Klimawandel-Leugner

Wer das Sommerinterview mit dem AFD-Vorsitzende Alexander Gauland gehört und gesehen hat, der hat einen Klimawandel-Leugner gehört. Gauland behauptet, dass der Klimawandel nichts mit dem CO2 Ausstoß zu tun hat. Er bringt das Argument, dass es auch früher Eiszeiten und kalte Perioden gab, aber dass der Mensch an dem aktuellen Klimawandel, zu dem der Mensch aber nichts (oder nicht viel) beitragen kann. Dann führt er weiter aus, dass Deutschland nur an 2 % des CO2 Ausstoßes schuld ist und deshalb auch nicht viel ändern kann. Auch die Idee, dass wir Vorbild sein sollten negiert er. Er tut Klimaschutzpolitik ab, negiert das alles, denn „da ist viel Lobbyismus unterwegs“ und diese Akteure in dem Bereich räumen ihm die Zweifel nicht aus, somit sind sie überflüssig. Als Fazit kann man ihn zitieren und sagen: „Ich (Gauland) glaube nicht, dass es gegen den Klimawandel irgendwas gibt, was wir Menschen machen können“.

Das ist starker Tobak. Da sitzt in unserem Bundestag (da sitzen zig Mitglieder der AFD in Deutschland), die wirklich hinstehen und behaupten, dass wir nichts gegen den Klimawandel tun können, dass wir ja nicht mal wirklich schuld sind am Klimawandel. ich bin nachhaltig geschockt. Ich habe schon den einen oder anderen Klimawandel-Leugner erlebt – aber ich habe immer irgendwie gedacht, dass ein Mensch, der ein bisschen logisch denkt, das nicht mittragen kann. Aber ich irre mich, es zeigt sich an Alexander Gauland und seine Partei, es zeigt sich am aktuellen US-Präsidenten und vielen anderen. Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob die logisch denken können bzw. mit Vernunft oder so …

Aktuell ist in deutscher Sprache ein Buch erschienen, das zuvor in englischer Sprache zum Thema erschienen ist; „The Madhouse Effect“. Geschrieben wurde es von einem Klimaforscher, Michael E. Mann und einem Karikaturist, Tom Toles. Dieses Buch beschäftigt sich eben mit den Klimawandel-Leugner und zeigt genau die Thesen und Reaktionen dieser Bewegung auf. Mann strukturiert die Aussagen der Bewegung in sechs Stufen, von denen einige ungemein mit dem, was Gauland so daher-brabbelt im Interview, übereinstimmt, bzw. die es dem Lesenden ermöglichen das was Gauland sagt einzuordnen.

Wer vor dem Kauf des Buches sich dazu weiter informieren will findet eine ausführliche Rezension und Hinweise auf weitere Internetseiten etc hier: https://bit.ly/2w99Ju3

Wir befinden uns in einem ungemein heißen Sommer. Die Geschichte erzählt uns von vielen heißen Sommern, von Hitzeperioden und von Hungerperioden. Im Gegenzug zur Hitze (zum Jahrhundertsommer von dem ich schon einige mitbekommen habe) gibt es immer öfters Überschwemmungen (selbst in bis vor kurzem ganz unvorstellbaren Regionen) und Naturkatastrophen. Das alles gab es schon immer, klar, aber in dieser Stärke und Häufigkeit? Dazu schmelzen die Polkappen, der Wasserspiegel steigt. Die Frage wird immer brennender: Was geschieht mit den vielen Inseln und Länder die auf höhe des Wasserspiegels, darunter oder nur wenige Meter darüber liegen? Mit den neuen grünen Flächen am Pol werden wir diese nicht kompensieren können. Es tut sich was auf unserer Welt und am stärksten werden es zuerst die armen Länder und Menschen spüren. Ein kleiner Seitenhieb: Aber das dürfte uns ja nicht stören, wir lassen Flüchtlinge ja nicht mehr rein und somit gilt: Solange Hamburg nicht untergeht ist das alles nicht unser Problem.

Auf unserer Erde tut sich was und zwar in einem solch rasenden Tempo, dass es wahrlich keiner mehr leugnen kann, dass wir daran (mit-)schuld sind. Die Frage wird bleiben, wie lange wir es uns noch erlauben so zu tun als wäre alles halb so schlimm. In diesem Jahr haben wir am 01. August jenen Punkt erreicht an dem wir eigentlich über unsere Verhältnisse leben. Jedes Jahr ein bisschen früher ….

Als die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus erschien, machten sich viele darüber lustig. Unter anderem mit solchen Sätzen: „Die Nicht-Nutzung von Plastiktüten ist nun ein Dogma“, oder „Plastiktüten sind nun Sünde“. Papst Franziskus wurde als der grüne Papst belächelt und die Enzyklika entschwand aus dem Gedächtnis. Im Gegensatz zum Versuch vieler Kommentatoren diese Enzyklika als singulärer Text darzustellen und somit als ein Text der, bzw. dessen Inhalt, dessen Forderungen und Gedanken zu vernachlässigen sei, steht dieser Text in einer entscheidenden Tradition des Christentum, die sich auf die Lehre bezieht, dass Gott der Schöpfer dieser Welt ist und uns, den Menschen die Verantwortung zum Erhalt dieser Welt übertragen hat. Es ist unsere Aufgabe, diese Welt zu erhalten und als einen Raum zu bewahren in dem Natur besteht, in dem Mensch und Tier leben kann. Umweltschutz ist ein Dienst am Leben – so schreibt Papst Benedikt XVI. (Botschaft zum katholischen Weltfriedenstag 1.1.2010) und bezieht sich damit auf die Gedanken des Hl. Papstes Johannes Paul II. der eine Humanökologie propagiert (Centisimus annus , 38). Der bald heilige Papst Paul VI. aber auch der Hl. Johannes XXIII. nehmen sich schon davor diesen Themen an und fordern von uns ein Umdenken, eine Übernahme von Verantwortung. Und damit zeigt sich: Die Forderungen des Papstes Franziskus sind Forderungen, die in einer lehramtlichen Tradition stehen. Somit haben sie doppelten Wert. Einmal aus der Logik und aus der Folge von wissenschaftlichen Erfahrungen und Forschung heraus und zum zweiten aus theologischen Aspekten heraus. Da es leider gerade unter traditionelleren Christen eine negative Haltung zum Umweltschutz gibt, die eben auch manchmal bis hin zur Klimawandel-Leugnung sich bewegt, sollte gerade diesen der zweite Aspekt wichtig sein. Wer Gehorsam in dogmatischen Punkten einfordert, der sollte dies bei allen Themen tun – und sich selbst auch dahingehend bewegen, denn christlich-katholischer Glaube ist kein Wunschprogramm oder Selbstbedienungsladen.

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Töten oder nicht?

Mich umtreibt schon seit einiger Zeit ein wichtiges Thema. Das der Abtreibung. Ich empfinde die Diskussion die hier geführt wird nicht als Zielführend, nicht als ehrlich und auch nicht menschenwürdig. Die Argumente der Pro Abtreibung kann ich nicht verstehen, ja ich finde sie geradezu oft zerstörerisch und beleidigend gegen die Menschheit selber. Ich finde aber auch die andere Seite, also die lauten Anti-Abtreibung-Fraktion unerträglich. Einfach nur gegen die Abtreibung zu sein ist mir zu wenig. Es braucht eine grundsätzliche Veränderung zu diesem Thema. Und so habe ich diesen Text geschrieben:

Vor wenigen Tagen hat der Papst einige Änderungen vorgenommen oder vornehmen lassen. Der einschlägige Artikel im KKK wurde nun geändert und die Todesstrafe ist auch von Seiten des Lehramtes ganz und gar abzulehnen. Diese Veränderung ist die Folge einer Entwicklung, eines immer wieder Fragens danach, wie wir unser Leben und unser gesellschaftliches Tun „im Lichte des Evangeliums“, an der frohen Botschaft, dass wir ganz und gar geliebt werden von Gott, ausrichten können.

Die Änderung des Artikels und die nun ganz in der Tradition von Johannes Paul II. und Benedikt XVI stehende Forderung nach Abschaffung der Todesstrafe hat, welch eine Überraschung für mich, in den Social Media sehr negative Kommentare hervorgerufen. Eine große Gruppe von Menschen kann dieses Umdenken nicht verstehen. Es scheint hier, dass es mehr Befürworter einer Todesstrafe gibt, als ich irgendwie erwartet habe. Wie der Papst sagt gibt es verschiedene Ebenen, warum die Todesstrafe abgeschafft gehört. Zu aller erst widerspricht sie der menschlichen Würde und unseren Zehn Geboten. Der Mensch hat kein Recht einen anderen Menschen zu töten, ihn am Leben zu hindern. Egal wie bösartig er sein mag. Eine sehr eng gefasste Ausnahme mag es hiervon noch geben, der Tyrannenmord. Dieser bleibt aber ein Problemfall zwischen Notwendigkeit, Verteidigung gegen das Böse und Schutz aller Menschen. Die Vorstellung, dass der Mensch von Gott geschaffen ist und grundsätzlich nach dem Guten strebt muss auch für Tyrannen, Diktatoren und Mörder gelten. Wir müssen hoffen, erwarten und auch die Möglichkeiten schaffen, dass böse Menschen sich ändern können. Ein weiteres, rein menschliches Argument was noch zur Ablehnung der Todesstrafe hinzukommt ist die Frage nach dem Justizirrtum. Eine vollzogene Todesstrafe kann nicht behoben werden und auch hier wird nicht die Möglichkeit zur Besserung geschaffen.

Aber wie gesagt, es fasziniert mich, dass wir heute in unserer Gesellschaft wohl wieder einen größer werdenden Anteil an Befürwortern der Todesstrafe bekommen. Töten in Einzelfällen ist wohl wieder gesellschaftlich stärker akzeptiert. Oder ist es einfach der Fall, dass es einfacher ist? Man schafft sich mit einer Forderung nach Tötung das Problem vom Leib. Und danach ist ja auch wieder alles gut. Ist es das aber wirklich? Ist alles wieder gut, wenn der/die TäterIn getötet wurde? Sind Wunden geheilt, Strafen gebüßt? Doch wohl eher nicht, oder? Vielmehr sind weitere Auseinandersetzungen umgangen. Heilung, Buße, Sühne und Verzeihen – all das ist durch eine Tötung nicht erreicht und mit dem Gefühl der Genugtuung zu leben ist auch nur eine Ausflucht.

Eine andere Form der Tötung, die immer wieder salonfähig gemacht werden soll ist die Tötung am Anfang und am Ende des Lebens. Während die Todesstrafe Ausdruck der Freiheit der Gesellschaft sein soll, sich von ihren Problemen zu befreien, so soll die Möglichkeit der Tötung am Anfang und Ende des Lebens auch Freiheit ausdrücken. Die Freiheit der Mutter soll gewahrt bleiben, denn ihr Bauch gehört nur ihr und die Freiheit des Menschen, der sich aufgrund von Krankheit und Gebrechlichkeit unfrei fühlt (oder zu fühlen hat), soll gewahrt bleiben in dem er seinem Leben selbstgewählt (?) ein Ende setzt.

In beiden Fällen werden emotionale Argumente gebracht. Bei der Tötung am Lebensanfang, der Abtreibung wird immer wieder auf Vergewaltigungen hingewiesen, auf Lebensgefahr bei der Mutter. Aber erstmal dazu ein paar Zahlen: Abtreibungen aufgrund von Vergewaltigungen erfolgten in Deutschland nach der Erhebung des statistischen Bundesamtes im Jahr 2017 20 mal. Aufgrund medizinischer Indikation waren es im gleichen Jahr 3.911 Fälle. Nach Beratung erfolgten in Deutschland dann weitere über 97 Tsd. Abtreibungen.

Schmerzt das keinen? Der Mensch bezeichnet sich ja gerne als Vernunftswesen. Wir sind ja auch sehr gerne human. Was uns doch eigentlich verpflichtet ethisch zu sein, moralisch zu sein, Verantwortung zu übernehmen. Wer übernimmt die Verantwortung, dass wir uns in einer Gesellschaft befinden in der es wohl irgendwie normal ist, dass über 97 Tsd. junge Menschenleben getötet werden. Auf diese Aussage werden wahrscheinlich auch weitere emotionale Argumente kommen: zu jung, ungeplant, kein Geld, Schicksalsschlag, … im Einzelfall sicher alles zu verstehen. Aber jeder Einzelfall ist eine Anklage an die Gesellschaft, denn nicht die Abtreibung, das Recht auf Tötung sollte ein Menschenrecht sein, sondern die Würde des Menschen, die Möglichkeit, dass jeder Mensch leben kann sollte im Mittelpunkt stehen. Auch die Würde des noch ungeborenen Lebens. Abtreibung ist nicht Ausdruck der Freiheit. Von wem auch? Vom Kind? Von der Mutter? Abtreibung ist das sichtbare Versagen der Gesellschaft, dass die Menschen in unserem Staat eben nicht alle würdig leben können.

Wer übernimmt die Verantwortung dafür, dass wir das Recht des Menschen auf Leben am Anfang des Lebens mit Füßen treten? Wer übernimmt endlich die Verantwortung, dass (junge) Frauen in einer Gesellschaft leben in der sie nicht die Möglichkeit haben Kinder zu bekommen, wenn es ungeplant der Fall ist. Auch die 20 Abtreibung durch Vergewaltigung sind zu viel. Nicht weil ich die Frauen nicht verstehen kann sondern weil wir in einer Gesellschaft leben in der Vergewaltigung noch vorhanden ist. Abtreibung ist eine Reaktion auf Symptome, keine Sicherung der Lebensqualität unserer Menschheit.

Das Recht auf Leben, das sich durch den Satz „Du sollst nicht töten“ und durch die Würde des Menschen aus der Ebenbildlichkeit heraus ergibt ist mehr als ein Nein zur Abtreibung. Es ist die Forderung, dass wir auch wirklich ein Leben in Würde leben können und dass es irgendwann keine menschlich hervorgerufenen und nicht veränderbare Gründe mehr geben kann um Abtreibungen in Erwägung zu ziehen.

Die Verantwortung, dass sich was verändert liegt nicht bei irgendwelchen „da oben“ und kann auch nicht durch irgendwelche halbherzigen finanzielle Unterstützungen abgewendet werden. Die „da oben“ haben die Verantwortung, das Leben juristisch zu schützen. Die Veränderung, die erfolgen muss liegt bei „denen da unten“ – bei jedem von uns, in der Gesellschaft selber.

Wer das Recht auf Leben ernst nimmt, der kommt in Einzelsituationen (Vergewaltigung, medizinische Indikationen) in ein Dilemma. Schutz des Lebens ist keine einfache Sache, es ist eine lebensentscheidende Frage für Kind und Mutter und für alle Menschen, die zur Mutter gehören. Aber dieses Dilemma gilt es auszuhalten. Deshalb haben wir Menschen den Verstand, darin zeigt sich die Freiheit des Menschen und die Würde, dass er eben in einem Dilemma zu einer gut abgewogenen Entscheidung gelangt. Familie und Freunde, Seelsorger und Beratung haben hier in den einzelnen Situationen den Weg mitzugehen und eine Entscheidung zu begleiten. Die Entscheidung dazu kann alleine die Frau treffen, in der Gewissheit, dass sie geliebt wird und dass sie nicht alleine ist. Die Entscheidung kann aber nicht befördert oder abgewendet werden indem Abtreibung pauschal legalisiert oder verharmlost wird.

Somit nochmal: Wer übernimmt die Verantwortung für die Menschen? Für die ungeborenen aber auch für jene, die sich für eine Abtreibung entscheiden (müssen). Mit Geld und einer Beratungssitzung ist das nicht getan. Die Mütter bleiben allein mit ihren Ängsten und Sorgen. Wir drücken uns davor hier zur Seite zu stehen. Viel lieber fordern wir das Recht auf Abtreibung, wir legalisieren die Abtreibung! Das ist keine Hilfe, kein Einstehen für Rechte, das ist ein Abhauen vor dem Dilemma, vor der gegenseitigen Verantwortung für all die Menschen, die in Situationen sich befinden in denen Abtreibung eine Frage wird.

Freude!

Seit einigen Tagen blättere ich wieder in dem Buch „Mein Italien“ das Texte von Franca Magnani versammelt. 1984 interviewte sie Adriano Celentano. Daraus gefällt mir ein kleiner Dialog, den ich hier zitiere:

F. M.: „Also denn – wie möchten Sie im „anderen Leben“ empfangen werden?

A.C.: „Sie meinen „oben“? Ja, da möchte ich mit Freuden empfangen werden. Aber nicht Freude im Sinn von Beifall . Ich meine einfache Freude, wie jene, die man empfindet, wenn man mit einem Freund bei einem Glas Wein Karten spielt …“

Ist das der Himmel? Wie ist der Himmel? Was erwartet uns da? Wie er ist, keine Ahnung, Ankommen in der reinen Glückseligkeit? Egal wie er beschrieben ist, wir wissen es nicht, aber es gibt ihn und ich freue mich auf ihn, wie auf den morgigen Tag und ich hoffe auch darauf, dass der Himmel ein bisschen so ist, wie einer dieser Momente, den wir mit Menschen verbringen, die einen lieben: Also einer dieser Momente, in dem wir sagen: Ja, so wie es ist, so ist es gerade gut. Ich fühle mich voll und ganz angenommen. Eventuell ist es der Moment auf den Faust wartet: „Oh Augenblick, verweile doch“