Himmelfahrt – Anfang der Verantwortung

Himmelfahrt – und Bilder dazu sind im Kopf. Meist denke ich dabei an eine Bildszene, in der die Jünger am unteren Rand nach oben Schauen und oben sieht man eine Wolke aus der zwei wackelnde Füße herausschauen. Das Bild finde ich immer ein bisschen ungewohnt. Es engt mich ein und ich muss erstmal „wegschauen“ um mir ein weiteres Bild dieses Tages zu finden. Was kann mir dieser Tag schenken? Was kann mir dieser Tag für mein Leben geben?

Was mir dabei auffällt ist, dass dieser Tag ein Tag des Abschieds ist. Jesus „verlässt“ uns. Die Tage nach Ostern ging er noch mit uns, er leitete den Verstehensprozess, er beförderte ihn mit Erscheinungen und mit Erfahrungen. Jetzt ist er weg. Er ist für uns nicht mehr sicht- und greifbar. Es ist wirklich ein Abschied zu dem eine grundsätzliche Veränderung unseres Lebens notwendig wird, denn Jesus vertraut uns voll und ganz und sagt: Jetzt müsst ihr euch bewegen! Alles ist gesagt, ihr habt erfahren, jetzt bist DU dran.

Wer jetzt noch „in den Himmel starrt“ der hat nicht verstanden, dass Jesus uns die absolute Freiheit der Nachfolge zugesprochen hat. Wer noch „starrt“ der bleibt am Alten hängen, der lebt in Strukturen von scheinbarer Sicherheit, der fragt sich nicht, wer er ist und ist nicht bereit nach vorne zu schauen. Himmelfahrt bedeutet wirklich Abschied nehmen von dem was wir uns an menschlichen Sicherheiten gebastelt haben und basteln.

Dabei lässt uns der Herr nicht allein. Die Himmelfahrt ist das Eine. Das andere ist Pfingsten. Da sprechen wir ja immer wieder von der Geburtsstunde der Kirche. Das finde ich nicht ganz richtig. Die Geburtsstunde der Kirche ist für mich Himmelfahrt, es ist der Moment der Übergabe, der Moment der Selbstverantwortung der Gemeinschaft Jesu die Botschaft selbst weiter zu leben. Pfingsten und der Heilige Geist ist der Akt der Neu-Ratifikation des Vertrages, des Bundes mit Gott, der Bestätigung der Richtigkeit der Gemeinschaft. Daraus dürfen wir dann Kraft schöpfen, denn dort haben wir dann die Erkenntnis, dass der Vertrag zwischen Gott und uns Menschen nicht was Lebloses ist, sondern voller Geist und wir trotz Verantwortung für die Kirche hier, nicht alleine sind.

Himmelfahrt bietet also Bilder des Abschieds und der Veränderung.

Jesus hat mit seinem Leben und seiner Auferstehung gezeigt: Die Welt ist neu, sie ist gut! Auferstehung Jesu ist ein Geschenk an uns. Ein Geschenk, das wir nun an Himmelfahrt endlich direkt in die Hand bekommen und auspacken müssen. Wie unsere erste Eisenbahn zu einem fernen Weihnachtsfest müssen wir dieses Geschenk aufbauen, den Bauplan – die Botschaft – lesen und umsetzten. Es gilt nun alles zusammenzuführen, wie er es uns  gesagt hat.

Himmelfahrt: Anfang der Verantwortung des Menschen für diese Welt, für das Leben.

Eventuell passt es da wirklich, dass so viele heute wandern. Gehen wir hinaus, schauen wir uns das Geschenk der Schöpfung an und gestalten wir sie, wie uns die Gebrauchsanweisung, die frohe Botschaft es uns aufgetragen hat.

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Privatsphäre

In einem Newsletter, den ich abonniere beginnt die sonntägliche Zusammenstellung mit einem Editorial in dem geschrieben wird „Das Ibiza-Video steht emblematisch für unsere Zeit. Es belegt die Verlogenheit von Populisten, die auf Eliten schimpfen und sich selbst noch um ein vielfaches schamloser benehmen. […] Es ist eine Drohkulisse für jeden Menschen, der Wert legt auf seine Privatsphäre, denn auch ohne den ausgebufften Einsatz von SchauspielerInnen sind wir wohl alle mehr oder weniger erpressbar mit Äußerungen, die wir irgendwann einmal betrunken oder nüchtern gesagt oder getan, geschrieben oder geschrien haben.“

Da gibt es viele Aspekte, die besprochen werden sollten. Ein Thema möchte ich herausgreifen; die Privatsphäre!

Ich verteidige die Privatsphäre und sie ist mir wichtig, aber was verstehen wir denn eigentlich darunter und was gilt es da genau geschützt? Hier geht es um eine Privatsphäre als Gegenstück zur Öffentlichkeit und damit wird diese in ein gewissen negatives Licht gestellt.

Für mich ist Privatsphäre aber zuerst jener Raum, in dem der Mensch zur Ruhe kommen kann, in der er nicht sich auf andere Menschen konzentrieren (muss) sondern sich – in Beziehung mit Gott – in den Mittelpunkt stellen kann. Privatsphäre ist der Raum der Reflexion, des Diskurs, der Erholung, …ein Ruheraum, den es braucht zum Leben.

Privatsphäre ist kein rechtsfreier Raum für den Einzelnen und ist nicht zu verwechseln mit Vertuschung, Geheimniskrämerei und einem moral- und rechtsfreien Raum. Privatsphäre ist nicht ein System in dem ich meine Fehler, Lügen, Taten leben kann und dann wegschließe. Privatsphäre ist keine Ausrede, um ein Leben zu führen, das geprägt ist von (halb)lügen, Ungenauigkeiten, Falschheit und Unehrlichkeit.

Mir stellt sich die Frage, ob wir nicht diese „Erpressbarkeit“ die in diesem Text oben angesprochen ist einfach auslöschen können bzw. wann sie besteht. Sie wird doch ausgelöscht, wenn wir versuchen und daran arbeiten ein Leben zu leben, Dinge zu sagen und zu tun, zu dem/denen wir stehen können. Oder? Wieso versuchen wir nicht nach dem Motto zu leben: Alles was ich sage (tue) ist nur wert es zu sagen (zu tun), wenn ich es öffentlich sagen (tun) kann. Alles was ich nicht öffentlich sagen (tun) kann (Ein paar wenige Ausnahmen gibt es, das bin ich mir bewusst) muss ich dahingehend prüfen ob ich es überhaupt sagen (tun) muss. Die Dinge, die ich tue, zu denen ich nicht stehen kann, die nicht mit meinem Reden übereinstimmen, sollte ich nicht tun. Erpressbar werde ich, wenn ich Taten begehe, die gegen die Gesetze und gegen all das sind für das ich (im Reden) stehe. Erpressbar werde ich, wenn ich andere beleidige, negiere abwerte und in allen Fällen bleibt die Frage, warum tue ich das? Und dabei stellt sich dann nicht die Frage nach der Privatsphäre, sondern nach meiner Moral.

Ist ein solches Leben Utopie? In der Radikalität sicherlich, kein Mensch ist absolut, jeder macht Fehler, aber zu diesen kann ich und muss ich stehen können. Wenn das nicht geht, dann muss sich einiges ändern. Ich selbst und unsere Gesellschaft! Christen müssten das im Alltag schon immer leben: Wer sein Leben vor Christus lebt, der kann es auch öffentlich tun. Wer ein Leben in Christus lebt, muss sich vor Mitmenschen nicht fürchten.

Werke ohne Glauben?

Immer öfter denke ich mir, dass ich besser mich aus den Social Media abmelde und einen Großteil der digitalen Medien meiden sollte. Die Summe der Fake-News, die Summe der pauschalen, oberflächlichen Nachplappereien wird immer größer. Gerade auch im kirchlichen Bereich in dem sich selbst ProfessorenInnen nicht mehr schämen Polemik anzuführen und Behauptungen aufrecht zu halten, die unreflektiert, einseitig und unwissenschaftlich sind. Gerade mit den in den letzten Wochen und Monaten geführten Debatten, den gehaltenen Interviews demontieren sich die Fachleute in einer Form die echt traurig stimmt. Sie mischen eigentlich seriöse und notwendige Fragen so dermaßen mit Nichtigkeiten und Schwachheiten, dass ihre gesamte Leistung, die ich bei einigen hochschätze zu Nichte gemacht wird. Aber wer diese Damen und Herren kritisiert wird Mundtot gemacht mit neuen pauschalen Beschuldigungen und Äußerungen, damit dass man wahlweise – je nach Richtung – in die entgegengesetzte Richtung abgeschoben wird und genau mit jenen Attributen belegt wird, die sie selber in der öffentlichen Debatte aktiv ausleben.

Die Frage, ob Theologie Wissenschaft ist, die stellt sich fast nicht mehr, vielmehr braucht es heute die Frage, wie kann Theologie wieder eine Wissenschaft sein, denn die Zerstörung der Glaubwürdigkeit vollzieht sich Tag für Tag.

Die Demontage der Kirche, der Glaubensgemeinschaften setzt sich fort. In Wissenschaft, in den Gemeinden selbst, in den Verbänden und Akademien – also überall dort, wo gerade das Gegenteil erfolgen sollte. Wo gerade Reflexion, Tiefe, neue Fragen, neue Blickwinkel, echte Verortungen, ein tiefes Ringen um die Übertragung der Botschaft Jesu Christi stattfinden sollte, zeigt sich Strukturalismus, neue Formen der Engstirnigkeit, Regelhörigkeiten die nahe am lächerlichen sind, …

Zum Glück sind jene die laut sind, jene die Auffallen nur die Minderheit und „draussen“ in der Landschaft kommen die lächerlichen Diskussionen gar nicht an, denn an den Lebenswirklichkeiten, die andauernd beschworen werden, reden Wissenschaftler, Funktionäre und Co zum Glück vorbei. Das ist mein Lichtblick, dass es schlussendlich darum geht, dass der einzel Christ, der einzelne Hauptamtliche – GemeindereferentIn bis zum Papst fragen lassen muss: Wie hat die Botschaft dich verwandelt und wie sprudelst du von der Botschaft über: im Reden und im Tun: An ihren Taten werdet ihr sie erkennen!!