Berufung – Weihnachten

Allen wünsche ich heute einen wunderbaren Festtag (Verkündigung des Herrn). Mitten in der Fastenzeit dürfen wir daran denken, dass in neuen Monaten Weihnachten ist. Die Geburt beginnt nicht am Tag der Geburt, sondern mit einer Entscheidung. Mit einer Lebensentscheidung.

Maria hat sich entschieden. Sie hat erfahren, dass der Schöpfergott kein ferner Gott ist, kein Gott ist, dem die Menschen egal sind, sondern ein Gott ist, der Anteil nimmt am Leben, an der Freiheit des Lebens, der Menschen, ganz und gar. Und damit ist er eben ein Gott, der nicht über uns verfügt, sondern uns die Freiheit der Entscheidung, der Erkenntnis schenkt. Maria hat ihr „Ja“ gesprochen. Es liegt an uns, ob wir unser „Ja“ sprechen. Ob wir eine Lebensentscheidung zulassen für uns.

Heute feiern wir den Anfang der Geburt. Heute denke ich daran, dass Gott jeden von uns ruft, und somit auch mich gerufen hat und ich so dankbar bin, dass er mich hat hörend gemacht. Heute ist der Tag an dem wir alle uns fragen können, wie wir zum ganzen Menschen in Gott geboren werden, geboren wurden. Heute können wir, am Vorbild Mariens, uns fragen: Habe ich eine Lebensentscheidung, habe ich meine Berufung. mein Charisma, meine Fähigkeiten, mein Leben angenommen?

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Respekt vor einem Zeugen

Ja, Trauer breitet sich aus, wenn es gilt Abschied zu nehmen von einem Menschen der so besonders, so einzigartig war wie Dr. Otto Bechtold. Aber es breitet sich auch eine Ruhe aus, eine Gewissheit bei all jenen, die erlebt haben wie tief und verwurzelt Otto Bechtold im Glauben an Jesus den Christus lebte.

Mir war es nicht vergönnt jenen Menschen Bechtold kennenzulernen, der seiner Kirche, seinem Erzbischof und den Gläubigen seinen priesterlichen Dienst in den verschiedenen Aufgaben und Ämtern schenkte. Es waren schlussendlich „nur“ knapp zwei Jahre in denen wir uns kannten, aber abgesehen davon dass er zum Beichtvater wurde, wurde er doch für mich zu einem entscheidenden geistlichen Weggefährten auf meinem Weg hin zum priesterlichen Dienst. Seine schlichte und klare Jesu-Konzentration, seine Marienfrömmigkeit, die seinen Blick so absolut auf seine Mitmenschen richten ließ hat mich fasziniert und ist für mich Vorbild.

Mir wird dieser priesterliche Glaubenszeuge fehlen. Natürlich morgens in der Frühmesse um 07:00 Uhr im Freiburger Münster, wo er als feste Größe Tag und Tag konzelebrierte und zeigte, woraus heraus ein Priester lebt. Er wird mir fehlen im Beichtstuhl, für mich genauer im persönlichen geistlichen Gespräch. Er wird mir fehlen als Weggefährte auf dem täglichen Weg hin zur Messe und zurück. Er wird mir fehlen als Motivator, als ein Seelsorger der einem immer und immer wieder das Gute zusprach, der mir Tag für Tag zeigte, dass der Weg und die Berufung die ich gehe Freude, Gewissheit und Zuversicht geben kann. Er wird mir in dieser Welt fehlen, denn mit ihm geht einer der großen geistlichen Gestalten zum Herrn voraus.

Ja, ich kann wahrscheinlich wirklich sagen, dass Herr Dr. Bechtold mir jenen Mut und jene Kraft zugesprochen hat, die ich brauchte um trotz dem Unbill den ich in dieser Ausbildung erleben muss, nicht den Weg verlassen habe. In jenen Momenten des Zuspruchs wurde aus einem fast fremden Menschen der Mitbruder Otto, dem ich jetzt, am Ende seines irdischen Lebens, nichts mehr zusagen kann als ein: Danke!

Lieber Otto Bechtold: Ich danke unserem Herrn und Schöpfer, dass er mir sie zur Seite gestellt hat. Ich danke ihnen lieber Bruder in Christo, dass sie mich mit so viel menschlicher Wärme, mit so viel Offenheit, mit so viel Respekt vor meinem Leben und meiner Würde behandelt haben. Sie erinnerten mich daran, was allein in unserer Kirche zählt. Sie stellten durch ihre Haltung und ihre Worte bei mir immer wieder das in den Mittelpunkt zurück, was durch die alltägliche Sorgen manchmal verdeckt oder verdunkelt wurde. Lieber Bruder, es war ein Segen sie in den letzten Monaten so persönlich zu begleiten. Diese Zeit, sie prägten mein Leben.

Wenige Tage vor seinem 90igsten Geburtstag habe ich ihn mal gefragt: „Herr Bechtold, was wünschen sie sich zum 90igsten.“ Darauf er: „Ein schönes Requiem.“ Mehr wollte er nicht. Er liebte das Leben, er lebte es mit Freude, aber seine absolute Freude, sein Leben war das Leben im Herrn. Zu ihm ist er nun, ganz in Vorfreude und in der Gewissheit des Gerichts und Gottes Barmherzigkeit eingegangen. Uns, die wir zurückbleiben bleibt nur: Ihn nicht vergessen und ihm seinen Wunsch erfüllen: Ein schönes Requiem!

Freude!

Seit einigen Tagen blättere ich wieder in dem Buch „Mein Italien“ das Texte von Franca Magnani versammelt. 1984 interviewte sie Adriano Celentano. Daraus gefällt mir ein kleiner Dialog, den ich hier zitiere:

F. M.: „Also denn – wie möchten Sie im „anderen Leben“ empfangen werden?

A.C.: „Sie meinen „oben“? Ja, da möchte ich mit Freuden empfangen werden. Aber nicht Freude im Sinn von Beifall . Ich meine einfache Freude, wie jene, die man empfindet, wenn man mit einem Freund bei einem Glas Wein Karten spielt …“

Ist das der Himmel? Wie ist der Himmel? Was erwartet uns da? Wie er ist, keine Ahnung, Ankommen in der reinen Glückseligkeit? Egal wie er beschrieben ist, wir wissen es nicht, aber es gibt ihn und ich freue mich auf ihn, wie auf den morgigen Tag und ich hoffe auch darauf, dass der Himmel ein bisschen so ist, wie einer dieser Momente, den wir mit Menschen verbringen, die einen lieben: Also einer dieser Momente, in dem wir sagen: Ja, so wie es ist, so ist es gerade gut. Ich fühle mich voll und ganz angenommen. Eventuell ist es der Moment auf den Faust wartet: „Oh Augenblick, verweile doch“