Betrachtung – Zeit

Wunderbar, ausschlafen: Der Wecker klingelt erst um sieben. Genug Zeit gehabt dadurch für morgendliche Gebetszeit. Lesehore und Laudes in gewohnter Form. Lesungstexte des Lesehore sind, wie schon bekannt gerade aus 1 Joh und als zweiter Text je ein Kapitel aus „Philothea“ von Franz von Sales. Das Buch habe ich neu begonnen einige Tage vor den Exerzitien. Gestern und heute ging es um das Gebet und Betrachtungen. Schönes Thema zur Zeit und zu den Exerzitien. Danke Gott!

Erster Programmpunkt war heute morgen Leibarbeit, die aber freiwillig ist. Da ich das in meiner Jugendarbeitszeit immer mal wieder hatte und wirklich nicht „meins“ ist habe ich nicht daran teilgenommen. Yoga würde ich ja noch verstehen um es mal kennenzulernen, aber sonst … irgendwie zu viel Retro.

Das Frühstück war der erste Programmpunkt. Sehr gutes Frühstück auf dem Lindenberg. Das Bircher Müsli ist einfach wunderbar.

Um 09:30 Uhr gab es eine Schriftbetrachtung nach Ignatius von Loyola. Einer der beiden Exerzitienleiter hat uns ein Blatt zusammengestellt mit den Schritten, die der Heilige empfiehlt, auf dem Blatt ergänzt um einen weiteren Autor und sprachlich durch viele Ich-Botschaften. Die Zeit an sich war gut. Meine Phantasie (und mein Verständnis) reicht nicht um mir den Geruch am Jordan vorzustellen und ich bin mir auch nicht ganz sicher ob ich das alles brauche um eine Schriftstelle auszulegen – was ja auch nur bedingt erfolgt ist, eher halt jeder für sich in den eigenen Gedanken für zehn Minuten. Hauptteil war die Methode selber, die immer wieder übermittelt wurde mit neuen Floskeln: „Ich weiß sie kennen das alles, aber ich erzähle es ihnen“ und der schon gestern angesprochenen Möglichkeit zur Wahl – wozu auch immer. Die Zeit war nützlich. Ich habe wirklich versucht mitzumachen. Aber die Methode war stärker – wie gesagt, versucht mal die Sonne auf der Haut zu spüren, am Jordan, damals zu Jesu Zeit – als das umsetzten danach. Aber schön, dass wir das nochmal angeleitet bekommen haben.

Wie gesagt, die Methode der Schriftbetrachtung nach Ignatius ist angenehm und gut. Ich verwende sie schon seit Jahren. Heute war wohl halt die Methode selber wichtiger als die Betrachtung.

Vormittags war ich in der Wallfahrtsmesse hier am Lindenberg.

Mittagessen und ein wirklich schöner und langer Spaziergang nach St. Peter und ein Besuch der Klosterkirche war am Nachmittag dran. Viel Sonnenschein, welch ein Geschenk. Am Anfang auch nette Begleitung, dann Stille. Es war ein schöner Nachmittag mit viel Zeit zum Nachdenken.

Knapp wurde es dann noch für die Vesper zu beten, bevor um 17:45 Uhr die Gemeinschaftsmesse war, im Vortragsraum – unserem umgestalteten Gebets- und Gottesdienstraum. Die Predigt gab den einen oder anderen Impuls, im Blick auf unser Leben. „Was hat die Welt davon, dass es mich gibt“ – ein bisschen Scharf an `ner Esoterik vorbei, aber mit Blick auf die Berufung eine Frage die passt; Wo und wie wirke ich in die Welt, wie lebe ich die Botschaft und wo hat ein „Du“ etwas von meinem Glauben (Stichwort: Diakonia, Glaube der nach Außen wirkt. ). Dazu die Frage nach der Authentizität des eigenen Lebens. Das Wort wird mir zu viel genutzt, denn ich versteh die Botschaft dahinter nicht. Hier war wohl die Verbindung der Berufung im Blick. Das erinnert an meine Lesung in der Lesehore, da stand der Satz: „Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3,19).    

Abendessen und dann noch eine Stunde Anbetung in der Wallfahrtskirche und danach Betrachtung und lesen.

Der Tag war gut, für mich, von Gott, zu Gott hin. Die Hilfen, die ich bräuchte gibts hier zwar nicht aber mein Fragenkatalog gehe ich an. Ich werde ruhig, habe Zeit um mich Gott zuzuwenden. Viel Gebetszeit – und ich muss doch sagen: ich hab schon schlimmere Exerzitien erlebt in meiner zeit in den Seminaren etc.

Aber die traurige Nachricht kommt auch hier an. Notre Dame brennt/brannte! Das schockiert mich. Das ist traurig, das ist ein Inferno und berührt mich gerade sehr, macht mir Angst … Notre Dame, DIE Kirche Frankreichs und damit irgendwie auch DAS Haus der Mutter Maria. Schallt mich emotional, aber irgendwie ist das ein bisschen Endzeitstimmung gerade in mir. Ich bete für Frankreich. Ich bete für Europa. Mutter Maria schütze uns, auch wenn dein Haus brennt.

Ein paar Gedanken vom Tag:

Beim Spaziergang:

Mir ging die Beschreibung des Einzugs vom gestrigen Evangelium (Palmsonntag, Prozession) durch den Kopf. Einzug in Jerusalem – da waren für mich immer tausend Menschen, die Hosianna riefen. Aber das sagt das Evangelium so nicht. Das dürfte wohl eine kleine Gruppe gewesen sein, die da gefeiert hat. Wahrscheinlich waren es im besten Fall die Zwölf, einige Frauen und noch weiter aus dem Kreis der Jünger? Diejenigen, die ihr leben ganz umkrempelten, die waren wohl immer ein kleiner Kreis – was nichts darüber aussagt, wie viele in die Botschaft vertrauten und ihr Leben zumindest ausgehend von der Botschaft in Frage stellten und einzelne Punkte veränderten.

Und es stellt sich mir wieder die Frage: Wenn ich all diese Dinge, diese Mentalität innerhalb der Kirche nicht mitmachen will, bin ich dann hier richtig? Ich hoffe, ich bekomme in der Gemeindezeit bis zur Diakonweihe genug Momente in denen sich zeigt, dass diese esoterisch-geistig-geistliche-nach68er- Form und diese Grabenkämpfe der Theologie so was von unwichtig sind, da „draussen“ im Alltag.

Zum Tagesevangelium:

Judas kommt auch heute im Evangelium (Joh 12,1-11) nicht gut weg mit seiner „Warum“-Frage. Wenn ich mal absehe von der Randinfo über Judas, die wir da bekommen, muss ich sagen: Das „Warum“ ist mir Sympathisch. Mir fehlt das „Warum“ in unserem kirchlichen-spirituellen Alltag oft genug. Fragen wir doch einmal wieder mehr nach dem „Warum“. Wenn es darauf eine Antwort gibt, eine Überprüfung dessen was wir tun und das alles begründbar ist, dann ist gut und wenn es keine Antwort auf das „Warum“ gibt, dann wird’s Zeit, dass wir da nochmal nachdenken. Wir müssen unser Tun, denken und Glauben schon begründen, zwar nicht alles ganz rational aber doch zumindest logisch. Maria bzw. Jesu hatte da eine Antwort, das „Warum“ hat die Möglichkeit gegeben die Handlung Mariens zu begründen.

Bei der Morgeneinheit:

Was mich faszinierte und mich beschäftigt hat in dieser Zeit, besonders bei der Einleitung:

  • Heilige Orte: Wir nennen einen kleinen Teppich, eine Vortragsraum einen „heiligen Ort“, also als einen Ort an um ins Gebet zu kommen. Warum? Warum können wir dazu nicht geprägte Orte aufsuchen? Wir verwenden sehr viel Zeit und Geld für Gestaltung von Arbeitsplätze, Küchen, Schlaf- und Wohnzimmer, aber unser Gebetsraum soll schlicht und aus „irgendwas“ zusammengeschustert sein. Was ist da also dann ein heiliger Ort?
  • Wie ernst nehmen die Exerzitienleiter das Thema „Nicht an den Menschen vorbeireden“? Bei von mir selbst bezahlten Exerzitien wird das gemacht, hier eher nicht. Und da habe ich gar noch nicht mich im Blick. Bei all der Vorsicht keinem etwas aufzuzwingen, singen wir hier Lieder, sprechen wir Gebete ohne Liedblatt o. Ä. und setzten dann bei anderen Punkten einfach was voraus, was alle wissen sollen – damit können wir im schlimmsten Fall (dies geschieht hier auch) jemanden ausschließen oder ihm das Gefühl geben „nicht dazu zu gehören“. Das muss im Blick sein bei kooperativen Angeboten bei denen Seminaristen, MitarbeiterInnen der Pastoral und ReligionslehrerInnen dabei sind. Also: Wie wichtig sind – bei all der Betonung des „ich’s“ – der Einzelne? Und für mich frage ich mich: Wer hat meine Themen mit ihm Blick; ich stehe kurz vor dem Pastoralkurs und die Exerzitien sollten mir hier helfen.
  • Wieso redet hier die Leitung immer davon, dass sie von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Es sind immer „Ich“-Botschaften, immer subjektiv. Und es geht immer um „meine eigene ganz persönliche Wahrnehmung“. Wo ist das „Du“ von dem wir doch entscheidende Impulse brauchen um überhaupt ein „ich“ zum sein. o ist der Aspekt der Anerkennung? Das fällt mir in Kirche immer mehr auf. Da fehlt was. Ich finde es ja gut, wenn jemand sagt: „Das und das denke ich und dazu stehe ich“, aber dass alles auf eine Ich-Gefühlsebene geholt wird – ich weiß nicht.
  • Und zu guter letzt die Frage, die mich seit der Gestaltung der „heiligen Orte“ umtreibt. Warum müssen sich erwachsene Leute bei allem auf den Boden setzten? Diesen Drang dazu kenne ich nur aus der Kirche und bei esoterischen Kreisen. Gab es  da einen Rückschritt in der Evolution? Ist Tisch und Stuhl, Kirchenbank und Ablage eine Gefahr für die Kommunikation? Und jeder, der sich nicht auf dem Boden rumlümmelt wird schief angeschaut oder nach dem Motto: Ach der ist halt alt! Abgetan.
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Sonnenstrahlen

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Morgens auf dem Weg zur Uni. Die Sonne strahlt. Die einen fühlen sich geblendet. Die anderen genießen es, dass ihnen die Sonne das Gesicht anstrahlt. Es ist doch wie bei Gott. Die einen erleben seine Gegenwart als anstrengend, als überwachend und einengend. Die anderen genießen es, ihn zu erleben, denn er schenkt ihnen Weite und Helligkeit im Leben.

Aber egal wie: Wer in die Sonne sieht, fängt an zu lächeln. Wie schön solch ein Tag!

Heute war ein schöner Tag

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Heute war ein schöner Tag. Das kann ich wirklich sagen. Nicht nur die Sonne hat diesen Tag schön gemacht. Er war einfach gut. Schon die erste Antiphon und der erste Psalm in der Lesehore hat eine wunderbare Stimmung mir geschenkt. „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ und dann im Psalm 103 weiter… „der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt“ – ist das nicht wunderschön und so grandios liebevoll für den Psalmbeter, Gott krönt uns. Och, da kann der Tag nur gut werden.

Was war sonst noch. Ich habe echt gut gelesen heute. Einiges auch aufgenommen. Der Luther-Roman und die Bibel, Zeitung … . Irgendwann hab ich auch ein so kitschiges Video gesehen. Es ging um Nächstenliebe und Hilfe deinem Nächsten und so … ich fand es einfach zu kitschig aber der letzte Satz bzw. die Quintessenz: „Gott ist die Lebensversicherung“, das war super, das hat mich getroffen. Ja, das ist so. Ja das hat mich glücklich gemacht das zu lesen. Ja, Gott ist die einzige Lebensversicherung die ich brauche. Grad passt das gut bei mir und ich bin da so dankbar, dass ich das Gefühl habe. Das stimmt!

Heute haben wir in verschiedenen Konstellationen auch über den gestrigen Film von „37 Grad. Shalom, Salam, Halleluja. Drei auf ihrem Weg zu Gott“ diskutiert. Grundsätzlich guter Film. Ich finde es super, dass dies produziert wurde. Es gibt so ein paar Punkte, die mich haben aufhorchen lassen.

Der Abend schloss mit einem Achtele an der Alten Wache und dem anschließenden Gottesdienst. Es freut mich echt wie viele junge Menschen im Münster um 18.30 Uhr im Gottesdienst sind. Danach habe ich noch schnell eine neue Sommerhose gekauft, bei C&A. Mein Budget ist kleiner, da reicht es wieder nur für sowas. Aber ist ja auch ordentlich. Jetzt saßen wir noch auf der Dachterrasse und haben eifrigst diskutiert. Bei uns gibt’s nämlich Veränderungen. Nach unserer Rückkehr von Berlin und nach Ostern geht’s daran umzuziehen. Wir bekommen jetzt als vollwertige Seminaristen neue Zimmer und die haben wir uns heute ausgesucht.

Und jetzt geht’s ins Bett. Der Wecker klingelt zur Komplet. Noch schnell den Text einstellen und gut ist. Morgen um 08:00 Uhr ist Abfahrt.