Heiliger Geist, komme – ganz schnell!

wenn es so weiter geht wie jetzt.

Was meine ich damit? Heute Mittag war ich mit einer Bekannten Mittagessen. Dabei kam sie zu der Frage: „Und was sagst du zu dem was gerade rund um diesen synodalen Prozess so abläuft“? Ich konnte darauf nur antworten: „Gar nichts, ich lese dazu nahezu nichts mehr, denn ich bin zutiefst frustriert und enttäuscht von dem was da passiert.“

Dabei kann ich gar nicht sagen welche „Seite“ und welches „Lager“ mich am meisten enttäuscht. Es ist die Summe und die Grundstimmung, die hier besteht, denn egal was hier geschieht, es ist nicht mehr in der Grundhaltung des Evangeliums. Die katholische Kirche und all ihre mithandelnden VertreterInnen zeigen sich in einem Licht, das mich beschämt.

Kardinal Kasper hat, so die Herder Korrespondenz, gesagt, dass: „ohne [eine] Erneuerung aus dem Glauben gehen alle noch so gut gemeinten strukturellen Reformen ins Leere.“ (HK 10/2019). Da stimme ich ihm absolut zu. Nicht so der Theologe Striet der in seiner Art gleich darauf geantwortet hat und wieder gezeigt hat, dass die Diskussion Inhaltlich nicht seriös geführt wird, denn es wird gerade von deutschsprachigen TheologInnen und KommentatorInnen nicht zur Sache diskutiert sondern Aussagen andere in ungenaue Kontexte gesetzt und so gedreht, dass die eigene Agenda gut platziert werden kann.

Ich fordere einfach alle auf dort anzufangen wo Veränderung not tut und entscheidend ist für alles was kommt: In der Grundhaltung. In der Lebenseinstellung. In der Bezogenheit auf Jesus Christus und seiner Botschaft. Und damit zeigt sich wessen Geistes Kind ich bin. Seit ich die Texte Papst Paul VI zur Neu-Evangelisierung gelesen stehe ich zu dem was er gesagt und geschrieben hat: Aller Anfang für Reform und Veränderung ist ein Leben in und mit Jesus Christus. Dieser Tradition folgt der aktuelle Papst Franziskus und deshalb stehe ich zu ihm und bin auch dankbar für seinen Brief an die Deutschen aus diesem Jahr.

In diesem Brief aber auch in seinen Texten – angefangen mit Evangelium gaudium – mahnt Franziskus, erinnert er uns daran, dass wir dringend Reformen und Änderungen vornehmen müssen, aber nicht am Reißbrett, nicht weil eine Lobby das will, sondern aus einer Neu-Evangelisierung heraus. Klar: Wir können alles ändern, jetzt, heute, hier, sofort: Von der Liturgieform, der Morallehrer, dogmatische Ansätze oder auch Kirchenstruktur heraus. Das ist menschlich möglich. Aber das Ergebniss wird keine katholische Kirche mehr sein sondern – wie schon die Piusbrüder schlussendlich auch – ein Verein für  Sophisten für neue Pharisäer, denen (selbst geschaffenes) Gesetz und Struktur wichtiger sind als die Menschen und als die Tiefe der Gottesbeziehung. Mit dieser engen Strukturreformdenkerei folgt Spaltung und nicht Aufbruch, denn es wird danach nur radikalisierte Kirchengemeinschaften geben und verzweifelt suchende Christen, die keine Heimat mehr haben – da zähle ich mich mit ein.

Eine Reform ein synodaler Prozess der aber aus der Tiefe des Glaubens heraus die notwendigen Veränderungen angeht wird Erfolg haben. Wenn die Lobbyisten der Theologie, wenn die kirchlichen Hauptamtlichen egal welcher Position, Geschlecht oder Rolle dies nicht ganz bewusst angehen, eine Reform aus der Botschaft Jesu heraus, ohne dem Willen das Eigene durchzusetzen, dann kommen wir vorwärts. Sonst nicht.

Ich bete dafür, dass sich endlich was verändert. Dass Kirche zu einem neuen Raum wird der Freiheit und des Glaubens ausgerichtet am Evangelium. Oh Heiliger Geist komme herab und mache das Antlitz der Erde neu!

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Selig die nicht sehen …

Selig die, die nicht sehen und doch glauben! Das ist ein zentraler Satz für den heutigen Tag. Als er gesprochen wurde, in jenen Tagen nach der Auferstehung, lebten Menschen, die den Messias leibhaftig gesehen haben. Es sind Menschen, die vor und nach der Kreuzigung mit ihm leben. Darunter Thomas, der nicht nur sehen, sondern den Herrn anfassen musste. Er musste ihn und die Botschaft be- und ergreifen. Er gehört zu den ganz vielen, die eben gesehen haben, die gehört und gesehen haben und geglaubt haben.

Uns bleibt nichts anderes als zu Glauben ohne zu sehen. Nur wirklich sehr wenigen kommt die große Ehre zuteil, den Herrn zu sehen so lange sie leben. Ein paar wenige Heilige (Was ich persönlich ganz angenehm finde, dass es so ist). Anderseits: Wie sehr würde manches sich erleichtern, wenn wir auch anfassen können, wenn wir Jesus leibhaftig ergreifen können. Manchmal, das muss ich gestehen, wünschte ich mir den kindlichen Wunsch, dass es für mich auch ein Kreuz gibt, das spricht, wie bei Don Camillo – aber wie gesagt, es ist auch gut so, dass das nicht eintrifft.

Im Münster von Freiburg stehen sich die Figuren von Jesus und Thomas gegenüber. Es erscheint so, wie wenn sie über den Altar hinweggehend auf einander zu gehen könnten. Jesus und Thomas, Wahrheit und Zweifel begegnen sich, am Altar.

Wenn ich im Münster ministriere, dann sitze ich manchmal so, dass ich bis zur Eucharistie den Thomas ansehen kann. Nach der Kommunion sitze ich so, dass ich Jesus im Blick habe. Und es erinnert mich, dass das ganze Christenleben ein sich hinbewegen zu Jesu ist. Geprägt von Zweifel und von den Momenten, der Gewissheit. Das Wort Gottes hören wir, wir nehmen es an, wir versuchen es zu verstehen, wir zweifeln und sind unsicher. Dafür schenkt uns Gott seine Gegenwart im Leib und Blut. Die Eucharistie ist ein Ort an dem Zweifel aufgehoben werden, denn hier ist absolut Erinnerung, ein Aha-Moment, des Lebens für das Leben. Aber schon danach bleibt nichts als Glaube, ein Glaube, der von Prämissen ausgeht, die schlussendlich nach menschlichen empirischen Ansätzen nicht belegbar sind. Es bleibt als Gewissheit allein die Grundhaltung, die Offenheit, die Beziehung zu den Erfahrungen, nicht allein von mir, sondern von allen vor mir. Und es bleibt, der so schwere Satz: Selig, die nicht sehen und doch glauben!

Pfingsten – will ich das?

Wer sich durch Facebook, Instagram, Twitter und Co. scrollt findet seitenweise Bilder vom heiligen Geist, der als Taube, als Feuer als Winddarstellungen auf die Menschen herabkommt, alles durchwirbelt.

Wer sich die Predigten und Texte vornimmt findet viel davon, dass sich was ändern muss, dass der Wandel kommt und kommen muss, dass die Einheit Ziel und Grundlage ist, …

Aber mir bleibt ein schaler Geschmack bei alledem, denn ich frage mich: Meinen wir es ernst? Sind die Veränderungsprozesse wirklich gewollt und zwar nicht nur bei „den Anderen“, die anderer Meinung sind als ich und daher „absolut falsch liegen“?

Dabei bietet Pfingsten ja wieder wunderbar an, dass sich insbesondere die Medien bzw. die einschlägigen Journalisten die Veränderung fordern, gerade bei den aus ihrer Sicht Bewahrern und Konservativen und damit Verblendeten. Und darauf wird geantwortet und meist klar gestellt, dass die „Veränderer“ die Einheit gefährden. Jeder verlangt die Veränderung beim Anderen und jeder Verlangt genau die Veränderung, die selbst als notwendig erkannt wurde.

Ist solch ein Verhalten nicht Verrat an der Sache? Der Wandel des Pfingstereignis begann nicht „bei den anderen“ sondern bei den Jüngern selbst. „Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“, erzählt uns die Apostelgeschichte im zweiten Kapitel. Die Jünger wurden zu einem Sprachrohr des Heiligen Geist. Sie bzw. ihre Hoffnungen, Wünsche, Erwartungen und Konzepte wurden in diesem Moment nebensächlich, unwichtig, denn sie redeten, „wie es der Geist ihnen eingab“, nicht wie sie es sich ausgedacht haben. Dabei wird es nicht um theologische Disputationen gehandelt haben, sondern um Glaubenszeugnisse, um die grundsätzliche Botschaft, dass Jesus Christus der Herr ist, geboren, gelebt, gekreuzigt, auferstanden und Gegenwärtig ist. Und das ist der Ausgangspunkt, gerade der Kirche, dem neuen Volk Gottes: Das Verkünden der Botschaft (in Wort und Lebensform). Alles andere kommt später.

Zuerst steht die Bereitschaft zum Wandel und die Umsetzung. Nicht die Wandelaufforderung. Nehmen wir das ernst? Beginnen wir dort, wo der Anfang ist zum Wandel?