Falstaff in Freiburg

Es war für mich ein schöner Musikabend am vergangenen Mittwoch (16.10.19) im Stadttheater von Freiburg. Ob die Musik absolut höchsten Standard entspricht, kann ich als Laie nicht sagen. Mir hat es gefallen, auch wenn ich manchmal stutzte. Manchmal war mir das Orchester zu laut oder die SängerInnen zu leise. Manchmal fand ich das Zusammenspiel nicht ganz klar, aber das können nur subjektive Wahrnehmungen sein, die auch an meinem Platz liegen konnten.

Allgemein kann ich sagen, dass sich wieder meine These bestätigt hat. Opern in Freiburg kann man besuchen. Die Musik, die MusikerInnen und die SängerInnen sind gut, sie laden ein zum zuhören. Sie bringen durch ihre Leistung die Musik den Zuhörern nahe. In Freiburg kann ich die Augen schließen (wenn man den Text kennt) und der Musik lauschen und Fragen nachhängen.

Der SWR kommentierte die Inszenierung als „bleiernd und todernst„. Ich würde sie einfach nur langweilig nennen und nur bedingt eine komische Oper und ich stelle mir die Frage, welche Botschaften sollten da wieder übermittelt werden, die wer auch immer aus dem Text etc. herausgelesen hat.

Wie schon gesagt, MusikerInnen und SängerInnen haben mir sehr gefallen. Auch das Bühnenbild selbst und in sich betrachtet war wieder großartig. Eine Verneigung an die Handwerker, die solche Aufbauten leisten, mit all den kleinen Kleinigkeiten und Besonderheiten, die versteckt sind und während des Spiels verwendet werden.

Aber es bleiben eine Summe von warum mit Blick auf die Inszenierung?

Warum?

  • Muss dieses Stück in einem sehr amerikanisch-puritanischen Haushalt aufgeführt werden? Heben wir uns über die Spießigkeit dieser Zeit hinaus? Warum wird gerade nicht solch ein Werk historisch verortet? Oder wenn, dann bitte in einer echten Auseinandersetzung des Heutes? Es ist einfach langweilig, wenn Falstaff als Greace-Rowdy gewandet auftaucht.
  • Allgemein stellt sich mir die Frage, warum werden diese Personen so überzeichnet nach eigenem Gusto. Verdi bzw. sein Librettist Arrigo Boito haben die von Shakespeare gezeichneten Personen wunderbar bearbeitet und ihre Besonderheiten überzeichnet. Warum wird dies nicht genutzt?
  • Was hat das Stück mit dieser Überfrachtung von Unterhosen zu tun? Soll das Schocken? Fragen stellen? Wenn ja, dann frage ich dagegen: Ernsthaft? Kein Mensch schockt es im Zeitalter von „Blanck ziehen“ und Videos unter Röcken machen noch, wenn jemand sein Unterhöschen auszieht. Und die Herren in Schiesser Feinripp mit Eingriff – was es in Freiburg schon öfters (z. B. Warten auf Godot) gegeben hat – gereicht im besten Falle noch zu einem Werbevertrag mit der ehemals großen Marke. Einen anderen Sinn zeigt sich nicht, auch nicht wenn es um „die dreckige Wäsche“ geht. Dieser Aspekt ist absolut schwach gezeichnet und sehr fragwürdig platziert, wenn er denn gewollt ist.
  • Warum kriechen eigentlich inzwischen andauernd irgendwelche Leute auf dem Boden rum. Gerade die Sänger müssen gefüllt ganze Bilder lang auf dem Boden rumliegen.
  • Es ist eine komische Oper, so stehts auf dem Libretto. Das komische ist nahezu ausgemerzt aus dieser Inszenierung. Die „lustigen Weiber“ sind weg. Moralisierende Überziehungen in den Charakteren führt zu dem was Moral immer ist: Langweilig! Komisch wird die Oper allein an jenen Stellen an denen die Situationskomik herausbricht, da zwischen Text und dem Spiel Diskrepanzen auftauchen. Zum Beispiel, wenn Falstaff nach Glühwein ruft und Ewigkeiten später aus einer farblosen Flasche trinkt oder wenn er auf einem Haufen dreckiger Wäsche (nochmal warum) liegt und davon spricht an der Eiche zu sein oder gar, wenn es immer wieder um den Paravent geht und die Frage offen bleibt: „ei woh ist denn der“? (da rettet dann auch kein noch so großartiges Bühnenbild)
  • Wo bleibt die Komik eines Flastaffs wenn er im Wäschekorb steckt, wo bleibt die Ironie in seinem Lebenskonzept, wo bleibt die Komik des völlig „baden gegangenen“ Falstaff, der die Welt nicht mehr versteht. Wo bleibt die Schlussbotschaft, die Botschaft „Tutto nel mondo è burla, l’uom è nato burlone.“, die unter dem Geschrei des Chores in eine Dramatik sich wandelt, die meines Erachtens nicht Sinn der Sache ist.
  • Allgemein das Schlussbild frustriert absolut. Man mag sich ja daran gewöhnt haben, dass nun alles in einem gefliesten Keller stattfindet. Kein „schwarzer Jäger mit Hirschgeweih“, keine Feen, keine lustigen Weiber von Windsor, und die Verkleidung: Es bleibt allein ein frustriertes Aufstöhnen. Insbesondere die völlig gescheiterte Kleiderwahl der zu trauenden.
  • Wunderbar ist die kleine Szene im zweiten Akt. 2. Bild in der Ford mit seiner Eifersucht kämpft. Der Sänger zeigt solch eine Tiefe des Ausbruchs in seinem Spiel und seinem Singen. Es ist wunderbar, was da geschieht um die Ambivalenz aufzuzeigen und eventuell im Stück befindliche Fragen und Themen wirklich aufzugreifen (was nicht wirklich geschehen ist). Diese Szene wird dann wieder geradezu zerstört von einem weiteren Anflug von Zerstörung. In diesem Falle sind es Schallplatten, die völlig ohne sichtbarem Zusammenhang, zerbrochen werden und dann auf dem Boden zerstreut liegen.
  • Allgemein stellt sich die Frage, warum so viel zerbrochen, herumgeschmissen wird und warum z. B. daher Mrs. Quickli (übrigens eine Freundin von Frau Ford und keine Haushaltshilfe wie hier) und andere andauernd zum Aufräumen rumlaufen müssen.
  • Ein Punkt fällt mir im Vergleich zu anderen Inszenierungen auf. Das Stück lies eine gewisse Schnelligkeit vermissen. An vielen stelle war das Werk sehr lang, fast getragen. Es fehlte die Spontanität, die quirlige Situation – eventuell zeigt sich das an Mrs. Quickli, die alles andere als quickly war.

Nochmal: Es war ein schöner Abend im Theater in Freiburg bei der Oper. Es wäre ein Genuss wenn die Inszenierung – das gilt für die meisten – endlich wieder mehr an den Stücken und deren tiefgründigen Botschaften halten würden, als an den Botschaften der im Theater Verantwortlichen.

Das Theater ist aus meiner Sicht heraus ein Ort in dem durch Musik und/oder Spiel tiefgreifende Erfahrungen dem Zuhörer nahe gebracht werden. Dabei ist es mir schon wichtig, dass der Zuschauer nicht in einer Wohlfühloase sich einrichtet sondern auch herausgefordert wird, zum Nachdenken, zum Zuhören. Kunst soll bilden durch Unterhaltung. Was aber hier immer wieder gezeigt wird ist kein wachrütteln, sondern ein langweiliger Versuch zu schockieren zu moralisieren, zu thematisieren, in einer Form, die im besten Falle aufregt oder die jede Ästhetik beleidigt, die im schlimmsten Falle dazu führt, dass man nicht mehr ins Theater/Oper geht, weil es einfach – und das habe ich schon ein paar mal gesagt – langweilig ist.

Fazit: In die Oper sollte man, die Musik ist gut, diejenigen auf, unter und hinter der Bühne liefern eine großartige Arbeit ab. Man sollte sich jedoch vorbereiten und versuchen sich von der Inszenierung nicht ablencken zu lassen.

Auch Kirche kann modern

Am 05. Juli gibt es im Freiburger Münster ein #Instawalk, aber was ist das genau? Das Wort selber ist eine Zusammensetzung aus dem Wort #Instagram, was der Name einer App ist und dem Wort walk, also dem englischen Wort für Spaziergang. Ein Instawalk ist also ein Spaziergang mit dem Programm Instagram. Nun ist die App Instagram ein Online-Dienst den man sich als App auf das Smartphone lädt und damit in erster Linie Bilder und Videos teilt. Das besondere an Instagram ist aktuell einfach die fast unvorstellbare Zahl an Usern und an Content.

Ein Instawalk ist ein organisierter Rundgang, so auch in diesem Fall im Freiburger Münster. Es gibt auf alle Fälle zwei Guides, die das Münster sehr gut kennen und die Teilnehmer durch das Münster und ganz besonders zu sehr guten Perspektiven führen. Die Führung hat seinen besonderen Reiz, da zu diesem Zeitpunkt das Münster geschlossen ist. Zeitgleich ist das Freiburger Weinfest und zu diesem Fest ist der Abendgottesdienst nicht im Münster sondern im Priesterseminar Freiburg und die Öffnungszeiten begrenzt. Daher sind die Teilnehmer des Instawalk alleine mit den Guides im Münster.

Während des Rundgangs werden somit Bilder gemacht, die sonst nicht möglich sind. Diese kann man dann bearbeiten oder auch schon gleich direkt – versehen mit speziellen #hashtags – auf seinem eigenen Instagram-Account hochladen.  Man macht also während dieses Rundgang viele Fotos. Man kann diese dann noch bearbeiten und kann sie dann anschließend bei Instagram hochladen. Natürlich können die Bilder auch in anderen soziale Netzwerke geteilt werden.

Zum Rundgang gibt es spezielle #Hashtags. Das bedeutet, dass alle Teilnehmer des #Instawalks ihre Bilder mit diesen Hashtags kennzeichnen. Wer nun bei Instagram sucht dem werden alle Fotos angezeigt. Natürlich kann jeder weitere Hashtags verwenden. Wie bei jedem Bild in den Social Medien ist es das Ziel, die die Bilder mit den passenden Hastags zu versehen um so häufig und so gut gefunden zu werden als möglich, damit das Bild oft bewertet wird und die eigene Seite mehr Follower bekommt.

Das Erzbistum Freiburg schreibt zum Instawalk (Pressemeldung):

Freiburg. Das Freiburger Münster mit dem Smartphone erkunden: Diese Möglichkeit haben Nutzer des Sozialen Netzwerkes Instagram am 5. Juli 2018 (Donnerstag). Um 17.30 Uhr öffnen sich die Türen des Freiburger Münsters exklusiv für eine kleine Gruppe interessierter Hobbyfotografen. Ein Rundgang führt zu besonderen und üblicherweise nicht begehbaren Orten des Münsters. In den rund 90 Minuten haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, die besondere Atmosphäre der leeren Kirche einzufangen und die Fotos unter dem Hashtag #instakirchefrbg direkt auf ihrem Instagram-Account zu teilen.

Der Instawalk ist eine Kooperation der City-Seelsorge c-Punkt, der Dompfarrei, dem Münsterfabrikfonds sowie dem Erzbischöflichen Seelsorgeamt. „Wir sind sehr gespannt, was und wie die Teilnehmenden das leere Münster fotografieren“, so das Vorbereitungsteam. „Da kommen sicherlich tolle, ganz individuelle Blickwinkel zustande.“ Neben dem Freiburger Münster sind in den kommenden Monaten auch Instawalks in weiteren Kirchen des Erzbistums Freiburg geplant.

Das Erzbistum Freiburg beteiligt sich mit seinen Instawalks an einem Projekt des Internetportals katholisch.de. Unter dem Titel #instakirche öffneten bundesweit bisher mehr als 40 Kirchen ihre Türen für Instagram-Fotografen. „Ich freue mich, dass nun auch der erste Instawalk in meinem Heimaterzbistum Freiburg stattfindet“, so Felix Neumann, Redakteur bei katholisch.de und einer der Initiatoren des Projekts #instakirche. „Die bisherigen Instawalks waren für alle Beteiligten eine super Erfahrung.“  Mehr zum Projekt #instakirche  unter www.katholisch.de/aktuelles/omg/instakirche

Anmeldungen für den Freiburger Instawalk sind bis 1. Juli per Direktnachricht über den Instagram- und Facebook-Account des Erzbistum Freiburg möglich. Instagram: www.instagram.com/erzbistumfreiburg und Facebook: www.facebook.com/erzdioezese.freiburg/

Alma Mater


 

Alma Mater 1

Heute war ich zu einem Spaziergang in der Stadt. Die Sonne lädt dazu ein, aber auch mein Besuch, der mich an diesem Wochenende besucht und Freiburg noch nicht so kennt. So sind wir auch an der Uni gelandet, also meiner „Alma Mater“, die ich ihm, soweit es ging gezeigt habe. Universitäten werden mit dem Titel Alma Mater benannt, weil sie Studenten mit Bildung und Wissen nähren (sollen).

Aber ist die Universität der Ort der Näherung eines Seminaristen? In der neuen Ratio fundamentalis werden vier Dimensionen zur Ausbildung (menschliche Artikel 93-100, geistliche Artikel 101-115, intellektuelle Artikel 116-118 und pastorale Artikel 119-124) benannt, dabei empfinde ich die intellektuelle Dimension – anhand dieses Textes – irgendwie als Hebamme für die anderen dreien. Irgendwie ist die intellektuelle Dimension in diesem Text allein Hilfsmittel, für die tiefere Ausbildung der menschlichen, geistlichen und pastoralen Dimension der priesterlichen Ausbildung. Ist also doch dann eher das Seminar, oder sollte dann doch eher das Seminar die Alma Mater des Seminaristen sein?

In einzelnen kleinen Momenten merke ich, oder habe ich das Gefühl, dass bei einer tieferen Beschäftigung die Ratio fundamentalis viele (sehr kritische) Anfragen an die aktuelle Ausbildung hier in Deutschland stellt. Ist die neue Ration eventuell auch eine echte Aufforderung nicht nur am Ausbildungsprogramm Stellräder zu drehen, sondern grundsätzlich die Ausbildung einmal neu anzufragen und neu aufzubauen, Stein für Stein und Stufe für Stufe.