Die Nebelkrähe – Zwischen Wahrheit und Lüge

Ein kleiner Schatz der „Traumwelt Literatur“, das ist das Buch „Die Nebelkrähe“ von Alexander Pechmann (Erschienen im Verlag Steidl). Der Autor verbindet darin wahre einzelne Geschichten, Fakten, Berichte und Quellen miteinander und verbindet sie zu einem Netz von Wahrheit und Fiktion, von Traum und Wirklichkeit. Ja, er nimmt uns hinein in eine Welt, die uns vor Fragen stellt, die leicht scheinen aber doch existenziell sind, es sind die Fragen nach Wahrheit und Lüge.

Zwei Aspekte des Buches möchte ich herausheben: der darin angesprochene Bereich der „Weltliteratur“ und die Verbindungswelt von Wahrheit und Lüge, des „Zweifels“.

Literatur, weil dieses Buch eintauchen lässt in die Lebenswelt eines der großen Autoren Europas. In das von Oscar Wilde, einem der für mich großartigsten Erzähler der englischen Sprache und eines Menschen den eine so wunderbar verruchte und lebensechte Aura umgibt. Wer sonst als Oscar Wilde konnte das Leben so großartig beschreiben und die Trennlinie von Fiktion und Wirklichkeit, von Gesellschaftskritik, Beschreibung und Satire so aufheben, dass oft nicht mehr klar ist, wo beginnt das eine und hört das andere auf. Seine Texte sind Momente in denen wirkliche Bildung geschieht, direkt beim Lesen.

Literatur aber auch, weil der Autor Pechmann in einer wunderbaren Sprache schreibt. Das Buch ist ein Buch für „einen Rutsch“ und damit meine ich die Sehnsucht danach, dieses Buch in einem Zug durchzulesen. Das Buch kann und darf eigentlich nicht zur Seite gelegt werden, wenn man es einmal begonnen hat zu lesen, daher: Lesezeit nur dann, wenn der Tag dazu bestimmt ist!

Das Thema des „Zweifel“ durchzieht dieses Werk auch wenn vordergründig das Drama des I. Weltkrieges (und deren Verarbeitung) entscheidend ist. Dieser Krieg, das Grauen und die verschiedenen Formen von Menschlichkeiten, die sich daran zeigen, ist Ausgangspunkt einer Geschichte, deren Verwobenheit sich erst nach und nach zeigt. Der Protagonist Peter Vane zweifelt und verzweifelt fast an dem was er erlebt hat und an dem was er erlebt. Geister, Botschaften aus dem Jenseits, die Vergangenheit die Auftaucht, das Verdrängte und Verschüttete das sich zeigt oder erahnen lässt schafft Zweifel und mahnt: Das Erkennen, die Wahrheit ist vielschichtig und das Gegenteil davon ist nicht immer die Lüge.

Und wie im Leben von Wilde werden im Buch Themen aufgegriffen, die existenziell sind: Was glaube ich, welche Wirklichkeiten lasse ich im Leben zu und wie sehe ich die Welt? Zwischen empirischer Wissenschaft und Transzendenz, ja gar Spiritismus bewegen sich Erfahrungen und die Frage: Was ist wahr?

Literatur und Zweifel. Zwei entscheidende Aspekte des Lebens. Die Literatur, die uns eintauchen lässt in Zwischenwelten und der Zweifel, der in unserem Leben mitgehen muss, um alles was wir erleben zu hinterfragen, um Wahrheiten für unser Leben zu entdecken. Was gibt es Schöneres und Wichtigeres als sich mit beidem zu beschäftigen. Das Buch lädt dazu ein.

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Heute findet sich in der FAZ ein Beitrag von Markus Schauer, Latinist der Uni Bamberg. Darin berichtet er davon, wie er der Frage nachging, ob Latein noch zeitgemäß sei, ob ein Lateinstudium noch das Richtige sei um junge Menschen für die Herausforderungen der Zeit fit zu machen. Er zeigt anhand der Frage und der Gespräche auf, dass dies der Fall ist, dass man mit dem Studiengang „Latein“ auch was für das Heute lernen kann. Ich fand die Fragestellung spannend und noch interessanter fand ich die Frage: „Könnte die weit entfernte Antike nicht auch gleichsam als ressentimentfreier gedanklicher Experimentierraum dienen, in dem auf sicheren Terrain kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede verhandelt werden?“

Ist dies möglich, hilft uns das eventuell heute wirklich weiter? J. F. Kennedy hat damals in Berlin ebenfalls lateinische Literatur zitiert, als er sagte, dass jeder freie Mensch ein Bürger Berlins sei. Meist wird das dann abgetan mit einer anderen Zeit, mit einem anderen Bildungsstandard. Aber ist das die richtige Form damit umzugehen? Ist es eventuell nicht doch interessant, sich gerade mit den alten lateinischen Texten auseinander zu setzten um daran dann Grundzüge, Grundhaltungen und Grundbotschaften zu definieren und dann – gerade da sie eine Allgemeingültigkeit haben könnten – in den heutigen Kontext zu setzten?

Eventuell ist es nicht nur im politischen von Interesse zu sagen: Schauen wir auf die lateinischen Texte. Eventuell müssen wir auch im christlichen Denken nochmal auf die alten Texte schauen, nochmal uns mit diesen Texten auseinandersetzten und verstehen lernen, wie die Gedanken und Ideen damals zu Stande kamen um dann Grundbotschaften herauszufiltern um neu das Alte zu denken. Eventuell tut es uns heute gut, dies zu tun und damit zu lernen, dass wir Texte, Meinungen, Botschaften vergangener Zeiten nicht abtun dürfen sondern sie würdigen „müssen“. Ja, sollten wir das In den Generationen Gedachte nicht geradezu destilieren, um die Essenzen daraus auf unser Heute zu übertragen, bzw. in unser Heute einzubetten und fruchtbar zu machen.

Wäre das nicht doch wirklich ein Ansatz? Wie wäre es, wenn wir damit aufhören irgendwelche Epochen „ad acta“ zu legen und die verteufelten Meinungen der Vergangenheit mit in unser Denken hinein nehmen, um eben mehr und tiefer zu denken und gemeinsame Ergebnisse zu finden?