Berlin 2017 2. Tag Bibelreise

Der Rhythmus der Tage hier in Berlin ist gleich wie auf der Israelreise. Aufstehen, richten und eigene Gebete, gemeinsame Laudes, Frühstück, Einführung in eines oder mehrere Bücher, Lesezeit, Treffen und Termine, Gottesdienst und Abendessen.

So sollten am ersten Tag die beiden Bücher Apostelgeschichte und Offenbarung des Johannes gelesen werden. Da ich kein so schneller Leser bei diesen Texten, habe ich vor der Reise schon einmal die Apostelgeschichte in Freiburg gelesen und mich somit heute allein auf die Offenbarung konzentriert. Dies ermöglichte mir dann eben auch ein bisschen Zeit um mich in der Stadt umzusehen. Berlin besuche ich ja zwar nicht zum ersten Mal aber doch schon dahingehend zum ersten Mal, dass ich auch Zeit habe um mir etwas anzuschauen. Und das tat ich auch. Anlaufstelle war zuerst für mich das Mahnmal zur Erinnerung an die Shoa. Ausgehend von diesem Zielpunkt schlenderte ich durch die Stadt. Dort hatte ich Zeit, um mit dem Lesen anzufangen, was ich an zwei weiteren Stellen in der Stadt dann auch weiter tat. Einziger gemeinsamer Termin nach den beiden Einführungsreferaten am Morgen war um 16:30 Uhr der Besuch einer Ausstellung, eher Installation, zu Hieronymus Boschs Triptichon „Garten der Lüste“. Gerade im Blick auf das zweite zu lesende Buch des Tages war der Besuch dieser Ausstellung hochinteressant. Bosch ist nicht nur ein guter Maler sondern hat ein Werk hinterlassen, das sich einer einfachen Interpretation doch entzieht. So viele Bilder in Bilder, so viel Bildsprache … faszinierend und manchmal witzig bis erschreckend.

Danach sind wir in den Gottesdienst in die St. Hedwigskathedrale. Dort ist um 18.00 Uhr in der Krypta der Werktagsgottesdienst. Vielen ist diese Kirche ja irgendwie hässlich. Ich finde das nicht, aus meiner Sicht würde ein Anstrich ausreichen, aber ich muss hier ja nicht täglich feiern.

Zum Abendessen zogen wir in Richtung Gendarmenmarkt. An einem bayrischen Lokal wollten wir halt machen. Einer der Kollegen frug, ob sie Platz hätten für uns elf Esser. Dies verneinten sie und danach erfolgte so eine typische „Björn-Geschichte“. Da ich echt keine Lust hatte jetzt von Lokal zu Lokal zu wandern, drehte ich mich zu zwei Herren um, die an einem Weinfass standen und was tranken und sagte ganz frech und flapsig: „Sorry, sind sie Eingeborene?“, die beiden meinten darauf: „Kommt darauf an“ (schon mal ne witzige Antwort), „warum“. Als ich erklärte, na weil die Wirtschaft hier keinen Platz für uns hat und wir was anderes suchen müssen, meinte der jüngere der Beiden: „Ähm, Moment, das kann nicht sein“ – ich hatte also völlig unwissend den Chef angesprochen … und ein paar Minuten später hatten wir einen Sitzplatz. Das war mal wieder so eine ganz besondere Situation. Meine Kollegen hatten somit eine weitere witzige Erfahrung mit mir gemacht. Ich kann halt meine Gosche nicht halten.

Nach dem Abendessen war die Möglichkeit durch die Stadt zu ziehen. Ich verabschiedete mich, denn ich war spontan auf einen Geburtstag eingeladen. Eine liebe Bekannte aus den Tagen in Rom, die nun wieder in Berlin arbeitet, hatte Geburtstag und diese hatte mich, nach einem kurzen Gespräch am Tag zuvor am Telefon, eingeladen. Somit ging es in den Bezirk „Prenzlauer Berg“. Dort hatte ich dann die Möglichkeit „ganz normale“ Berliner kennenzulernen. Das hört sich jetzt an wie wissenschaftliche Feldstudien. Soll es nicht, es war ein angenehmer Abend bei dem ich wieder einmal als völlig Fremder in eine Gruppe hineingeworfen wurde, in der ich von gut 25 Personen gerade mal zwei kannte. Die Gastgeberin und ihr Mann. Manchmal überfordert mich so etwas doch. Ich habe doch irgendwie immer die Angst nichts zu Reden zu haben, langweilig zu sein oder irgendwas dummes zu sagen. Aber es war unterhaltsam und kurzweilig und ich habe mich – so denke ich- nicht zu sehr blamiert.

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Berlin 2017 1. Tag Bibelreise

Und weiter geht’s! Diesmal nach Berlin. Warum? Ganz groß gesagt: Um die Texte der jungen Gemeinde im Kontext der Großstadt, der katholischen Diaspora zu lesen und aufzunehmen. Paulus schreibt an Großstadtgemeinden. Wir sind in einer solchen. Paulus schreibt auch zum Thema Politik & Kirche. Wir bewegen uns in den nächsten Tagen zwischen diesen Welten. So habe ich zumindest den Sinn dieser Reise verstanden.

Ups, die sprechen ja Deutsch! Natürlich, wir sind ja auch in Deutschland. Irgendwie kommt das in meinen Kopf nicht rein. Reisen ist ins Ausland … so spuckt die Regel in meinem Kopf. Ich weiß nicht wann ich zuletzt innerhalb Deutschland verreist bin und Dann auch noch geflogen. Was einem der Kopf so alles vorgaukelt.

Abfahrt 08:00 Uhr nach Basel, mit Flieger nach Berlin-Schönefeld und mit der S-Bahn in den Wedding. Die letzte Schritte zu Fuß in unsere Unterkunft – das wäre die Reise gewesen. Wir sind in einer ehemaligen Fabrik untergebracht. Es schließt sich an eine „Hausbesichtigung“ und eine schnelle Tour durch die Stadt für jene, die noch nie hier waren und einen Überblick brauchen. Gottesdienst in St. Hedwig und Abendessen in der Berliner Republik. Zurück. Ein bisschen Gespräch und ins Bett und der Tag ist vorbei.

Da wir in der Osloer Straße wohnen fuhren wir bis zur Haltestelle Bornholmer Straße. Also voll rein in die Deutsche Geschichte. Hier begann schlussendlich das Wunder von Berlin. An jenem Abend sammelten sich hier, nach der Ankündigung im Fernsehen von Schabowski, die DDR-Bewohner und prüften dessen Aussage. Um 23:30 erhoben sich die Schlagbäume und die DDR hatte endgültig ihre Zähne eingebüßt. Mir bleiben wahrscheinlich ewig die Bilder im Kopf, jener Nacht, in der ich selber gerade 12 Jahre alt war. Mit solchen Erinnerungen im Kopf bin ich stolz einen deutschen Pass zu haben. Das Verhalten der Menschen in jener Nacht, das und alles was dazu drum herum geschehen ist, ist der Grund für eine neue Friedensordnung der Welt, für das neue Europa also für das, was dumme Menschen heute wieder kaputt machen wollen, bzw. aktiv daran sind es zu tun. Das Gegenteil unserer heutigen Situation ist das, was wir bis 1989 hatten, das dürfen wir nicht vergessen.

Bei einem Zeitzeugen, einem politisch handelnden jener Zeit und jener Veränderung hatte ich am Nachmittag einen kurzen Besuchstermin. In der Konrad-Adenauer-Stiftung traf ich den Vorsitzenden der Stiftung und ehemaligen Präsidenten des Europaparlamentes Prof. Pöttering. Spontan hat er sich Zeit genommen und wir hatten ein nettes Gespräch, wie man so sagt über „Gott und die Welt“. Raus ging ich also mit weiteren guten Gedanken und zwei Büchern, die er mir schenkte. Nach dem Termin schloss ich mich wieder der Gruppe am Brandenburger Tor an. Wir spazierten dann gemeinsam Unter den Linden in Richtung Hedwigskirche und machten einen kurzen Abstecher ins „Willy-Brandt-Forum“. In St. Hedwig feierten wir in der Krypta, in nächster Nähe zum Seligen Bernhard Lichtenberg, die Messe mit. Ich kann mich mit dem Stil dieser Kirche recht gut anfreunden, muss ich sagen.

Den Abend verbrachten wir in der „Berliner-Republik“. Ganz nettes Restaurant. Jetzt nicht das, in das ich jeden Abend gehen würde, aber ganz O.K. Das Essen war gut, aber schon „sehr genau bemessen“ und für Biertrinker ist das ja ein Eldorado.

Kaum waren wir draußen aus dem Restaurant zeigte sich mal wieder wie klein die Welt ist. Wir wollten zur Haltestelle und wer läuft mir über den Weg: Eine ganz liebe Tunslerin mit Freundin und dessen Freund. Die beiden Mädels und eine weitere Freundin hatten mich auch in Rom einmal besucht, worüber ich mich sehr gefreut hatte. Und jetzt, zwischen all den Menschen laufen wir uns in Berlin – völlig ungeplant – in die Arme. Mal wieder ein Beweis, wie klein doch die Welt ist. Einfach schön.

Frühlingsstimmung

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Das war der heutige Kommunionvers. Ja, dass das stimmt das kann man an solch einem schönen Frühlingstag echt erkennen, verinnerlichen. Die Bilder die ihr anschauen könnt sind zwar von gestern, von meinem gestrigen Spaziergang in Richtung Altem Friedhof, aber sie hätten auch heute gemacht werden können.
Welch eine Fülle an Farben und welch eine Wohltat ist es doch, wenn die Sonne scheint. Diese Jahreszeitenerfahrung hatte ich in dieser Form in den letzten Jahren ja nicht – was ich auch nicht vermisst habe – aber jetzt wo ich wieder in Freiburg wohne nehme ich das richtig in mich auf. Die ersten zwei Tage nach unserer Rückkehr aus Israel war es ja so ein richtig kaltes Wetter aber jetzt, jetzt ist es Frühling und wer das so auf sich wirken lässt kann gut verstehen warum die deutschen Dichter so süße und manchmal auch kitschige Gedichte gemacht hat. Es ist einfach eine wunderbare Erfahrung – denn in all dieser Fülle und Pracht, in all diesem Füllhorn an Farben, Gerüchen, Bildern kann der Gläubige wirklich aufatmen und sagen: Ja, Gott IST. Bei all diesem muss es einen Schöpfer geben, denn ohne dies hat das alles keinen Sinn.

Das Wetter befreit das Herz und den Verstand von allem trüben. Und da ist es am Abend dann auch leichter zurückzuschauen. Viel mehr kann man im strahlenden Licht sehen als an anderen Tagen. Irgendwie sehe ich alles was war viel klarer – auch das, was ich verbockt habe … Gestern war das auch im Abendgottesdienst so. Die Säulen im Münster waren lila-blau vom hereinfallenden Abendlicht und nach und nach wanderte dieser Sonnenstrahl auf das große Fastentuch und strahlte am Ende, zum Segen genau den gekreuzigten an. Ganz großes Kino! Heute war das leider nicht so. Trotzdem kann ich jetzt beim Schreiben zum Fenster hinaussehen und kann den blauen Abendhimmel genießen.

Ja, die letzten Tage waren gut. Das kann ich schon sagen. Zwar bin ich wie immer hinter meinem geplanten Tagespensum geblieben, aber es geht aufwärts und ich bin schlussendlich zufrieden. Die Immatrikulation an die Uni ist abgeschlossen, ich habe mich dann auch durch die ganzen Programme gequält die es für den Stundenplan, Kennwörter etc. gibt. Gerade die ganzen Anmeldeprogramme finde ich sehr nervig. Je mehr ich da wieder hineintauche muss ich sagen: Das Ganze (nicht mein Studium, sondern allgemein) geht nach hinten los! Das gesamte Studium hat einen organisatorischen Überbau der absolut unpassend ist. Und dazu kommt echt noch, dass der Student wirklich kein Student mehr ist. Im besten Falle – nichts gegen diese – ist er noch ein Schüler der allein stupide das erledigt, was zu erledigen ist. Also ich versuche das jetzt echt nochmal mit einer gewissen Offenheit anzugehen, und werde davon auch in Zukunft berichten, aber was ich bisher schon so sehe ist echt nicht O.K. Nur denke ich, dass sich da schon alle so eingerichtet haben, dass da sich nicht viel mehr bewegen wird. Am Sonntag schrieb ich ja von Europa. Da muss Europa echt nochmal schauen, was getan werden kann. Bologna ist echt kein Erfolgskonzept.

Aber nichts desto trotz, auch das ist nur Episode. Ansonsten kann ich ganz viel lesen. Gestern den ganzen Tag die Herder Korrespondenz vom April mit ein paar echt guten Sachen drin, einen Krimi habe ich gelesen, zu dem ich eventuell auch mal noch was schreibe (O’Brian; Irische Nacht), ich bin weiter gekommen mit meinen Texten zum Thema Christologie bei Luther. Echt spannende Thematik, wenn auch an manchen Stellen für mich Blondchen doch auch nicht so einfach. Das kleine Büchlein „Leises Schlängeln“ von A. L. Kennedy habe ich fast gefressen – einfach schön und gerade lese ich, was wirklich viel zu spät ist, weil ein gutes Buch, von Waltraud Lewin „Feuer. Der Luther-Roman“. Bin jetzt in der Hälfte. Kann ich empfehlen.

Und ich konnte heute sogar mit dem Rektor ein bisschen über Literatur reden. Oh wie ich das vermisse. In Facebook habe ich eine Anfrage nach einem Literaturkreis gestellt. Mal schauen, ob das was wird. Und heute Abend vor der Messe war ich noch an der Dreisam spazieren mit einer Freundin aus den Sasbachertagen. Das Wetter und gute Gespräche … passt!

Am Donnerstag geht’s nach Berlin. Zum spontanen Einstieg habe ich gestern noch die Freude gehabt – fast mitten in der Nacht – mich mit einem lieben Freund aus Berlin zu treffen. War echt auch schön, wenn ich dann auch heute fast nicht aus dem Bett gekommen bin und – oh Schande – heute Mittag echt eine Stunde geschlafen habe. Was ich so gar nicht kenne. Liegt ,denke ich, auch an der Sommerzeit.