Franziskus: Gott ist jung! Unbedingt lesen

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Habt keine Angst“ – das ist wohl eine der entscheidenden Aussagen des kleinen Büchleins von Papst Franziskus, das in diesen Tagen in verschiedenen Sprachen erschienen ist (Deutsch im Verlag Herder). Wer die letzten Zeilen des Interviewbuches liest, dürfte da etwas in sich (nach-)klingen hören. Es sind irgendwie Worte, die manche schon kennen, die aber gerade deshalb nicht alt oder abgedroschen klingen, sondern so wie Gott voller Jugendlichkeit, sprich Vitalität, sind. Das was Papst Franziskus uns – und nicht nur den Jugendlichen alleine – zu sagen hat, das erinnert eben an jenen jungen mutmachenden Papst aus Polen. Wieder klingen dessen Worte, wie am Tag der Wahl des Papstes vor fünf Jahren, nach. Papst Franziskus hat, so lassen es die Worte erahnen, in der Sprache ein Vorbild. Das „Fürchtet euch nicht“ des jungen Papstes, in Polen, gegen die Mächtigen der damaligen Welt gesprochen, ließ Mauern zerbrechen. Dies dürfen wir auch diesen Worten, schlussendlich allen Worten Franziskus wünschen. Diesmal ruft er die mutmachenden Worte den Jugendlichen zu und – ganz dediziert – den Alten, die wir bitte nicht verwechseln dürfen mit den Erwachsenen. Zwar in vermeintlichen fest-gezurrten und pauschalen Begriffen redend, will der Papst eben zeigen, wie bunt, wie reichhaltig, wie ungreifbar und unangreifbar gerade die jungen Menschen sind.

„Die Zeit ist reif für eine echte kulturelle Revolution des Dialogs“ (S. 126). Dieser neue Dialog ist, nach Papst Franziskus, der Dialog zwischen den Träumen und den Erfahrungen der Alten und den Hoffnungen und Erwartungen der Jungen. Hier kann sich die Zukunft der Menschheit entwickeln, die jetzt gerade in eine falsche, unmenschliche Richtung abdriften, so der Papst. Der Interviewpartner des Papstes malt diese Welt noch radikaler aus, er negiert und präsentiert eine doch sehr pessimistische – ja fast schon verstockte – Haltung zur heutigen Kultur und es scheint im ersten Moment, dass der Papst hier einsteigt, gerade wenn er die Situationen der Jugendlichen, der Menschen die von einer Welt des „Konsums um des Konsums willen“ (S. 45) weggeworfen und vernichtet werden, benennt und auch drastisch betitelt. Aber der Heilige Vater ist Seelsorger. Er öffnet Räume und schafft neue Horizonte, denn sein in Gottes Liebe fußendes Vertrauen schenkt er den Jugendlichen – nicht ohne auch sie vor Verstockung und Gefahren zu warnen (S. 81/85).

Die Themen sind reichhaltig in diesem Buch. Von Internet, Drogen, Ökologie bis hin zur Freiheit des Menschen und zum Selbstmord, vieles wird angesprochen. Das mag einem zu viel vorkommen, der Papst zeigt aber, dass es hier immer nur um Auswüchse geht, vielmehr zeigt er an diesen Themen, was falsch läuft und wo das gemeinsame Grundübel verortet werden kann und dass alles zusammenhängt an dem einen: Jesus Christus.

Das neue Buch des Papstes ist ein kleines Buch, aber eines das Mut macht, das die Fehler und Schwächen unseres Lebens aufzeigt, uns warnt aber immer wieder sagt: Brecht auf, noch ist die Zeit!

Wer ist dieser Gott?

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Vaterunser-Kirche in
Die Kurzform des Textes war eine Statio zum Gottesdienst am 12.12.2017.

Verfolgt ihr die Diskussion, die Papst Franziskus angestoßen hat zum Vaterunser? Zwischen der Anklage zur Häresie gegen den Papst und den Jubelrufen gibt es viele Wortmeldung und es fasziniert wieder einmal wie viele Fachleute zu diesem Thema es gibt. Bei kirchlichen Themen hat wohl jeder ein Fachwissen. Was mich manchmal nervt, aber auch einen logischen Grund hat. Glaube geht alle an und gerade bei diesem Thema kommt dann die Ausgangsfrage dieser Diskussion auf: Was ist das für ein Gott zu dem wir beten?

Ich denke es ist gut, wenn wir diese Diskussion aufnehmen, mit einem Blick auf unser eigenes persönliches Gottesbild: Stellen wir, davon ausgehend, uns doch einmal die Frage: Was ist das für ein Gott an den wir glauben?

In der Lesung vom Dienstag der 2. Adventswoche (Jes 40, 1-11) haben wir einen Gott der auf der einen Seite seine Propheten auffordert sein Volk zu trösten, und ihnen Hoffnung auf eine gute Zukunft zusagt und auf der anderen Seite aber auch ein Gott, der sein Volk für ihre Sünden gestraft hat. Die Strafe – das Exil –  ist zugelassen von Gott.

Nochmal: Was ist das für ein Gott, dieser Gott der Bibel? Ist Gott gut oder böse? Oder gar beides? An was für einen Gott glauben wir? Bei Luthers Bibelübersetzung zum Beispiel taucht auch immer wieder ein „grausamer“ Gott auf. Ist Gott grausam? Verführt Gott den Menschen zur Strafe? Wie stehen wir zum Motiv des „Tag des JHWH“ im Buch Joel, wie prägt uns die Geschichte, in der Gott dem Teufel erlaubt Jesus in Versuchung zu führen?

Gibt es Situationen, die von Gott unterstütz werden, in denen uns Böses geschieht, wo uns Gott sozusagen „verdunkelt“ wird? Und wie halten wir das aus, wenn Gott den Teufel gewähren lässt, wie bei Hiob und somit irgendwie zu seinem eigenen Widersacher wird?

Oder ist diese Versuchung gar nicht so einseitig negativ, wie wir es wahrnehmen? Geht es vielmehr um eine Prüfung, die uns weiterbringt? Heißt es nicht im Jakobusbrief: „Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet!“

Die Diskussion zur Übersetzung des Vaterunsers geht auf alle Fälle an die Substanz. Es geht um die Gottesfrage, es geht um meinen Glauben, es geht um das Gesamte! Egal wie sich jeder von uns entscheidet, es gibt eben den Gott des Alten und Neuen Testament und das sind nicht verschiedene Götter, sondern ein und der selbe und es wäre zu leicht, ja eventuell sogar zu feige weiter sich vor der Frage zu verstecken in dem ich sage: Ach das eine ist ein veraltetes Gottesbild, das andere nicht.

Es ist die Gretchenfrage: Wie ist das bei dir mit Gott? Wer ist Gott und welche Rolle hat er in meinem Leben.

Stellen wir uns dieser Frage, stellen wir uns dieser Situation. Heute, jetzt – in jeder Zeit des Gebetes und der Liturgie, wo uns Gott – wie Jesus versprochen hat – ganz und gar Gegenwärtig ist.

 

Schuld und Fehlersuche

Hl. Vitus
Darstellung im Augustinermuseum in Freiburg. Zeigt den hl. Vitus wie er im heißen Fett schmort, so wurde er umgebracht. Darstellung um 1500, Süddeutschland

Den nachfolgenden Text habe ich in einer Grundform (stark gekürzt) als Statio zu einem Gottesdienst gehalten. Die Lesungstexte auf die ich mich beziehe sind vom 24.07.2017 (Ex 14, 5-18 und Mt 12, 38-42).

Es werden Heiden sein, „Anonyme Christen“ (Rahner), die gegen die Gläubigen aussagen. Das sagt (ja droht) uns Jesus im heutigen Evangelium (Mt 12, 38-42). Nicht wir messen uns, sondern die da draußen, jene die wir alle Tage schief anschauen, jene denen wir gar all‘ zu oft den Glauben absprechen. Sie werden jene sein, die beim Gericht gegen oder für uns aussagen werden.

Superchristen, die Rechtgläubigen, die Bigotten, diejenigen die die eigene Messlatte stets unterlaufen aber die anderen dauernd kontrollieren, das sind jene, die dann dumm aus der Wäsche schauen, die aus allen Wolken fallen, wenn es ernst wird – am Tag des Gerichts.

Meine Mutter erzählt immer wieder aus ihrer Kinderzeit von alten Frauen, die nach dem Gottesdienst zutiefst böse waren. Kaum aus der Kirche draußen, haben sie trotz Kommunion und Andacht ihre Familie tyrannisiert. Ein böses Wort geführt, gelästert und geschumpfen. Das ist abschreckend gewesen, dass hat die Botschaft der Liebe und Gemeinschaft völlig negiert.

Aber auch bei uns: Wie viele nehmen im Gottesdienst die Kommunion und haben schon auf dem Rückweg die ersten Verurteilungen, die ersten zerstörerischen Gedanken gegen Andere im Kopf, weil sie nicht alles ganz genau so gemacht haben, wie es sich „gehört“?

Jesus erinnert daran: fang bei dir an, werde dir deiner Fehler bewusst, nimm deine Menschheit an und stell dich als Mensch vor Gott, fang du an!

Die Abkehr von Gott ist in meinen Augen die schlimmste Sünde. Abkehr fängt an, wenn ich hasse, wenn ich andere negiere, wenn ich mich und den anderen nicht als Geschöpf Gottes, als Person anerkenne und im die Würde die ihm/ihr von Gott geschenkt wurde aberkenne. Das ist Sünde, das, in den verschiedenen Stärken, ist für mich unsagbar schlimm. Das ist die entscheidende Sünde, die mich tagtäglich umtreibt, die auch meine Prüfungsfrage beinhaltet. Wer sich Gott zuwendet, unserem Gott des Christentums, dem Gott der Liebe, dem Vater, der kann nicht hassen, der kann den Anderen nicht negieren. Und das fängt genau mit dem an, was ich oben beschrieben habe.

Der erste Schritt weg von der Sünde ist das eingestehen, dass wir selber bruchstückhafte Menschen sind. Wir müssen uns als Menschen annehmen, uns und den Anderen, als Geschöpf des Einen Gottes. Das geht nur im Dialog. Mit Gott, mit den Mitmenschen. Das zeigt auch ganz besonders das Schuldbekenntnis. Ich bekenne meine Schulden, meine Fehler allen, ich stehe dazu, vor allen. Und ich bitte um Hilfe, genau auch dort, bei allen, auch bei meinen Brüdern und Schwestern. Es gilt die Fehler einzugestehen und laut um Unterstützung bitten. Nicht allein, stumm im Kämmerlein, sondern laut und offen, in der Gemeinschaft, in der Kirche, in der wir alle wissend um unsere Fehler gemeinsam auf Gott zugehen können, nicht kriechend in Sack und Asche oder mit dem Finger auf andere zeigend, sondern uns gegenseitig stützend.

Die Veränderung beginnt bei mir. Mit „ich habe gesündigt – hilf mir dabei“, beginnt der Weg aus der Gefangenschaft, aus unserem Ägypten, heute, hier … gemeinsam, mit Christus, gemeinsam mit der Gemeinde Jesu Christi.

Sonnenstrahlen

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Morgens auf dem Weg zur Uni. Die Sonne strahlt. Die einen fühlen sich geblendet. Die anderen genießen es, dass ihnen die Sonne das Gesicht anstrahlt. Es ist doch wie bei Gott. Die einen erleben seine Gegenwart als anstrengend, als überwachend und einengend. Die anderen genießen es, ihn zu erleben, denn er schenkt ihnen Weite und Helligkeit im Leben.

Aber egal wie: Wer in die Sonne sieht, fängt an zu lächeln. Wie schön solch ein Tag!

Gedanken zu Joh 3,16-21

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Heute in der Auslegung beim Domradio hatte ich so viel was ich sagen wollte und dabei fiel mir auf, dass ich gar nicht wusste, was ich davon auswählen wollte. Ich wollte sprudeln, aber die Zeit hat nicht gereicht. Deshalb hier einmal die vielen Gedanken die ich hatte und von denen ich nicht wusste, welche ich sagen wollte.

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Licht und Dunkel, das sind sehr bekannte Gegensätze. Ganz oft werden diese Begriffe verwendet. Schon im Alten Testament finden sie sich. Dunkelheit ist Gottverlassenheit, ist Einsamkeit, ist Angst, ist der Raum der Abwendung von Gott – in den aber gerade auch im AT Gott immer wieder eindringt um uns zu führen, hinaus zu führen. Ob in Psalmen oder in einem ganz starken Bild des Exodus – der Feuersäule die den Israeliten vorauszieht, immer wieder zerstört das Licht, ein Feuer die Dunkelheit und befreit die Menschen.

Und auch das Christentum kennt diese Bilder. Nicht nur hier in dieser Perikope. Auch in der Liturgie verwenden wir diese Gegepole. Wir „feiern“ das Licht als Symbol. Da denke ich an die Liturgie der Osternacht, speziell im ersten Teil hat die katholische Liturgie (und auch die orthodoxe) eine Lichtfeier. Höhepunkt ist die Entzündung der Osterkerze und ein Liebeslied auf das Licht, das Exultes. = Licht als Verwandelndes Moment, Licht als Zukunft, als sich ereignende Hoffnung.

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Wenn ich diese Stelle lese, muss ich unweigerlich auch an eine Textstelle aus Berthold Brechts Dreigroschenoper denken: Da heißt es in der Zusatzstrophe der Moritat von Mecky Messer (aus dem Jahr 1930): „Denn die einen sind im Dunkeln. Und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte. Die im Dunkeln sieht man nicht.

Auch hier, das Dunkle ist der Ort des Bösen, des Verbrechens. Das Licht es stört, denn es deckt auf. Das Evangelium, Jesu Leben und Botschaft, ist so ein Licht, das aufdeckt, das die Ecken ausleuchtet. Wie eine Halogenleuchte wirklich jedes Eck ausleuchtend, selbst hinter Verkantungen und Hürden reicht dieses Licht hin. Und doch, das Licht Jesu Christi ist nicht so zerstörerisch wie eine Halogenleuchte, vielmehr wie eine Kerze, die still und leise, aber intensiv leuchtet. Das Ausleuchten unserer Person durch das Licht Jesu ist nicht zerstörerisch und verbrennend, eher zärtlich, es drückt nicht den Finger in die Wunde, sondern bietet Heilung an. Heilung, die beginnt, wenn wir uns ganz in das Licht stellen.

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Bleiben wir bei dem Bild mit dem „Licht“. Jeder der Böses tut, hasst das Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Das klingt logisch. Wenn ich Fehler gemacht habe, dann habe ich zwei Möglichkeiten: Sie zuzugeben oder eben nicht. Aber wenn ich in einer Welt lebe, in der ich meine Fehler nicht eingestehen kann, in der meine Fehler immer und immer an mir haften bleiben, dann werde ich doch alles tun, damit ich eben meine Fehler nicht zeigen muss, damit ich selber auch nicht mit meinen Fehlern konfrontiert werde. Das Problem von unverarbeiteten Fehlern, mehr und mehr Fehler ist doch, sie führen zu Frustration, zu Unsicherheit, zu Angst, Hass, ja, zu einem lebenslosen Leben.

Jesus zeigt da ein Gegenangebot. Er bietet das Heil. Also eine Welt, ein Leben in dem der Mensch nicht per se verurteilt wird, in dem der Mensch nicht wegen Fehlern oder Eigenheiten grundsätzlich negiert oder zerstört wird. Jesus bietet einen Raum, eine Lebensform in der man neu anfangen kann. Rettung durch Jesu könnte an dieser Stelle bedeutet: Jesus bietet ein Leben in der Freiheit von Schuld und Fehler. Der Mensch hat die Möglichkeit auf dieses Angebot zu antworten. Indem er ins Lichte tritt: Also, Fehler eingesteht, sie verarbeitet und sich bemühen diese und andere nicht mehr zu tun. Und so entsteht ein Leben, frei von Ängsten, offen für Hoffnung, bereit zur Liebe.

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Jesus ist das Licht, Jesus ist der Bote und der Bote ist wie der Sender. Guardini schreibt: Gott hat „Licht-Kraft […] Dinge, Menschen und Geschehnisse bis auf den Grund zu durchblicken“ (Homelien). Gott sieht in jedem sein eigenes Wesen, sieht bis auf den Grund. Er sieht ganz klar.

Und diese Kraft, dieses klar sehen, das bietet Gott an. Mit dem Evangelium kann ich das. Mit Jesu gehend kann ich das. Auch hier: Nicht einfach, aber machbar. Denn im Licht muss ich mich nicht verstellen, da darf ich erfahren wer ich bin, da darf ich Mensch sein, Fehler machen und erkennen, was falsch ist. Gottes Licht bereinigt es, wenn ich bereit bin.

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Licht – Angebot der Weite! Mit Licht verbinde ich nicht nur ein hineinsehen können, sondern auch eine Weite. Dieses Jahr an Ostern war so richtig Frühling. Man konnte es also erleben, wenn das Morgenlicht über die Berge hinwegbrach, dann tauchte die Sonne die ganze Landschaft in ein weiches klares Licht. Von einem Moment auf den Anderen verändert sich der Sichtkreis, der Horizont.

Noch stärker kann man das erleben, wenn man aus einem dunklen Raum, eventuell aus einer der Höhlen die man als Kind erkundet hat heraustritt. Plötzlich wird es ganz hell. Die Sonne blendet aber eröffnet einem einen ganz neuen Blickwinkel. So ist das auch beim Licht Gottes. Ohne ihn, ohne dieses Licht sehen wir nicht über unsere Füße hinaus. Wir sind gefangen, eingeengt und tappsen nur ganz vorsichtig durch das Leben. Die Sonne, das Licht Gotte, das Licht der Weite, der Erkenntnis lässt uns ausschreiten. Leichte und doch sichere Schritte gehen. Auch hier. Das Licht, die Erkenntnis schenkt er uns, wir müssen allein den Schritt beginnen, der uns aus der Höhle der Dunkelheit herausführt. Dann macht er alles andere.

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Bisher habe ich mir das Gericht als einen Prozess vorgestellt. Ich glaube nicht und dann werde ich irgendwann gerichtet werden. Irgendwann in fernen Tagen, beim jüngsten Tag. Aber ist ihnen das auch aufgefallen? Es lautet hier: „Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet“ – das ist Perfekt, da ist schon jemand gerichtet – mit dem Akt des Nicht-Glaubens. Da richtet aber nicht Gott, sondern der Nicht-Glaubende richtet sich selber. Nicht-Glauben ist Selbstgericht. Nicht Jesus richtet, sondern rettet. Da wird dieser Satz noch klarer. Der Nicht-Glaubende richtet sich selber, stellt sich in die Dunkelheit, in ein Leben ohne Zukunft, ohne Hoffnung auf ein mehr im irdischen und darüber hinaus. Und Jesus steht da und will retten, retten aus der Selbstverurteilung.

Jetzt braucht es meiner Meinung nach dazu aber noch eine zweite Überlegung darüber, was denn „Nicht-Glaube“ ist. Was ist denn das Gegenteil von Glaube? Atheismus? Nein, zumindest heute nicht mehr, heutige Atheisten sind meiner Ansicht nach auch nur Menschen mit einem Ersatzglauben. Ist der Zweifel das Gegenteil von Glauben? Nein, ich denke, dass es gerade zum Glauben den Zweifel braucht. Das Gegenteil von Glaube würde ich an dieser Stelle einmal mit Gleichgültigkeit betiteln. Menschen, die Gleichgültig sind gegen Gott, also gegen das was wir darunter verstehen; reine Liebe, Freiheit, Frieden – leben genau das nicht und entschuldigt bitte, was gibt es schlimmeres als ein Leben ohne Liebe? Ohne Freiheit? Ohne Frieden?  Ohne Hoffnungen? Wer nicht glaubt richtet sich selber, denn er nimmt sich in der Konsequenz der Gleichgültigkeit Liebe, Freiheit, Friede. Hoffnung, ja Leben, so wie wir es uns vorstellen.

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Berlin 2017 1. Tag Bibelreise

Und weiter geht’s! Diesmal nach Berlin. Warum? Ganz groß gesagt: Um die Texte der jungen Gemeinde im Kontext der Großstadt, der katholischen Diaspora zu lesen und aufzunehmen. Paulus schreibt an Großstadtgemeinden. Wir sind in einer solchen. Paulus schreibt auch zum Thema Politik & Kirche. Wir bewegen uns in den nächsten Tagen zwischen diesen Welten. So habe ich zumindest den Sinn dieser Reise verstanden.

Ups, die sprechen ja Deutsch! Natürlich, wir sind ja auch in Deutschland. Irgendwie kommt das in meinen Kopf nicht rein. Reisen ist ins Ausland … so spuckt die Regel in meinem Kopf. Ich weiß nicht wann ich zuletzt innerhalb Deutschland verreist bin und Dann auch noch geflogen. Was einem der Kopf so alles vorgaukelt.

Abfahrt 08:00 Uhr nach Basel, mit Flieger nach Berlin-Schönefeld und mit der S-Bahn in den Wedding. Die letzte Schritte zu Fuß in unsere Unterkunft – das wäre die Reise gewesen. Wir sind in einer ehemaligen Fabrik untergebracht. Es schließt sich an eine „Hausbesichtigung“ und eine schnelle Tour durch die Stadt für jene, die noch nie hier waren und einen Überblick brauchen. Gottesdienst in St. Hedwig und Abendessen in der Berliner Republik. Zurück. Ein bisschen Gespräch und ins Bett und der Tag ist vorbei.

Da wir in der Osloer Straße wohnen fuhren wir bis zur Haltestelle Bornholmer Straße. Also voll rein in die Deutsche Geschichte. Hier begann schlussendlich das Wunder von Berlin. An jenem Abend sammelten sich hier, nach der Ankündigung im Fernsehen von Schabowski, die DDR-Bewohner und prüften dessen Aussage. Um 23:30 erhoben sich die Schlagbäume und die DDR hatte endgültig ihre Zähne eingebüßt. Mir bleiben wahrscheinlich ewig die Bilder im Kopf, jener Nacht, in der ich selber gerade 12 Jahre alt war. Mit solchen Erinnerungen im Kopf bin ich stolz einen deutschen Pass zu haben. Das Verhalten der Menschen in jener Nacht, das und alles was dazu drum herum geschehen ist, ist der Grund für eine neue Friedensordnung der Welt, für das neue Europa also für das, was dumme Menschen heute wieder kaputt machen wollen, bzw. aktiv daran sind es zu tun. Das Gegenteil unserer heutigen Situation ist das, was wir bis 1989 hatten, das dürfen wir nicht vergessen.

Bei einem Zeitzeugen, einem politisch handelnden jener Zeit und jener Veränderung hatte ich am Nachmittag einen kurzen Besuchstermin. In der Konrad-Adenauer-Stiftung traf ich den Vorsitzenden der Stiftung und ehemaligen Präsidenten des Europaparlamentes Prof. Pöttering. Spontan hat er sich Zeit genommen und wir hatten ein nettes Gespräch, wie man so sagt über „Gott und die Welt“. Raus ging ich also mit weiteren guten Gedanken und zwei Büchern, die er mir schenkte. Nach dem Termin schloss ich mich wieder der Gruppe am Brandenburger Tor an. Wir spazierten dann gemeinsam Unter den Linden in Richtung Hedwigskirche und machten einen kurzen Abstecher ins „Willy-Brandt-Forum“. In St. Hedwig feierten wir in der Krypta, in nächster Nähe zum Seligen Bernhard Lichtenberg, die Messe mit. Ich kann mich mit dem Stil dieser Kirche recht gut anfreunden, muss ich sagen.

Den Abend verbrachten wir in der „Berliner-Republik“. Ganz nettes Restaurant. Jetzt nicht das, in das ich jeden Abend gehen würde, aber ganz O.K. Das Essen war gut, aber schon „sehr genau bemessen“ und für Biertrinker ist das ja ein Eldorado.

Kaum waren wir draußen aus dem Restaurant zeigte sich mal wieder wie klein die Welt ist. Wir wollten zur Haltestelle und wer läuft mir über den Weg: Eine ganz liebe Tunslerin mit Freundin und dessen Freund. Die beiden Mädels und eine weitere Freundin hatten mich auch in Rom einmal besucht, worüber ich mich sehr gefreut hatte. Und jetzt, zwischen all den Menschen laufen wir uns in Berlin – völlig ungeplant – in die Arme. Mal wieder ein Beweis, wie klein doch die Welt ist. Einfach schön.

Frühlingsstimmung

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Das war der heutige Kommunionvers. Ja, dass das stimmt das kann man an solch einem schönen Frühlingstag echt erkennen, verinnerlichen. Die Bilder die ihr anschauen könnt sind zwar von gestern, von meinem gestrigen Spaziergang in Richtung Altem Friedhof, aber sie hätten auch heute gemacht werden können.
Welch eine Fülle an Farben und welch eine Wohltat ist es doch, wenn die Sonne scheint. Diese Jahreszeitenerfahrung hatte ich in dieser Form in den letzten Jahren ja nicht – was ich auch nicht vermisst habe – aber jetzt wo ich wieder in Freiburg wohne nehme ich das richtig in mich auf. Die ersten zwei Tage nach unserer Rückkehr aus Israel war es ja so ein richtig kaltes Wetter aber jetzt, jetzt ist es Frühling und wer das so auf sich wirken lässt kann gut verstehen warum die deutschen Dichter so süße und manchmal auch kitschige Gedichte gemacht hat. Es ist einfach eine wunderbare Erfahrung – denn in all dieser Fülle und Pracht, in all diesem Füllhorn an Farben, Gerüchen, Bildern kann der Gläubige wirklich aufatmen und sagen: Ja, Gott IST. Bei all diesem muss es einen Schöpfer geben, denn ohne dies hat das alles keinen Sinn.

Das Wetter befreit das Herz und den Verstand von allem trüben. Und da ist es am Abend dann auch leichter zurückzuschauen. Viel mehr kann man im strahlenden Licht sehen als an anderen Tagen. Irgendwie sehe ich alles was war viel klarer – auch das, was ich verbockt habe … Gestern war das auch im Abendgottesdienst so. Die Säulen im Münster waren lila-blau vom hereinfallenden Abendlicht und nach und nach wanderte dieser Sonnenstrahl auf das große Fastentuch und strahlte am Ende, zum Segen genau den gekreuzigten an. Ganz großes Kino! Heute war das leider nicht so. Trotzdem kann ich jetzt beim Schreiben zum Fenster hinaussehen und kann den blauen Abendhimmel genießen.

Ja, die letzten Tage waren gut. Das kann ich schon sagen. Zwar bin ich wie immer hinter meinem geplanten Tagespensum geblieben, aber es geht aufwärts und ich bin schlussendlich zufrieden. Die Immatrikulation an die Uni ist abgeschlossen, ich habe mich dann auch durch die ganzen Programme gequält die es für den Stundenplan, Kennwörter etc. gibt. Gerade die ganzen Anmeldeprogramme finde ich sehr nervig. Je mehr ich da wieder hineintauche muss ich sagen: Das Ganze (nicht mein Studium, sondern allgemein) geht nach hinten los! Das gesamte Studium hat einen organisatorischen Überbau der absolut unpassend ist. Und dazu kommt echt noch, dass der Student wirklich kein Student mehr ist. Im besten Falle – nichts gegen diese – ist er noch ein Schüler der allein stupide das erledigt, was zu erledigen ist. Also ich versuche das jetzt echt nochmal mit einer gewissen Offenheit anzugehen, und werde davon auch in Zukunft berichten, aber was ich bisher schon so sehe ist echt nicht O.K. Nur denke ich, dass sich da schon alle so eingerichtet haben, dass da sich nicht viel mehr bewegen wird. Am Sonntag schrieb ich ja von Europa. Da muss Europa echt nochmal schauen, was getan werden kann. Bologna ist echt kein Erfolgskonzept.

Aber nichts desto trotz, auch das ist nur Episode. Ansonsten kann ich ganz viel lesen. Gestern den ganzen Tag die Herder Korrespondenz vom April mit ein paar echt guten Sachen drin, einen Krimi habe ich gelesen, zu dem ich eventuell auch mal noch was schreibe (O’Brian; Irische Nacht), ich bin weiter gekommen mit meinen Texten zum Thema Christologie bei Luther. Echt spannende Thematik, wenn auch an manchen Stellen für mich Blondchen doch auch nicht so einfach. Das kleine Büchlein „Leises Schlängeln“ von A. L. Kennedy habe ich fast gefressen – einfach schön und gerade lese ich, was wirklich viel zu spät ist, weil ein gutes Buch, von Waltraud Lewin „Feuer. Der Luther-Roman“. Bin jetzt in der Hälfte. Kann ich empfehlen.

Und ich konnte heute sogar mit dem Rektor ein bisschen über Literatur reden. Oh wie ich das vermisse. In Facebook habe ich eine Anfrage nach einem Literaturkreis gestellt. Mal schauen, ob das was wird. Und heute Abend vor der Messe war ich noch an der Dreisam spazieren mit einer Freundin aus den Sasbachertagen. Das Wetter und gute Gespräche … passt!

Am Donnerstag geht’s nach Berlin. Zum spontanen Einstieg habe ich gestern noch die Freude gehabt – fast mitten in der Nacht – mich mit einem lieben Freund aus Berlin zu treffen. War echt auch schön, wenn ich dann auch heute fast nicht aus dem Bett gekommen bin und – oh Schande – heute Mittag echt eine Stunde geschlafen habe. Was ich so gar nicht kenne. Liegt ,denke ich, auch an der Sommerzeit.