehr gut und sie umfassen alles notwendige. Allein im Bereich des posten von Bildern fehlt mir jedoch eine Regelung oder zumindest ein Hinweis, wann und wie es ratsam ist Bilder/Videos (nicht) zu posten und wie die Mitarbeiter mit anderen Personen, die auf den Bildern sind, umgehen sollen. Da könnte eine weitere Ausführung des Codex sinnvoll sein. Zwar spricht das Papier davon, dass jedes Post nicht gegen die Regeln, die Werte und Haltungen der katholischen Kirche stehen darf. Aber schon das Posten von Bildern, kann für manche als Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte erfahren werden. Hier fehlt die Sensibilisierung, oder zumindest der Hinweis darauf.

Eine Frage stelle ich mir jedoch: Warum braucht es den Codex? Die meisten der Regeln sind für mich als Christ, als in Respekt meinen Mitmenschen gegenüber lebender Mensch, logisch, bzw. sind für mich ganz natürlich und wenn ich mich öffentlich äußere auch zwingend. Die mehrmalige Betonung, dass der Post eines kirchlichen Mitarbeiters mit den Werten, Regeln und Grundsätzen der katholischen Kirche nicht im Widerspruch stehen darf, verrät mehr dazu, oder lässt zumindest einiges an Erfahrungen in diesem Bezug erahnen.
Aber nochmal, ich finde es ungemein gut, dass das Bistum dieses Papier herausgebracht hat. Es zeigt, dass sich die Kirche damit beschäftigt und dass sie die Social Media nicht verteufelt. Das ist absolut wichtig, dass die Kirche dies auch ausdrückt, denn ich erlebe, dass wir in kirchlichen Kreisen schon auch eine nicht unerheblich große Zahl von Menschen haben, die ein sehr ambivalentes Verhältnis zu modernen Kommunikationsmittel,- wege und formen haben. Dieser Codex zeigt also meiner Ansicht nach nochmal: Die Entweltlichung die Benedikt XVI. in Freiburg ansprach hat nichts damit zu tun, dass wir uns aus der Welt rausziehen, sondern allein, dass wir uns – bei all der Beschäftigung mit der Welt – uns nicht von ihr abhängig machen dürfen; aber alles zum Wohle der Verkündigung nutzen können.

Leider ist der Text aufgrund der heute geltenden Regelungen bei Geschlechternennungen an manchen Stellen echt unleserlich und so nervig, dass es störend wirkt. Diese Hürde hätte mich beinahe dazu gebracht den Text nicht weiter zu lesen. Diese Form der Political Correctness sollte, zum Wohle der Lesbarkeit, anders geregelt werden.