Zufrieden und hoffnungsvoll – Tagung III.

Nun sitzen wir wahrscheinlich – oder hoffentlich – alle wieder bei uns zuhause. Erstens gesund und zweitens doch sicher ganz zufrieden, wenn wir auch nicht all das so umgesetzt haben an der Tagung, wie es manche gedacht und geplant hatten.

Es ist ein weiterer abgedroschener Spruch, die Behauptung, dass nicht immer die greifbaren Ergebnisse und Protokolle das Wichtige sind bei solchen Terminen, sondern das, was scheinbar so nebenher geschehen ist. Abgedroschen ja, aber halt doch auch wahr.

Im vorherigen Post habe ich ja schon ein bisschen davon berichtet, was mich so überrascht hat. Es war die Offenheit und der Respekt, den ich in diesem Kreis erlebt habe. Überrascht hat mich das, weil ich eben aus meiner Erfahrung der letzten 10-15 Jahren andere Zeiten erlebt habe und Vertreter der kirchlichen Berufe, die entweder direkt polemisiert oder aktiv gegen die andere Berufsgruppe gearbeitet haben. Das waren nicht wenige, die ich so erlebt habe. Und das habe ich an diesem Wochenende, wie auch in den letzten Wochen und Monaten schon immer wieder, in dieser Form bei den aktuell studierenden in dieser Form nicht mehr erlebt. Es ist noch nicht der Rahmen entstanden den ich mir wünschte, dafür gibt es noch zu viele Ausbildende und Wortführende, die in der Sprache und Haltung mancher Gruppierungen und vergangener Generationen und Denkschablonen verhaftet geblieben sind und die jüngeren Theologinnen und Theologen damit prägen. Aber wir sind auf einem guten Weg des neuen Miteinanders, wo wir irgendwann nicht mehr zwischen Berufsgruppen, zwischen sogenanntem links und rechts, zwischen sogenanntem liberal und konservativ Gräben schaufeln. Eventuell lernen gerade in diesem Bereich solche Gruppen wie BDKJ, ZDK und die adäquaten „Gegenspieler“ in den anderen teilweisen doch recht extremen Gruppierungen etc. dies irgendwann auch einmal.

Aber zurück zur Tagung. Der Samstag begann ja mit einem Vortrag, der inhaltlich sicher interessant war und dessen Dozent auch kompetent, aber ein bisschen an einem großen Teil der Zuhörenden vorbei ging. Genauer gesagt an den Seminaristen. Zum Schluss kam der dozierende auf die Kompetenzen, die es zur Leitung braucht. Es stellte eine Liste vor, die stimmig war, für jedes Wirtschaftsunternehmen aber eben nicht ausreichend für kirchliche Leitung. Diese Liste brachte mir zwei Punkte: Erstens, dass wir dringend aufpassen müssen, dass wir nicht in eine falsche Richtung laufen, wenn wir mit Wirtschaftsunternehmen zur Beratung zusammenarbeiten. Zweitens war die Liste eine gute Grundlage für eine der später sich formierende Gesprächsgruppe zum Thema „Gemeindeleitung der Zukunft“.

Es gab drei Gesprächsgruppen. Die genannte, eine zum Thema Missbrauch/Studie etc. und eine zum Thema Ausbildung. Alle drei Gruppen hatten lebendige Diskussionen, eifrigster Austausch und irgendwann – was aufgrund der Fülle des Redebedarfs und des Mangels an Zeit schwer war – die Aufgabe, eine kurze Zusammenfassung der Diskussion und eventueller Konsense zu erstellen.  Diese wurden anschließend auch den anderen vorgestellt. Dabei wurde der Gedanke zurückgestellt, daraus ein Statement zu erstellen. Nicht, weil das nicht gut war, was gesammelt wurde, sondern allein deshalb, weil wir zu wenig Zeit hatten, all die Gedanken und Ansätze so zusammenzustellen, dass daraus ein Arbeitspapier werden konnte, das wir auch der Öffentlichkeit vorstellen wollten. Dies galt am Samstagabend erstmal nicht für unser Statement zum Thema Missbrauch. Eigentlich wollten wir und das wurde auch, daran weiterarbeiten und daraus für den heutigen Tag ein Statement dazu herausgeben. Nach weiteren Diskussionen, nach so vielen wunderbaren Gesprächen und auch aktiv geführten Gesprächen zeigte sich aber auch hier: So schnell geht das nicht.

Jetzt mag manchem das zu wenig sein. Ich finde es nicht. Warum? Erstens haben wir gemeinsam gearbeitet, uns ausgetauscht und gemeinsame Positionen beschrieben. Zweitens haben wir uns im Plenum darauf geeinigt weiter zu arbeiten und zuerst einmal ein kleines Papier zum Thema „Missbrauch“ gerade auch mit Blick auf unsere Ausbildungssituation herauszubringen. Das ist super, denn eben: Das soll gemeinsam geschehen. Interaktiv, digital und offensiv, so dass wir als Veröffentlichungsziel den Januar angesetzt haben. Also genau passend zur Sitzung aller Vorsitzender der Bischofskonferenzen beim Papst zum Thema. Wir nehmen das Thema und ganz besonders die Betroffenen ernst und wollen uns für diese und auch für unsere Zukunft einbringen. Seriös, qualitativ und motiviert!

Ich bin gespannt wo das weiter hin geht. Freu mich darauf.

Eine kleine positive Rückmeldung gab es für mich persönlich in der an die Morgendebatte sich anschließenden Versammlung der Deutschen Seminarsprecherkonferenz. Dort wurde ich als Vorsitzender vorgeschlagen. Dies hat mich gefreut, auch wenn ich dieses Amt nicht haben wollte und somit auch bei der Wahl nicht geworden bin. Die Frage kam heute nicht zum ersten Mal, mehrmals an diese Wochenende. Das war irgendwie schön.

Auch der Austausch in dieser Runde war sehr gut und auch wenn ich eher kritisch all dieser Gruppierungen, Verbände und Sitzungen bin, denke ich, dass es gut ist, dass es einen Austausch hier gibt.

Es gab wirklich viele gute Gespräche und ein gutes Miteinander. Klar natürlich an den beiden Abenden, die gefüllt waren mit privaten Gesprächen über Gott und die Welt, Politik und Gesellschaft aber eben auch immer wieder sich um unsere Situationen, Ausbildungen und die aktuell uns bewegenden theologischen Themen sich drehten. Das war gut. Genauso gut waren kleine gemeinsame Erfahrungen des Gebets, der geistlichen Zeit. Gerade wir Priesteramtskandidaten werden in all den Diskussionen über uns, ganz oft instrumentalisiert und sogar vergessen. Dort wo es um uns geht in den Diskussionen zeigt sich immer wieder, dass es nicht um uns geht, sondern um Ideologien, die erkämpft werden, mit allen Mitteln, auch mit verschiedenen Formen der Beleidigung etc. Dies erlebe ich auch viel zu oft von Mitchristen ja von hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Diese kleinen negativen Erfahrungen im Alltag werden weggewischt, wenn es Erfahrungen gibt, wie an diesem Wochenende. Jeder in der Gemeinschaft der Kirche – darum geht es und das zeigt sich gerade auch, wenn ich erlebe, dass StudentInnen auch das Stundenbuch in die Hand nehmen und mit uns an den verschiedensten Lebensorten und gerade auch bei der Tagung in das Lob Gottes einstimmen oder wenn Liturgie nicht mehr für Abtrennungen, sondern zur Einheit verwendet werden. Gerade das hat mir sehr gutgetan.

Das erlebe ich auch, wenn sich zukünftige Pastis und Priester die Frage stellen: Wie geht es dir? Wie erlebst du das mit dem Missbrauch, mit den Problemen in der Kirche, der Unsicherheit der Zukunft, etc.? oder bei den vielen anderen persönlichen Fragen, die zeigen: Ich habe Interesse an dir, denn du bist zuerst Bruder und Schwester in Christus.

Fazit: Es war keine heile Welt die Tagung, nicht alles und nicht jede Meinung und Haltung und Aussage hat mir gefallen, aber es war gut, dass es die Tagung gab. Gut für eine gemeinsame Zukunft. Gut für meine Entwicklung, meine Zukunft, meine weiteren Gedanken. Gut für ein weitergehen, gut für eine Zeit der Veränderung, die wir vor uns haben.

Wunsch: Die aktive Förderung der Regenten und der Ausbildungsleitungen, dass solche Tagungen öfters stattfinden und nicht geprägt sind von der Frage der Finanzierung.

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Tagungsausflug I.

Samstagmorgen – puh ein bisschen müde und wahrlich nicht mit viel Lust ausgestattet zu einem Tag mit Vorträgen, Austausch- und Diskussionsrunden. Trotzdem steht’s as an und zwar in Münster im Priesterseminar, zur gemeinsamen Konferenz der Vertretungen für die Seminaristen in Deutschland und für die Pastoralreferentenausbildung in Deutschland. 

Angereist sind wir schon ganz brav im Dialog. Wir aus Freiburg – für beide Berufsbereiche je zwei männliche Vertreter und somit ganz und gar nicht brav paritätisch – sind gemeinsam mit dem Auto angereist. Erste Lehre: deutschland und Autobahnen; das ist wahrlich keine Schnellfahrstrecke ….Im Durchschnitt 100, Baustellen, Stau …schlechte Straßen. Die Strecke nach Münster von Freiburg aus ist mehr als weit … Dafür Gäbswein zumindest gute Gespräche, eifrige Diskussion rund um Theologie, Liturgie, Kirche und Welt – und dazwischen stand ein Besuch im Gasthaus „Goldener Bogen“.

Der erste Abend war sehr kirchlich gestaltet. Damit meine ich nicht viele Gottesdienste und Gebetszeiten sondern sehr klassisch fern von der Wirtschaft mit Ankommen, kennenlernen, Führung durchs Haus und geselliger Abend. Dazwischen gab’s aber – es sind ja auch Priesteramtskandidaten in der Runde – die Vesper. Und ein spannender weiterer Blick auf die Präsenz der Teilnehmenden im Kirchenraum. Spannend, spannend und sehr erfreulich – immer wieder. 

Heute am Samstag gehst dann um einzelne Fachthemen und ganz besonders um Kompetenzen, Zukunft in der Gemeinde mit dem Blick auf die Handreichung. „Gemeinsam Kirche sein“. Ich bin mal gespannt, was da so kommt. 

Vinzenz von Paul

Der heilige Vinzenz, an den die Kirche heute denkt, ist mit Sicherheit einer der Väter der heutigen Caritas. Sein Werk ist grundgelegt in einem radikalen Blick auf die Armen und Kranken, denn in ihnen sah er Jesus Christus.

Aber für mich gilt seine Arbeit im Bereich der Priesterausbildung gerade als wichtiger, denn in ihm kann ich ein Vorbild sehen, in seinem Worten und seinem Tun eine Leitplanke, die mich in meiner Ausbildung begleiten kann. Er schuf die Seminarstruktur, die wir heute kennen. er führte Exerzitien vor der Weihe ein, prägte die Seminare mit einer grundsätzlichen Gebetshaltung und sah den Dienst der Priester eben ganz klar in einem Dienen.

Was das Schwert für den Soldaten, das ist das Gebet für den Diener des Altares!“ – Das mag zwar ein bisschen Hart für unsere Ohren klingen, aber es ist doch die Grundlage des priesterlichen Lebens. Das Leben des Priesters muss vom Gebet geprägt sein. Nicht das Gebet vom Leben eingeschränkt werden. Eventuell haben wir diesen Aspekt in unserer Ausbildung im Leben der Priester vergessen oder verdrängt. Das Gebet, in seiner vielfältigen Form von Caritas & Eucharistie, Stundengebet, Anbetung, Buße und Beichte und all den anderen Formen, brauche ich um so zu leben, wie es der Priester tun soll. Wenn dies weg fällt, wenn dies nicht mehr die Mehrheit der Stunden am Tag prägt, gilt es die Lebensform in Frage zu stellen.

Vinzenz von Paul hat die Aspekte erkannt, an denen die Priester in allen Zeiten immer wieder immer wieder scheitern. Es ist die schwierige Situation zwischen Entweltlichung und in der Welt leben und den Menschen dienen. Es ist immer ein schwieriges Unterfangen den Weg zur Heiligkeit zu gehen. Viele rutschen ab, ob in einer zu starke Weltlichkeit oder in irgendeine Form des Radikalismus oder Fanatismus.

Deshalb führte der Heilige Vinzenz die Dienstagskonferenzen ein „um ihnen (sic: den Priestern) zu helfen, sich in ihrem Beruf zu vervollkommnen“. Vinzenz will für die Priester eine seriöse Ausbildung und auch später eine Unterstützung zu einem geistlichen Leben. Das sind Forderungen, die heute wieder absolut Thema sind (oder sein sollten). Alles natürlich unter der Grundlage, dass wir wissen, was wir wollen. Vinzenz wollte Priester, Seelsorger, geistliche Menschen. Wenn wir das auch wollen, dann muss sich die Ausbildung, dann muss sich das Stellenprofil verändern. Auch wieder nichts anderes, als das was Vinzenz angestrebt hat.

Was mich amüsiert ist die Tatsache, dass er den Theologen einschärfte, nicht in ihrem Elfenbeinturm zu bleiben und nicht eine Sprache zu sprechen, die niemand versteht. Schon damals wird klar, dass die Sprache wichtig ist, dass der Priester, der Theologe nicht einfach weiter vor sich her schwätzen kann und darf. Uns so will Vinzenz klare Worte, schlicht, ohne Schnörkel und ohne Sätze die einen mehr verwirren als Klarheit bringen und führt das wie folgt aus: Die Einfalt erbaut die Ordinanden. Sie loben dieselbe und kommen deshalb hierher. In diesem Gewande nehmen sie die vorgetragenen Wahrheiten gut auf, welche in diesem natürlichen Schmucke viel wirksamer sind. Um aber dies zu erzielen, muss man sich selbst vergessen, sich zu Gott erheben und alle Erleuchtung von ihm erbitten.“ – Übrigens auch ein weiterer Hinweis, dass Theologie nicht vom Glauben, von der Glaubenspraxis getrennt sein darf. Die kniende Theologie, die spirituelle Prägung der Theologie wird ja heute so gern verpönt und negiert, teilweise so radikal, dass gerade das der Hacken sein sollte der dazu motiviert darüber nochmal nachzudenken.