Peinliches Verhalten der Theologie

Wirklich ganz direkt: Ich schäme mich für all jene TheologInnen, für all jene Journalisten und Innen die sich in einer Form auf den Text des emeritierten Papst stürzen, die peinlich und engstirnig ist. Die aktuelle Debattenkultur ist seit einiger Zeit eine Unkultur und wird im großen Maßen zerstört von deutschsprachigen Stimmen. 

Gestern erschien ein Text des emeritierten Papstes in den Klerusblättern und damit auch in Deutschland. Und von einer Minute auf die andere wird der Text zum absoluten Diskussionsthema. Alle möglichen Personen sehen sich berufen aktiv diesen Text zu negieren, ihn zu zerreißen und meistens aktiv Benedikt XVI. em. anzugreifen, ja bis hin zu persönlichen Angriffen im Stil: Alte Männer sollen das Maul halten.

Wie schon bei anderen Texten des emeritierten Papstes ist meist der Text einer, dem ich in großen Linien zustimmen kann, aber bei dem mehr als der Text selber die Kommentare und Repliken interessant sind, denn sie erzählen im hohen Maße etwas von der Haltung und der Mentalität ihrer Autoren/Autorinnen. Genauer etwas von der Situation in unserer Kirche und in unserem Christentum. Einer Situation die mich von Tag zu Tag mehr schockiert.

Ein Großteil der Angriffe gegen den emeritierten Papst sind unhaltbar. Und die Argumentationsgrundlage dazu auch, denn statt eine seriöse wissenschaftliche Beschäftigung und Textexegese zu betreiben, wie wir sie alle schon im Gymnasium gelernt habe, bestehen die meisten Texte aus Angriffe die so gehalten sind, dass wer diesen Widerspricht automatisch an den Rand gedrückt und ebenfalls negiert werden unter dem Motto „ach die Konservativen“, was genau das unmöglich macht, was die Kritiker fordern. Hier wird eine Situation geschaffen, die keine Möglichkeit mehr für eine Zukunft bietet. Dialog, Debatte: Nicht mehr möglich!

Darüber hinaus stelle ich mir die Frage, welche Intentionen hinter manchen der Kommentare und Texte stehen. Auf alle Fälle nicht die Sehnsucht nach einer seriösen Diskussion.

Für mich sind die zentralen Aussagen dieses Textes, also das was ich positiv heraushole:

– Die Missbrauchkrise ist auch im Blick von Gesellschaft, Entwicklung und Mentalität zu betrachten. Ratzinger benennt ganz klare Prozesse, die zu Veränderung im Umgang von Nähe und & Distanz geführt haben. (Viele der seit den 1968er erfolgten Veränderungen mögen zur damaligen Zeit verständlich gewesen sein, wer sich aber heute noch daran ausrichtet erscheint mir an vielen Stellen eher unreflektiert und nicht bereit einzusehen, dass wir an manchen Punkten in eine falsche Richtung abrutschen.)

– Es braucht eine neue und seriöse Diskussion und Auslotung der Moraltheologie, da der Papst der Meinung ist, dass es hier Verschiebungen gegeben hat, die nicht vereinbar sind mit der Lehre der Kirche.

– Es braucht eine Überarbeitung der Ausbildung, genauer der Ausbildungsformen und Themen für Priester. (Kann ich ganz und gar zustimmen!!!! Wobei ich das ausweiten würde auf die gesamte – in vielen Bereichen mehr als veränderungsnötige Ausbildung aller Hauptamtlichen.)

– Es braucht eine auf das Recht (Canonic + rechtliche Grundsätze) basierte Aufarbeitung und Behandlung der Straftaten.

– Es braucht ein Bewusstsein, dass die Straftaten, der Missbrauch ganz explizit, nicht allein eine Ebene der Behandlung braucht. Neben der Bestrafung, Verurteilung und praktische Aufarbeitung braucht es eine Ursachenforschung, denn der emeritierte Papst stellt die These auf, dass diese Straftaten (Missbrauch & Vertuschung) nicht mit einem christlichen Glauben vereinbar sind.

– Veränderungen in der Kirche können und dürfen nicht auf rein menschlichen und irdischen Konstruktionen erfolgen, sondern müssen aus dem Glauben, aus der Mitte heraus erfolgen. Von Jesus Christus und somit ausgehend von der Quelle und dem Höhepunkt: Der Eucharistie.

– Wir sollen wieder neu von Gott aus und auf Gott hin leben. Wir sollen lernen Gott als Lebensgrundlage anzunehmen und aufhören mit den Floskeln. Er fasst seine These hier zusammen mit einem Zitat von Hans Urs v. Balthasar: „Den dreifaltigen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, nicht voraussetzen, sondern vorsetzen!“

 

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Blicke auf den Herrn …

Tageslesung: Num 21, 4-9Das Volk auf der Reise. Harte Zeiten während sie unterwegs sind. Harte Zeiten die vergessen lassen, dass es dort, wo sie herkamen nur vordergründig weniger hart war. Sie murren. Sie wollen alles serviert, ihr Blick verdunkelt sich. Das Schwinden der Dankbarkeit, der Erfahrung, dass es ihnen nun besser geht, dass sie einer großen Gefahr entronnen sind. Neue Gedanken, schlängeln sich wie Schlangen in das Denken. Es sind giftige Schlangen, die sich da ins Denken schlängeln. Das schöne an der Geschichte? Sie erkennen zumindest, dass sie vergiftet werden. Sie erkennen das Problem, entdecken die Lösung aber selber nicht. Wer gebissen wird vom Gift des Unglaubens, des Bösen, der Sünde, der muss erkennen, dass er gebissen wurde – wie die Israeliten – um dann die Medizin der Heilung zu erreichen.

Die Medizin? Der Blick auf Gott, das Hoffen auf ihn, das sich ihm anvertrauen.

Folge/Ergebnis? Das Gift schwindet. Das Leben wird wieder möglich.

Fazit: Das Leben verändern, das ermöglicht Gott. Es braucht dazu aber den einzelnen Menschen. Die Erkenntnis des Menschen, dass er Beistand braucht, dass er vergiftet ist und dann der Willen, dass sich die Situation ändert. Das Leben verändert sich von Gott aus, der vor mir hergeht: Aufschauen, aufrichten, mitgehen!

Was mich heute bewegt …

Heute, am 06. April 2019, denke ich an meine erste heilige Kommunion in der damaligen Pfarrkirche St. Meinrad (Radolfzell) zurück. Das erste Mal, dass ich den Herrn in diesem kleinen Stück Brot ganz annehmen durfte, war heute, vor 33 Jahren, am 06. April 1986. Welch eine lange Zeit. In dieser Zeit habe ich mich vom Herrn entfernt und habe neu zurückgefunden zu IHM. Damals spürte ich es, heute bin ich mir absolut gewiss, dass der Mittelpunkt meines Lebens, die Zielrichtung, der Leitfaden, der Ruhe- und Motivationspunkt meines Lebens Jesus der Christus ist. Ich bin mir dessen so gewiss, dass ich eben diesen Weg, den ich eingeschlagen habe, mit Freuden mein ganzes Leben weitergehen will: In der Gewissheit seiner Liebe und in der Hoffnung, dass seine Liebe durch das Wort, durch die Tat und durch Mitmenschen dauerhaft in mein Leben hineinwirkt und mich trägt. Ich will diesen Weg gehen in einer ganz eigenen Verfügbarkeit für den Herrn. Ich will auf meine Weise, in meiner Form leben, dass die Botschaft Jesu Christi, dass der Ruf, den der Herr an mich persönlich gestellt hat, großartig ist, dass es die absolute Freude ist und in einer liebenden Form radikal ja absolut ist.

Heute, nach 33 Jahren schaue ich auf Phasen in meinem Leben zurück, in denen ich mit meiner Kirche, meiner Glaubensheimat, gehadert habe. Tief spürte ich meine Zweifel an dem was sich in unserer Kirche tut. „Ich glaube an die eine heilige, apostolische Kirche“. Und ich musste lange und schmerzhaft darum kämpfen bis ich gelernt habe zu erkennen: Ich haderte und hadere nicht mit meiner Kirche, sondern mit dem was einzelne Menschen mit der Botschaft Jesu anstellen, wie sehr einzelne Menschen Jesus Christus, seine Botschaft und damit die Menschen verraten, bekämpfen und dem Bösen, der Unmenschlichkeit helfen, die Botschaft der Liebe zu zerstören.

Meine Liebe zur Kirche, die Gewissheit, dass ich mein Leben so leben kann, wie ich es in den letzten Jahren erfahren durfte, liegt allein in der Eucharistie und im Wort Gottes, in der realen Gegenwart des einzigen Du, das absolute Liebe schafft.

Heute, nach 33 Jahren des Fragen, Suchen, Zweifeln, des Gehens und des Kommens finde ich mich in einer Heimat wieder, die mir lange von den vielen „Verbesserern“ und den „Ewig-gestrigen“ vergällt wurde. Viel zu lange habe ich mich zu sehr beeinflussen lassen von Äußerlichkeiten und anderen Mensche. Ich habe an meiner eigenen Haut erfahren müssen und muss es heute noch, dass in unserer Kirche Menschen handeln, die nicht Jesus Christus, sondern eigene Sehnsüchte, eigene Konstrukte, eigene Machenschaften, eigene Glaubenswahrheiten vertreten: Tag für Tag lese ich in den Nachrichten davon (und zum klar stellen, ich meine dabei nicht nur die absolut verabscheuungswürdigen Taten rund um das Thema Missbrauch), erlebe ich in einzelnen Gesprächen und in Handlungen in meinem Umfeld diese Haltungen. Ich könnte diese Erfahrungen nicht aushalten, wenn ich nicht täglich das Wort Gottes höre würde, regelmäßig die Eucharistie erfahren dürfte, ja die Gewissheit hätte, dass ich Tag für Tag mich fallen lassen kann und, gerade in den Worten der Psalmisten, all den Schmerz, all die Trauer und die Enttäuschungen über die Welt herausschreiben kann.

Heute, nach 33 Jahren weiß ich, dass die Eucharistie, diese stehts immer wieder neue erste Annäherung, mein Leben befruchtet, dass sie dem Worten Gottes die Bestätigung (Zeugenschaft) gibt, dass die Worte tragfähig werden und mich tragen.

Heute, nach 33 Jahren weiß ich auch, dass eine entscheidende Gegenwartsform Gottes – die Gemeinschaft – heute in der Gefahr schwebt zu zerbrechen und damit, das Wort und die Liebe der Eucharistie zu versanden, zu schwinden droht. Um das Wort und die immer gefeierte Liebestat Gottes jene Kraft zu schenken, alles zu verwandeln, dazu braucht es die Gemeinschaft der Gläubigen, jene, die sich um den Herrn versammeln. Diese Versammlung, diese Gemeinschaft, in der doch gerade Gott Gegenwart sein sollte, erfahre ich immer wieder fern von einer tragenden Gemeinschaft, denn sie wird aktiv verhindert, zerstört, negiert und viel zu oft, gerade auch von Mitchristen verraten. Gerade hier zeigt sich für mich, dass Glaube und Tat, Empfangen und Sendung, Verwurzelung und Aufbruch, Liturgia, Martyria und Diakonia nicht getrennte Dinge oder Handlungen sind, sondern zutiefst immer eins und aufeinander bezogen sein müssen.

Heute, nach 33 Jahren, bin ich dankbar, dass Gott mir so viel Geschenkt hat, seit jenem Tag im April, an dem er mir eine solch tiefe Geborgenheit, bei ihm und damals in meiner Familie schenkte. Von diesem damaligen Tag an spüre ich in ganz anderer Weise – mal mehr, mal weniger, je nachdem wie ich es zugelassen habe – die Verwobenheit meines Lebens mit IHM.

All die Erfahrung, all die Ruhe, all die Liebe – das habe ich erfahren – wurzelt in der Erfahrung der realen Gegenwart Gott in Wort und Eucharistie. Dank sei Gott!