Fronleichnam 2017 – 2

fronleichnam

Es ist schon ein bisschen schwierig dieses Fest: Fronleichnam! Irgendwie abgehoben ist es.  Nicht ganz normal, was da die Katholiken feiern. Nicht ganz normal, denn es erzählt uns, dass da ein Mensch vor zweitausend Jahren eben mehr war, als „nur“ ein Mensch. Er war eben Gotte Sohn und das, was damals geschah, das feiern wir heute noch, das können wir heute noch absolut live miterleben.

Ob wahr oder nicht wahr, das ist an diesem Fest selber nicht zu entscheiden. Vielmehr geht die Frage nach dem „Sinn“ und „Inhalt“ dieses Festes an die Substanz des Glaubens. Glaube ich, dass Jesus Christus, Gottes Sohn ist, geboren, gekreuzigt und gestorben und am dritten Tage auferstanden? Glaube ich, dass ausgehend von dieser Wahrheit sich seine Gegenwart real und dauerhaft präsentiert im Brot und Wein, das sich wandelt in Leib und Blut? Nur wenn ich daran glaube, dass sich hier ein Geheimnis über das Geschehen offenbart, nur wenn ich bereit bin auch zu akzeptieren – ausgehend von der Tatsache, dass Gott absolut ist – , dass es Dinge und Ereignisse gibt „zwischen Himmel und Erde“ die ich mit meinem Verstand erstmal nicht ergreifen kann, sondern eine andere Dimension da mitspielt, kann ich mich auf diesen Glaubenswahrheit einlassen. Wie schreibt Thomas von Aquin: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.“ – Ja so ist es. Mit meinen Sinnen kann ich das nicht ergreifen was da sich offenbart, aber es gibt eben eine Ebene, die mir eine Annäherung erlaubt, dass ist die Botschaft, das Wort der Schrift, das Wort das Gott – im Logos – gesprochen hat. Wahnsinnig schwer und so schön, wenn ich mich darauf einlasse.

„Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, bet ich dennoch gläubig: „Du mein Herr und Gott! Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester laß die Hoffnung, treu die Liebe sein.“ – so schreibt der Aquinate in dem Liedtext weiter und daran musste ich auch im Gottesdienst heute denken, bei dem ich als Ministrant im Münster dabei sein konnte. Im Freiburger Münster sind nicht Petrus und Paulus am nächsten zum Altar, sondern der Evangelist Thomas. Er schaut sozusagen immer direkt auf das Geschehen, denn er konnte nicht glauben ohne direkt zu sehen. Er brauchte mehr als ein geistiges verstehen. Er brauchte die Hände dazu (vgl. Joh 20,19-29), das direkte erfahren.

Thomas hatte ich heute also im Blick. Thomas konnte das erfahren, was er dann auch glaubte. Er erlebte Jesus Christus als Auferstandener. Dies gibt mir Hoffnung, aber eben auch Traurigkeit. Diese Stelle und noch einige andere, in denen der Zweifel auch benannt wird, auch bei den Jüngern damals, zeigt mir: Das ist alles gar nicht so einfach für einen Menschen. Das braucht eben mehr als nur Verstand, das braucht ein Verstehen tieferer und anderer Art. Und wenn die damals das geschafft haben, dann schaffe ich, dann schaffen wir das auch heute. Traurig macht mich die Tatsache, dass ich eben nicht Jesus Christus leibhaftig vor mir habe, als Auferstandener, wenn ich also zweifle, dann kommt er nicht so in dieser Form zu mir wie zu Thomas. Diese Tatsache macht mir manchmal Angst, macht mich unsicher, denn es bleibt für mich heute allein das Gebet, das sich in die Botschaft vertiefen um zu erfahren.

Aber die Angst schwindet in der Gemeinschaft. In der Feier der Liturgie, in der Kommunion und der Nähe zur Botschaft. Da gibt es für mich immer wieder ein „Aha“, ein „ja, jetzt ja“. Da gibt es dann immer wieder ein Fenster das sich öffnet und mir einen Blick in die Tiefe schenkt, in der ich dann sehe: Jesus Christus ist wirklich Gottes Sohn und er ist da, jetzt und hier.

 

Aufbrechen, wagen …

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Aufbruch wagen, Veränderungen stehen an. Wandel. Gerade aktuell sehen wir in den Lesungen des Gottesdienstes in der Osterzeit, wie die Jünger sich hinter Mauern und geschlossenen Türen zurückziehen. Oder sie hauen ab. Sie hatten sich mit diesem Jesus nach vorne gewagt. Eventuelle Utopien schienen sogar möglich, aber dann, ja dann ging es bergab. So richtig sogar. Jesus starb am Kreuz und allen verließ der Mut, das Zutrauen. Die Sache Jesu ging zugrunde – fast, denn nochmal kam eine Wende. Jesus bezwang den Tod. Jesus ist leibhaftig auferstanden. Da gibt es nichts daran auszudiskutieren. Die die ihn gesehen haben, haben es bezeugt. Er war nicht ein Geist (Lk 24,39), er war leibhaftig. Die Jünger konnten ihn berühren, er aß mit ihnen. Und wie in Lukas 24,35-48 erschien er noch einige Male. Leibhaftig und mit klaren Worten, er lehrte, er erklärte und er forderte. Brecht auf, beginnt und bleibt nicht haften in ganz profanen Vorstellungen, sondern wagt das Besondere, das Utopische. Diesen Anfang mussten sie nicht alleine meistern. Sie wussten Jesus war bei ihnen, der Heilige Geist gab ihnen einen langen Atem und Verstand, um alles anzugehen. Sie wussten, dass das Gebet und das Leben und Handeln in der Botschaft mehr leistet, als alles Überzogenes werkeln. Es ist nun mal so, die junge Kirche wuchs nicht aufgrund eines Masterstrukturplanes oder Leitlinien oder irgendwelcher Dialogprozesse, sondern aufgrund der Mission, der Festigung des eigenen Glaubens und der Evangelisierung der Anderen.

 

Eine Bekannte aus der Region schickte mir einige Gedanken die sie sich zum Thema „wagen“ gemacht hat. Die finde ich gut, ich erlaube mir hier einen Ausschnitt darzustellen:

WAGEN würde ich so buchstabieren wie:

W = Wille zur Veränderung

A = Aufbruch zu neuen Möglichkeiten

G = Gemeinschaft pflegen, aufeinander zugehen

E = Eigenheiten bewahren

N = Notwendigkeit die SE einzurichten.

Sie dekliniert das Wort aus dem Blickwinkel des aktuellen Prozesses in einer Seelsorge- einheit. Als praktische und aktive Ehrenamtliche zeigt sie, was ihre Gedanken, ausgehend von ihrer Glaubenshaltung, dazu sind. Vornean stellt sie den Satz: „Persönliche, gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen beginnen mit der Einsicht in deren Notwendigkeit“.

Ich finde, dass diese Aussagen mutig sind. Ja, sie sind mutig, gerade heute. Sie verlangen, dass es eine wirkliche Veränderung gibt, dass es anders als bisher wird. Anders, aber eben miteinander anders. Miteinander – und so schätze ich sie ein – bedeutet aber mit allen, nicht nur mit den von uns als gut bezeichneten Christen weil sie in Gottesdienst gehen – immer mit dem Blick auf Jesus Christus.

Veränderung, wirklich gewollte Veränderung bedeutet dann die Masterpläne und alles was uns lieb und teuer geworden ist erstmal zur Seite zu räumen um zu beten, den Heiligen Geist wirken lassen, ihm und uns zuzumuten auf den Geist zu warten, damit wir in ihm handeln.

Meine Gedanken zu diesen Schlagworten die sie gewählt hat sind:

Wille = Ein Wille im Glauben denn wir beten: Vater, Dein Wille geschehe.

Aufbruch = Aufbrechen wie Abram und Sarah aus den scheinbaren Sicherheiten, wie Elimelech und Noomi, wie Josef in jener Nacht um nach Ägypten zu fliehen. Es gibt nur unseren Glauben, den es mitzunehmen gilt. Mehr braucht es nicht.

Gemeinschaft = Im Brotbrechen, im Gebet, im Glauben. Alle Freunde (Joh 15) Jesu sollen vereint sein, egal in welcher Nähe sie sich zu ihm befinden, egal welcher Gesellschaftsschicht, …

Eigenheiten = Selbst sein. Wir haben zwei Formen des Glaubensbekenntnisses: „Wir glauben …“ und „Ich glaube … “. Alleine geht Glaubensweitergabe, Glaubenserlernen nicht, es braucht das „wir“, die ekklesia, die Versammlung oder wie wir heute sagen, die Kirche, also das Volk Gottes. Ich kann aber auch nIMG_7624ur Glauben leben, wenn ICH mich kenne, wenn ICH mich vor Gott stelle. Ich, jeder einzelne von uns ist wichtig und auch jede einzelne Gemeinde. Paulus schreibt an verschiedene Gemeinden und fordert keine Vereinheitlichung der Glaubenspraxis, sondern der Haltung, des Glaubens selber.

Notwendig = Es ist notwendig im Gespräch zu sein, sich einigen. Paulus hat sich mit seinen Mitreisenden beraten, schon die Jünger erkannten, dass man miteinander reden muss, zusammenkommen muss um gemeinsam weiter zu gehen. Das zeigt auch das Apostelkonzil. Gemeinschaft, in den jeweiligen Größen bedeutet Notwendiges zu klären, Notwendiges, das aber nicht der Mittelpunkt, sondern eine Hilfe des Glaubens sein muss.

Lasst uns ziehen …

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Vorhin im Münster war das ein wunderbares Bild, wie die Menschen im Lichte der Abendsonne in dieses Münster eintreten. Sie treten ein in ein Haus, das als Symbol des himmlischen Jerusalems steht, sie treten mit den Heiligen, die draußen vor dem Tor stehen ein in das Gotteshaus, sie nähern sich gemeinschaftlich – egal wie viele Menschen gerade hineingehen – mit der ganzen Kirche dem Ort an dem die Realpräsenz Gottes erfahrbar ist, dem Gotteshaus mit dem Tabernakel. Das war schön sich das in diesem Moment zu verinnerlichen. Das ist gerade allgemein schön, mir das immer wieder zu sagen. Wenn ich tagsüber die Psalmen bete und es immer wieder heißt: lasst uns ziehen auf den Zion, zur Heimstatt Gottes auf Erden (Mischkan). Dann weiß ich, ja Jerusalem ist ein Zentralisationsort meines Gottes, aber ich muss nicht so weit ziehen, gleich „um die Ecke“ finde ich mein Zion, eine Stiftshütte, ein Tabernakel an dem ich mich sehr bewusst vor Gott niederwerfen kann und mein Opfer ihm vorlegen darf.