Respekt vor einem Zeugen

Ja, Trauer breitet sich aus, wenn es gilt Abschied zu nehmen von einem Menschen der so besonders, so einzigartig war wie Dr. Otto Bechtold. Aber es breitet sich auch eine Ruhe aus, eine Gewissheit bei all jenen, die erlebt haben wie tief und verwurzelt Otto Bechtold im Glauben an Jesus den Christus lebte.

Mir war es nicht vergönnt jenen Menschen Bechtold kennenzulernen, der seiner Kirche, seinem Erzbischof und den Gläubigen seinen priesterlichen Dienst in den verschiedenen Aufgaben und Ämtern schenkte. Es waren schlussendlich „nur“ knapp zwei Jahre in denen wir uns kannten, aber abgesehen davon dass er zum Beichtvater wurde, wurde er doch für mich zu einem entscheidenden geistlichen Weggefährten auf meinem Weg hin zum priesterlichen Dienst. Seine schlichte und klare Jesu-Konzentration, seine Marienfrömmigkeit, die seinen Blick so absolut auf seine Mitmenschen richten ließ hat mich fasziniert und ist für mich Vorbild.

Mir wird dieser priesterliche Glaubenszeuge fehlen. Natürlich morgens in der Frühmesse um 07:00 Uhr im Freiburger Münster, wo er als feste Größe Tag und Tag konzelebrierte und zeigte, woraus heraus ein Priester lebt. Er wird mir fehlen im Beichtstuhl, für mich genauer im persönlichen geistlichen Gespräch. Er wird mir fehlen als Weggefährte auf dem täglichen Weg hin zur Messe und zurück. Er wird mir fehlen als Motivator, als ein Seelsorger der einem immer und immer wieder das Gute zusprach, der mir Tag für Tag zeigte, dass der Weg und die Berufung die ich gehe Freude, Gewissheit und Zuversicht geben kann. Er wird mir in dieser Welt fehlen, denn mit ihm geht einer der großen geistlichen Gestalten zum Herrn voraus.

Ja, ich kann wahrscheinlich wirklich sagen, dass Herr Dr. Bechtold mir jenen Mut und jene Kraft zugesprochen hat, die ich brauchte um trotz dem Unbill den ich in dieser Ausbildung erleben muss, nicht den Weg verlassen habe. In jenen Momenten des Zuspruchs wurde aus einem fast fremden Menschen der Mitbruder Otto, dem ich jetzt, am Ende seines irdischen Lebens, nichts mehr zusagen kann als ein: Danke!

Lieber Otto Bechtold: Ich danke unserem Herrn und Schöpfer, dass er mir sie zur Seite gestellt hat. Ich danke ihnen lieber Bruder in Christo, dass sie mich mit so viel menschlicher Wärme, mit so viel Offenheit, mit so viel Respekt vor meinem Leben und meiner Würde behandelt haben. Sie erinnerten mich daran, was allein in unserer Kirche zählt. Sie stellten durch ihre Haltung und ihre Worte bei mir immer wieder das in den Mittelpunkt zurück, was durch die alltägliche Sorgen manchmal verdeckt oder verdunkelt wurde. Lieber Bruder, es war ein Segen sie in den letzten Monaten so persönlich zu begleiten. Diese Zeit, sie prägten mein Leben.

Wenige Tage vor seinem 90igsten Geburtstag habe ich ihn mal gefragt: „Herr Bechtold, was wünschen sie sich zum 90igsten.“ Darauf er: „Ein schönes Requiem.“ Mehr wollte er nicht. Er liebte das Leben, er lebte es mit Freude, aber seine absolute Freude, sein Leben war das Leben im Herrn. Zu ihm ist er nun, ganz in Vorfreude und in der Gewissheit des Gerichts und Gottes Barmherzigkeit eingegangen. Uns, die wir zurückbleiben bleibt nur: Ihn nicht vergessen und ihm seinen Wunsch erfüllen: Ein schönes Requiem!

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Jusos und Grundrechte

Auf der abgeschlossenen Konferenz der Jusos in Berlin Anfang Dezember 2018 gab es eine Summe von Anträgen, die davon zeugen, dass es neben den einigermaßen seriösen Anträgen und Antragstellern einige darunter gibt, die wohl nicht verstehen, was sie tun, bzw. an manchen Stellen eine menschenverachtende Haltung an den Tag legen, die echt schockierend ist. Einige Anträge sind so abwegig, dass sie fast schon wieder lustig sind. Andere stellen das Lust-Verlangen (und ein fragwürdiges Freiheitsbild) über Menschenleben, wie zum Beispiel der Antrag zur pauschalen Legalisierung von Abtreibungen.

Aber jetzt im ernst: Wie pervers ist denn das? Die Jusos fordern, den Verbot von Werbung der Bundeswehr, mit der Begründung, dass es bei der Vergangenheit der Armee und Armeegeschichte in Deutschland Aufklärung braucht und nicht Werbung. Sie unterstellen jungen Menschen, dass die Werbung der Bundeswehr in erster Linie die Lust am Reisen fördert und die jungen Menschen vor lauter Fernweh nicht realisieren, wie gefährlich der Beruf des Soldaten ist. Die Jusos sehen die Bundeswehr – zumindest nach diesem Antrag – in ihrer Struktur und in ihrem Auftrag als problematisch an. Schlussendlich negieren sie diese auch mit ihrem Antrag und ihrem Bild, der Bundeswehr.

Während sie bei der Bundeswehr Aufklärung und Seriosität fordern und die geistige Fähigkeit junger Menschen in Frage stellen, fordern sie im Gegenzug dazu eine pauschale Legalisierung der Abtreibung und stellen damit Lust und Vergnügen, über die Verantwortung des Einzelnen gegenüber menschlichen Leben. Die gleichen Menschen die wohl bei einer Bundeswehrwerbung nicht reflektiert entscheiden können, sollen bei der Frage, ob ein ungeborenes Menschenleben leben darf, aus einem Gefühl heraus entscheiden können. Es ist schon ein bisschen ganz besonders, dass man – gerade im Blick auf die anstehende Weihnachtszeit und die Feier, dass ein Kind geboren wird – aktiv fordert, dass Kinder eben nicht geboren werden.

Bei ihren Forderungen: Legalisierung von Abtreibung, Übernahme der Finanzierung durch Krankenkasse, Werbung und aktive Motivation zum Schwangerschaftsabbruch geht es ganz klar darum eine negative gesellschaftszerstörende Individualisierung und Lebenshaltungen zu fördern die nicht lebensbejahend ist. Hier geht es nicht darum Opfern von Gewaltverbrechen oder Menschen mit gesundheitlichen Gefahren zu schützen und ihnen zu helfen. Die Forderung nach dieser Form von Selbstbestimmung ist schlussendlich Menschenverachtend. Hier geht es nicht darum, Schaden abzuwenden von Menschen oder Einschränkungen der Freiheit aufzuheben sondern das Recht auf Leben auf Menschen zu konzentrieren, die nicht unterscheiden wollen zwischen einem übertriebenen Lustprinzip und einer seriösen Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität. Hier geht es schlussendlich nicht um die Freiheit, die nur so lange Freiheit ist, wie sie die Freiheit des Anderen nicht einschränkt, sondern um eine Mentalität der Unfreiheit.

Ich argumentiere hier schlussendlich nicht christlich, denn ich muss als Christ voraussetzten, dass ein gläubiger Christ, der das Evangelium Jesu Christi lebt, diesen Forderungen nicht zustimmen kann. Wer gerade die Forderungen zum Thema „Abtreibung“ aufstellt, kann kein gläubiger Christ sein. Daher: Hier muss man sich politisch die Frage stellen, wie solche Forderungen geschehen können. Bei den Anträgen zum Thema Europa wird immer wieder die soziale Verantwortung angemahnt. Es geht um Gesellschaft und Gemeinschaft, um gemeinsame Ziele etc. Allein aber diese beiden oben genannten Anträge, ganz besonders der zur Abtreibung, widerspricht jeder staatsbildenden Haltung, widerspricht jedem gesellschaftlichen Miteinander. Wer im politischen Kontext die eigene friedenssichernde Armee negiert und deren MitarbeiterInnen unter Generalverdacht stellt, wer junge Menschen nicht als fähig abstempelt reflektiert die Werbung der Bundeswehr einzuordnen, wer Abtreibung pauschal legalisieren will, der stellt sich gegen die grundsätzliche positive Grundhaltung dem Mitmenschen gegenüber indem er einzelne gesellschaftliche Gruppen und Personenkreise pauschal negiert bzw. überhöht. Hier stellt man sich gegen die Menschenrechte und nicht auf Seiten der Menschenrechte. Hier wird Leben gegen Leben gestellt, hier werden einzelne als besser und andere als lebensunwichtiger abgetan. Das ist für eine demokratische Partei nicht tragbar und man wünscht sich, dass diese jungen Politiker nie in Verantwortung kommen und wenn dann doch,  dass sie vorher nochmal sich mit Philosophie, Ethik und den politischen Theorien beschäftigen.