Einheit, Frieden, Freiheit

Die Rede von Pastor Dr. Martin Luther King aus dem Jahr 1963, vor ca. 250.000 Menschen, die zu einem Friedensmarsch nach Washington gekommen sind, gehört zu den großen Reden der Menschheit. Die Worte, die er damals sprach haben heute noch immer eine traurige Wirklichkeit. Noch immer herrscht in verschiedenen Stärken in Amerika aber auch in vielen anderen Ecken der Welt – auch in Deutschland – Rassismus. Abgrenzung, Verfolgung, Beleidigung und Negierung der menschlichen Würde erfahren Menschen noch immer.

Gerade deshalb ist es auch heute so wichtig sich den Geist der Rede zu verinnerlichen und diesen Traum des Pastors endlich zu verwirklichen.

Am 21. Januar ist Martin Luther King Day. Grund genug sich damit zu beschäftigen.

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Krieg und Familie

In meiner Familie wurde früher viel gesungen. Volkslieder, so manch ein Stück aus einer Operette und auch so manch ein Lied, das man unter Chanson, Ballade oder Bänkellied einordnen kann. Dazwischen auch immer wieder Lieder die ich früher nicht einordnen konnte, die sich aber als Lieder entpuppten, die stark mit den deutsch-französischen Kriegen, mit den Kriegen allgemein und mit den Folgen beschäftigen. Oft ganz sichtbar in klaren Worten, oft eher subtil. Zuletzt viel mir auch auf, dass es bei einem Lied einen Text gibt der wohl auf eine alte englische Ballade zurückzuführen ist. Lieder sind spannende Zeugnisse der Geschichte!

Mit den Liedern kamen aber auch immer die Geschichten. Meine Uroma hatte viele auf Lager, mein geliebter Großonkel auch und bei ihm wusste man, dass da sowohl so manch ein Schmunzeln dabei sein musste wie auch der Versuch traurige Geschichten mit Humor zu erzählen. Es waren Familiengeschichten, die oft die schmerzhaften Stellen ausließen oder umschreiben. Was gerade dran war, das lernte ich als Kind heraushören.

Das hat mich grundsätzlich neugierig gemacht. Irgendwann habe ich angefangen meine Familiengeschichte zu erforschen. Immer mal wieder mit mehr und mal mit weniger Motivation und Erfolg. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel herausgefunden, dass es eine Akte zu meinem Uropa gibt, die ich irgendwann mal lesen will. Da ich ein bisschen Angst vor dem Inhalt habe, dauert das noch ein bisschen.

Zur Familiengeschichte gehören landwirtschaftliche Themen, aber auch die letzten drei Kriege, genauer ihre Folgen im familiären Leben. Eine Cousine meiner Oma hat dazu auch mal ein Buch geschrieben: „Mit Gott – für Kaiser und Reich“ und in meinem Geburtsort Tunsel prägen noch heute die Erinnerungstafeln und Orte das Dorf und die Kirche.

Aber wie gehen wir damit um? Ich denke, dass wir grundsätzlich verstanden haben dürften, dass Krieg etwas Schlechtes ist. Und doch – wir akzeptieren ihn immer weiter. Keiner dachte nach dem I. Weltkrieg daran, dass die Menschen so dumm sein konnten, so kurz danach wieder ein großes Schlachten zu beginnen. Und auch nach dem II. Weltkrieg hätte es doch klar sein sollen, dass Diktatur (wie in der DDR), Vernichtung von Menschen oder die Unterstützung von Krieg, die wir auch seit 1945 aktiv und passiv geben nicht gut für die Menschheit sind. Aber wir tun es weiter und immer weiter. Klar, ich bin mir bewusst, dass das eine Utopie ist, aber wieso gehen wir nicht endlich mutig voran und beenden das Rüsten. Die Gespräche in den letzten Tagen im Rahmen der NATO-Konferenz widern mich an. Hier geht es nicht um wirtschaftliche Themen oder um Geld. Hier fordern einzelne, eine Maschinerie aufzurüsten die allein auf eines aus ist: Auf Zerstörung. Das mag vordergründig Friedenssicherung sein, am Ende sind Waffen dazu da um zu töten. Friedenssicherung mit Waffen, das ist Lüge, dann dieser Frieden ist nichts anderes als im besten Falle eine Abwesenheit von Krieg.

In einem anderen Kontext zitiert Stephan Grätzel in seinem Buch „Versöhnung“ Goethe: „und was man ist, das bleibt man anderen schuldig“. Das Zitat stammt aus dem Tasso. Damit will Grätzel zeigen: dass wir unser „Sein zugleich in seinen Bezügen und Beziehungen zu den Anderen, zur Welt und zu sich selbst“ verstehen müssen. Weiter schreibt er „Alle Lebewesen leben voneinander, so dass sie sich gegenseitig brauchen und verbrauchen, dass sie gebraucht und verbraucht werden. Jedes Lebewesen lebt sich selbst nur, indem es von anderen bekommt und an andere gibt.“ (alle Zitate: Grätzel; Versöhnung. Freiburg 2018. S. 234-235) Wie gesagt, er schreibt das in einem anderen Kontext und doch gilt das auch in unserem Leben recht allgemein. Wir stehen in einen Kontext zu unserer Gegenwart, zur Vergangenheit und den Menschen und auch zur Zukunft. Was frühere Generationen getan haben, wie diese gelebt und was sie erlebt haben hat uns geprägt und wird nächste Generationen prägen. Geschichte ist ein Generationenvertrag und Leid und Krieg ein Erleben, das weiter getragen wird. Und so sind in unseren letzten drei Kriegen, die wir Deutsche gegen Frankreich geführt haben, starben somit nicht nur die Soldaten auf den verschiedenen Frontseiten, sondern es litten auch die Menschen darum herum, ihre Familien und ihre Nachkommen. Die Kriege und ihre Folgen sind eingegraben in unser heutiges Leben, auch wenn wir es verdrängen oder nicht sehen (wollen).

Vieles in meiner Familie kann man nur verstehen, wenn man die Geschehnisse der Jahre 1933 – 1945 im Blick hat, wenn man weiß oder erahnt, was damals geschehen ist. Zu lange haben wir in Deutschland im Bezug auf diese scheinbar kleinen Randthemen geschwiegen. Zu lange haben wir in Deutschland uns auf ein paar wenige Themen zurückgezogen und nur ein paar wenige waren mutig genug die Perspektive zu wechseln weg von den fremden Toten in den KZ Und an den Fronten hin zur Frage der Familie, der Nachbarn und des eigenen Lebens.

Die Lieder, die wir in der Familie gesungen haben, die lustigen Geschichten, die wir gehört haben, die zeigen eine Welt, spannend ist aber die Welt, die dazwischen liegt, jene Auslassungen, auf die diese Geschichten und Lieder hinweisen.

Bei der Bearbeitung von Geschichte geht es mir nicht darum, dass wir in Sack und Asche gehen. Wir sind nicht verantwortlich für das was Generationen vor mir getan haben. Ich bin aber dafür verantwortlich, dass ich weiß, was sie getan haben und dafür sorge, dass ich die Fehler nicht mehr tue, dass ich aus den Fehlern lerne. Das beginnt bei der Kommunikation, bei der Sensibilität in der Nutzung von Begriffen oder bei der Sorge darum, dass Gedanken und Ideologien keinen Nährboden mehr bekommen.

Familiengeschichte ist nicht abgeschlossen, denn gerade die Ängste und Nöten, die psychischen Probleme werden an die nächsten Generationen (unterbewusst) weitervererbt. Das fängt bei ganz einfachen Dingen wie dem Umgang mit Nahrungsmittel an, das hört bei Ängsten und Phobien auf. Geschichte der Staaten und Völker endet nicht, das kann nie abgeschlossen werden und so müssen wir uns den Folgen des II. Weltkrieges genauso stellen, wie den Folgen der jüngeren Zeit oder auch des I. Weltkrieges. Gerade gibt es die Möglichkeit sich ganz bewusst mit dem I. Weltkrieg zu beschäftigen. In Belgien in Wijtchaete gibt es eine Grabungsstätte, die Höhe 80, die ausgegraben wird. Hier kann man Geschichte hautnah erleben, durch einen Besuch, durch Mitarbeit als Freiwilliger.

Eventuell lernt da auch eine neue Generation – und auch die ältere Generation – , dass es sinnlos und unmenschlich ist Krieg zu führen. Kein Ziel, kein Ergebnis rechtfertigt den Mord an so vielen Menschen und daran müssen wir denken. Krieg und der Einsatz von Soldaten ist zuallererst die Akzeptanz, dass Menschen getötet werden. Wollen wir das wirklich. Nehmen wir das mal persönlich, denn das ist Krieg nun mal.

Bei Krieg und Streit gilt das Wort von Papst Benedikt XVI.: „Gesegnet sei, wer als erster den Ölzweig erhebt und dem Feind die Rechte entgegenstreckt, ihm den Frieden unter vernünftigen Bedingungen anbietet.“ Nicht die Sieger gewinnen den Krieg, die waren Sieger müssen jene sein, die sich gegen Krieg und Streit stellen. Fangen wir auch in unserem Leben an den Ölzweig zu heben, wir haben schon genug Leid und Schicksal, fangen wir an und ändern wir die Welt. Ernsthaft und ehrlich!

Noch immer Bäume pflanzen …

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Aufgewachsen bin ich in einer elterlichen Welt der Widerstandsmusik. Puff the Magig dreagon kenne ich, Peter, Paul and Mary, Joaen Baez höre ich genauso wie John Denver und Santana … ich mag die Gedanken, ich finde die Zeit gut und der Widerstand gegen veraltete Strukturen. Ich mag es mir vorzustellen, dass Menschen für ihre Meinung auf die Straße gehen, friedlich demonstrieren und sich damit die Welt, die Politik verändert. Aber ich sage die Zweifel laut, ob diese Zeit und die damaligen Methoden eventuell vorbei sind. Andere fragen das nicht und das merkte ich, als ich auf einem Feld vor den Toren von Jerusalem eine Schaufel in die Hand gedrückt bekommen habe, um einen Baum gegen die bösen Israeli zu pflanzen – und ich habe nicht verstanden warum, warum … noch immer! Ich habe es getan, ich saß auch in einem Erdloch und habe mir die emotionalen Geschichten, die Lebensdramen angehört und es tut mir leid, mir blieb allein ein fahler Geschmack. Es tut mir wirklich leid, aber ich verstehe es nicht … was ich da dachte habe ich in mein Handy diktiert und vergessen. Hier die Gedanken:  

Wir leben wohl in einer Zeit die keine Antworten mehr hat, und keine echten Fragen. Oder noch trauriger, wir leben in einer Welt in der die Handlungen und das Tun von Gestern sind, wir drehen schlussendlich noch immer die gleichen Kreise, zu den gleichen Themen der letzten 50 Jahre.  Wir Pflanzen noch immer Bäume – und auch wieder auf illegalem Land –  reden von Brücken die wir bauen wollen und von frisch gebahnten Wegen, die wir ziehen wollen ohne miteinander zu reden. Wir tönen die alten Parolen, die alten Worte und die alten Modelle in die Welt hinein, wir akzeptieren die alte Propaganda die wir nicht mehr hinterfragen, die wir selber nicht mehr glauben.

Noch immer stehen wir in Israel und bejammern die Flüchtlinge, die zwischenzeitlich in der dritten Generation leben und dies in Flüchtlingslagern die eine bessere Infrastruktur haben als so manch eine russische Stadt. Wir akzeptieren, ja wir pflegen und lieben die alten Denkstrukturen ohne die Kruste aufzubrechen. Wir empören uns. Und dann treffen wir uns zu Friedensterminen, Konferenzen und anderen Begegnungen um schöne Bilder zu bekommen und feine Worte zu Papiere zu bekommen und immer noch reden wir nicht miteinander. Aber wir geben Stellungnahmen, Einschätzungen und Erwartungen ab. Wir sind Westler, wir verstehen die Welt, warum macht das nicht jeder so wie wir es wollen? Wer es nicht so will, wie wir es denken, der ist dumm.

Wer sich aber dann eines Tages gegen bäumepflanzen und friedenskettenbilden stellt, ist ein Mensch der den Wert nicht versteht, ein Nestbeschmutzer, einer der die Arbeit der Vorgänger nicht schätzt, denn er zerstört schlussendlich die heimelige Wohlfühlsituation, die gut gemauerte Lebensplanung, die so manch ein würdiger, verdienter und altgedienter Aktivist sich gebaut hat. Wer die Frage des „Warum“ stellt, an Menschen, die „etwas tun wollen“ stört, denn er zwingt zum Nachdenken, zwingt dazu aus den eigenen Sicherheiten heraus zu treten. Es ist so schön und einfach, heute im Jahr 2017, nach einem gepflanzten Baum die Hände, die man sich ja extra schmutzig gemacht hat, ganz kollegial mit den Landarbeitern an den Hosen abzustreifen und voller innerer Entspanntheit, ja auch mit einem wohl verdienten Maße an Wohlgefälligkeit zum biologisch angebauten Essen überzugehen und sich dann über jene aufzuregen, die gar nichts tun.

Wer solch einen Text schreibt, ja wer nur solche Worte denkt, ist ein Unmensch, einer der nicht versteht. Der hat es leicht, so entspannt hinter seinem PC während die wahren Menschen an Schlagbäumen stehen und Menschen zählen, während die guten Menschen hinter jedem möglichen Gewaltakt herrennen und stehst die jeweils genehme Seite ausblenden und die bösen Machenschaften der anderen auflisten. Der, der so schreibt ist der Nestbeschmutzer der Friedenswoller, ja schon fast ein Mörder, denn durch ihn wird weniger geholfen, wird weniger demonstriert und weniger auf das Unrecht der Welt gezeigt.

Aber was ist denn unrecht? Wer ist denn der oder die böse Seite? Wer hat denn angefangen? Noch immer eilen Menschen durch die Welt und teilen diese in Gut und Böse ein. Noch immer tragen die einen Schal und die anderen schaufeln Erde. Noch immer, noch immer … ja noch immer dreht sich die Welt und noch immer finden wir keine Veränderung in all den Problemen. Warum? Ich weiß es nicht. Nein, das stimmt nicht, ich will es nicht wissen, denn auch ich habe mich eingerichtet. Schweigen, nur hin und wieder mal ein bisschen ausbrechend um das Gewissen zu beruhigen, sitze ich auf meinem achtel Lorbeerblatt – und mache nichts. Eventuell sollte ich doch auch lieber Bäume pflanzen, denn es beruhigt das Gewissen, auch wenn ich weiß, dass Anderes mehr helfen würde – aber das bedeutet mein Leben zu ändern. Mein Leben, hier und jetzt, schmerzhaft, denn ich würde mit Menschen hier in Deutschland streit bekommen, wegen diesen Menschen da, weit weg von mir, die … ach das geht mich doch einfach auch nichts an. Die sollen ihre Probleme selber regeln. – Pfui Teufel, Björn, Pfui Teufel, … wer kann sich denn von uns noch im Spiegel anschauen, nach einer Baumpflanzaktion, nach einem Blick in die Tageszeitung …